Sonntag, 23. Dezember 2012

Selbstmorde


In den letzten Wochen war dieses Thema ja immer wieder aktuell. Ob es an den Feiertagen liegt oder an der düsteren Jahreszeit ist dabei egal, denn alle 40 Minuten bringt sich jemand um.

Dabei sind es bei weiten nicht nur Menschen deren Leben aus dem Ruder läuft. Ständig hört man davon, dass sich jemand „unerwartet“ das Leben genommen hat.  Familie und Freunde stehen dann meist ratlos da.
„Ich schwankte zwischen zwei Abgründen“ erzählte mir die Mutter eines Selbstmordopfers. „Ich war so wütend, warum hat er mir das angetan? Sein Vater starb vor ein paar Jahren bei einem Autounfall und danach hatten wir nur noch uns. Als die Polizei vor der Tür stand, ahnte ich nicht einmal was geschehen war…“
Immer wieder stoße ich bei diesem Thema auf die gleiche Frage: Warum?
„Er war nie depressiv. Niemals. Er hat immer gesagt, dass alles wieder gut werden würde…
Und dann war er tot. Ich verstehe es bis heute nicht, warum hätte er das tun sollen? Er hatte eine Freundin, einen guten Job und viele Pläne für die Zukunft…“
Das „Warum“ ist sicherlich nicht mehr zu klären, denn das könnte nur das Opfer selbst.
Ich habe mit einem jungen Mädchen gesprochen das sich derzeit in einer Therapie befindet. Bereits dreimal hat sie versucht sich umzubringen. Einmal durch den Versuch sich die Pulsadern aufzuschneiden, ein anderes Mal waren es Tabletten und zuletzt ein Strick. Dabei ist sie gerade einmal 17 Jahre alt. Ohne es zu wollen, muss ich auf ihre Arme sehen. Sie versteckt die tiefen, wulstigen Narben nicht.
„Warum hast du es versucht?“
Ich kann es kaum aussprechen, denn so wie sie vor mir sitzt käme ich nie auf den Gedanken, dass sie versuchen würde sich etwas anzutun. Sie lächelt und wischt sich den Pony aus der Stirn.
„Alle fragen mich das, aber für mich ist die Frage eher: Warum sollte ich es nicht tun?“
Ich sitze geschockt da und starre sie an. Plötzlich fängt sie an zu lachen.
„Wir sterben alle. Irgendwann. Die meisten denken, dass mein Leben schrecklich sein muss. Aber das ist es nicht. Meine Eltern waren immer meine Vorbilder, ich habe einen kleinen Bruder den ich über alles liebe und in der Schule hatte ich auch nie Probleme…“
Die Art wie sie redet macht mir Angst. Ich habe selbst eine kleine Schwester von 15 Jahren und es gibt Momente da habe auch ich Angst, dass sie sich etwas antut. Denn auch sie redet mit diesem Ton. Eine Mischung aus Ernsthaftigkeit und einer unbeschreiblichen Traurigkeit.
„Diese Welt ist schrecklich. An jeder Ecke gibt es für jede gute Sache, drei Schlechte. Ich sehe einen Rosenbusch und darunter liegt Müll, Zigarettenstummel und es stinkt nach Urin. Mag sein, dass ich alles etwas schwarzer male als es wirklich ist. Aber wir gehen langsam zu Grunde. Menschen schlachten sich gegenseitig ab, führen Kriege um Öl und Geld. Vor meinem ersten Versuch, sah ich in den Nachrichten einen Beitrag über ein Mädchen das vom eigenen Vater vergewaltigt wurde und ein Baby austrug.
Da wusste ich, dass ich bisher nur Glück hatte. Ich wollte nicht darauf warten, dass auch mir etwas so schreckliches passiert…“
Ich reagiere darauf genauso wie ich es nicht wollte. Mir schießen Tränen in die Augen.
„Aber es besteht doch auch die Möglichkeit, dass dir nichts geschieht?“
Ihr Lächeln ist schwach.
„Dieses Risiko möchte ich nicht eingehen…“
Ich räuspere mich und versuche einen klaren Gedanken zu fassen. „Aber du bist in Therapie. Seit deinem letzten Versuch sind Monate vergangen…“
„Das stimmt“ sagt sie und schaut auf den Boden. „Aber das liegt nicht an mir, sondern an meiner Familie. Ich habe verstanden, dass ein Selbstmord nicht nur meine Endscheidung ist. Ich endscheide damit auch für alle Menschen um mich herum. Der Knackpunkt war der Moment in dem mein kleiner Bruder den Strick sah, er fing nicht an zu weinen. Er sah mich nur an und sagte: Wenn du es jetzt tust, dann lauf ich vor ein Auto.
Da wusste ich, dass ich es meiner Familie schuldig bin zu leben, oder es zumindest zu versuchen…“
Nach diesem Gespräch ging ich nach Hause. Ich schloss meine kleine Schwester in die Arme und küsste meinen Freund. Ein solches Gespräch hatte ich in meinem Leben bis dahin noch nicht geführt, und es hatte meinen Fragen auch nicht so beantwortet wie es gerne wollte.

An alle die mit den Gedanken spielen sich das Leben zu nehmen kann ich nur sagen:
Es gibt immer Menschen die ihr damit verletzt. Niemand ist ganz alleine auf der Welt, auch wenn man sich manchmal so fühlt. Es gibt Menschen die einem helfen wollen und ich find, dass dieses Leben zumindest den Versuch wert sein solle gelebt zu werden….




J.W.Gacy

Kommentare:

  1. Dieses Video ist absolut nicht der Bringe.
    Schlechte Rechtschreibung und Grammatik.
    Und außerdem wirkt er triggernd.

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  2. Ich wünsche eine frohe Weihnachten und tolle Tage :)

    Lieben Gruß
    Björn :)

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  3. Ein wirklich, wirklich ernstes und trauriges Thema. Ich versteh, dass dich das Gespräch verstört hat. Mir stellen sich hier am PC gerade sämtliche Nackenhaare auf!

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  4. Ich selbst hatte einmal ein Selbsthilfforum und hatte eine BPS mit allen was dazugehörte.
    Nunaj ernstes Thema was in der gesellschaft untergeht

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