Montag, 22. Dezember 2014

Interview mit HansVurst

In den weiten der Online Welt bin ich über einen ganz besonderen Shop gestolpert, der sich sofort zu meiner Top-10-Liste meiner Lieblingsläden gesellen konnte : 


Umso mehr freute ich mich auf dieses Interview und die daraus entstandene Zusammenarbeit, von der ich Euch bald noch mehr berichten werde. 

Interview:



Während auf der einen Seite immer mehr Menschen immer mehr konsumieren, geht der Trend auf der anderen Seite in das andere Extrem. Fair, ökologisch Vertretbar und Tierschutz stehen im Vordergrund. Ihr Online Shop ist ein Teil dieser Bewegung. Wie kam es zu der Idee eines solchen Shops? Hat Ihre persönliche Haltung etwas damit zu tun oder war es schlicht eine Marktlücke?

HansVurst – fair Fashion ist und war von Anfang an eine sehr idealistische Unternehmung. Mit wenig Kapital, viel Mut und großer Unterstützung aus der veganen Szene, begannen Frauke (die Mitgründerin) und ich ein Unternehmen aufzubauen, das nicht nur vegane Artikel anbietet, sondern in sämtlichen Wertschöpfungsprozessen auf das Wohl von Tier, Mensch und Natur achtet. Das bedeutet auch, dass nicht nur Frauke und ich Veganer sind, sondern ebenso als Teil unseres Konzepts etwa unsere Steuerberatung, das Graphikdesign und  die Unternehmensberatung von HansVurst – fair Fashion von veganen Menschen geleistet wird. Als Unternehmen bieten wir so ein sehr umfassendes Konzept von Veganismus. Klar sind beispielsweise auch unsere Aufkleber vegan! Doch auch wenn der Veganismus der klare Eckpfeiler von HansVurst ist, sind uns ebenso ökologische und soziale Fragen wichtig. Deswegen wurde HansVurst – fair Fashion als ein Social Business konzipiert. Wir setzen uns für faire Produktions- und Handelsbeziehungen ein, setzen konsequent auf ökologische und upgecycelte Materialien und versuchen mit Informationsmaterialien und Kooperationen die vegane Idee voranzubringen. Innerhalb dieser politischen, sozialen und ökologischen Ideen und Bewegungen liegt auch der geistige Ursprung von HansVurst – fair Fashion. Ich und Frauke lebten 2012 in Kapstadt, Südafrika, und durften dort die wunderbaren Menschen von G-MO footwear kennenlernen. Wir waren von den Menschen und den handgefertigten Schuhen so tief beeindruckt, dass schnell die Idee aufkam diese Schuhe auch in Europa anzubieten. Gleichzeitig sahen wir in dieser Kooperation aber auch die Möglichkeit eine Handelsbeziehung auf Augenhöhe aufzubauen, die auf Fairness und Freundschaft beruht. G-MO steht für ökologische Materialien, höchste Qualität und faire Löhne, was in einem Land wie Südafrika, in dem leider nach wie vor eine krasse soziale Ungleichheit herrscht, natürlich besonders wichtig ist. Knapp ein Jahr nach unserer Rückkehr fingen wir Anfang 2013 an HansVurst – fair Fashion aufzubauen. Inzwischen sind einige weitere europäische und deutsche Anbieter hinzugekommen. HansVurst ist seitdem permanent in der Weiterentwicklung. Die Vorschläge und Wünsche unsere Kunden, neue Ideen und Möglichkeiten  sind dabei immer wieder Inspiration. 

Die vegane Bewegung wächst immer weiter an. Während es vor zwei Jahren noch belächelt wurde reagiert die Wirtschaft nun langsam darauf - glauben Sie die Gesellschaft befindet sich auf dem richtigen Weg?

