Freitag, 25. Juli 2014

Justine privat – Der erste Gang



Trotz allem was ich bisher erlebt habe ist das Gefühl des Verrats noch immer das schlimmste das ich kenne. Die Verbindung von unbändiger Wut und der Enttäuschung lassen mich weder schlafen noch essen. Jede seiner Handlungen scheint im Gegensatz zu dem zu stehen, was aus seinem Mund kommt. Meine Unfähigkeit diesen Verrat zu akzeptieren, sorgt außerdem dafür dass ich mich selbst in einen Gitterkäfig stecke und wie ein wilder Tiger hin und her laufe, ohne einen Ausweg zu sehen. Entweder weigert mein Hirn sich zu registrieren wie sehr meine Ehre beschmutzt wurde oder es ist ihm schlicht egal. Beide Optionen sorgen dafür, dass sich mein Magen wieder schmerzhaft verkrampft. Ich habe es so satt.
Die ganzen Lügen, Tränen, die vielen Entschuldigungen ohne Konsequent und das Gejammer über etwas das mir mehr Schmerz als Freude gebracht hat. Ich hab es einfach nur noch satt. Wütend und genervt von mir selbst. Fast so sehr wie von den vielen sinnlosen Ratschlägen gegen Liebeskummer. Wenn mir noch einmal gesagt wird „Du schaffst das schon“ oder „Die Zeit heilt jede Wunde“, greife ich mir mein großes Schlachtermesser und drehe durch. Diese feigen Phrasen helfen nicht, sondern fördern nur das Gefühl der Machtlosigkeit. Es gibt kein Heilmittel gegen ein gebrochenes Herz und verlorenes Vertrauen – man kann nur darauf hoffen das jemand kommt der einen den Schmerz ertragen lässt.


Ich ziehe meine Lederjacke an und bedauere einen Moment das eine Kuh dafür ihre Haut gegeben hat, bevor ich nach draußen blicke. Obwohl der Sommer zum Greifen nahe ist tröpfelt es vom Himmel und graue Wolken verdecken das Sonnenlicht. Das Wetter scheint sich meiner Stimmung angepasst zu haben. Mit zusammen gebissenen Zähnen zwinge ich mich meine Wohnung endlich zu verlassen. Keine Minute länger ertrage ich die Wände zwischen denen sich in den letzten Wochen so viel Drama abgespielt hat das es locker für zehn Folgen von GZSZ gereicht hätte. Das innerliche Krepieren muss warten, ich habe heute tatsächlich mal wieder etwas vor das das Potenzial hat nicht komplett in die Hose zu gehen.
Die frische Luft bringt mich fast zum Husten, als würde meine Lunge es nicht mehr ertragen etwas anderes einzuatmen als den kalten Rauch und die Reste seines Geruchs. Ich drehe die Musik soweit auf das trotz meiner Kopfhörer die halbe Straße den wenig freundlichen Text versteht. Die Menschen um mich herum können den wummernden Bass kaum ignorieren, doch ich bin durchaus in der Lage die vorwurfsvollen Blicke auszublenden.
Die Musik und die frische Luft zeigen ihre Wirkung, auch wenn meine Laune noch immer nicht besonders gut ist. Langsam sammelt sich ein Schwarm von Fledermäusen zwischen meinen Gedärmen. Es ist verdammt lange her, dass ich wegen eines scheinbar belanglosen Treffens aufgeregt war. Und noch länger ist es her, dass meine Knie anfingen zu zittern und meine Hände feucht wurden. Ich bin mir nicht sicher wie ich damit umgehen soll und während ich noch darüber nachdenke tragen mich meine Füße einfach immer weiter, als würden sie den Weg bereits kennen. Der Geruch nach Regen in Verbindung mit dem Gestank des Fast Food Restaurants das aus rechtlichen Gründen nicht näher bezeichnet werden darf, hilft nicht gerade meinen Magen zu beruhigen. Ich verfluche mich selbst dafür, dass Aufregung mir immer auf den Magen schlägt. Ich kann bereits schmecken was ich nicht zum Frühstück gegessen habe und der beißende Geruch nach verbranntem Fleisch fördert nur das Bedürfnis meine Galle einmal über den halbleeren Marktplatz zu spucken.
Mein Hass auf die Welt wird noch gesteigert als der sachte Regen einsetzt und immer stärker wird. Ich kann die Feuchtigkeit deutlich auf meiner dünnen Strumpfhose spüren und ziehe die Jacke enger um mich. Mein Herz hämmert inzwischen wie ein Presslufthammer gegen mein Brustbein, als wollte es mich warnen auch nur einen Schritt weiter zu gehen. Doch ich kann nicht anders. Mein Schrittfluss gerät durcheinander, als ich um die Ecke biege.
Der Regen hat wieder aufgehört, doch die Feuchtigkeit hängt in der Luft wie eine Vorahnung dessen was noch passieren wird. Im Normalfall habe ich nichts dagegen durch den Regen zu laufen, doch gerade heute hatte ich gehofft mit nicht verlaufenem Make-up und trockener Kleidung glänzen können. Nervös ziehe ich mein Handy aus dem Beutel und checke die Wegbeschreibung, ehe ich einbiege und vor der Tür warte hinter der sich der einzige Mensch verbirgt dessen Nähe ich gerade ertragen kann.

Grinsend macht er die Tür auf und ohne dass ich es will, muss ich lächeln. 

Kommentare:

  1. Du solltest mal wieder was essen anstatt so einen Scheiß zu fabrizieren

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  2. Du schreibst wirklich gut und nimmst einen mit deinen Worten gefangen. Die Auflösung hat mir gut gefallen.
    Liebe Grüße, Mona von Belle Melange

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  3. Super geschrieben! Mir geht es oft auch so. Verrat ist etwas, was man einfach nicht runterschlucken kann. Mir wird dann auch immer gesagt, dass ich positiv denken soll. Aber das bringt auch nichts, wenn es immer von Neuem losgeht. Bin auch oft wütend auf mich selbst, dass mich sowas nicht so einfach loslässt. Freut mich für dich, dass du jemand hast dem du vertrauen kannst :)
    Liebste Grüße
    Larissa

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