Sonntag, 12. Oktober 2014

Little bloody Sunshine - 1.

24 Stunden zuvor ...



Die Schüsse trafen viel besser, als sie es erwartet hätte.
Die Kugel hatte ein klaffendes Loch genau zwischen den Augen hinterlassen. Blut und seltsame Klumpen, wahrscheinlich vom Gehirn, klatschten an die weiße Wand. Marie schluckte schwer. Ihre Gedanken waren wie eingefroren. Der Mann sackte auf den Boden und gab dabei ein seltsames Geräusch von sich. Sie nahm den beißenden Gestank wahr, anscheinend hatten seine Körperfunktionen versagt.
Der letzte Augenblick seines Lebens war wahrhaftig beschissen. Alles geschah viel langsamer, als sie gedacht hatte, wie in einer stockenden Zeitlupe aus einem schlechten B-Movie.

Müsste nicht alles rasend schnell passieren?

Die Situation kam ihr so fremd vor.

In Filmen passiert so etwas doch nicht? Ich habe noch nie einen Film gesehen, in der ein Bösewicht erschossen wird und sich anschließend in die Hosen scheißt.

Ihr Verstand war wie benebelt, alles bewegte sich um sie herum aber davon bekam sie nichts mit. Sie stand da während alles um sie herum wirbelte und sich zu komischen Farbschleiern vermischte.
Marie wagte es nicht ihn anzusehen, den Toten. Immer wieder blinzelte sie, doch der Farbschleier blieb vor ihren Augen wie eine Warnung vor der Realität die sich dahinter verbarg.
Der Tote lag da, einfach nur da. Die weit aufgerissenen Augen starrten ins Leere. Eigentlich hatte sie erwartet, dass er sie ansehen würde. Ihr wurde etwas übel, als sie den Gedankenblitz an Mastvieh, nicht mehr verhindern konnte.

Das ist alles so nicht richtig. Es ist nicht wie im Kino, es ist nicht so, als würde das jemand anderem passieren. In einem Film hätte er seinem Mörder direkt und höchst dramatisch in die Augen gesehen. Aber er starrt einen unsichtbaren Fleck an, das Nichts was allen Lebenden entging. Vielleicht ist das sogar noch schlimmer.

Das klaffende Loch in seinem Hinterkopf schien zu dampfen. Ihr Kopf knickte leicht zur Seite, als könnte ihr Körper den Anblick nicht mehr länger ertragen. Jemand nahm ihr die Waffe aus der Hand. Marie wollte etwas tun, sie wollte zu der Leiche gehen und sie rütteln, bis sie sicher war, dass er tot war.

Kann jemand solch ein Loch im Schädel überleben?

Dann ergriff ein anderes Gefühl die Oberhand. Ihr Körper fühlte sich unendlich schwer an. Ihr wurde schlecht, der Magen schien sich zusammen zuschnüren. Eine Mischung aus heißen und kalten Wellen, durchfuhr ihre Innereien und wieder musste sie daran denken, wie Kühe geschlachtet wurden, wie ihnen der Bauch aufgeschnitten wurde, damit ihre Organe herausfielen, und genauso fühlte Marie sich gerade, doch gerade als ihr das klar wurde, gaben ihre Beine nach, doch jemand fing sie auf.

Frank.

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Fortsetzung folgt

Kommentare:

  1. Krasser Anfang - Ich bin gespannt wie es weiter geht!!!

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  2. Hier mag ich vor allem den schwarzen Humor wie bei "Der letzte Augenblick seines Lebens war wahrhaftig beschissen"
    Liste der üblichen Formulierungen :) "klaffendes Loch" (gleich 2x), "schluckte schwer", "Ihr Verstand war wie benebelt"

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