Montag, 20. April 2015

Justine privat: Arschloch-Magnet


Eines der Dinge die sich permanent durch mein Leben ziehen sind Arschlöcher. Klingt hart, ist aber so. Von allen Ecken scheinen sie sich auf mich zu stürzen, manchmal sehr offensichtlich und manchmal heimtückisch mit guter Miene.
Ersteren kann ich inzwischen immerhin halbwegs ausweichen. Na, immerhin etwas, oder?
Meine Psychologin meinte dazu kopfschüttelnd, ich sei noch immer zu sehr darauf fixiert in den vermeintlich guten Menschen auch das gute sehen zu wollen.  Unrecht hat sie damit wohl nicht, ich erwiderte dann jedoch gerne, dass ich ja nun einmal auch nicht perfekt bin und eben selbstreflektiert bleiben muss.
Da fing sie tatsächlich an zu lachen und meinte, wenn ich das noch mehr tun würde, hätte ich keine Zeit mehr zum Atmen. Ich solle weniger reflektieren und mich nicht so sehr in Sorge um Menschen begeben, die ganz offensichtlich nichts dafür zurückgeben.
Klingt ja eigentlich ganz einfach, jedoch hängt es wie immer an der Umsetzung. Prinzipiell habe ich eine Engelsgeduld mit Menschen und verzeihe recht viel – ich bin schließlich selbst nicht perfekt und habe mehr als nur einen Fehler an mir. Wenn es mir jedoch reicht, dann ist erstmal nichts mehr mit netten Worten oder generell Kontakt. Leider lasse ich mich dennoch nach einer gewissen Zeit immer wieder auf „klärende“ Gespräche ein. Meist mit dem Ergebnis das ich auf mich selbst wütend bin, da ich mir diese Mühe hätte sparen können.
Auch da ist meine Psychologin recht eisern. Einmal Ende, immer Ende. Egal, wie egoistisch es nach außen wirken mag.
Klingt ebenfalls gut, aber wie Umsetzen?


Ich erwische mich immer wieder bei Gedankengängen in denen ich meine eigenen Fehler sehe und versuche die Fehler der anderen damit zu rechtfertigen. Klappt leider auch nur teilweise, denn gewisse Schwächen haben nun einmal alle. Also wie setzte ich all diese Ratschläge nun in die Tat um, ohne, dass sich dieses Gefühl des „Ich will doch nur Frieden“ einstellt?
Offenbar gar nicht, wenn man einmal ein Arschlochmagnet war wird es schwer dieses Image wieder loszuwerden. Das einzige was hilft ist die Arschlöcher knall hart auszusortieren und schlicht darauf zu scheißen, ob sich das nun komplett richtig anfühlt oder wie es nach außen wirkt.
Die Lösung ist also einfach.
Einfach machen. Nicht denken, nicht reden, nicht überlegen. Machen.
Klingt nach einem guten Plan – und trotzdem kommen diese Gedanken wieder. Ich wünschte mir manchmal ich wäre so einfach gestrickt wie viele andere und könnte solche Stimmen im Kopf dauerhaft mit Alkohol und Weed zum Schweigen bringen …

Blöd nur das mich ein solchen Leben schlicht langweilt – da muss ich also so durch, ob ich nun möchte oder nicht. Nicht denken, machen. 

Kommentare:

  1. Wow... das ist ein echt guter Post und du hast auch irgendwie recht mit der ganzen Sache, obwohl mir das selber gar nicht so passiert. Ich glaube mir begegnen die Arschlöcher eher auf eine andere Weise. Gemeinsam gegen Arschlöcher!

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  2. Ich kann dich soooo gut verstehen....

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  3. Einfach machen und aussortieren, auch wenn es erstmal schwer fällt. Auf Dauer die beste Entscheidung. ;)

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    1. Danke liebe Zunder - ich beiße mich durch, auch wenn es schwer fällt.

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  4. Ich würde es auch so machen wie die liebe Zunder, merken, aussortieren und genau so lassen!
    Habe ich aber auch erst hin bekommen, als ich das erste mal ausgezogen bin - aber seit her wirklich gut. Natürlich gibt es auch hier und da mal in den guten Freundschaften Arschloch Momente - aber generell sortiere ich sofort aus und lass es dann auch darauf beruhen.

    Liebe Grüße,
    Bambi

    http://www.xfunkelmaedchen.blogspot.de/

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  5. Sehr schöner Post!
    Da stimme ich Zunder und bambi voll zu!

    Es mag am Anfang vill schwer sein aber es hilft.

