Montag, 26. August 2013

Gartengeflüster oder was Punk für mich bedeutet ...

Jemand der mir am Herzen liegt und mit dem ich mich sehr gerne streite - ja, das klingt etwas seltsam, ist aber positiv gemeint - hat mir vor kurzem diese Frage gestellt. Ich habe getan, was ich immer mache, wenn ich denke das ich die Antwort nicht in einem Satz heraus bekomme: Ich habe gesagt: "Eben Punk. Darüber denke ich jetzt nicht nach."
Natürlich gab sich dieser Jemand mit einer solchen Antwort nicht zufrieden, verständlich. Manchmal jedoch ist es so, dass man etwas weiter ausholen muss um eine Antwort zu geben und dafür spielen Zeit und Ort eine entscheidene Rolle. Wenn man mit einem 20 Cent Bier, in einer Gartenanlage sitzt und die Sonnenstrahlen genießt, sollte man eigentlich meinen es wäre der perfekte Zeitpunkt, doch für mich wirkte dieses Thema in diesem Moment vollkommen fehl am Platz. Aber natürlich möchte ich niemanden eine Antwort vorenthalten, also bekommt er sie jetzt ...



Ich liebe die Provokation. In jeder auch nur erdenklichen Form, im Punk spielt das keine unerhebliche Rolle, macht aber wohlkaum den eigentlichen Reiz aus. Frei übersetzt heißt Punk soviel wie "faulendes Holz", also eigentlich auch nichts schönes und genau hier ist der Knackpunkt. Ich mag kaputte Dinge, Dinge die nicht schön sind. Anders sind und mich provozieren, sicherlich auch Dinge MIT denen ich provozieren kann, Von den bunten Haaren und den zerissenen Klamotten einmal abgesehen, ist es gerade die Musik die mich in Richtung Punk zieht. Selten gibt es Texte, Melodien und Gesang die derartig viele Emotionen vereinen. Wut, Hass, Verachtung, Menschlichkeit, Freiheit und Liebe.
Man sagt, dass manche Dinge erst kaputt gehen müssen damit aus ihnen etwas gutes entsteht. Beim Punk verhält es sich, denke ich ähnlich. Es geht darum wie kaputt WIR alle sind, die Welt in der wir Leben und was sich daraus entwickeln kann. Natürlich geht es auch um die immer gleichen Themen: Sex, Fußball und Bier. Aber diese Dinge sind eben auch ein Teil der kaputten Welt und die in einem nicht unerheblichen Teil in unseren Leben einnehmen. Ich mag es einfach laut, wild und dreckig. Wenn ich dabei dann auch noch zum nachdenken oder sogar zum träumen angeregt werde, umso besser.
Und genau das ist Punk für mich: Ein irrer, dreckiger Traum.
Sicherlich kann nicht jeder etwas mit den politischen Meinungen anfangen und auch ich stimme nicht mit jedem Punk-Song überein. Ich verachte es, wenn Menschen von sich selbst behaupten sie würden einer bestimmten Gruppe angehören, denn darum sollte es ja eigentlich nicht gehen. Viel mehr um Freitheit und Selbstbestimmung.
Wenn jemand Regeln aufstellt um etwas zu sein, dann hat er doch eigentlich bereits das Thema verfehlt, oder?
Auflehnung ist etwas gutes. Die Menschheit kann sich nicht entwickeln, wenn niemand Kritik äußert und Musik ist eine perfekte Basis für Kritik. Doch mir wird einiges durch das Szene-Leben madig gemacht. Sich gegen etwas aufzulehnen, sei es die Politik oder die Gesellschaft oder alles andere, hat immer zwei Seiten und ich fürchte langsam werde ich zu alt um es nur von der einen Seite betrachten zu können ...

Kommentare:

  1. Ich finde dieses Thema super interessant. Ich selbst gehöre keiner Szene an und will es auch gar nicht, da ich Sinn und Zweck nicht ganz verstehe.

    "Wenn jemand Regeln aufstellt um etwas zu sein, dann hat er doch eigentlich bereits das Thema verfehlt, oder?"

    Dein Satz spiegelt genau den Grund, für meine Nichtangehöhrigkeit.

    Ich finde deinen Beitrag wirklich super und aufschlussreich.



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  2. Ich freue mich immer sehr, wenn ich jemanden finde bzw jemand mich findet der die gleichen oder ähnlichen Gedankengänge teilt! Es ist immer schön zu wissen, dass man mit einer Meinung nicht alleine ist!

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