Montag, 8. Juli 2013

Wenn Poe noch lebte wäre er ein Indie-Autor



Missverstandene Künstler und verkannte Genies sind bei weitem nichts, dass es nicht auch in unserer Zeit gibt. Denn auch wenn wir nicht mehr vom Adel beherrscht werden und in einer mehr oder weniger gut funktionierenden Demokratie leben, bleibt eines noch immer gleich: Die Ständegesellschaft ist noch immer nicht aufgehoben, sie definiert sich an Hand des Geldes.
Mittellose Menschen haben es nach wie vor schwer, im Bereich Bildung, Sozialleben und eben auch beim Verwirklichen ihrer Träume. Gerade im Bereich der Literatur hat man es heute fast genauso schwer wie damals. Denn es gibt zwar durch aus einige Verlage, die einem fast sofort eine Zusammenarbeit anbieten, doch wie seriös das Ganze ist, bleibt dann doch lieber im Dunklen.
Diejenigen, die gerne mehr möchten, gehen meist einen besonders schweren Weg.
Als Indie-Autor schlägt man sich nicht nur mit dem eigentlichen Schreiben herum - was einem in jedem Fall eine Menge abverlangt – man macht auch alles andere selbst. Man begibt sich auf die Suche nach Beta-Lesern, die einem nicht nur sagen, was man hören will sondern die unbeschöhnte Wahrheit, man sucht nach einem Lektor, den man sich leisten kann, ohne sich dafür einige Wochen nur von Reis zu ernähren und versucht sein Bestes, um den Verlagen in nichts nachzustehen – doch leider, klappt genau das meist nicht.
Edgar Allen Poe hatte ähnliche Probleme, denn zu seiner Zeit gab es selten Autoren, die derartig düster und philosophisch schrieben. Im Juni oder Juli 1827 erschien auf Kosten Poes – ihr bemerkt, was ich damit sagen will - sein erster Gedichtband Tamerlane and Other Poems. Poe hatte einen Traum und den ließ er sich auch nicht durch seinen geringen Erfolg nehmen, er kämpfte weiter.
Die Szene der Indie-Autoren ist gespickt mit vielen tausenden Menschen, die alle dem gleichen Ziel nachjagen: etwas schreiben, das alle umhaut. Etwas erschaffen, den Leser in seine eigene Welt hineinzieht und auch noch Erfolg hat. Dabei geht es einigen – nicht allen – nicht um das Geld, sondern nur darum, gelesen zu werden. Natürlich ist es ein Traum, sich seinen Lebensunterhalt nur durch das Schreiben finanzieren zu können, doch in der heutigen Welt ist es leichter, sich das Ziel nicht ganz so hoch zu stecken.
Mit einem Buch eine Welle auszulösen ist nahezu unmöglich, denn neben diesem einem Buch erscheinen pro Tag auch hundert andere, so grenzt es an ein Wunder, wenn ohne Werbung überhaupt etwas verkauft wird. Poe selbst brachte in Baltimore im Dezember 1829 eine zweite Sammlung seiner Gedichte unter dem Titel Al Aaraaf, Tamerlane and Minor Poems heraus. Im April 1831 erschien in New York sein dritter Gedichtband, finanziert hatte er das Buch durch die Unterstützung von Militärkameraden in West Point. Ein überragendes Genie wie er hatte also also drei Bücher in einem Zeitraum von vier Jahren herausgebracht. Doch leben konnte er davon noch lange nicht.
Erst ca. 1831 begann, er Erzählungen zu schreiben, um so ein Einkommen zu erzielen. Seine erste Geschichte, Metzengerstein, erschien am 14. Januar 1832 in Philadelphia. 1833 gewann Poe mit MS. Found in a Bottle bei einem Preisausschreiben des Baltimore Saturday Visiter die ausgelobten 50 US-Dollar. Nun mögen 50 Dollar nicht nach einer Unsumme klingen, doch es war ein Anfang und genau diesen Anfang muss man finden, denn danach – mit viel Glück – kann es beginnen ganz von selbst zu laufen. Durch seinen Gewinn schaffte Poe es, wichtige Kontakte zu knüpfen und diese halfen ihm, in regelmässigen Abständen Geschichten zu veröffentlichen und damit ein Einkommen zu erzielen, doch auch das reichte nicht um sich ein Leben in Wohlstand zu verdienen.
Mehr als einmal stand Poe am Rande seiner Existenz und vielleicht war es auch genau das, was ihm im nachhinein zu einem DER Autoren machte. DER Begründer der Kurzgeschichten, DER Meister des Schrecken und sowieso DER Autor überhaupt.
Sein Leben war ein Kampf mit vielen Rückschlägen, doch irgendwann – auch wenn er nicht mehr lebte – hatte er gewonnen. Ich bin sicher, würde er in der heutigen Zeit leben, wäre er einer der Indie-Autoren, die es auch ohne einen Verlag schaffen, ihre Leser zu begeistern.








Kommentare:

  1. Danke für den tollen Beitrag!

    Heutzutage ist es vermutlich einfacher, als zu Poes Zeiten - ich habe meine Betaleser in Schreibforen kennengelernt, sodass ich mit einem vorlektorierten und überarbeiteten Buch beim Verlag anklopfen kann (was sich vermutlich bereits von den 80% völlig unlektorierten Werken abheben dürfte) und wenn ein Buch irgendwann draußen ist, gibt es eine Menge Schreibforenkollegen und Bloggerfreunde, die mir beim Verbreiten helfen könnten.

    Diese Möglichkeiten hatte Poe noch nicht und es ist erstaunlich, wie viel er dennoch geleistet hat!

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  2. Freut mich das dieser Beitrag dir gefällt! Poe ist ein Held der Literatur und ich fand die Übereinstimmungen zum Indie-Autoren-Leben sehr schön um Mut zumachen!

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  3. Ich bin der gleichen Meinung, auch wenn ich Poe bisher nur in der Schule, vor vielen Jahren, gelesen habe, waren es Geschichten, die mich sogar im englischen Original mitreißen konnten. Das soll bei mir schon was heißen, zu der Zeit war lesen und schreiben von Büchern noch nicht wirklich meine Sache. Heute könnte ich für das schreiben von Geschichten und Büchern sterben... Wenn du magst kannst du gerne mal eine Leseprobe haben, wenn du Rechtschreibfehler ausblenden kannst...

    Gruß Frank von Frankies Testwelt
    http://www.Frankies-World.de

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  4. Ein sehr schöner reflektierter Post =) Ich mag Poe sehr gerne, ob Indie oder nicht - mein Liebster hat mir letztens eine bibliophile Ausgabe geschenkt, mit wunderschönen düsteren Illustrationen von meinem Lieblingszeichner Benjamin Lacombe, die würde dir sicher auch gefallen =)

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