Montag, 20. Oktober 2014

Fair shoppen bei Zündstoff - Interview

Inzwischen kann man in einigen Online Shops auf Schnäppchen Jagt gehen. Einer der ganz besonderen Shops ist "Zündstoff" - Hier bekommt man nicht nur neue Mode, sondern diese auch noch Fair. 

In diesem Interview durfte ich die Hintergründe des Shops einmal näher beleuchten. 


Der Trend geht von der Weg-werf-Mode eindeutig weg.  Ihr Online-Shop zeichnet sich vor allem dadurch aus das die Produkte alle fair und ökologisch hergestellt werden. Wie können Sie dies garantieren?

Für die Auswahl unserer Produkte haben wir grob gesagt drei Richtlinien, die sicherstellen sollen, dass die Kleidung ökologisch und sozial Nachhaltig produziert wurde.
Recht einfach ist das beim Thema 'ökologisch'. Baumwolle darf sich ja nur dann 'bio' nennen, wenn auch ein entsprechendes Zertifikat vorliegt. Diese Zertifikate werden von unabhängigen Organisationen ausgestellt, die z.B auch entsprechende Kontrollen im Lebensmittelbereich durchführen. Außerdem werden bei Biostoffen nur Farben eingesetzt, die z.B. keine Schwermetalle enthalten, und auch sonst gesundheitlich unbedenklich sind. Natürlich werden auch die Abwässer der Färbereien geklärt. 
Bei der Auswahl anderer Fasern oder der Zusammensetzung von Mischgeweben richten wir uns nach einem Benchmark der Organisation Made By. Keine Faser sollte schlechter sein als Biobaumwolle, manche Fasern sind sogar besser, z.B. Bio-Leinen.
Schwieriger ist das im Bereich Arbeitsstandards. Viele unserer kleineren Marken produzieren in der EU, z.B. in Portugal. Da dort europäisches Arbeitsrecht gilt und die Einhaltung von Standards per Gesetz besser garantiert ist, ist das Risiko von Arbeitsrechtsverletzungen sehr gering. Schweiriger ist das bei Produkten aus Asien oder Lateinamerika. Hier müssen die Marken entweder ein entsprechendes Zertifikat vorweisen (z.B. das GOTS-Siegel - ein Biosiegel, bei dem auch die Arbeitsstandards geprüft werden) oder Mitglied in World Fair Trade Organisation (WFTO) oder der Fair Wear Foundation (FWF) sein. Allerdings sind uns Mitgliedsorganisationen lieber, da sie das komplette Unternehmen betrachten und nicht nur einzelne Produkte.
Womit wir auch schon beim letzten Punkt wären. Wir selbst achten immer stark darauf, dass das Thema Nachhaltigkeit zum Kernbereich der Unternehmensphilosophie unserer Lieferanten gehört. Marken, die nur ein paar wenige Produkte im Angebot haben, die fair und öko sind, kommen bei uns nicht in den Shop. Wir wollen ja wirklich nur Unternehmen zu supporten, die es auch wirklich ernst meinen mit der Fairness und der Ökologie.

Wie kam es zu der Idee eines solchen Shops? Hat Ihre persönliche Haltung etwas damit zu tun oder war es schlicht eine Marktlücke?

Wir sind da echte Überzeugungstäter. Mein Kompagnon Matthias und ich sind eigentlich Sozialwissenschaftler. Während meines Studiums habe ich mich viel mit den Themen Globalisierung und Freihandel beschäftigt und war im Umfeld der 'Globalisierungskritischen Bewegung' aktiv. 2004 habe ich meine Abschlussarbeit zu den Auswirkungen von Freihandel auf die Arbeitsstandards im Textilsektor geschrieben. Biolebensmittel und fair gehandelter Kaffee waren damals für mich selbstverständlich. Ich fing dann an mich zu fragen, warum ich bei Kleidung nicht darauf achte, wie sie produziert ist. Ich stellte dann schnell fest, dass es zwar Kleidung gab, die okay produziert war, dass mich die klassische 'Ökomode' aber stilistisch überhaupt nicht ansprach. So entstand dann die Idee zu recherchieren, ob es nicht doch ein paar coole Klamotten gibt, die meinen ethischen Vorstellungen entsprachen. Matthias fand die Idee gut, so dass unser Shop dann 2006 online ging. Zu der Zeit war es richtig schwierig gute Sachen zu finden und sowohl unser Angebot als auch unser Budget waren echt klein. Wir haben dann fast drei jahre von Hartz IV gelebt und zündstoff offziell als 'Nebenjob' gemacht. Mittlerweile können wir von unserem (Online-)Geschäft leben. Das Angebot hat sich seitdem natürlich auch stetig weiter entwickelt. Es gibt so ziemlich jedes Kleidungsstück auch in 'fair'. Auf jeden Fall kann man sich bei uns mittlerweile easy komplett einkleiden.  
 
Was unterscheidet Ihren Shop von anderen – Neben den fairen Produkten?

