Freitag, 27. März 2015

Veganer und der Fleischersatz

Warum essen Veganer andauernd Pflanzenprodukte, die aussehen und schmecken wie Fleisch? Mit dieser Frage müssen sich die meisten Veganer und Vegetarier früher oder später auseinandersetzten.
Besonders die Allesesser regen sich mit Vorliebe über „Fleischersatz“ auf. Dabei wird meist vergessen, dass die meisten aus Ethischen Gründen auf Fleisch verzichten und nicht wegen des Geschmacks. Das Fleisch den meisten Menschen schmeckt ist weder ein Geheimnis noch ist es verurteilenswert – nur die Art wie das Fleisch „produziert“ wird ist eben der Knackpunkt.
Ich habe gute 90% meines Lebens Fleisch gegessen. Eine meiner Lieblingsspeisen war ein dickes Leberwurstbrötchen und Eiersalat mit Speck. Auch Schnitzel stand des Öfteren auf den Speiseplan – oder auch Hähnchenschenkel mit Honigglasur. Das Fleisch nicht schmeckt steht also nicht zur Diskussion.
Besonders am Anfang der Ernährungsumstellung habe ich so ziemlich alle Fleischersatzprodukte hoch und runterprobiert. Fleisch setzt opiatähnliche Stoffe frei, vergleichbar mit Käse. Fleischersatz ist also vergleichbar mit veganem Methadon. Der Körper steht eben drauf – ob wir das nun toll finden oder nicht. In Veganer Kreisen werde ich oft schräg angesehen, wenn ich sage das Fleisch essen für mich etwas sehr animalisches ist. Das war es schon immer – besonders wenn ich Fleisch gegessen habe. Eine Befriedigung der niederen Instinkte könnte man also sagen.


Nur kam eben irgendwann der Wendepunkt an dem mir die Fleischeslust im wahrsten Sinne des Wortes im Halse stecken blieb. Ich habe es eben einfach nicht mehr herunter bekommen, sondern immer das kleine Schweinchen vor mir gesehen, dass in Panik um sein Leben quiekt. Der Kopf hat sich also wesentlich schneller dazu entschieden, während der Körper noch an der „Sucht“ hing.
Außerdem hat Essen auch eine emotionale Komponente, sicherlich hat jeder ein Gericht aus seiner Kindheit das es ganz ohne Tiere nicht gibt. Ente zu Weihnachten, Eiersalat zum Frühstück oder ein guter Burger. Bestimmte Gerichte verbindet man mit bestimmten Erinnerungen, Traditionen und Gefühlen. Und mit lieben Menschen, mit denen man jene teilt. Darum baut man sie eben einfach nach – mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg.
Ich persönlich mag Tofu-Fleisch-Nachbauten weniger, da bereite ich doch lieber den Tofu als Tofu zu und auch auf Seitan kann ich durchaus verzichten. Wirklich etwas dagegen habe ich aber nicht – warum auch?

Jedem das Seine – und wenn es dann noch ohne Tierleid geht noch besser. Trotzdem überkommt mich manchmal die Lust auf etwas „Fleischartiges“ und dann genehmige ich mir durchaus einen Nachbau. 

Kommentare:

  1. Da ist jeder Mensch auch anders gepolt, ich denke. Vor allem aber deine erste Aussage, ja, auch das ist eines meiner Lieblingsthemen: "Warum müssen Vegetarier aus Soja ein Schnitzel nachbauen? Ich mach mir ja auch nicht aus einem Schnitzel ein Salatblatt." Gern genommen und gern diskutiert. Aber die körperliche Sucht alleine nach dem Fleischgeschmack? Wenn ich aus ethischen Gründen kein Fleisch esse, dann möchte ich auch nicht den Geschmack haben - zumindest ist das mein Denken.

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  2. Das hängt stark von der Person ab - ich liebe viele Dinge die als Fleischerersatz gelten, allerdings finde ich nicht das sie nach Fleisch schmecken. Mir persönlich ist einiges sogar zu "fleischig" darum mag ich auch viele Tofu-Würstchen nicht :D Aber da hat denke ich jeder seine eigenen Macken ...

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    1. Gleiches gilt natürlich für das Aussehen eines Gerichtes ^^

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    2. Ich denke das ist eher eine Sache der Gewohnheit und des Zufalls - ob ich nun einen Kürbis paniere, ein Schnitzel oder Tofu, sieht alles ziemlich ähnlich aus. Und "Wurst"-Form ob nun beim Frühstück für´s Brot oder eben als Würsten ist eben schön einfach zu verwenden ...
      Etwas anders sehe ich es bei Nachbauten von ganzen Körperteilen - z.B. Weihnachts"gänsen" da vergeht mir auch in der Fleischfreien Fassung der Hunger ... Sieht schließlich nach einem Tier aus.

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  3. Danke für diese offenen Worte! Gut geschrieben!

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