Freitag, 2. Mai 2014

Bisexualität und ihre Tücken

„Wie Du bist bi?!“ 


Die Augen meiner Arbeitskollegin weiten sich, als hätte ich gerade etwas wirklich Schreckliches gesagt. Sie schnappt kurz nach Luft und ein peinliches Schweigen legt sich über das gerade noch angeregte Gespräch, bei dem ich eher zufällig erwähnte, dass ich eben nicht nur Männer liebe. Die männlichen Vertreter grinsen und lachen über die Fassungslosigkeit. Diese Reaktion kenne ich von Männern inzwischen sehr gut. Zunächst scheinen sie immer begeistert zu sein, wenn eine Frau auch in ihrem Revier wildert – in einer Beziehung jedoch gestaltet sich dieser Umstand oftmals als schwierig.

Bisher habe ich meine Bisexualität nie geheim gehalten, für mich ist es schließlich ganz normal. Doch je mehr diese Bewegung polarisiert, desto größer wird auch der Druck in der Öffentlichkeit. Es ist nicht selten, dass man dafür als Frau belächelt und als Mann als Schwuler abgestempelt wird. Irgendwie scheint bi die Menschen zu verwirren.


Es ist nicht das erste Mal, dass auch ich zu spüren bekomme, dass bisexuelle Menschen oftmals ungeliebte Pendler zwischen den Geschlechtern sind. Als Frau in einer Beziehung mit einer anderen Frau wird einem schnell vorgeworfen, es sei Verrat an der Frauenbewegung, wenn man auch Männer liebt. Andersherum sieht es nur auf den ersten Blick besser aus: Als Frau in einer Beziehung mit einem Mann, herrscht oft die Vorstellung, dass sich eine weitere Frau geteilt wird. Dies stimmt jedoch in den wenigsten Fällen, so dass auch das vermeintlich starke Geschlecht schnell zu Eifersuchtsanfällen neigt. Männer die offen dazu stehen, sich auch zu Männern hingezogen zu fühlen, müssen sich oftmals mit Schwulen gleichstellen oder sich vorwerfen lassen, sie würden nicht zu ihrer Sexualität stehen. Gerade Männer die sich in einer Beziehung mit einer Frau befinden, haben es schwer, dieser ihre Liebe zu anderen Männern zu erklären. Bisexuell zu sein ist oftmals alles andere, als ein spaßiges Naschen aus allen Töpfen ...

Es ist schwierig für sich selbst die richtige Balance zu finden und diese dann auch zu vertreten. Obwohl es inzwischen viele Frauen und Männer gibt, die offen zu ihrer Bisexualität stehen, wird das Bild dieser noch immer als Provokation wahrgenommen. Die Medien tun ihr übriges um diesen Eindruck zu verstärken.
Im wahren Leben ist es oftmals schwer den Menschen verständlich zu machen, dass es eben keine kleine Phase ist die man durchlebt, sondern ein Teil des Lebens mit allem was dazu gehört. Meine Mutter war ein glänzendes Beispiel dafür, denn sie erklärte mir sehr ausführlich, dass jede Frau diese Phase einmal durchmachen würde und, dass es sich danach wieder legt – natürlich hatte sie Unrecht. Mit der Bisexualität ist es genauso wie mit den Homos oder Heteros. Man sucht es sich nicht aus, sondern man ist es oder eben nicht.  Dass der ein oder andere vielleicht eine bisexuelle Erfahrung gemacht hat, ist noch einmal eine andere Sache.
Trotzdem wird es wohl noch eine Weile dauern, bis man sich nicht mehr dafür rechtfertigen muss, bisexuell zu sein. Ich bin der Ansicht, dass jeder Mensch sich nicht in ein Geschlecht, sondern in einen anderen Menschen verliebt.
„Peace und freie Liebe …“


Kommentare:

  1. Liebe Ju, das *Trotzdem wird es wohl noch eine Weile dauern, bis man sich nicht mehr dafür rechtfertigen muss, bisexuell zu sein.* wird noch sehr lange dauern, leider.

