Sonntag, 4. Januar 2015

Little bloody Sunshine - 11.

„Scheiße.“
Wütend schlug Frank gegen die Wand. Der harte Beton wollte nicht nachgeben, seine Hand jedoch gab ein unschönes Knacken von sich. Fast hätte er wieder geflucht, begnügte sich jedoch damit sich auf die Lippen zu beißen. Grollen betrachte er seine Hand und stellte nun noch wütender fest das seine Fingerknöchel blutig waren.
Kaum zwei Minuten klar und schon habe ich gleich dumme Dinge getan …
Wenn Hage nicht so verdammt recht gehabt hätte, wäre er nur halb so wütend gewesen aber jetzt schien alles aus ihm herauszuplatzen. Vor seinem inneren Augen wirbelten die Erinnerungen herum und wurden zu einem undurchsichtigen Schleier aus Fehlschlägen.
Ich hab es verkackt.
Einfach alles. Ich hab Marie sitzen lassen als sie mich am meisten gebraucht hätte und nun hocke ich hier drinnen und schaffe es nicht einmal hier mein Leben auf die Reihe zu bekommen.
Wütend warf er den Stapel ungelesener Bücher neben seinem Bett um ohne darauf zu achten, wo sie landeten. Er fuhr sich durch die Haare und stoppte noch in der Bewegung. War es nicht seltsam das Marie ihn immer darum gebeten hatte, seine Haare wachsen zu lassen, und nun da sie nicht da war, waren seine Haare länger als in den letzten zehn Jahren? Er konnte sich nur zu gut daran erinnern, wie sie ihm über die Glatze gestrichen hatte.
„Lass sie dir wachen, das macht dich gleich 10 Jahre jünger“, hatte sie immer gesagt und dann angefangen zu lachen. Ihr Lachen fehlte ihm. In ihren letzten Momenten hatte es kaum Grund dazu geben.
Nicht daran denken, was passiert wenn du draußen bist. Nicht die Hoffnung wecken, dass dann alles wieder gut wird.

Er schloss die Augen und legte die Stirn auf die Knie. Sunshine. Ohne Drogen war die Erinnerung schmerzhafter als erwartet und das Schlimmste daran war, das er sich nicht mehr an ALLES erinnerte. Er wusste nicht mehr wo jede einzelne Sommersprosse war, der Klang ihrer Stimme war in seinen Gedanken seltsam verzerrt, der Geruch ihrer Haare war nahezu verschwunden und ihre Schönheit verblasste langsam in seinen Gedanken. Er wusste, dass sie noch immer das schönste Wesen war, das er je gesehen hatte, aber er hatte nur noch ein seltsames Bild vor Augen. Sicher, er kannte ihr Haar, die Augen, aber etwas stimmte an seinem Gedankenbild einfach nicht, und er konnte nicht sagen was genau es war. Sie war nicht mehr real, nur noch ein Schatten in seinen Träumen.
Wie bei einem alten Puzzel versuchte er mit geschlossenen Augen das Bild wieder in die richtige Reinfolge zu bringen. Die einzelnen Teile waren alle noch da, doch etwas fehlte. Die Konturen waren es die immer wieder verschwammen. Wenn er es endlich schaffte von ihr zu träumen, war das Bild verschwunden sobald er die Augen wieder öffnete.

Abrupt öffnete er die Augen und griff er nach einem seiner Bücher die noch immer in der Zelle verstreut lagen. Er musste sich ablenken, egal mit was. Aber das Buch erfüllte die Anforderungen nicht einmal annähernd. Goethe mochte ja ein Genie gewesen sein, aber in solchen Momenten war er einfach der falsche Ansprechpartner.
Kaum hatte er zwei Minuten lang auf die Zeilen und Buchstaben gestarrt da warf er das Ding auch schon wieder in die Ecke. Die Buchstaben, konnten für ihn keine Wörter mehr formen, geschweige denn ganze Sätze. Es brachte nichts, die Gedanken hatten sein Gehirn vergiftet.
„Jackson!“
Frank sprang verwirrt auf. Was war denn nun los, es war Sonntag, der Wärter hatte doch bestimmt genug damit zu tun, zu verhindern dass Angehörige ihren inhaftierten Familienmitgliedern Drogen zusteckten oder Feilen oder ein explodierender Cupcake.
Warum wurde er an einen Sonntag überhaupt von einem Wärter angesprochen?
„Ja?“
Einer der besonders, fetten Wärter sah ihn an. An seinem Kinn klebte noch immer Schokosoße und seine Hände glänzten vom Fett eines Dounats.
„Besuch für dich, Jackson.“
Er schnalzte mit der Zunge und betrachtete den Häftling finster. Frank glaubte sich verhört zu haben. Bewegungslos stand er da und starrte den Wärter an. Kaum merklich schüttelte er mit dem Kopf und verengte fragend die Augen.
Was? Was hat er da gerade gesagt?


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