Sonntag, 9. November 2014

Little bloody Sunshine - 4.



3 Monate später


Frank schluckte schwer und straffte sich gleichzeitig. Die Untersuchungshaft war vorbei und das Urteil bereits gesprochen. Die nächsten 5 Jahre seines Lebens würde er nun in diesem Gefängnis verbringen müssen. Marie hatte ihr Wort gehalten und war bisher nicht aufgetaucht. Weder bei der Verhandlung, noch während er in der Zelle gesessen hatte.
Ein Wärter stieß ihn unsanft voran in seine neue Zelle. „Viel Spaß, Jackson“, knurrte er ihm hinterher und gab sich nicht einmal Mühe dabei nicht hämisch zu wirken.
Ein bulliger zwei Meter Mann blickte ihn voller Hass an. Als das Gitter hinter ihm geschlossen wurde fragte sich Frank kurz ob er das überleben konnte. Sicher er war nicht gerade schwach, aber gegen einen solchen Bullen, konnte er wohl kaum etwas ausrichten. Außerdem war er sich nicht sicher, ob der Muskelkater den er sich selbst durch ständiges Training verpasst hatte, ihn vielleicht daran hindern würde hart zu zuschlagen. Wenn dieser Kerl es erst einmal geschafft hatte ihn zu Boden zu bekommen dürfte es äußerst schwer werden wieder aufzustehen.
„Du bist also der Neue?“ zischte er Mann. Seine Haare gingen ihm in der Mitte des Kopfes bereits etwas aus und die Pranken ähnlichen Hände rieben sich an einander. Frank schlug eine üble Wolke entgegen und er bemühte sich das Gesicht nicht zu verziehen. Das hätte sicher keinen guten Eindruck gemacht. „Sieht so aus“ sagte er knapp.
„Ich bin Hage“ knurrte der Mann. Er zeigte auf die linke Pritsche „Da schläfst du!“ bestimmte er. Frank machte sich nicht die Mühe zu nickten. Er nahm die paar Sachen die man ihm gegeben hatte und legte sie auf das provisorische Bett. Das sollte also sein neues Zuhause sein.

Die nächsten 4 Jahre 8 Monate und 23 Tage.


„Warum sitzt du?“, wollte Hage wissen. Frank konnte sich nicht vorstellen was dieses Gespräch bringen sollte, aber er ahnte, dass er sich besser darauf einlassen sollte. Er wollte sich nicht gleich in den ersten 10 Minuten,  Feinde machen. Dazu hatte er noch genug Zeit. „Drogenhandel“, antwortete er und bemühte sich halbwegs unbefangen zu wirken. „Und du?“
„Totschlag.“
Typisch, dachte Frank still. Kerle wie der saßen immer wegen Totschlag. Oder wegen Mord. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn er einen friedlichen Artgenossen, als Mitbewohner bekommen hätte. Betrüger, Drogenhändler, Steuerhinterzieher, aber er hatte einen Todschläger als Zellengenossen - von Glück konnte man da nicht sprechen. Sein neuer Freund kaute geräuschvoll auf seinem Kaugummi. Was für eine Sorte das wohl sein konnte, wenn sie nicht einmal ansatzweiße den Mundgeruch verbergen konnte? Aber wahrscheinlich übertünchte es schon mehr als Frank annehmen konnte.
„So ein Kerl hat versucht sich an mein Mädchen ran zu machen, nicht auf die nette Art wenn du verstehst was ich meine“, erklärte er, ohne dass Frank ihn dazu aufgefordert hatte. Er schien unbedingt mit jemanden reden zu wollen. Seine Augen verengten sich und er betrachtete ihn eine ganze Weile, bevor er wieder etwas sagte. „Du siehst nicht aus wie einer der wegen Drogen sitzt.“
Frank zuckte mit den Schultern. „Wie sieht denn jemand aus der was mit Drogen zu tun hat?“
„Auf jeden Fall nicht so wie du“, knurrten Hage.
Frank lachte leise. „Ich brauchte schnell etwas Geld“, sagte er trocken. Tausend Mal hatte er sich diese Geschichte durch den Kopf gehen lassen. Oft, während der letzten Monate hatte er sie etwas ausgeschmückt, dann hatte er wieder etwas gestrichen. Am Ende war sie genauso gewesen wie am Anfang, aber er hatte mindestens 5 Tage damit rumgebracht. „Sehr viel Geld um genau zu sein. Hatte bisschen Pech beim Pferderennen …“
Hage musterte ihn noch immer scharf, doch sein Misstrauen schien sich zumindest nicht noch zu verstärken. „Du siehst nicht aus wie einer der was mit Pferden zu tun hat“, entgegnete er wieder. Frank zuckte ebenfalls wieder mit den Schultern. Er wusste noch immer nicht wohin genau das Gespräch ihn führen würde, aber ein Ende war noch immer nicht abzusehen. Frank beantwortete jede Frage, so gelassen er konnte bis Hage es leid war ihn zu löchern. Ein Stöhnen entwich dem Riesen und er lehnte sich an seine Wand.
„Wie sieht es mit Weibern aus?“, fragte er, gerade so als würde er hoffen, dass Frank wenigstens in dieser Beziehung etwas mehr zu erzählen hatte, aber da hatte er sich gründlich getäuscht. „Haste ein Mädchen das auf dich wartet?“
Frank starrte auf seine Füße ohne zu antworten.

Würde sie auf mich warten? Sicher nicht, sie hat mich ja immerhin verlassen, man wartet nicht auf jemanden den man verlassen hat, dass wäre gegen jede Logik. Außerdem ist sie noch so jung, und 5 Jahre eine lange Zeit. Ich kann von Glück reden, dass sie sich überhaupt mal mit einem wie mir abgegeben hat …

„Frank? Alter jetzt sag schon!“
Er blickte auf. Mehr als: „Nein.“ brachte er nicht raus. Es machte den Anschein, als würde der Große noch mehr wissen wollen, aber er wurde durch einen Wärter unterbrochen. Erleichtert atmete er auf.

Warum ist dieser Kerl nur so scharf darauf, etwas über mich zu erfahren? Er tut gerade so als gebe es nicht genügend traurige Geschichten hier …

Frank wurde zusammen mit einigen anderen und Hage zum Essenssaal gebracht. Sofort hatte er das Gefühl wieder in der Schule zu sein. Er nahm sich ein Tablett und schaufelte so viel Essen darauf wie möglich. Dann ging er zum hintersten Teil des Raumes und setzte sich hin. Die Blicke der Anderen Häftlinge klebten an ihm wie Honig an den Händen. Obwohl er versuchte es weitgehend zu ignorieren, schlug sein Herz etwas schneller. Frank wusste, dass er hier ganz unten in der Nahrungskette stand. Es würde schwer werden zwischen all den Mördern und Totschlägern zu bestehen. Unruhig ließ er seine Hände knacken.

Wie soll man sich hier Respekt verschaffen, ohne sich eine der Gangs anzuschließen? Scheiße, das letzte Mal als ich hier gelandet bin war es die reine Hölle und nun muss ich etwas länger durchhalten, als ein paar Monate.

Frank versuchte diesen Gedanken wieder abzuschütteln und schaufelte das eklige Essen in sich hinein, nur um dann so schnell es ging wieder in seine Zelle zu kommen.
Es machte ihn nervös die ständigen Blicke zu spüren.


Wie tollwütige Hunde die nur darauf warten, dass ich eine falsche Bewegung mache. 

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