So sehr ich mich über viele neue Konzepte, Ideen und Unternehmen freue, muss ich doch sagen, dass ich insgesamt nicht sonderlich zuversichtlich in die nahe Zukunft blicke. Der Fleischkonsum in Deutschland etwa ist nachwievor wahnsinnig hoch. Dennoch sehe ich natürlich, dass die die Idee des Veganismus und der vegane Lebensstil zunehmend an Zuspruch gewinnen. Man mag davon halten was man will, aber wenn große Fleischanbieter auf einmal vegane Fleischalternativen auf den Markt bringen, ist dies natürlich ein klares gesellschaftliches Signal. In Deutschland, Europa, den USA und einigen anderen Ländern spielt sich derzeit wahnsinnig viel ab: Neue Restaurants, Cafes, Läden und Marken entstehen. Man kann da als Veganer_in schnell den Blick für die Realität verlieren und in eine vegane Blase geraten. Ich selbst kenne das auch: Ich lebe in meiner veganen WG in Berlin, der Hauptstadt des Veganismus. Besuche ich aber mal Freunde in Bayern oder anderswo, wird mir jedes Mal aufs Neue eindrücklich vor Augen geführt, dass Berlin und mein dortiges Leben nach wie vor die totale Ausnahme darstellen. Trotz einer wahnsinnigen Dynamik leben in Deutschland gerade einmal ca. 1 % der Menschen vegan. Weltweit sind es sogar noch deutlich weniger Menschen, die bewusst vegan leben und in einigen Schwellen- und Entwicklungsländer zeichnet sich gerade keine gute Entwicklung ab. Dort wächst mit steigendem Einkommen der Fleischkonsum und die industrielle Massentierhaltung breitet sich aus. Dennoch glaube ich, dass es sich lohnt für Ideen einzustehen und diese umzusetzen. Der Veganismus befindet sich im Aufwind. Es lohnt sich hier weiter zu machen und für Tiere, Mensch und Natur zu kämpfen. Jedes gerettete Tier macht einen Unterschied. Eine erfolgreiche vegane Bewegung muss auch zu kleinen Schritten bereit sein. Das Team von HansVurst und Ich versuchen hier einen Beitrag zu leisten.

 
Eure Mode setzt klare Statements - sucht Ihr diese gezielt aus?

Unser komplettes Sortiment ist natürlich gezielt und bewusst ausgewählt. Dennoch nehmen wir nicht einfach alles auf, was uns persönlich gefällt oder wovon wir meinen, dass es unserem Publikum gefallen könnte. Entscheidend ist neben eindeutig veganen Produkten, ob die Hersteller unseren Ansprüchen nach Fairness und ökologischen Gesichtspunkten genügen. Darüber hinaus ist uns auch der persönliche Kontakt zu den Hersteller_innen wichtig. Wir wollen nicht mit anonymen Produzent_innen, sondern mit Menschen zusammenarbeiten. Deshalb versuchen wir auf Produzentenmessen nicht nur neue Produkte, sondern auch die Menschen dahinter sowie deren Philosophie und Konzept kennenzulernen. Insgesamt versuchen wir  nicht mit allen unseren Produkten ein eindeutig festgelegtes Statement zu setzen, dass sichtbar nach außen getragen werden kann. Auch omnivor lebende Menschen sollen sehen, wie qualitativ hochwertig und stilvoll etwa unsere Schuhe sind. Auch so erreichen wir viele Menschen. Wir zeigen ihnen hochwertige Alternativen zu ihren bisherigen Lederschuhen. So können wir viele Menschen davon überzeugen, dass die Verwendung von Leder keinesfalls notwendig ist. Dennoch versuchen wir allen voran mit unserem Schmuck und den Accessoires auch Produkte anzubieten, mit denen Menschen den Veganismus auch nach außen tragen können.

Veganismus fängt bei jedem anders an - welches Erlebnis führte dazu, dass der Shop unter diesem Zeichen stehen sollte?

Als veganes Social Business geht es uns nicht nur um den Verkauf von veganen Waren, sondern neben fairem Handel und ökologischen Kriterien auch um die Verbreitung des Veganismus. Wir versuchen daher omnivor lebende Menschen da abzuholen, wo sie gerade stehen. Zum einen versuchen wir schlichtweg mit unserer stilvollen, nachhaltigen und langlebigen Mode zu überzeugen. Darüber hinaus bieten wir in unserem Shop und auf Märkten und Messen eine Vielzahl an Informationen zum Thema Veganismus, Tierleid, Leder, Wolle und Daunen. So versuchen wir auf vielfältige Weise Menschen zu erreichen, die bisher wenig oder noch gar nicht mit dem Thema Veganismus in Kontakt gerieten. Klar ist der Anteil solcher Menschen auf großen Veggie-Veranstaltungen wie die Veggieworld oder Veganfach sehr gering. Das Team von HansVurst hat aber auch schon auf etlichen kleinen Märkten und Festivals Präsenz gezeigt, bei denen es kaum um den Verkauf, sondern vornehmlich um Information und Diskussion ging. Wirtschaftlich mag sich das dann nicht lohnen auf solch eine Veranstaltung zu gehen, aber wie gesagt, wir möchten eben mehr sein als ein reines Wirtschaftsunternehmen.


Was dürfen wir in der nächsten Zeit von Ihrem Shop erwarten?

