Freitag, 12. April 2013

Das Ticken der Uhr... (Teil 2)

Es gab eine ganze Reihe solcher Vorfälle...
Meine Oma wurde langsam älter und das war zu spüren.
Irgendwann entschied sie sich dafür in ein Pflegeheim zu gehen, damit sie in unserer Nähe bleiben konnte. Damals war ich bereits ein gutes Stück älter, ich schätze 16 ? Vielleicht auch 15...



Wir lösten ihre Wohnung auf.
Meine Mutter und ich mussten uns schweren Herzens von vielen Dingen trennen, die wir mit Oma verbanden...
Doch die Uhr?
Nein, ich konnte sie nicht wegwerfen und wie sich herausstellte war das auch gut so!

Ich nahm die Uhr an mich.
Obwohl der Drehschlüssel zum Ausziehen verwunschen war, tickte sie.
Sie bekam einen Platz in meinem Zimmer. Auch wenn ich ein mulmiges Gefühl dabei hatte.
Jeden Tag wartete ich darauf, dass sie stehen blieb.
Doch das tat sie erst, als ich nicht drauf vorbereitet war.
Meine Oma war schwer gestürzt, sie musste ins Krankenhaus.

Dann wurde es wieder ruhig.
Da die Uhr stehen geblieben war und ich sie nicht aufziehen konnte, blieb sie stumm...
In der zwischen Zeit zog ich von zu Hause aus und ging für meine Lehre nach Hamburg.
Die Uhr bekam einen Platz im Wohnzimmer und wagte es nicht sich zu rühren.
Doch dann...

... tickte sie plötzlich.
Es war früh am morgen und ich kam ins Wohnzimmer, das Geräusch iritierte mich sofort.
Das Ticken hatte ich schon seit Jahren nicht mehr gehört.
Ich rief sofort meine Oma an, doch es war alles in Ordnung.
Besorgt ging ich zur Arbeit, doch auch am Abend tickte die Uhr weiter.
Sie ging ganz genau 7 Tage und in diesen 7 Tagen passierte folgendes:

Ich sagte zu eine Weiterbildung in Chicago zu absolvieren, mein Freund schlug mich das erste mal und wusste nicht wie es breuflich und privat weitergehen sollte.
Dann schwieg die Uhr wieder.
Sie blieb um 13 Uhr 10 stehen, am 7. Tag.
Ich hatte einen Autounfall.

Ich mag etwas zuviel hinein interpretieren doch ich denke es war eine Warnung...

Wieder aus den USA zurück kündigte sich das nächste Drama an...

Ich lernte meinen jetzigen Freund kennen und verliebte mich sofort in ihn.
Die Uhr tickte.
Mein "Noch-Freund" fand es heraus, wir machten schluss und er prügelte mich Krankenhaus reif.
Die Uhr blieb stehen.

Das letzte Mal, dass die Uhr tickte war an dem Tag an dem meine Oma starb.
Zu jeder vollen Stunde erklang ein Dong.
Die Uhr lief 24 Stunden und blieb um 5 Uhr Nachtmittags wieder stehen, 10 Minuten später rief meine Mutter mich an und sagte mir, dass meine Oma gerade gestorben sei...

Bisher war es das letzte Mal.
Doch ich bin sicher sie wird wieder ticken...
Sie weg zugeben kommt für mich nicht in Frage...
Ob sie ein Segen oder ein Fluch ist kann ich nicht beurteilen, aber sie warnt mich...
Vielleicht auch noch einmal.




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