Montag, 21. Oktober 2013

Kurzgeschichte - Blogparade

Danke das ich teilnehmen darf! Wer sich fragt, wem ich hier danke wird unter http://weltenschmiede.wordpress.com/  aufgeklärt ;)


Die Frau im Spiegel


Die drei Mädchen hielten sich an den Händen und kicherten leise im Schein der Kerzen. Janine, Lira und Jay saßen in einem Kreis. Das Haus um sie herum war still und das schwache Licht verstärkte das unheimliche Gefühl. Die größte unter ihnen, Janine, blickte mit weit geöffneten, neugierigen Augen in die Runde und flüsterte: „Meint ihr, sie wird kommen?“
Lira wimmerte leise, sie war die kleinste unter ihnen. Das runde Gesicht verzog sich ängstlich und die speckigen kleinen Ärmchen begannen zu zittern. „Ich will das nicht machen … Bloody Mary kann uns wehtun …“, wisperte sie und umklammerte die Hände ihrer Freundinnen fester.
„Sei nicht so ein Angsthase, Lira! Geister können einen nicht berühren, sie wird nur im Spiegel erscheinen …“


Verunsichert sah das kleine Mädchen in den runden Spiegel, um den sie sich versammelt hatten. Im Schein der Kerzen wirkten ihre Gesichter fahl und unheimlich.
„Ich will sie gar nicht sehen …“
„Du weißt ja, wo die Tür ist …“, zischte Jay und zog ihre Hand zurück. „Wenn du nicht mitmachen willst, okay! Aber es sind nur noch fünf Minuten bis Mitternacht, also entscheide dich, ich will sie sehen …“
Jay war die Älteste von ihnen, sie war schon fast 11 Jahre alt und hatte das unheimliche Spiel vorgeschlagen. Seit Tagen konnte sie nur noch von der unheimlichen Frau reden, die angeblich auftauchte, wenn man ihren Namen um Mitternacht vor einem Spiegel sagte.
„Sie war nicht tot und trotzdem begrub man sie ... Sie banden ihr eine Glocke um's Handgelenk und als sie in der Nacht aufwachte, lag sie in ihrem Sarg …“
„Hör auf! Ich will das nicht hören!“
Lira wich aus dem Kreis zurück und begann leise zu weinen, während Jay sie wütend ansah.
„Ich wusste, dass du noch zu jung dafür bist! Du bist ja fast noch ein Baby …“
Empört riss Lira ihren Mund auf, doch wie üblich, wagte sie es dann doch nicht, Jay die Meinung zu sagen. Diese grinste bösartig und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Sie wollte sich aus ihrem Grab befreien … Kratzte ihren Sarg auf, sie war furchtbar verängstigt und die dunkle Erde brach über ihren Sarg hinein. Die Glocke an ihrem Handgelenk klingelte die ganze Zeit, doch niemand konnte es hören … Und so starb sie und schwor Unglück, Hass und Tod über diese Welt zu bringen … die Wände bluten zu lassen … und jedem zu erscheinen, der es wagt, sie zu rufen …“
„Vergesst es! Ich mach da nicht mit!“, rief Lira mit zitternder Stimme und wurde dafür von den anderen Mädchen ausgelacht. Heulend lief sie aus dem Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu. Jay kicherte noch immer und sah Janine an.
„Bist du bereit?“
Janine nickte und griff nach den Händen ihrer Freundin, gemeinsam starrten sie auf den Sekundenzeiger der Wanduhr. Tick, Tack. Die letzten Sekunden erschienen ihnen unendlich lang, während der Zeiger immer dichter auf die schön geschwungene 12 zu lief, dann schlug die Uhr Mitternacht.
„Bloody Mary, wir rufen dich! Bloody Mary, wir rufen dich! Bloody Mary, wir rufen dich!“
Das Kerzenlicht flackerte nicht, ihre Gesichter im Spiegel änderten sich nicht und auch sonst schien sich die Welt um sie herum nicht verändert zu haben. Die beiden Mädchen beugten sich dichter über die glatte, kalte Fläche des Spiegels, doch nichts geschah. Enttäuscht löste Jay den Kreis auf und schnaubte böse. Ihr Gesicht verzehrte sich. Janine rutschte unruhig hin und her. Sie hatte schon oft gesehen wie ihre Freundin diesen Blick aufsetzte.
„Warum ist sie nicht da?!“
„Haben wir etwas falsch gemacht?“, fragte Janine und rieb sich über die kalten Arme. Jay schüttelte den Kopf und sah sich in dem Raum um, doch so sehr sie es auch gehofft hatte, nichts änderte sich. Janine lächelte ihrer Freundin zu und legte ihr eine Hand auf die Schulter.
„Ist doch nicht so schlimm … Jetzt wissen wir, dass es nur eine Legende ist …“
Jay schlug ihre Hand weg und schüttelte böse den Kopf.
„Nein! Es darf nicht nur eine Legende sein! Es gibt sie, ich weiß es! Es muss sie einfach geben …“
„Warum ist dir das so wichtig?“
