Freitag, 22. Februar 2013

Killer, Künstler, Ungeheuer - der Serienmörder als literarische Figur(Teil 2)


Ungeheuer

Daraus ergibt sich im Umkehrschluss auch der Grund für die Ästhetisierung des (wiederholten) Mordes im Psychothriller. Durch diese wird der Mörder aus der Welt der gewöhnlichen Menschen herausgehoben und mit dem Schleier des Unheimlichen umgeben. Damit einher geht, das der Serienmörder oft ein Leben in einer Parallelwelt (einem sozialen Raum, der neben der üblichen Alltagswelt existiert) führt. Während er für die restliche Welt als einer der ihren erscheint, begeht er seine Taten in einem von ihm geschaffenen Kontext (Auf die Spitze treibt dies der Film 'The Cell', in der die Ermittlerin mittels futuristischer Technik in das Unterbewusstsein des Mörders eindringt und dessen Phantasien miterlebt). Die Parallelwelt ist zudem auch meistens physisch von der Alltagswelt insofern getrennt, als dass sich Serienmörderfiguren oft Orte für ihre Taten aussuchen, die vom Alltäglichen Leben der Menschen weit entfernt sind. Dies kann zum Beispiel der Keller einer alten Klinik sein, ein verfallendes Hotel in den Hügeln vor der Stadt, der selbstgebastelte Folterkeller unter dem spießigen Vororthaus, die Fabrikruine usw. In der Regel werden meist dunkle Orte beschrieben, die schon durch ihren Zustand zum Unheimlichen der Tat beitragen.

Damit weist die Serienmörderfigur aber Parallelen zu zwei anderen literarischen Figuren auf, die allseits bekannt sind, bei denen man aber auf den ersten Blick keine Ähnlichkeit mit dem Serienkiller zutrauen würde. Doch welche Figuren meine ich nun? – Es sind der Vampir und der Werwolf. 

Auch diese leben in einer zur Alltagswelt parallelen Subkultur, die sie vor den gewöhnlichen Menschen zu verbergen suchen. Zudem begehen auch diese (zumindest in ihrer originalen Form) schreckliche Taten, zu denen sie immer wieder getrieben werden. Dabei spiegelt der Werwolf den bestialischen Teil der Serienmörderfigur wider, während der Vampir die eloquente und manipulative Seite dieser Figur widerspiegelt. Beide Figuren sind dazu gezwungen, ihren Trieb zum Töten immer wieder auszuleben.

Ähnlich wie der Vampir des Horrorromans (wenn man von den weichgespülten Figuren der Twilight-Saga einmal absieht) kann die Serienmörderfigur intelligent (wie z.B. John Doe in Sieben) oder sogar kultiviert sein (Hannibal Lecter), wobei diese an sich positiven Züge mit eine abgrundtiefen Bosheit vermischt und damit verzerrt werden. Zudem sind beide Figuren oft manipulativ und besitzen eine erotische Komponente (Jean-Baptiste Grenouille, Hannibal Lector). Sicherlich spielt auch die Faszination, einen Charakter präsentiert zu bekommen, der sich nicht im geringsten an moralischen Regeln oder Konventionen orientiert eine Rolle, sowie das Gefühl der Macht, der von solchen Figuren ausgeht. Dazu gehört auch das Gefühl der Bedrohung, das sowohl vom Serienmörder als auch vom Vampir ausgeht, wenn dieser seine Opfer unerkannt in ihrer vertrauten Umgebung angreift und in sein eigenes Reich entführt.

Eine weitere Variante des Serienmörders ist eher analog zum Werwolf zu sehen. Wie dieser lebt er für gewöhnlich unerkannt unter den Menschen, um sich in eine mordende Bestie zu verwandeln, wenn der richtige Moment dafür gekommen ist. In diesen Typus mit hinein spielen auch Motive der Besessenheit und des Rausches, der sowohl den Mörder als auch den Werwolf überfällt und dem er nicht entkommen kann. Hier steht die zwanghafte, getriebene Komponente, der Mangel an Beherrschung im Vordergrund, der aus Menschen Monster werden lässt.


Georg Sandhoff
http://fragmentata.blogspot.de/

Kommentare:

  1. Hallo, ich habe dich angetagt und nominiert für den 'Best Blog Award'
    mehr auf http://ildasunshine.blogspot.com

    Lg ilda :-)

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  2. Danke aber ich finde kaum Zeit bei so etwas mitzumachen :) natürlich freue ich mich sehr das du mich nominiert hast!

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  3. Die Verbindung zum Vampir finde ich spannend - darauf wäre ich nicht gekommen.

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