Wir haben noch einige tolle Anbieter in der Hinterhand, die wir zukünftig in unser Sortiment aufnehmen möchten. Derzeit entstehen beeindruckende Innovationen im veganen Schuhbereich. Vor allem was Naturmaterialien betrifft wird dort gerade mit vielen spannenden Materialien experimentiert. Aus qualitativen und ökologischen Gründen ist es Ansatz von HansVurst – fair Fashion weitestgehend auf Kunstleder zu verzichten: Hier entsteht gerade einiges, seid also gespannt. Wer da auf dem Laufenden bleiben möchte, kann sich gerne in unseren Newsletter eintragen. Außerdem möchten wir zukünftig gerne einen ersten Laden in Berlin eröffnen. Genaue Daten stehen hier noch in den Sternen, da ein solches Projekt natürlich einiges an Kapital bedarf und HansVurst nach wie vor ein sehr kleines Unternehmen ist. Es ist aber unser großer Traum und wir arbeiten daran.

Veganer und "Allesfresser" stehen oft in einer gewissen Konflikthaltung vor einander  - Wie sehen Sie diese Haltung?

Das ist ein schwieriges Thema. Natürlich kommt es zwischen Veganer_innen und omnivor lebenden Menschen zu spezifischen Konflikten. Veganismus ist mehr als eine bestimmte Art sich zu ernähren. Veganismus ist ein identitätsstiftender Lebensstil und dementsprechend involvieren und engagieren sind die meisten Veganer_innen. Gerade Veganer_innen, die sich gerade erst für diesen Lebensweg entschieden haben, sind da oftmals besonders auf Konfrontationen aus. Das war bei mir in den Anfangszeiten meines Vegetarismus und später Veganismus nicht anders. Man denkt sich „oh man die Argumente für den Veganismus sind doch so einfach und naheliegende, das müssen andere doch einfach begreifen und wer das nicht tut muss vollkommen ignorant sein.“ Ein solcher Missionierungsdrang ist vollkommen nachvollziehbar, aber leider meist eher destruktiv. Man übersieht dabei oftmals, dass man selbst auch nicht als Veganer auf die Welt kam, sondern nach und nach seine Informationen und Erfahrungen gesammelt hat und so seine Weltsicht entwickeln konnte. Menschen müssen ihre Entwicklung selbst beschreiten und diese speist sich nun mal aus kleinen Schritten. Es klappt selten und das ist in vielen Fällen ja auch gut so, wenn andere Menschen uns eine Meinung oder Einstellung aufdrücken wollen. Es ist natürlich oftmals schwierig omnivor lebenden Menschen mit Toleranz zu begegnen, wenn man weiß wie intolerant und vernichtend ihre Lebensweise gegenüber Tieren ist. Dennoch führt Zwang und Demagogie meist zu einer Abwehrreaktion. Natürlich gebe ich jedem omnivor Lebenden Menschen Informationen, wenn sie ihn interessieren und ich wäre der Letzte, der einem Disput aus dem Weg geht. Nach vielen Jahren als Veganer erkenne ich aber inzwischen, bei wem es die Mühe wert ist und wer mich einfach nur aufgrund meiner Lebensweise angreifen möchte. Auch in meinem Freundeskreis leben einige omnivore Menschen, die ich dennoch sehr schätze. Wichtig ist mir, dass sie meine Lebensweise zumindest verstehen und tolerieren. Das bedeutet auch, dass sie meine Bedürfnisse verstehen und darauf Rücksicht nehmen. Die meisten omnivor lebenden Menschen um mich herum verstehen die Motive des Veganismus auch und finden gut was und wie ich es mache. Es ist dann beispielsweise klar, dass ein gemeinsames Abendessen vegan ist. Dies muss für omnivor lebende Menschen generell im Umgang mit Veganer_innen selbstverständlich sein und werden. Sätze wie „fisch doch einfach das Fleisch aus der Suppe raus“ gehen nicht und machen mich wütend. Ebenso wenig möchte ich mich permanent für meinen Veganismus rechtfertigen müssen. An diesem Punkt hoffe ich doch sehr auf die derzeitigen Veränderungen: Wer Fleisch isst, muss sich rechtfertigen, nicht derjenige der darauf verzichtet.

Danke für die Zeit!
Ich freue mich auf eine längere Zusammenarbeit und hoffe wir können zusammen noch mehr rocken!

1 Kommentar:

  1. Sehr guter Post! Bei HansVurst gibt es auch wunderbare vegane Boots!!!

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