Montag, 18. August 2014

Justine privat: „Und bist Du verliebt?“

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Tini sieht mich skeptisch an  und schiebt sich eine karamellfarbene Strähne aus dem rundlichen Gesicht. Ihre Rehhaften Augen fixieren mich, während die rosa bemalten Lippen sich zu einem kleinen Grinsen verziehen. „Und?“, fragt sie mich ohne die Neugierde in ihrer Stimme verbergen zu wollen. „Bist du verliebt?“
Augenblicklich werde ich rot und fange an unkontrolliert zu grinsen. Peinlich berührt weiche ich dem Blick aus und versuche wieder etwas anderes zu hören als den rauschenden Puls in meinen Ohren. Stumm starre ich auf den Bildschirm, ohne verhindern zu können dass sich vor meinem innenren Auge  sein Bild aufbaut. Ich schüttle mich, als könnte ich so verhindern dass jemand das offensichtliche sieht. Angestrengt versuche ich meine Kollegin zu ignorieren, doch Tini ist keines der Mädchen die sich einfach ignorieren lassen.
Mit ihrem Schreibtischstuhl rollt sie dichter zu mir heran, dabei verengt sie die Augen auf eine Art die kleine Fältchen um sie herum zaubern.
„Bist du in IHN verliebt?“
Ich räuspere mich unbehaglich, das Thema Liebe gehört nun wirklich nicht zu denen, die ich gerne öffentlich diskutiere. Besonders nicht wenn ich gerade in einem chaoshaften Urwald aus Gefühlen stecke die ich noch nicht einmal selbst einordnen kann. „Er ist großartig“, antworte ich diplomatisch und weiche weiterhin konsequent den Blicken aus. Dank der unglaublich hohen Frequenz von Tinis Stimme, sind es inzwischen nicht nur ihre Augen die mich anstarren.
„Ich meine, er ist unglaublich“, stottere ich weiter und werde so nervös das mein Knie wieder anfängt zu zittern. „Er ist groß, gutaussehend, wahnsinnig talentiert und absolut Überheblich – aber, …“

Ich breche ab, weil mir selbst klar wird wie sehr das nach einem kleinen verliebten Teeny Mädchen klingt. Hatte ich mir nicht geschworen nicht mehr so zu sein?
Tini sieht mich mit schwärmerischem Blick an und stützt das Kin auf einer Hand ab. „Mach ruhig weiter …“, meint sie grinsend. „Ich kann etwas Romantik gebrauchen.“
Ich beiße mir auf die Lippe und schaue mich um. Inzwischen scheinen die Menschen um uns herum wieder ihrer Arbeit nachzugehen, oder sie tun zumindest so.
„Ich kenne ihn schon so lange und es ist immer das Gleiche. In seiner Nähe fühle ich mich, als wäre ich einen seltsamen Musical entsprungen und müsste die ganze Zeit mit Glitzer und Tierschutzflyern um mich werfen …“
„Das klingt nach einem guten Film.“
„Ich wollte damit sagen, dass ich mich vor ihm immer benehme wie mein verknalltes 14 Jähriges Ich.“ Obwohl ich versuche möglichst leise zu sprechen, fühle ich mich dennoch beobachtet. Mürrisch nippe ich an meinem fast kalten Kaffee.
„Liebes so fühlt man sich eben wenn man verliebt ist …“, tadelt Tini mich und schüttelt den Kopf. „Hör auf es abzuwerten und genieß es lieber …“
„Das kann ich aber nicht …“, knurre ich grimmig.
„Warum nicht?“
„Weil ich die Ausgeburt einer Fehlbesetzung für einen romantischen Film bin.“
Tini kichert laut auf und verschränkt die Arme vor den üppigen Brüsten während sie sich leicht zu mir beugt. „Das scheint ER aber anders zu sehen“, gibt sie zu bedenken und zwinkert. „Warum lässt du dich nicht einfach auf die Rolle ein und schaust mal wie es sich entwickelt.“
„Weil ich keine Rolle spielen will die mich überfordert – Er ist eine ganz andere Liga.“
Tini tätschelt mir liebevoll die Schulter und schüttelt den Kopf. „Da wurde jemanden aber gehörig der Kopf verdreht – Ich kann mir nicht vorstellen, dass er auch nur im Ansatz einer anderen Liga angehört.“
„Jungs wie er stehen nicht auf Mädchen wie mich – zumindest nicht lange.“
„Mädchen wie Du? Ich dachte du willst nicht in eine Schublade gesteckt werden, und nun tust du es selbst?“
Ich schnaube grimmig.
„Du weißt was ich damit sagen will, es macht mir eine verfluchte scheiß Angst das ich ihn so sehr mag.“
„Eine verfluchte scheiß Angst?“
Ich nicke noch immer nicht weniger grimmig und ziehe die dünne Strickjacke enger um meinen Oberkörper. Mein Puls hämmert wieder lauter in meinen Ohren und ich frage mich wie lange es noch dauert bis meine Fähigkeit logische Gedankengänge nachzuvollziehen und eine realistische Betrachtungsweiße an den Tag zu legen, wieder funktionieren. Es reicht schon über ihn zu reden und meine Konzentration versinkt im kalten Meer.

„Ich sag es dir wirklich nicht gerne“, meint Tini plötzlich und ist offensichtlich noch immer nicht bereit das Thema ruhen zu lassen. „Aber wenn man eine verfluchte scheiß Angst vor seinen Gefühlen hat bedeutet das nur eins: Sie sind größer als alle die man vorher hatte.“

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