Sonntag, 5. Oktober 2014

Little bloody sunshine - Prolog



Prolog

Das schrille Piepen aus dem Lautsprecher seines Handys ließ nichts Gutes ahnen.
„Chicago Police Department, was kann ich für sie tun?“ meldete sich eine metallisch klingende Stimme, die eher zu einem Roboter zugehören schien als zu einem menschlichen Wesen. Frank räusperte sich etwas. Er hatte lange darüber nachgedacht, hatte hin und her überlegt, ob es wirklich keine bessere Lösung gab. Aber ihm fiel keine ein. Es gab nichts anderes, was er hätte tun können und wenn doch war er einfach zu blöd, diesen Ausweg zu sehen oder hatte nicht die nötigen Kontakte.
„Ich möchte einen Mord melden“, sagte er so ruhig, dass es ihn selbst überraschte. Am anderen Ende der Leitung knackte es leicht. Vielleicht war es auch das Klirren einer Kaffeetasse die auf den Schreibtisch abgestellt wurde. Er konnte sich lebhaft vorstellen, wie einer dieser fetten Bullen, die nicht mehr in die Streifenwagen passten, am Telefon hing und sich die halbe Nacht mit dem Gedanken an Schmalzkringel wach hielten, jetzt seine Tasse abstellte.


„Wo genau?“, fragte die Stimme, inzwischen klang sie fast etwas aufgeregt, aber immer noch vollkommen unmenschlich. Frank nannte den Namen der Straße und der Hausnummer. Er schloss kurz die Augen und saugte die kalte Nachtluft tief ein.
Vielleicht war es das letzte Mal, dass er die Chance dazu hatte.
Sein Blick schweifte seicht umher.
Vielleicht hätte ich mir in meiner vorerst letzten Nacht in der Freiheit, ein etwas schöneres Stadtviertel Chicagos aussuchen sollen. Mag ja sein, dass der Präsident aus dieser Gegend kommt, aber seine Nachbarn haben es nicht aus der Prostitution raus geschafft. Kein Wunder, dass noch niemand etwas gemeldet hat.
Er kramte mit der freien Hand nach seinen Zigaretten. Schon komisch wie das Leben manchmal so verlief, wie aus einer Endscheidung  jemanden an einer Bushaltestelle zu sehen und etwas trinken zu gehen, ganze Bahnen in einem Leben umlegten.
Er sollte es genießen noch eine unterm freien Himmel zu rauchen, dachte er und sah sich seine Zigarettenpackung genau an. Vielleicht würde er im Knast auch gar nicht an die guten Zigaretten kommen.
„Sir, ein Streifenwagen ist auf dem Weg. Sind sie in Gefahr?“
Frank sah sich um und betrachtete einen bulligen Schwarzen der an einer Bushaltestelle vor sich hin döste.
„Nein.“
„Ich bitte Sie in der Nähe zu bleiben“. sagte die Stimme. „Können Sie etwas zum Täter sagen? Ist der Täter noch in der Nähe?“
Frank schluckte leicht. So viele Fragen auf einmal. Wenn auch in einer seltsamen Reihenfolge. Wahrscheinlich hatte er mit der Vorstellung des fetten Typen Recht gehabt und durch den ganzen Zucker konnte sich der arme Kerl nicht mehr richtig konzentrieren.
Letzte Chance, um einen Rückzieher zu machen, noch konnte er die ganze Sache hinschmeißen und Marie ihrem Schicksal überlassen.
„Ich bin der Täter“, sagte er und zündete sich die Zigarette an.

Scheiße, so könnte auch ein echt schlechter Film anfangen.



1 Kommentar:

  1. So, da kommt jetzt mal meine ausführliche Kritik, ich gehe davon aus, dass ich ehrlich sein kann und du es nicht persönlich nimmst :)
    "das schrille Piepen", "metallisch klingende Stimme" so etwas meinte ich mit "üblichen" Formulierungen. Die hat man einfach schon Millionen Mal gelesen
    Hingegen die Formulierung "menschliches Wesen" statt Mensch oder menschlich finde ich gut!
    "Es gab nichts anderes, was er hätte tun können und wenn doch war er einfach zu blöd, diesen Ausweg zu sehen oder hatte nicht die nötigen Kontakte. " der Satz ist für den Zusammenhang nicht nötig, im Prinzip hast du das schon mit dem vorherigen gesagt, mich bringt er ein bisschen aus dem "Flow" :)
    "Schon komisch wie das Leben manchmal so verlief, wie aus einer Endscheidung jemanden an einer Bushaltestelle zu sehen und etwas trinken zu gehen, ganze Bahnen in einem Leben umlegten." - der Satz fängt irgendwie anders an, als er aufhört, falls du verstehst, was ich meine :)
    Aber den letzten Satz mag ich wirklich!

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