    LG
    Jelena

    Www.jellyjelenaslife.blogspot.co.at

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  6. Ich stimme Zunder auch zu - Daumen hoch. :-)
    Liebe Grüße,
    Marie <3

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  7. Vorsicht unqualifiziertes Hobbypsychologengequatsche folgt (traue niemals einer Ferndiagnose):
    -
    " Ich wünschte mir manchmal ich wäre so einfach gestrickt wie viele andere und könnte solche Stimmen im Kopf dauerhaft ... zum Schweigen bringen"
    die unfähigkeit andere gedankenlos abzuservieren scheint hier garnicht das Kernproblem (damit auch nicht die Lösung). Primäre ursache die ich hier herauslese schein eher auf dem Dunning-Krüger effekt zu basieren(halt nur nicht auf einer Skala von Fähigkeiten/Expertise sondern einer ethischen skala). Dein starker Fokus auf selbstkritik (negative Selbstbewertung(einer der Labels dieses Post ist "selbsthass")) scheint zu einer positiven Verzerrung in der ethischen Beurteilung anderer zu führen. -> Lösung sollte hier also eher der Versuch sein die Selbstbeurteilung(selbstreflektion) objektiver zu gestalten die es dann auch erlaubt andere objektiver zu beurteilen(nicht die Selbstreflektion oder Reflektion des Verhaltens anderer ganz zu unterbinden).
    -
    unqualifiziertes Hobbypsychologengequatsche ende

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    1. So in der Art ging das Gespräch mit meiner Psychologin auch weiter - so falsch scheinst du also nicht zu liegen ;)

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    2. >> egoboost +10 <<
      (wisdom-check failed, remove disclaimber) ;)
      Hm dann spekulieren wir mal weiter und gehen von der Annahme aus das der starke Fokus auf Selbstkritik seinen Ursprung in deinem stark ausgeprägten Idealismus hat. Letzteren abzulegen wäre allerdings nicht die optimale Lösung da dies auf lange Sicht noch negativere Folgen für deine Zufriedenheit hätte(könntest dich irgendwann nicht im Spiegel wiedererkennen). Besser wäre sich in Erinnerung zu rufen was Ideale sind: Vorstellungen die bewusst ZU hoch angesetzt sind um sie direkt zu erreichen die aber dennoch nützlich sind um eine bevorzugte Richtung der gewünschten Entwicklung aufzuzeigen. Ergo wäre es nicht sinnvoll zu erwarten diese schon erreicht haben zu müssen (ganz im Gegenteil würde dies ja ein Ende des strebens nach ihnen bedeuten).
      Also nur im Hinterkopf behalten:morgen ist auch noch ein Tag an dem man Fortschritte machen kann, man muss nicht gleich perfekt sein (und nur weil man selbst noch nicht perfekt ist heisst das nicht das man sich nicht in relation zu anderen in einer besseren position befinden könnte(um das ganze einmal auf die Spur des "Arschloch-magneten-problems" zurück zu führen))

      na mal sehen ob ich mich damit nun komplett ins fettnäpfchen gesetzt habe(egoboosts haben manchmal diese Auswirkung auf mich)

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  8. Der Text ist wirklich gut geschrieben. Ich gebe Zunder auch recht :)

    Liebe Grüße
    Ivi

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  9. Du hast sowas von Recht :D Der Kommentar über mir hat eigentlich schon alles beschrieben, was ich dir jetzt sagen würde. So falsch kann es nicht sein :)
    Liebst, Katja
    http://amoureuxee.blogspot.de/ :D

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  10. Ohgott, dein Post hat mich schockiert. Klar hast du in einigen Punkten wirklich Recht und so viele Arschlöcher um einen herum sind wirklich zum kotzen. Aber ich persönlich halte gar nichts davon, all den Frust in Alkohol und Weed zu vergraben - auch wenn es (hoffentlich) eher sinnbildlich gemeint war.

    Ich wünsche dir viel Erfolg beim Kampf gegen die Arschis, wenn man das so sagen kann?

    Liebe Grüße,
    Seija // hey there, Daisy

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  11. Hach wie gut ich dich verstehen kann...
    Ich habe das gleiche Problem. Ich bin viel zu gutmütig. Obwohl ich Menschen sehr gut und schnell einschätzen kann, gebe ich ihnen jedoch immer wieder eine Chance, ihre "gute Seite" zeigen zu dürfen...

    Ich miste im Moment gnadenlos aus.
    Allerdings würde es mir selbst weh tun (und ich würde mir das auch nicht trauen), den Personen selbst zu sagen, dass ich nichts mehr mit ihnen zu tun haben möchte. Ich vermeide einfach den Kontakt. Nächstes Jahr ziehe ich ca 500 Kilometer weit von hier weg. Ich werde also kaum zu einem Klärungsgespräch genötigt sein und wenn dann kann ich ablehnen mit: "ach komm ab nächsten Sommer sehen wir uns eh nicht mehr"...

    Manchmal tut es gut die Tapeten zu wechseln und dort dann von Anfang an radikaler vorzugehen - zumindest Menschen nicht mehr so schnell nah an sich heran zu lassen. Fällt mir allerdings auch verdammt schwer.

    Ich weiß jedoch: wäre ich noch zu Hause in meinem Heimatdorf und nächstes Jahr nicht noch viel weiter weg, als jetzt schon, dann würde ich einfach mit den Arschlöchern leben - sei es um mir meinen Schein-Frieden zu wahren...

    Ich wünsche dir viel Erfolg dabei, irgendwie aussortieren zu können.
    Liebe Grüße > sara

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  12. Sehr gut formuliert, mir gehts genauso!

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