Montag, 26. Januar 2015

Justine privat – Zwischen Selbstsucht und Selbsthass

Eines meiner liebsten Hobbys ist es mich selbst zu zerfleischen. Das liegt zum einen daran das ich das besonders gut kann und zum anderen das ich immer einen Grund dafür finde. Es ist ganz egal was es für ein Tag ist – irgendetwas finde ich immer.

Bildbearbeitung: http://mary-buecherblog.blogspot.de/
Ich trage ein altes H&M Shirt das wahrscheinlich von Kinderarbeitern genäht wurde und giftige Stoffe enthält – und schon geht es los, schon 2013 stürzte eine Textilfabrik in Bangladesch ein, über 1000 Menschen starben, nur damit ein Mädchen wie ich es sich leisten kann 40 verschiedene Kleidchen zu haben. 
All die Dinge die in dieser Welt schief laufen scheinen irgendwie mit mir verbunden zu sein. Extremisten verüben Anschläge auf Redakteure des Satiremagazins Charlie Hebdo und ich poste nicht das ich „Charlie“ bin. 
Macht mich das nun zu einem weniger mitfühlenden Menschen, obwohl ich die gesamte Tat via Nachrichten vom Beginn an verfolgt habe?

Meine Naivität führt mich zu einem der unzähligen Produkte von Nestlé und wieder kann ich damit Anfangen mich selbst durch den Fleischwolf zu drehen. 
Sauber ist diese Firma ganz und gar nicht – und wie sich herausstellte auch nicht das Wasser das sie verkauften, denn dieses war schlichtes Grundwasser. Ungefiltert aber billig. 

Ich fühle mich nackt, irgendwie hilflos und bin wütend auf die Konzerne und auf mich selbst. Wann hat das Ganze angefangen allen über den Kopf zu wachsen und wann wird es endlich besser werden? Die Antwort liegt bei den Konsumenten und ich bin einer von ihnen. Ein selbstsüchtiges Individuum das es auf Dauer nicht erträgt nicht die erste Rolle zu spielen.

Meine Fehler scheinen sich alle samt in meine Seele zu brennen wie eine einzige Anklage. Die Unmenschlichkeit scheint sich auszubreiten wie eine Seuche und ich bin mit meinem Verhalten ein Teil davon auch wenn ich es gerne leugne. Immerhin bin ich es die gut aussehen will und sich dafür Kleider kauft an denen Blut klebt, ich bin es die etwas isst das aus einer Massenproduktion isst die unwürdig ist und statt zu helfen lieber schöne Menschen auf Instagram betrachtet. Die Fehler der gesamten Welt lassen sich am Ende doch wieder auf mich zurückführen, denn ich sehe einfach weg.

Aber nun nicht mehr, zumindest habe ich mir das selbst geschworen. Doch wie soll ich vollständig aus einem Kreis ausbrechen, den ich nicht selbst gemalt habe?


Kommentare:

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  2. Auf die Straße gehen, Dinge einfach nicht mehr kaufen, andere aufklären und Grupen beitreten, die etwas ändern wollen. Wenn alle immer nur den Mund halten und sich stumm die Mitschuld geben aber trotzdem weiter kaufen, wird sich niemals etwas ändern.

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    1. Damit hast Du Recht! In der Umsetzung ist das jedoch nicht immer so einfach wie es klingt.

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  3. "Ich fühle mich nackt, irgendwie hilflos und bin wütend auf die Konzerne und auf mich selbst. Ein selbstsüchtiges Individuum das es auf Dauer nicht erträgt nicht die erste Rolle zu spielen."
    - Wow das hast du richtig gut getroffen mit dieser Aussage! Ich kenne das Gefühl nur zu gut, immerhin ist auch daraus mein Blog entstanden.. ich wandle auch auf dem Schmalen Grad zwischen : Oh wie schön, Ich will es besitzen und den Bösen Hintergedanken dahinter. Man muss in unserer Gesellschaft heutzutage einfach die Augen öffnen und auch hinter die Fassaden Blicken um die vorherrschende Anonymität zu überwinden. Da du ebenfalls kritisch denkst, gefällt mir dein Post sehr und ich würde mich freuen, wenn du mal bei mir vorbeischauen würdest!
    Liebst, Nathalie von http://this-is-vegetarian.blogspot.de

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    1. Ich folge dir schon lange und SEHR gerne ...

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  4. Billig ist es, anonym zu beleidigen. Sorry, aber sowas muss ich nicht verstehen und erst recht nicht tolerieren.

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  5. Oh man, immer dieses Rumgeheule... "Mimimi, alles ist scheiße". Ja, dann änder das, was du ändern kannst verdammt!!! Wenn du dir immer noch guten Gewissens Nestlé-Sachen kaufen kannst, hast du dich entweder nicht richtig informiert oder bist einfach nur ein kaltherziger und ignoranter Mensch. Wenn du immer noch zu H&M rennst, weißt du nicht, wo deine eigene Prioritäten liegen und bist einfach nur zu schwach und zu faul, dein Handeln so zu verändern, dass du die Welt veränderst.

    Wer nur redet und nichts macht, braucht sich eigentlich wirklich über GAR NICHTS aufregen.

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  6. Damit hast du vollkommen Recht - allerdings kann man nie zu 100% vollkommen schuldfrei sein.
    Es gibt immer Ethische Fallen. Wenn du dich in meinem Blog umschaust wirst du schnell merken dann ich bereits wesentlich mehr tue als nur zu reden, auch scheint dir nicht aufgefallen zu sein das es "ein altes H&M" Shirt ist usw ...
    Also nicht gleich aggressiv gegen reden, denn eigentlich wollen wir ja das Gleiche ;)

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  7. Hi Justine,

    ja, das Gefühl der Ohnmacht kenne ich auch. Man ist heute so Vielem hilflos ausgeliefert und weiß gar nicht mehr von wem. Ich bewundere Euch Veganer, ich habe es nur geschafft kein Fleisch mehr zu essen. Ich muss zugeben, dass ich dafür nicht einmal eine Überzeugen haben musste, ich war nur total angeekelt.

    Du hast sehr viele wirklich beeindruckende Fotos, die toll zu Deinen Posts passen. Auch dieses Foto ist klasse und passt prima. Es zeigt Dich verzweifelt, nackt - doch ohne etwas zu zeigen, in einer verängstigten Abwehrhaltung. Das Arrangement des Fotos finde ich auch gelungen, es ist sehr atmosphärisch.

    Viele Grüße Thomas

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