Sonntag, 31. August 2014

Justine privat – Nieder mit den Traumprinzen und Prinzessinnen


Ich möchte den Traum vom Happy End in Brand stecken, denn es ist nichts anderes als ein modisches Märchen in dutzenden Klischees. In unserer doch scheinbar so hochentwickelten Welt dreht sich alles nur noch stumpf darum, dass passende Gegenstück zu finden. Dabei ist das ständige Streitthema welche Geschlechter dies in welche Kombination dürfen, heute tatsächlich einmal nebensächlich. Es geht nur um die Liebe und die Suche nach dem Prinzen/der Prinzessin, die scheinbar perfekt zu einem passt.
„Du bist sowas von unromantisch …“, werde ich getadelt und mit einem grimmigen Blick bestraft. Doch ich bin bereits in Kampfposition und habe nun den Drang meine Meinung ausführlicher zu begründen.
„Es gibt keinen Einen. Der Traum von der einen großen Liebe ist so häufig Realität wie Nazis schlau … Man hat schon mal gehört das es solche geben soll, aber glauben kann man es eben nicht. Seltenheitswert hat es aber auf jeden Fall …“
Wieder ein böser Blick, doch dieses Mal wird er auch noch mit einem Kopfschütteln betont. „Natürlich darum geht es doch im Leben, die große Liebe zu finden.“

Die Aussage ist so süß und naiv das es mir fast das Herz bricht. Ich kann nicht anders als mich kurz in den schokobraunen dunklen Augen zu verlieren und mir zu wünschen eine ebenfalls so einfache Meinung zu vertreten. Doch das kann ich nicht, dazu hat die Realität meine Romantik einfach schon zu oft gefickt.
„Bullshit, Liebe ist sicherlich ein  großer Teil des Lebens aber nicht der eigentliche Sinn. Es ist dein Leben und du musst den Wert dessen auch sehen, wenn du es nicht mit  jemandem teilen  kannst. Außerdem geht es mir viel eher um die Einzahl …“
Ihr Blick wird nun weniger hart, aber ich sehe noch immer deutlich die Skepsis. Sie schüttelt sich kurz als wäre ihr kalt, oder als habe sie Angst dass meine Erklärung sie ekeln könnte. „Du meinst also man kann viele Menschen lieben?“

„Ich glaube einfach nicht, dass man nur eine große Liebe im Leben hat, sondern vielmehr ganz viele wundervolle Menschen die man lieben kann.“
Dieses typische Frauenthema zu diskutieren ist nicht unbedingt das was ich von diesem Nachmittag erwartet habe. Eigentlich hatte ich gehofft das Thema Liebe zumindest eine Weile verdrängen zu dürfen, denn in der letzten Zeit hängt sie mir schlicht nur noch zum Hals raus.
„Hast du dich denn noch nie verliebt?“, werde ich mit panischem Unterton gefragt. Perplex ziehe ich an meiner Zigarette. „Natürlich war ich das, aber eben in mehr als eine Person und das wird dir sicher nicht anders gehen“, brumme ich etwas grimmiger als beabsichtigt. Schon als kleines Mädchen fand ich mehr als einen Mann und eine Frau großartig. Ganz vorne auf meiner Liste standen Batman und Sailor Pluto. Ich hole weiter aus und schwenke dabei meine Arme in einer überschwänglichen Geste. „Der Punkt ist …“
Ich kann mir ein kurzes Grinsen nicht verkneifen, denn diese Worte erinnern mich unvermittelt an eine Person in die ich bereits seit Jahren verliebt war. Und es vielleicht noch immer bin, wenn ich derartige Gefühle wirklich zulassen würde. Die kurze Erinnerung trübt das Konzept mit dem ich gerade beginnen wollte und wirft mich kurz aus der Bahn.
„Der Punkt ist, dass es so viele tolle Menschen auf dieser Welt gibt, dass man nicht davon sprechen kann, dass man nur eine wirkliche Liebe im Leben hat. Du warst doch inzwischen auch mit mehren Jungs zusammen und hast Jahre mit ihnen verbracht, da wertest du die Beziehungen doch nicht ab indem du sagst sie wären alle nicht deine große Liebe gewesen …“
„Das ist keine Abwertung sondern eine bloße Tatsache – Wäre einer von ihnen der Richtige gewesen wären wir noch zusammen und ich nicht mehr auf der Suche.“
Ich kann an ihrer angespannten Haltung deutlich erkennen, dass sie langsam wütend wird.  Immer wieder zerwühlt sie ihre langen Haare und kratz sich über die helle Haut an ihrem Unterarm. Bei uns prallen Welten auf einander – Sie wirkt eher wie eine natürliche Schönheit, sehr ruhig und gebildet mit einem erstklassigen Umgang, keinerlei Drogenerfahrungen und keuschem Umgang mit Sexualität. Und daneben sitze ich. Zum Glück ist sie all das ohne das typische intolerante Klischee zu bedienen. Ihre eigene Meinung ist zwar zu meist kleinbürgerlicher wie die Besucher des Oktoberfestes, allerdings ist sie sehr aufgeschlossen gegenüner Menschen angeht die auf genau diese Masche so gar keine Lust haben.
„Ich sehe dass eher so, dass man bestimmte Menschen im Leben treffen muss, damit die eigene Persönlichkeit sich formen kann. Auf der Stelle treten ist niemals gut und wenn man sich verändert kann das eben auch eine Änderung in der Liebe bedeuten …“, versuche ich es noch mal und schnipse die Zigarette unachtsam auf den Bürgersteig. „Außerdem ist kein Mensch perfekt, niemand passt in jeder Beziehung perfekt zu dem anderen – sowas ist nur ein überspitzes Bild aus einem Hollywood Film. Liebe bedeutet nicht nach dem Märchenprinzen zu suchen der all deine Erwartungen erfüllt.“
„Sondern? Man muss Erwartungen stellen, das ganze Leben besteht aus Erwartungen …“, grummelt sie finster. Jetzt bin ich es die sich schüttelt und die Hände über den Kopf zusammenschlagen möchte. „Das Leben muss gelebt werden und nicht mit falschen Erwartungen ertränkt, die sich zu meist als Blödsinn heraus stellen …“
„Man muss einfach solange suchen bis alles perfekt ist“, wehrt sie bockig ab und schwingt sich an mir vorbei. „Ich muss jetzt da hoch, du kannst ja die Suche nach dem Traumprinzen gerne aufgeben aber ich glaube daran das da draußen irgendwo ein Mann herum rennt, der genau das ist was ich will …“ „Woher willst du denn wissen was du dein Leben lang willst?“
Sie verdreht die Augen, dreht sich auf dem Absatz um und marschiert nach einen grimmen „Tschüss“ davon. Ich blicke ihr einen Moment lang nach und versuche zu verstehen was sie an meiner Theorie so wütend gemacht hat. Für mich ist es eher befreiend, nicht mehr nach dieser einen Person zu suchen, sondern lieber mich selbst zu finden und dann zu sehen wen ich auf diesem Weg treffe. Wer braucht schon einen Traumprinzen oder eine Prinzessin?
Ein echter Mensch mit Persönlichkeit und Wesenszügen, die ich nicht unbedingt mögen muss, ist auf Dauer sicherlich interessanter als ein blöder Prinz der mir alles recht macht …


1 Kommentar:

  1. Wie immer wunderbar geschrieben Justine. Dieser Artikel hat mich relativ motiviert und mich daran erinnert, die Suchen einfach weiterzuführen, bis ich an dem Punkt angelangt bin wo es perfekt ist.

    AntwortenLöschen