    LG
    Elke

    AntwortenLöschen
  2. Die Gesellschaft ist einfach viel zu kaputt um zu erkennen, dass wie du sagst, man keine Geschlechter liebt, sondern einen anderen Menschen. Ich finde, jeder sollte so leben wie er will und dazu gehört auch die Sexualität. Ich wünsche dir viel Glück auf deinem weiteren Weg und so lange du so ehrlich und mutig bleibst, kann dir niemand etwas schlechtes, wegen der Bisexualität..

    AntwortenLöschen
  3. Mir doch egal. So halte ich es mit den "Homos" und warum sollte es mit den "Bi's" anders sein. Soll doch jeder lieben wen er will und solange es von beiden Seiten freiwillig ist - warum sollte ich mich einmischen?
    Ich kann mir nicht vorstellen, einen Mann zu lieben, das ist meine persönliche Entscheidung (oder Veranlagung, frei nach Wahl) und hätte bestimmt Probleme damit, wenn mich andauernd jemand dazu überreden wollte.
    Allerdings habe ich bisher keinen Nicht-Hetero getroffen, der das versucht hat und deswegen lasse ich ihnen ihr Leben wie sie es wollen, genau so, wie ich es auch für mich beanspruche.
    Allerdings - so viel sei zur Entschuldigung der Heteros angemerkt - genau wie bei vielen anderen Dingen ist "Bi" für viele tatsächlich eine Phase, Angeberei um zu schocken oder Modeerscheinung. Da fällt die Unterscheidung zwischen Trendsettern und Tatsächlichen nicht leicht.

    AntwortenLöschen
  4. Ich kann ja nichtmal meine eigene Sexualität einordnen, wie soll ich dann eine andere verurteilen? Ich bin mir nicht sicher, ob ich bi bin. Ich war schon in ein Mädel verknallt (und bin es vielleicht immer noch ein bisschen) und finde Frauen körperlich grundsätzlich attraktiver. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, etwas mit einer Frau anzufangen (außer vielleicht mit der einen...) also kann ich ja wohl nicht Bi sein. Es ist auch immer ein bisschen schwierig, das anderen zu erklären.

    AntwortenLöschen
  5. Danke für die lieben Worte und ja in der Tat nicht so einfach zu sich selbst zu finden :)

    AntwortenLöschen
  6. Ich finde es wichtig, zu sich selbst zu stehen. Kenne viele, die das nicht können und denen es deswegen schlecht geht. Andere hingegen reizt es, dass nicht alle davon wissen. Zum Beispiel wenn die Eltern nicht wissen, was mit dem Freund/der Freundin gerade tatsächlich läuft, obwohl sie nur auf der anderen Seite der Tür sind :D

    Liebe Grüße und ein Päckchen meiner Bewunderung

    Kevin (http://www.daydreamer-kev.blogspot.de/)

    AntwortenLöschen
  7. Du hast eine sehr schöne Augenfarbe! :)

    AntwortenLöschen
  8. Wie ehrlich und wie wahr! Ich meine auch, das man sich in einen Menschen verliebt und nicht in ein Geschlecht!

    AntwortenLöschen
  9. Ich finde man muss sich auch gar nicht festlegen, wenn man sich zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlt, dann ist das eben so. Ich habe meine Erfahrungen mit Frauen gemacht, für aber festgestellt es ist nicht meine Überzeugung bzw. fühlt sich für mich nicht richtig an. Aber immerhin kann ich sagen, dass ich es probiert habe. Wichtig ist, dass man sich selbst wohl fühlt und mit sich selbst im Reinen ist. Und, wenn man in einer Beziehung ist, dass der Partner damit zurecht kommt ;)
    Schön, dass du so ehrlich bist und eben auch nicht davor scheust solche Dinge laut auszusprechen.

    Liebe Grüße Laura
    http://streuselsturm.blogspot.de

    AntwortenLöschen
  10. Gut gesagt!
    Manche Menschen sind leider in ihrem Verständnis und ihrer Tolleranz beschränkt....
    Wobei sich diese Menschen oft selbst nicht genügend Platz und Verständnis entgegenbringen um sich frei zu entwickeln und zu sich zu finden, also lassen wir uns von solchen Kommentaren besser einfach nicht beirren und lassen Beleidigungen, die nur von Unverständnis herrühren, nicht an uns ran. :)
    Viele liebe Grüße!

    AntwortenLöschen