Sonntag, 23. Februar 2014

Justine privat – Warum Krebs ein Arschloch ist


Inzwischen kommt es mir fast so vor als wäre ich in einem Glas voller Krebse gefangen. Ich komme nicht raus. Die Krebse sind da, ob ich nun will oder nicht. Das alleine zu realisieren und zu verstehen ist bereits schwer für mich. Wer mag schon Dinge die er nicht ändern kann?
In den Jahren die ich bisher auf meinem bescheidenen Buckel habe, war es immer das Gefühl der Hilflosigkeit das mich komplett aus der Bahn wirft. Hilflos etwas mit ansehen müssen, ist einfach scheiße. Egal, wie man es dreht und wendet der Selbsthass bricht dann gerne in einem durch und bringt einen dazu sich nutzlos und leer zu fühlen. Natürlich ist dieses Gefühl in Bezug auf eine Krankheit nicht logisch. Für eine Krankheit kann schließlich niemand etwas. Den Verlauf einer Krankheit können wir ebenso wenig beeinflussen, wie den Ausgang. Doch auch hier, müssen wir das erst einmal verstehen und vor allem akzeptieren.
Genau das fällt mir gerade verdammt schwer. Krebs hat mir schon viele Menschen in meinem Leben genommen und schlich sich dabei immer in den unterschiedlichsten Formen an.

Immer heimtückisch. Immer unerwartet. Immer tödlich.


Natürlich ist meinem Kopf klar, dass eine Krankheit nicht heimtückisch ist. Das kann sie gar nicht. Entweder sie ist da oder eben nicht. Die Wahl ist vollkommen willkürlich und nicht vom Schicksal vorher bestimmt. Oder vielleicht doch nicht? Vielleicht gibt es doch ein Schicksal dem es unglaublichen Spaß macht, Dramen zu erschaffen die selbst die melodramatischen Szenen von Shakespeare in den Schatten stellen. Genau sagen kann das wohl niemand, und eigentlich ist das auch nicht der springende Punkt. Der Punkt ist, dass wir es so oder so nicht ändern können.
Und genau das fickt meinen Verstand. (---- tut mir leid ----)
Jeder hat die Dramen in seinem Leben. Niemand kennt nur die Sonnenseite.
Aber langsam glaube ich tatsächlich, dass der Krebs es sich zur Hauptaufgabe gemacht hat die Menschen fertig zu machen. Er frisst sich durch alle Schichten der Gesellschaft und nimmt sich immer dort etwas mehr Zeit, wo er am meisten zerstören kann. Ist er kurzzeitig besiegt, hinterlässt er tiefe Narben in Körper und Seele und gräbt Gruben aus, in die wir uns anschließen stürzen können. Nach ihm ist der Kampf ums Leben noch lange nicht vorbei, sondern wird weiter von einer Angst überschattet das er noch immer in unserem Körper lauert.

Manchmal taucht er erst nach Jahren wieder auf.
Manchmal gar nicht.
Manchmal genau dann, wenn das Leben gerade wieder schön wird.

So viele Leben nehmen so viele grausame Wendungen und immer ist es der gleiche Täter in einer anderen Gestalt: Krebs.
Für mich ist er inzwischen zu einer abstrakten Figur des Bösen geworden. Wie der Schurke aus einem Comic, der den Superhelden in die Knie zwängt und dieser keinen Ausweg mehr sieht. Doch Superhelden finden am Ende doch immer wieder einen Ausweg. Das wahre Leben sieht da leider nicht so rosig und ehrenvoll aus.
Mit Ehre hat Krebs nichts zu tun und es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich keinen Hass für ihn empfinde. Ich hasse ihn wie eine Person, die ich eigentlich nicht kenne, doch deren Taten mein Leben gravierend beeinflussen. Krebs ist das größte Arschloch das mir bisher auf dieser Welt begegnet ist und ich kann es kaum erwarten bis wir einen Weg gefunden haben ihn auszurotten. Die Wut ist inzwischen so groß das ich ihn verprügeln möchte, mich mit Gebrüll auf ihn werfen und ihn ein Ohr abbeißen will …
Scheiße, denn das geht nicht.
Krebs ist ein feiges Arschloch.
Ein willkürliches Arschloch, dass das Leid das es verursacht nicht einmal sehen kann.

Warum ich mich gerade jetzt darüber auslasse?
Weil er wieder zugeschlagen hat, der verfluchte Krebs. Nicht bei mir, nicht in meiner Familie, aber in meinem Freundeskreis. Wieder kam die Diagnose aus heiterem Himmel, wieder war es zu spät um diesen Menschen noch zu retten. Ich versuche ja immer die Dinge positiv zu sehen, doch in diesen Fällen will mir das einfach nicht gelingen. Meinen Arzt wird es vielleicht freuen, dass ich meinen Vorsorgetermin dieses Jahr nicht ausfallen lasse.

Kommentare:

  1. Ja, es stimmt, der Krebs ist ein heimtückisches Monster. Mein Vater bekam vor einigen Jahren die Diagnose. Es folgten Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie und viel Leid. Bisher scheint er es tatsächlich überstanden zu haben, wie lange das anhält, wer weiß? Die Geschichte hat aber auch eine andere Seite: In dieser Krise zeigte sich, wie stark der Zusammenhalt von Familie sein kann, das war in all dem Desaster sogar eine schöne Erfahrung. Liebe Grüße, Pirandîl

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  2. Am frustrierensten finde ich, dass es auch keine wirklich effektive Vorsorge oder einen Schutz gibt. Es gibt genug Krebsarten, die innerhalb weniger Wochen tödlich enden.

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