Für uns ist es selbstverständlich, dass auch Mitarbeiter*innen bei uns einen vernünftigen Lohn bekommen und auch sonst gute Arbeitsbedingungen haben. Wir benutzen nur Ökostrom und haben bei der Ladeneinrichtung viel in LEDs investiert, damit wir nicht so viel Strom verbrauchen. Außerdem machen wir immer wieder Aufklärungs- und Bildungsarbeit, unterstützen Kampagnen, und so weiter. Wir organisieren zum Beispiel immer mal wieder Vorträge mit Näherinnen oder Aktivistinnen aus den klassischen Produktionsländern und haben engen persönlichen Kontakt zu einigen leuten von der 'Kampagne für saubere Kleidung' (http://www.saubere-kleidung.de/). 
Natürlich versuchen wir auch fair mit unseren Kund*innen umzugehen. Online ist ja oft alles ein wenig anonymer. Da finden wir es wichtig einen guten Service anzubieten und für die Leute da zu sein, wenn ein Produkt z.B. einen Verarbeitungsfehler hat.
Ein schneller Versand ist uns ebenfalls sehr wichtig. Insgesamt haben wir da ein sehr gutes Feedback und sehr viele Stammkund*innen.
 
Die vegane Bewegung wächst immer weiter an, Mode muss nachhaltig sein und fair produziert werden. Wo glauben Sie bewegt sich unsere Gesellschaft hin? Sind wir auf einem guten Weg?

Oh. Das ist ja eine sehr komplexe Frage.
Ich denke, dass immer mehr Leute relativ bewusst konsumieren. Allerdings ging der Trend ja auch lange in die andere Richtung. Und wenn ich mir angucke, dass die Leute bei Primark-Eröffnungen Schlange stehen, bin ich eher skeptisch, dass sich wirklich etwas verändert hat. Ich denke, dass sich die Gesellschaft in unterschiedliche Richtungen entwickelt was den 'ethischen Konsum' angeht. Die einen kaufen immer möglichst billig, die anderen machen schon fast eine Religion aus dem wie sie konsumieren.
Allerdings macht der Bereich 'vegetarische / vegane Ernährung' schon ein wenig Hoffnung, dass wir auch bei Kleidung irgendwann die Kurve kriegen. Wenn ich daran denke, wie schwierig es Anfang der neunziger Jahre war sich allein vegetarisch zu ernähren und z.B. gute Brotaufstriche zu bekommen, stehe ich wegen der geilen Auswahl manchmal immer noch ziemlich geflasht im Bio-Supermarkt rum. Wir brauchen da einfach ein gutes Wechselspiel von Nachfrage und Angebot. Das faire Kleidung gar nicht so teuer ist und auch cool aussieht ist einfach immer noch nicht in allen Köpfen fest verankert.  
Aber ich denke, dass wir die gesellschaftliche Entwicklung nicht nur anhand von Konsumverhalten analysieren sollten. Wenn sich wirklich grundlegend etwas ändern soll, muss das auf vielen Ebenen passieren. Im privaten Konsum, bei der öffentlichen Beschaffung und auch bei den Arbeitsbedingungen hierzulande. Ich kann ja von Leuten, die nur ein kleines Gehalt haben und eventuell beim Amt aufstocken müssen nicht erwarten, dass sie auch noch bio und fair konsumieren.
Und nicht zuletzt wäre die Politik gefragt. Eine gesetzlich verbindlicher Standard für 'ökologische + faire Kleidung' (ähnlich wie das EU-Bio-Siegel) wäre zum Beispiel gut und würde vielen Verbraucher*innen helfen.
Im Großen und Ganzen würde ich mir ein wenig mehr Druck auf die konventionelle Industrie wünschen. So lange wir einerseits über einstürzende Fabriken in Bangladesch lamentieren uns aber andererseits davor scheuen europäische Unternehmen dazu zu zwingen, ihre Einkaufspraxis transparent und gerecht zu gestalten werden faire Klamotten nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.   
 
Was dürfen wir in der nächsten Zeit von Ihrem Shop erwarten?


Eigentlich versuchen wir unser Angebot immer weiter aus zu bauen. Wir wollen nicht nur unterschiedliche Stile bedienen, sondern auch unterschieldiche Geldbeutel. Was echt fehlt sind z.B. richtig gute, vegane Winterschuhe. Alles was wir bisher hatten fanden wir von den Materialien nicht so toll. Da sind wir natürlöich auch für Vorschläge offen. Den ganzen markt haben wir dann doch nicht im immer im Auge.
Und an unserem Service arbeiten wir natürlich auch kontinuierlich. Leider haben wir ab und zu Fehlbestände im Shop. Das heißt, dass Artikel nicht mehr da sind, obwohl die Software das noch 'denkt'. Sowas kommt zum Beispiel vor, wenn Artikel im Laden geklaut werden. Wir sind da ständig auf der Suche nach fehlerquellen, damit auch wirklich immer unser Bestand stimmt.
Eine weitere größere Baustelle wird das Anbieten vom 'Kauf auf Rechnung'. Demnächst wird es die Option geben sich seinen Warenkorb selbst per Mail zu zusenden, wenn man die Seite verlässt.
Wir werden unseren Weg auf jeden Fall in der Art und weise weiter gehen wie bisher und hoffen, dass wir auch langsam weiter wachsen. Dabei ist uns wichtig, dass das alles 'organisch' abläuft ohne Investoren oder Risikokapital. Immer schön die Wurzeln im Boden und den Kopf in der Luft behalten. 

Ich sage Danke für die Beantwortung meiner Fragen und freue mich auf weiteres Shoppen bei Zündstoff :)





1 Kommentar:

  1. Super Interview! Den Laden schau ich mir gleich mla genauer an!
    Klingt nach einer schönen Alternative zu H&M und dem anderen Zeugs ...
    Fair sollte belohtn werden ...

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