Montag, 23. März 2015

Angepasst mit Selbsthass

„Man muss sich eben anpassen, wenn man etwas werden will“, sagen sie mir immer und immer wieder und lösen damit den Brechreiz aus, den ich schon solange zurück halte. Ich habe keine Lust, mich anzupassen, denn ehrlich gesagt habe ich das bereits versucht und es endete damit, dass ich mich selbst nur noch mehr gehasst habe.


Glücklich wird man durch Anpassung jedenfalls nicht. Und wenn man sich nun anpasst „um etwas zu erreichen“, erreicht man doch eigentlich nur, dass man sich selbst und seine Umwelt belügt. Was soll das überhaupt bedeuten, ich solle mich anpassen?

Heißt das, meine Haare in einem unnatürlichen Blond zu färben und keine T-Shirts mit Bands zu tragen? Keine Tattoos zu haben? Oder liegt der Kern der Sache doch in meiner Persönlichkeit? Ich bin mir nicht sicher – und das will ich auch nicht sein.

Wenn es bedeutet, dass ich niemals viel Geld haben werde und nichts „erreiche“ was mit einem Vorstadttraum zu tun hat, ist das für mich okay. Ich möchte glücklich sein und dazu gehört es, dass ich mich nicht verstellen oder verkleiden muss, um anderen zu gefallen oder „bessere“ Jobs zu bekommen. Natürlich bedeutet das nicht, dass ich nicht „mehr“ will – was auch immer diese Phrase wieder bedeutet.


Ich möchte schon irgendwann mehr als den Mindestlohn verdienen und mehr von der Welt sehen, mehr Hunde adoptieren und mehr Unsinn bauen – aber anpassen an eine Gesellschaft wie diese werde ich mich sicher nicht. Als nächstes wird noch verlangt, dass ich mir „50 Wege die Selbstachtung zu verlieren“ im Kino anschaue und mir meinen Partner nach der größt möglichen Psychose und dem dicksten Geldbeutel aussuche. Nein danke, dann bleib ich doch lieber bunt, selbstbewusst und pleite. 

Kommentare:

  1. Sind Tattoos net auch ne Art der "Verkleidung" ?

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  2. Anpassen muss man sich leider ab und zu.
    Je nachdem welcher Beruf mein Wunsch ist, muss ich mich mehr oder weniger für rund 9 Stunden pro Tag "verkleiden". Den einen liegt das und die fühlen sich dabei auch mehr als wohl. Die anderen fühlen sich wie eine Hure, wenn sie sich für den Kunden oder den Boss verstellen müssen.

    Wer IMMER "alternativ" sein möchte, muss sich im Klaren sein, dass das nicht bei jedem auf Begeisterung stößt. Aber auch anders sein oder anders aussehen kann Vorteile schaffen. Und ehrlich: sind 5000Euro im Monat zwingend? Ich bin Glücklicher, wenn ich sein darf, wie ich bin, auch wenn ich nur 1500 im Monat verdiene.

    Ich habe mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass ich mit meiner dunklen Gestalt weniger Anstoße als die bunten Paradiesvögel mit vielen Piercings und knalligen Tattoos - aber jeder wie er möchte. Wäre doch langweilig, wenn alle gleich sind...

    Liebe Grüße > Sara

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    1. Genau der Meinung bin ich auch. Manchmal muss man sich eben anpassen, ob man möchte oder nicht.
      Bunte Haare sind nun eben anders und gerade in Berufen wie Banken, Behörden, ect. eben nicht gerne gesehen.

      Bei solchen Dingen ist der Aufschrei groß, aber ich meckere doch auch nicht, weil ich am liebsten im Schlafanzug zur Arbeit möchte. Ist prinzipiell das selbe. Ich muss mich für die Zeit der Arbeit anpassen.

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  3. Hi, ich hab mir deinen Blog angesehen und gemerkt, dass wir beide in vielerlei Hinsichten gleich sind. Einzige Ausnahme wäre dein Stil. Ich finde du bist eine interessante Person, bleib so wie du bist, solange es dich glücklich macht.

    Ich scheiss auf diese Mainstream Hipster Mongos, alles Materialisten. Deutschland geht langsam vor die Hunde. Diese oberflächliche Gesellschaft und ihre Definition von "Normal" kann mich am Arsch lecken. Aber hey, wir können uns glücklich schätzen in einer "Demokratie" zu leben...

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  4. Danke für die lieben Worte und Eure Erfahrungen!
    Für mich sind Tattoos keine Verkleidung - denn jedes Bild auf meinem Körper hat für mich eine wichtige Bedeutung. Das sieht niemand, der mich nicht kennt, aber ICH weiß es und darauf kommt es an.

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  5. Hallo Justine,
    ich finde es gut, dass du dir selbst treu bleibst. Menschen die ein bisschen "anderes" sind machen das Leben doch auch ein wenig bunter. Wer sagt denn, das du nicht normal bist. Vielleicht ist es auch die Mehrzahl bzw. Normalos die es nicht sind. Ich stelle das Leben immer wieder in Frage. Für mich wäre ein Reihenhaus in der Vorstadt Horror und für andere Menschen der wahre Traum. Ist doch auch egal, jeder soll nach "seinem" definierten Glück streben.
    Liebst
    http://www.instylequeen.de/

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  6. Eine kleine Ansprache, die mir wie aus dem Herzen gesprochen vorkommt. In meiner Pubertät wollte ich unbedingt bunte Haare haben. Sogar ein Piercing. Wurde mir verboten. Auch mehr oder weniger punkrockige Kleidung.
    Das heißt aber nicht, nur weil ich äußerlich weiterhin weitestgehend angepasst aussah, das ich im Innern nicht doch die Individualität hatte, die ich nicht visualisieren durfte ;) Und ich habe mich einfach aus Respekt vor meinen Eltern nie über ihre Regeln hinweggesetzt.

    Heute bin ich 24, tattowiert, habe immernoch keine gefärbten Haare. Einmal hatte ich eine verrückte bunte Strähne in meinem langen Pony. Ich bleib einfach lieber dabei selbst zu wissen, dass ich nicht angepasst bin ohne es durch mein äußeres jedem entgegenzuschreinen :)

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  7. Hallo Justine,
    ich kann dein Gedankengang gut verstehen, aber ich denke, wenn man sich etwas anpasst (ein kleiner Teil) dann wird es dir auch keinen Zacken aus der Krone brechen. Ansonsten bleib so wie du bist. Es ist DEIN Leben. Du lebst es niccht für andere!
    Vor allem pass auf dich auf.

    Gruß Nicole

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