Montag, 4. August 2014

Frotteure - Der Drang sich zu Reiben


Ich stehe in der überfüllten Straßenbahn und fluche leise vor mich hin, während ich versuche den klebrigen Stoff von meiner Haut zu ziehen. Der Sommer hat einige Tücken und eine volle Bahn gehört eindeutig zu den unschönen Seiten.  Die vielen Menschen, die sich neben einander drängen sind mir ohnehin schon unangenehm, und dann spüre ich auch noch plötzlich etwas, das mich verwirrt.

Der Mann hinter mir scheint plötzlich noch dichter zu kommen als notwendig. Ich kann seine Hüfte an meinem Hintern spüren und versuche mich unwillkürlich weiter nach vorne zu bewegen, das ist jedoch nicht so einfach, denn auch vor mir stehen Menschen. Ich beiße die Zähne zusammen und warte einfach ab. Immerhin wackelt die Bahn und ich leide ohnehin an ständiger Paranoia – Ich kann die Situation auch einfach vollkommen falsch verstanden haben.


Doch dann passiert es wieder. Seine Hüfte reibt sich an meinem Hintern, gerade stark genug damit ich es bemerke. Stocksteif stehe ich für 5 Sekunden da und kann nicht fassen was ich da gerade an meinem Allerwertesten fühlen muss. Nachdem sich die Starre gelegt hat, drehe ich mich halb um und fauche den Mann an: „Falls es Ihnen nicht aufgefallen ist, mein Arsch ist kein Allgemeingut.“
Er sieht irritiert aus, und gleichzeitig fast als würde es ihm leid tun. Die Bahn hält und ich steige zusammen mit einer Horde anderer Menschen aus. Ich bin noch immer völlig aufgelöst, wütend und irritiert. Ein völlig Fremder hat sich gerade an meinem Hintern gerieben, noch dazu in einem öffentlichen Verkehrsmittel.
Den ganzen Tag bekomme ich diesen Gedanken nicht aus meinem Kopf und beginne, sobald ich Zuhause bin damit, Nachforschungen anzustellen. Es überrascht mich wenig, dass ich nicht die einzige bin, die derartige Erfahrungen gemacht hat. Das Internet ist voll von Menschen, die auf diese Art belästigt wurden.
Menschen die sich sexuell stimulieren, in dem sie sich an anderen reiben, nennen sich Frotteure.  Der Tatort Straßenbahn ist dabei nicht gerade unüblich, jedoch auch keine Pflicht. Anonymes Reiben an öffentlichen Orten scheint eine starke Faszination auf diese Menschen auszuüben. Gefährlich daran ist in der Hauptsache, dass es meist ohne Einwilligung des Gegenübers geschieht und sich dadurch eine Täter-Opfer Beziehung aufbaut. Die Opfer sind oftmals verwirrt und verstehen nicht so recht was gerade passiert – so wie es mir ging. Bis man realisiert das sich jemand in der Öffentlichkeit an einem aufgeilt dauert es einen Moment, denn die Berührungen scheinen zunächst ganz beiläufig. Offiziell wird Frotteurismus als Störung der sexualen Präferenz eingeordnet, sich dagegen zu wehren ist als Opfer oftmals schwierig, denn eine Anzeige zu erstatten hat wenig Sinn.
Aussage steht gegen Aussage und im Zweifel für den Angeklagten.
In Kürze folgt ein ausführlicher Post über Frotteure.

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Kommentare:

  1. An dir würde ich mich auch gerne mal reiben ---

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  2. Man sollte sich nur an Menschen reiben die diesen Wunsch erwiedern.

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  3. Furchtbar! Ich hatte so etwas ähnliches in der Bahn erlebt. Nur, dass der Typ immer aufdringlicher wurde. Zur Hilfe eilte mir zum ein Mann damit es nicht weiter esklierte. Mich macht sowas echt wütend. Ich weiß, das so etwas eine Störung oder Krankheit sein kann. Dennoch ist es für andere beästigend, unangenehm oder kann beängstigend sein.

    Ich bin schon auf deinen Folgeartikel gespannt.

    Liebe Grüsse,
    Svenja / strasskind.com

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