Freitag, 18. Juli 2014

Justine privat - Vom Regen



Es blitzt und donnert in einem Maße das sich unmöglich ignorieren lässt, während ich angestrengt versuche etwas Anständiges in mein Notizbuch zu kritzeln. Die vielen Gedanken in meinem Kopf sind einfach nicht zu ordnen. Inzwischen haben sich dutzende angefangene Dokumente auf dem Desktop meines Laptops angesammelt und trotzdem weiß ich nicht so recht welche Prioritäten ich da setzen soll. Mit der Maus streife ich über einen Artikel zum Thema Tierschutz, bei dem ich noch nicht so recht weiß wie ich das Thema angehen sollte, gleich daneben ist eine unvollendete Kurzgeschichte über eine Frau deren Hobby das Kochen von Menschenfleisch ist. Der Wust von Informationen überflutet meine Sinne und der grollende Donner macht es nicht besser, so kann ich mich unmöglich konzentrieren.


Auf meinem Handy blinkt die kleine blaue Lampe die mir signalisiert, dass jemand mir geschrieben hat. Ich will automatisiert aufspringen und nachschauen, doch mein Unterbewusstsein hält mich zurück und damit davon ab in einer panischen Bewegung über den Tisch zu greifen.  Diese ständige Verfügbarkeit ist ebenfalls etwas das sich nicht gerade förderlich auf den Schreibfluss auswirkt. Ich stöhne auf wie eine alte Frau und wische mir eine regenfeuchte Strähne aus dem Gesicht. Wieder blitzt und donnert es so laut, dass mein Hund aufwacht und ein leises Wuffen von sich gibt. Selbst sie hat sich bereits an das monotone Gegrummel des Himmels gewöhnt, nur mir will das nicht gelingen.  Ich gebe der Sucht nach dem Smartphone nach und schaue mir die letzte Nachricht an. Meine Mundwinkel zucken zu einem kurzen Grinsen auf, bevor ich das Handy zur Seite lege ohne es zu lesen. Ich habe bereits genug Ablenkungen und muss mich nicht noch zusätzlich mein Gefühlschaos vertiefen.
Wütend stehe ich auf und tapse auf Wollsocken, die mein schlechtes Gewissen bestärken, in die Küche. Von allen Seiten scheint mich etwas anzuschreien, dass ich etwas tun müsste. Der Geschirrspüler blinkt panisch und hört erst auf, als ich ihn öffne. Ich habe keine Lust ihn auch gleich zu öffnen und auszuräumen, denn das mache ich ständig. Die Wiederholung ist so nervtötend das ich es nicht einmal ertrage ihn zu öffnen, stattdessen greife ich in den Kühlschrank und hole mir ein kaltes Bier aus dem untersten Fach. Mein Hunger meldet sich zu allem Übel ebenfalls wieder und so entschließe ich mich kurzerhand mir etwas zu essen zu machen. Inzwischen bin ich geübt darin Avocados, Lauchzwiebeln, Mais, Salz und Pfeffer zu einem Brotaufstrich zusammen zu rühren. Während ich von meinem Brot abbeiße, laufe ich wieder in die Wohnstube zurück und kann gerade rechtzeigt sehen wie ein weiterer Blitz am Himmel zuckt. Einen Wimpernschlag später donnert es so heftig, dass ich es unter meinen Fußsohlen Vibrieren spüre.
Diese Art von Wetter fasziniert mich genauso wie sie mich verstört. Unwillkürlich denke ich daran dass ER unterwegs ist, da draußen bei dem tobenden Sturm. Die Nervosität nimmt wieder zu und ich laufe abermals in die Küche um mein Bier zu holen [1] das noch auf der Arbeitsplatte steht. Wieder an meinem eigentlichen Arbeitsplatz angelangt blicke ich abermals zu meinem verdammten Handy. Dieses Mal erliege ich dem Kommunikationsdrang und blicke auf die Nachricht:
„Fuck Ich hab n Nassen.“
Unwillkürlich und unpassender Weiße muss ich grinsen, denn vor meinem inneren Auge zeichnet sich das klischeehafte Bild eines Punkrockers im Regen deutlich ab.  Ich schüttle die romantischen Gedanken ab und setzte mich wieder vor meinen Laptop. Das Schreiben geht gerade vor und diese verwirrenden Gedanken machen es nicht besser mich zu konzentrieren.





 [1]

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