Freitag, 28. Februar 2014

Justine privat - Das blonde Spiel

Die Bar ist noch recht leer, doch man kann es bereits spüren.  Der Feierabend hat die Stadt gepackt und immer mehr Menschen drängen sich aus den stickigen Büroräumen. Die Arbeiterklasse wird zu Nachtschwärmern – und ich bin wieder mitten drin. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, heute wenig zu trinken, ist mein Glas bereits wieder leer.
Der verfluchte Whiskey schmeckt einfach zu gut. Ich blicke in die schönen Augen der Blondine vor mir und lächle verlegen. Ich habe ihr gerade gesagt dass ich schüchtern bin und sie hat mich dafür ausgelacht, so wie alle es tun.
„Ich verstecke es nur gut“, sage ich und streiche mir eine Strähne hinter mein Ohr. Der verfluchte Pony ist schon wieder zu lang.
„Ja, das versteckst du wirklich gut – oder du bist einfach nicht schüchtern“, entgegnet sie und beugt sich etwas dichter zu mir. Der kleine Holztisch knarrt leise unter ihrem Gewicht. „Willst du meine Theorie hören?“
Ich kann mich schlecht konzentrieren, wenn sie mich so ansieht. Das dämmrige Kerzenlicht und die leise Musik machen den Moment verflucht romantisch – und das mag ich gar nicht. Denn ich weiß was Romantik für Nachwirkungen haben kann. Ich weiche ihrem Blick aus. Der Versuch nicht auf ihren Ausschnitt zu achten scheitert wieder und ich gebe mich damit zufrieden an meinem Glas zu nippen.
„Du wärst gerne schüchtern!“


Nun muss ich sie doch wieder ansehen, mitten in die wunderschönen Augen aus denen mich so vieles anstrahlt. „Niemand ist gerne schüchtern …“, meine ich und bemühe mich nicht wie das Wachs der Kerze über den Tisch zu laufen.
„Doch ich glaube Du wärst es gerne. Egal, wo Du hingehst. Egal, mit wem du sprichst. Alle sehen Dich mit diesem Blick an und du schnipst zweimal mit dem Finger und sie fallen dir vor die Füße. Ich glaube das langweilt dich und darum wärst du gerne mal eine weile schüchtern …“
„Niemand fällt mir vor die Füße und ich kann nicht einmal schnipsen …“, murmle ich und verkneife mir ein Grinsen. Sie lehnt sich wieder zurück und bestellt zwei weitere Drinks, ohne das Thema fallen zu lassen. Ich kann es hinter ihrem Kopf arbeiten sehen, als wäre ich ein Puzzle, dass sie gerne zusammen setzten würde. Vielleicht kommt mir dieser Gedanke auch nur, weil ich sie wie ein Puzzle sehe. Nur das ich sie nicht nur zusammensetzen will. Ich will meine Hand in ihrem Haar vergraben und sie gegen die orientalisch bemalte Wand drücken.
„Woran denkst Du gerade?“, will sie wissen, als hätte sie die schmutzigen Bilder in meinem Kopf gesehen. Ich spüre wie ich rot werde und kann das Grinsen nun nicht länger unterdrücken. „Sex“, antworte ich wahrheitsgemäß.
„Sex mit mir?“, fragt sie und grinst auf eine Art die meine Knie zum schloddern bringt.
„Ja.“
„Sag noch mal, dass du schüchtern bist!“
„Bin ich, währe ich es nicht hätten wir Sex und würden nicht darüber reden, dass ich daran denke …“
Sie lacht, beugt sich nach vorn und gibt mir einen Kuss.
„Ich liebe Frauen die sich vorspielen sie wären hilfsbedürftig …“, meint sie neckend und zwinkert.
„Ich wünschte ich würde nur spielen …“
Der Kuss hat mich benebelt und erschwert es mir zusätzlich mich zu konzentrieren. Ich kann an nichts anderes mehr denken, als an die weichen rosa Lippen. Der Impuls ihr das blonde Haar aus dem Gesicht zu streichen, lässt sich nicht mehr unterdrücken. Ich ziehe sie dichter zu mir und küsse sie wieder, doch sie drückt mich leise kichernd weg.
„Seit ich dich kenne, hast nicht eine Sekunde aufgehört zu spielen …“
Ich weiß nicht was ich darauf sagen soll, muss ich auch nicht. Sie kippt ihren Drink und legt einen 50 Euro Schein auf den Tisch.
„Wie wäre es wenn wir das Spielen auf meine Wohnung verlegen?“
Mein Herz setzt kurz aus und ich grinse über beide Backen. Doch dann schüttle ich den Kopf.
„Das nächste Mal vielleicht …“
Sie lacht wieder und schüttelt den Kopf, sodass ihre Haare hin und her schwingen. Ich könnte sie ewig einfach nur ansehen.
„Dann freu ich mich auf die nächste Runde unseres Spieles …“

Kommentare:

  1. Ein interessanter Post. Bleibt die Frage... wird "Justine privat" einfach nur der Titel Deines nächsten Buches oder ist er Definition des Artikels ;)
    PS: Bitte nicht beantworten, das würde die Spannung nehmen.

    AntwortenLöschen
  2. Du kannst wirklich gut schreiben. :)

    AntwortenLöschen
  3. Sehr schön geschrieben! Du hast es einfach drauf! Ich liebe solche ehrlichen Posts von dir und bin gespannt auf die nächsten Texte :)
    Liebst
    Larissa

    AntwortenLöschen
  4. Toll geschrieben. Lässt sich super flüssig lesen :)

    Liebe Grüße,
    Kiamisu

    AntwortenLöschen