„Es muss Geister geben, ich weiß es einfach!“, rief Jay aus und rieb sich über die dunklen Augen. Gerade als sie den Mund aufmachte um noch etwas zu sagen, ertönte ein grauenhafter Schrei. Die Beiden sahen sich panisch an und rannten zeitgleich los, das Schreien war noch immer nicht verstummt und schien aus dem Badezimmer im Erdgeschoss des Hauses zu kommen. Sie rannten die steilen Treppen hinunter und wollten gerade die Tür aufreißen, als die Geräusche verstummten.
Verunsichert tauschten sie Blicke aus, bevor Jay es wagte, die Klinke runter zu drücken und die Tür aufzureißen. Das Badezimmer war leer. Sie knipste das Licht an und sah sich vorsichtig um, doch es war niemand zu sehen. Janine folgte ihr unsicher.
„War das Lira, die geschrien hat?“
“Ich weiß es nicht … Ich …”
Mit erstarrter Miene nickte Jay und zeigte auf den Spiegel, panisch drehte Janine sich um.
Eine Frau schien auf der anderen Seite des Spiegels zu stehen. Das flammendrote Haar wehte in einem Wind, den niemand spüren konnte und ihre Lippen verzogen sich zu einem bösen Lächeln, dass kleine spitze Zähne entblößte. Janine schrie kurz auf und hielt sich die Hände vor den Mund. Immer wieder sah sie von der Frau im Spiel zu Jay, diese starrte mit einer Mischung aus Angst und Faszination in den Spiegel.
„Bloody Mary …“, hauchte Jay und trat dichter an den Spiegel. Die Frau sagte nichts. Sie hob das Kinn und zeigte auf den Duschvorhang. Janine schüttelte den Kopf und rutschte auf den kalten Fliesen zusammen wie ein nasser Sack. Sie wiegte sich hin und her und weigerte sich zu glauben, was gerade geschah.
Jay schluckte schwer und blickte von dem Duschvorhang wieder zu der Frau im Spiegel. Janine nickte, als wollte sie sagen, sie solle den Vorhang endlich zur Seite ziehen, doch Jay schüttelte den Kopf. Dicke Tränen rannten über ihre Wangen und tropften auf ihre nackten Füße. Die Frau schien wütend zu werden. Ihr Gesicht verzog sich grimmig und die Augen leuchteten plötzlich rot auf. Jay wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und starrte auf ihre Hände, sie weinte Blut. Mit zugeschnürter Kehle drehte sie sich um und zog den Vorhang zur Seite.
Lira lag in der Badewanne, in einer Blutlache.
Ein Schrei entfuhr ihr, als sie das kleine Mädchen aus der Wanne ziehen wollte, doch plötzlich riss Lira die Augen auf. Wie von Geisterhand erhob sie sich aus dem Blut, dass ihr Nachthemd rot gefärbt hatte und starrte Jay mit großen Augen an. Das kleine Glöckchen um ihr Handgelenk klirrte leise, als ihre Hände schossen an Jays Kehle. Diese schrie auf und taumelte zurück, sie rutschte auf den kalten Fliesen aus und landete, laut wimmernd, auf dem  kalten Boden. Janine lief zu ihr und wollte ihr aufhelfen, doch sie rutschte weg.  Das Mädchen war zu schwer für sie. Hilflos blickte sie umher, als das Licht plötzlich bedrohlich flackerte und die blutgetränkte Lira begann laut zu lachen.
“Du hast mich gerufen!”
Die Stimme schien nicht dem kleinen Mädchen zu gehören, ihr Dröhnen ließ die Körper der Freundinnen erzittern. Ihr Finger zeigte eindeutig auf Jay.
Janine wich panisch zurück und gab einen angsterfüllten Laut von sich. Das Blut, das von Liras Armen tropfte, hinterließ dunkle Flecken auf dem Boden.
“Du”, sie machte eine Pause und sah Jay mit blutigen Augen an. “Du hast mich gerufen!”
Jay rappelte sich auf und schüttelte den Kopf.
“Nein ... nein … wir ... wir waren es Beide, ich …”
“Schweig! Du hast mich gerufen und jetzt werde ich dich holen …”
Aus dem Augenwinkel konnte sie sehen, wie Janine aus der Tür rannte. Sie war unfähig, sich zu bewegen und starrte auf das Blut. Wieder begann das Licht bedrohlich zu flackern.
“Nein, bitte nicht …”
“Du hast mich gerufen!”
“Ich wusste nicht ... ich wusste nicht, dass …”
Ihre Stimme versagte. Weinend drehte sie sich zu der Frau im Spiegel um, doch diese blickte sie nur mit kalten Augen an.
“Es tut mir leid, ich …”
Sie spürte plötzlich etwas nasses, warmes an ihren Füßen und blickte auf den Boden. Dieser war bedeckt von Blut, dass über die Wanne lief, in der Lira stand. Weinend fiel sie in sich zusammen, das Blut verklebte ihre Haare und saugte sich in das Nachthemd, als wäre es ein unerbittliches Lebewesen.
“Bitte, bitte …”
Doch ihr Flehen brachte nichts, alles war bedeckt von Blut und gerade, als sie dachte es wäre vorbei, spürte sie wie etwas sie am Knöchel packte.


Kommentare:

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