Sonntag, 8. Juni 2014

Die Suche nach sich Selbst


In der heutigen Zeit spielt die eigene Identität eine immer größere Rolle. Jeder von uns muss den täglichen Kampf des Lebens auf seine eigene Art bestehen und versuchen, ohne größere Verletzungen einen Tag nach dem anderen zu meistern – das geht jedoch nur wenn man weiß wer man ist und wofür oder wogegen man steht. Die Realität ist leider nicht ganz so einfach, wie das Lesen dieses Satzes.
Die meisten Menschen geben sich der Illusion hin, dass diese Problematik eher an das Teenageralter gebunden ist, doch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es in den Zwanzigern nicht besser aussieht. Je älter wir werden umso mehr Wissen speichert unser Gehirn ab und versucht, die neuen Informationen in einem neuen Kontext zu sehen. Außerdem kommen natürlich immer wieder neue Erfahrungen dazu die, die eigene Persönlichkeit weiter formen und eben auch verändern.
Statt dass wir die Verantwortung für das, was wir suchen, selber tragen, wälzen wir diese leider sehr oft auf andere ab. Meist geschieht dies unbewusst und aus Gewohnheit, denn sich selbst als Schuldigen für eine Krise zu betrachten ist gar nicht so einfach. Zum Glück ist der Mensch in der Lage seine Handlungen zu reflektieren und für sich selbst auszuwerten – ob wir dabei jedoch etwas lernen steht auf einem ganz anderen Blatt Papier …
Die anderen sollen uns glücklich machen, die anderen sollen uns lieben und dafür sorgen, dass unser Leben glücklich und zufrieden verläuft – genauso klappt das Ganze jedoch nicht, sondern donnert gegen eine harte Steinwand. Jeder muss erst einmal sich selbst „finden“ und wissen was er will. Um das heraus zu bekommen, braucht man jedoch einen enormen Luxus: Zeit und Ruhe.

Auf unserer „Suche“, neigen wir leider gerne zu Fluchtmechanismen die so vielseitig sind das sie eine ganze Weile anhalten bevor wir realisieren, dass genau das der falsche Weg ist. Egal ob die Flucht in eine Beziehung, um dem Gefühl der Einsamkeit zu entkommen oder die Flucht in die Arbeit um sein Ego dort zu pushen. Wir streben nach einer Befriedigung die sich weder durch Drogen, noch durch Alkohol oder Selbstaufopferung erreichen lässt. Stattdessen muss jeder für sich selbst etwas finden, dass sein Leben glücklich und zufrieden gestaltet – von allen äußeren Faktoren abgesehen.
Die Macht seiner Selbstfindung auf sein Umfeld zu übertragen ist der falsche Weg und sorgt nur dafür, dass wir es im Nachhinein schwerer haben zu erkennen wer wir wirklich sind. Die Verantwortung für sich selbst und seine Handlungen zu tragen mag nicht immer einfach sein, doch genau darum geht es im Groben. Wenn man hinter dem steht was man tut – und das zu 110% - gibt es keinen Grund seine Handlungen zu bereuen, auch wenn diese  positive Resonanz von außen nicht eintrifft. Diesen Punkt zu erreichen ist das Ziel das viele Menschen – mich eingeschlossen – sich gesetzt haben und hart dafür arbeiten.
Da ich selbst noch mitten im Prozess der Selbsterkenntnis stecke, kann ich wenig gute Ratschläge erteilen außer den einen, den meine Großmutter mir mit auf den Weg gab:
„Du musst dein Leben nur mit einem Menschen bis zum Ende verbringen – und der bist Du selbst. Wenn Du Dich vor Dir selbst rechtfertigen kannst, reicht das aus um glücklich zu sein.“

Wie geht Ihr mit der Suche nach Euch selbst um? Könnt Ihr in einer schweren Zeit selbst Euer Halt sein? Oder habt Ihr Euch bereits gefunden und könnt behaupten die Suche beendet zu haben?

Kommentare:

  1. Hallo Justine,

    Habe mich schon lange nicht nehr zu Wort gemeldet. Schöner Artikel, der die Sache trifft.

    Ich glaube, dass die Suche niemals endet, aber viele Menschen irgendwann der Illusion verfallen, dass sie "Fertig"seien.
    Dr Witz ist nur, dass niemand stehen bleiben kann, und die Welt sich ständig wandelt, ohne sich darum zu kümmern, ob mann selbst stehen bleiben will oder nicht.

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  2. Ich hingegen denke das die Suche endet wenn man weiß was man will.
    Hat man seine realen Ziele. Seinen Weg und seinen Charakter gefestigt, kommt der Moment wo man sich selbst ist.
    Natürlich ändert man sich und seine Meinungen und Ansichten immer wieder, aber man bleibt dann meist sich selbst treu. Wann dieser Moment kommt?
    Bei mir kam der erst mit den Kindern würde ich sagen, aber er ist definitiv da.
    Liebe Grüße

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  3. Interessant wie unterschiedlich ihr das seht.

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  4. Also... Ende 20 und ich habe ehrlich gesagt immer noch keinen Plan.
    Ich weiß zwar wie ich aussehe und es gibt auch Dinge, wo ich sicher sagen kann: Das mag ich, das macht mir Spaß. Aber bin ich das? Machen mich diese Dinge aus?
    Ich stimme Georg glaub ich zu. Die Suche endet nie, weil neue Einflüsse, neue Menschen im Leben, neue Verantwortungen, etc einen immer wieder verändern werden.

    Liebste Grüße <3

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  5. Schöner Post. Wie immer! Ich bin der Meinung, dass man sein ganzes Leben damit beschäftigt ist, auf der Suche nach sich selbst zu sein. Aber mit der Zeit wird es einfacher und man lernt immer mehr Seiten von sich kennen. Der Satz von deiner Großmutter ist genial und so wahr! :)
    Liebe Grüße
    Larissa

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  6. Ich hab zu dem Thema mal ein PoetryClip gemacht: "Liebe Dich selbst?"
    https://www.facebook.com/janheiligofficial/videos/1374520305918810/

    Mir geht diese Selbstsuche auch ganz schön auf den Keks...besonders wenn das Leute machen, um ihrer eigenen Selbstbezogenheit noch so ein Lifestyle-Mäntelchen umzuhängen. Dabei finden wir uns doch immer nur wenn wir anderen begegnen...

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    1. Die Frage ist ja auch ob man nicht ohnehin immer wieder neu sucht - alles ist ja ständig im Wandel.

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