Freitag, 19. Dezember 2014

Vegan: Irgendwie ein Teil von mir




Ich hatte in meinem Leben immer wieder Phasen in denen ich aufhörte Fleisch zu essen. Die Tiere taten mir leid – dank der Tatsache das ich zu meiner Teenagerzeit auf ein Dorf ziehen musste, war mir durch aus klar was mit den Tieren geschieht, bevor sie auf dem Teller landeten.  Allerdings stand ich ziemlich alleine da und auch die Auswahl von vegetarischen Produkten die nicht nach Fuß schmeckten war noch nicht sehr ausgereift.
Ich hielt dem gesellschaftlichen Druck innerhalb des Freundeskreises und der Familie nicht sehr lange Stand und hangelte mich über Fisch und Würstchen wieder zurück zum Schweinebraten. Dieses Spielchen ging einige Jahre, irgendwie schaffte ich es immer den Gedanken an Massentierhaltung zu verdrängen. Ich schaffte mir eine eigene Form der Ethik und beschloss nur noch die Tiere zu essen, die ich auch selbst töten konnte – auf einem Bauernhof kommt man kaum darum herum.
Mir wurde permanent eingeredet Fleischkonsum sei normal, gesund und notwendig. Mit dem Bruch mit meiner Familie und der Trennung meines Ex-Freundes jedoch kam alles wieder anders. Ich konnte kaum noch schlafen, wenn ich daran dachte was eigentlich auf dieser Welt los ist. Der Geruch von Fleisch machte mich wahnsinnig, brachte mich sogar fast bis zum brechen, während andere fröhlich aßen.
Ich nahm mir nicht vor kein Fleisch mehr zu essen, ich konnte es einfach nicht. Eine Weile war Fisch mein „Ersatz“, doch auch den hörte ich irgendwann auf meinem Teller schreien. So hangelte ich mich Schritt für Schritt zum Vegetarischen. Dabei lernte ich eine ganze Menge, über mich, über Ernährung und über Menschen die versuchen diese Welt etwas besser zu machen.


Veganismus jedoch erschien mir noch immer übertrieben, obwohl ich ganz ohne es zu merken selbst kaum viel anders aß. Die ideologische Haltung der meisten Veganer schreckte mich ab. Ich empfand es als irrsinnig sich selbst für etwas Besseres zu halten, nur auf Grund der Ernährungsform. Ebenso kamen mir einige Ansichten schlicht übertrieben vor: Warum sollte ich die Eier meiner Großmutter nicht annehmen, bevor sie weggeworfen werden?
Ich würde mich selbst nicht unbedingt als Veganer bezeichnen, da diese Ausnahmen noch immer für mich gelten. Meine Umwelt weiß nicht unbedingt wie ich mich ernähre, wenn ich also eingeladen bin frage ich nicht ob der Kuchen auch extra für mich vegan gebacken wurde. Und auch die Eier von Hühnern die ich mit Namen kenne lehne ich noch immer nicht ab. Für viele gibt es nur ein Ganz-oder-gar-nicht, wer sich in einer Grauzone bewegt wird gerne als Verräter abgetan. Man wird gerne an einen Pranger gestellt, als wäre man weniger Wert.

Veganismus ist für viele zu einer politischen Einstellung geworden, eine Art Ersatzreligion, durch deren Angehörigkeit sie sich über andere erheben können, im Glauben zu besseren Menschen zu werden.
Ich sehe mich da eher buddhistisch entspannt, setzte mich für Überzeugungsarbeit ein – mit Gewalt und radikalen Gerede kann man niemanden überzeugen! 

Überzeugen zu vertreten ist das eine, andere Meinungen zu verurteilen das andere. Ich kläre gerne auf, ich zeige gerne, dass es andere Wege gibt und freue mich wenn jemand mir eine Mail schreibt in der er sagt, dass er eines meiner veganen Rezepte ausprobiert hat – oder dass nun einmal die Woche vollkommen Fleischfrei gekocht wird. Es geht nicht darum die ganze Welt in eine vegane Utopie zu verwandeln, sondern mehr Bewusstsein zu schaffen für Lebewesen deren Stimme wir nicht hören.
Es mag einige Argumente gegen eine vegane Lebensweise geben, aber ebenso gibt es vieles das dafür spricht. Was sich nun am Ende wirklich bewert sollte jeder für sich selbst entscheiden dürfen, ohne angegriffen oder verurteilt zu werden. Ich kenne sowohl die Pro – als auch die Contra Fakten die sich bei veganer Ernährung auftun und habe mich dafür entschieden dem einen zu folgen.
Das hat allerdings nicht damit zu tun das ich mich als besseren Menschen sehe, oder die gesamte Welt bekehren will. Ich mag es nicht wenn Menschen radikalen Ideologien folgen und dabei andere Menschen abwerten.


PS: Selbstverständlich sind nicht alle Veganer radikal und werten andere ab - die negativ Beispiele waren es nur die mich (und sicher auch andere) lange von diesem Weg abgebracht haben. Ich bin der vollen Überzeugung das die vegane Ernährung auf lange Sicht dabei helfen wird Tierleid zu vermeiden. 

1 Kommentar:

  1. Super Post!
    Sehr bewegend wie du deinen eigenen Weg beschreibst - ich ernähre mich vegetarisch und wage mich aus ähnlichen Gründen noch nicht an die vegane Lebensart ... Es gibt soviel Hass der da zwischen den Fronten brodelt mit dem ich nichts zu tun haben will - immerhin möchte ich die Welt positiv beeinflussen und nicht die Ungerechtigkeit verlagern!

    ALSO: MACH WEITER SO !


    Du scheinst eine der wenigen zu sein die sich diesem Thema auf eine echte und bodenständige Art annehmen ohne dabei andere zu verurteilen!

    AntwortenLöschen