Sonntag, 16. November 2014

Little bloody Sunshine - 5.

Die nächsten Wochen verliefen immer gleich. Aufstehen, Frühstück, Arbeit, Abendessen und wieder schlafen. Die andauernde Monotonie machte Frank langsam aber sicher zu schaffen. Auch wenn es half etwas zu tun zu haben, kam ihn doch jeder Tag gleich vor.
Mit seinem Knastjob hatte er Glück gehabt. Er war unten in der Wäscherei. Das Beste was ihm hätte passieren können, denn dort unten war er nahezu allein. Die zwei Wärter waren genauso schweigsam wie er selbst und schienen ebenso wenig hier sein zu wollen wie er selbst.

Wahrscheinlich sitzen sie jeden Abend vor dem Fernseher, machen sich ein Bier auf und bedauern sich selbst noch mehr als ich es hier tue. Ob sie es zu schätzen wissen, dass ihre Frauen zu Hause auf sie warten? Ich fürchte nicht. Immerhin habe ich selbst es auch erst zu schätzen gelernt als es bereits zu spät war. Und jetzt hocke ich hier, eingesperrt wie ein Tier und falte Wäsche für den Abschaum Chicagos.


Seufzend machte er sich an den nächsten Stapel und blickte zu den Häftlingen am anderen Ende des Raumes. Je weniger er mit den Anderen zu tun hatte, umso besser. Niemand konnte ihm ein Gespräch aufdrängen oder Streit anfangen, es gab hier unten nur ihn und die Wäsche. Er war nicht daran interessiert hier Freunde fürs Leben zu finden. Also verbrachte er die meisten Stunden des Tages damit die Wäsche zu bügeln und zu falten. Den Wärtern war es ohnehin lieber, wenn alle den Mund hielten.

Das schlimmste am Leben im Knast war das Duschen. Bisher hatte man ihn in Ruhe gelassen, aber wer konnte sagen wie lange das hielt? Die Angst davor war das schlimmste. Jedes Mal, während er allein unter dem Wasserstrahl stand, glaubte er sie würden kommen. Vielleicht hatte er auch zu viele Filme gesehen, doch dann erinnerte er sich daran, dass die meisten dieser Filme Biographisch waren und das steigerte seine Unruhe noch mehr. Er hatte schon öfter gesehen, wie sie die Schwächeren zu gerichtet hatten. Jedes Mal wieder wurde ihm schlecht und er fühlte sich schuldig, weil er nur daran denken konnte wie schnell er in der gleichen Situation steckte.

Niemand ist gerne hilflos. Und ich erst recht nicht. Aber so ungerne ich es auch zugebe, wenn es soweit kommen sollte wird mir genauso wenig jemand helfen. Niemand macht freiwillig den Mund auf und stellt sich selbst in die Schusslinie. Jeder böse Junge macht sich vor Angst in die Hosen, wenn er sich vorstellt die anderen machen das gleiche mit ihm.

Die bisschen Freizeit die er hatte, verbrachte er mit Sport. Auch wenn er wusste, dass es ihm im Falle eines Falles nicht viel brachte. Gegen zehn Kerle konnte er nichts ausrichten, auch wenn er in Bestform war. Aber irgendwie musste er sich beschäftigen, er wollte nicht das Gefühl haben nichts zu tun.

Außerdem hat es trotzdem etwas beruhigendes, wenn man sein eigenes Körpergewicht stemmen kann …


Sonntags war Besuchertag. Franks Tag der Entspannung, alle anderen Häftling waren mit ihrem Besuch beschäftigt. Sonntag bedeutete Sicherheit. Wann auch immer die Anderen ihn nehmen würden, nicht an einem Sonntag.

1 Kommentar:

  1. Ich finde die kursiven Absätze sehr gut, irgendwie kann ich mich bei denen viel besser in die Situation hineinversetzen.

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