Mittwoch, 25. Juni 2014

Justine privat – Verfluchter Morgen


Mein Wecker klingelt bereits zum zehnten Mal und mein Unterbewusstsein weigert sich zu glauben, dass ich nun wirklich aufstehen muss. Die Nacht auf dem Sofa war zu kurz und unentspannt, als das ich von Erholung sprechen könnte. Dennoch bringt das ganze Gejammer nichts, die Arbeit ruft. Mit schmerzenden Gliedern schiebe ich den Hund zur Seite und schwinge die Beine unter der Decke hervor. Obwohl es eigentlich Sommer sein sollte, zeichnet sich auf meiner Haut eine deutliche Gänsehaut ab.
„Verfluchter Morgen“, meker ich und tapse ins Badezimmer, wo mein zerknittertes Gesicht mit deutlich zeigt wie früh es noch ist. Als ich wieder zurück komme hat sich meine Hundedame bereits zwischen meiner Decke und dem Kissen ein Nest gebaut – selbst für sie ist es einfach noch zu früh. Ich reibe mir über die Augen und greife nach der ausgewaschenen Jeans. Heute habe ich keine Lust mit Gedanken über mein Aussehen zu machen – warum auch? Ich habe niemanden für den ich hübsch aussehen möchte, außer mich selbst und mir selbst geht das gerade ganz schön am Arsch vorbei …
Während der Hund schnarcht suche ich in Eile ein Oberteil auf dem keine Flecken sind und bemühe mich dabei so leise wie möglich zu sein. Bereits jetzt freue ich mich darauf auf dem Weg zur Arbeit die Musik so laut aufzudrehen, dass mein Gehirn keine andere Wahl hat als wach zu werden. In Momenten wie diesen kommen die dunklen Seiten meiner Persönlichkeit erst so richtig zum Vorschein. Am liebsten würde ich lauthals losbrüllen und alles um mich herum in Brand stecken, nur weil ich gezwungen werde das Haus zu verlassen. Aber wie immer mache ich nichts davon, sondern streife mir ein zerknittertes aber sauberes Shirt über und schlüpfe in meine Lederjacke.
Während die Tür hinter mit ins Schloss fällt und die Zigarette zwischen meinen Lippen steckt, frage ich mich kurz wie lange es dauern wird, bis die erdrückende Last meines gebrochenen Herzens wieder verheilt ist. Doch dann ertönen die ersten Takt Schläge der Musik.

Mit einem grimmigen Grinsen biege ich um die Ecke und verstecke meine verquollenen Augen hinter den dunklen Gläsern meiner Sonnenbrille. Es kommt nicht darauf an wie lange es dauert, sondern das es irgendwann wieder soweit ist – Und dann kann mich die Welt erst recht am Arsch lecken. 

Kommentare:

  1. Hei, habe deinen Kommentar erst jetzt gelesen. Vielen lieben Dank! Dieser Text ist echt gut geschrieben? Geht es da wirklich um dich? Bei "wie lange es dauern wird, bis die erdrückende Last meines gebrochenen Herzens wieder verheilt ist." kam mir in den Sinn "Schmerz verlangt gefühlt zu werden (aus TFIOS)" lass dir so viel Zeit wie du eben brauchst... ich kann da voll mit dir mitfühlen.

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  2. Hallo Elizzy, ja da geht es tatsächlich um mich :D
    Es freut mich das dir der Text gefällt und das du anscheinend ähnliche Emotionen durchgemacht hast! Stark bleiben gehört eben zum Leben dazu, genauso wie der Schmerz wenn etwas wundervolles zu ende geht ...

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