Freitag, 1. Mai 2015

Justine privat: Beschissener Start in den 1. Mai

Es ist 9 Uhr morgens und der Techno Beat hat mich und meine Hundedame aufgeweckt. Die erste Gassirunde ist somit alles andere als friedlich und ruhig – eher durchsetzt von den schrecklichen Beats und den Jubelrufen von betrunkenen Kinder, die meines es sei geil um diese Zeit bereits den ersten Filmriss zu bekommen.
Ich stöhne und ziehe meine Jacke enger um meinen Körper, während meine Hundedame einen großen Haufen in das hohe Gebüsch legt. Manchmal wünschte ich, ich hätte sie so abgerichtet das sie jedes Mal wenn ein Versuchs-Hipster-Arschloch-Teeny an mir vorbei geht einen dicken Haufen vor seine Füße zu legen. Das hätte was …
Mir steigt der Geruch von schalen Bier und Gras in die Nase und mir wird etwas übel. Wann habe ich eigentlich angefangen meine Art derartig zu verabscheuen? Ich komme mir vor wie eine Oma, die immer schimpft wenn eines der Kinder in ihrem Garten spielt. Auf der anderen Seite ist es vielleicht nicht abwegig das ich mit der Selbstzerstörung der Jugend nicht so ganz zurecht komme. Man muss sich inzwischen dafür rechtfertigen das man sich nicht jedes Mal schamlos besaufen will und das man keine Lust hat chemisches Zeug durch die Nase zu ziehen. 


Unser Weg führt uns weiter weg von der beschissenen Musik – in der Hoffnung auf etwas Ruhe, doch plötzlich fängt Cosma an zu knurren. Ich bin noch zu müde um gleich zu sehen, was sie mir damit sagen will. Zwei Teenys begatten sich im Busch.
Der Morgen scheint einfach nicht besser zu werden.
„Scheiße da kommt jemand“, sagt sie.
„Ach scheiß drauf“, sagt er.  
„Ich hoffe ihr nehmt ein Kondom!“, rufe ich. „Nicht nur wegen HIV sondern auch falls einer von Euch Feigwarzen hat …“
Sie halten kurz inne und versuchen zu mich durch den Busch genauer zu erkennen. Es ist lachhaft wie in einem schlechten Film. Ich kann Glitzer auf ihrer Haut glänzen sehen und muss unweigerlich an den Song von Feinesahne Fischfilet denken: 

Viel zu oft Glitzer im Gesicht und Scheiße im Gehirn ...

Ich muss lachen und ziehe meinen Hund in die andere Richtung. Es muss schön sein sich so wenig Gedanken um sich selbst und die Umwelt zu machen – so schön einfach, so schön dumm. Seufzend versuche ich mein Glück in der anderen Richtung, doch als ich das nahe Geschrei einer ganzen Horde von Jugendlichen höre drehe ich wieder um.

So wird das nicht mit einem guten Morgen, ich brauche einen Kaffee und etwas ordentliche Musik.

Kommentare:

  1. Nächstes Mal lässt du deine Dame ein Häufchen auf die sich begattenden Teenies legen lassen. :D

    AntwortenLöschen
  2. Args, ja, ich verstehe, was du meinst und du hast es mit dem "Selbstzerstörungswahn" gut ausgedrückt - das fing schon in meiner Generation an und dass die Teenies es noch wilder treiben... Nervt :D

    AntwortenLöschen
  3. Oh je was für ein Morgen! Da kann der Tag ja nur besser werden!

    Liebst, Sarah von Belle Mélange

    AntwortenLöschen
  4. Du hast leider total recht damit, dass man sich rechtfertigen muss sich nicht ständig ohne Grund zu betrinken.. Und solche Tage wie den ersten Mai finde ich langsam auch total überzogen. Jeder muss und will unbedingt irgendwo trinken gehen. Wieso? Der Tag ist doch auch nicht anders als jeder andere.
    Du hast wirklich zwei Teenys im Busch erwischt? :D:D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, im Hochsommer hat man das hier öfter ...
      Aber auf die Zwei war ich zu so früher Stunde nicht vorbereitet ...

      Löschen
  5. Das war ja ein schrecklicher morgen, uhhh Hoffe der Tag wird dafür besser.
    Liebst Michelle von beautifulfairy

    AntwortenLöschen
  6. Klingt nach nem stressigen Morgen für dich!
    Aber wie sagt man so schön, leben und leben lassen ;)
    Hoffe dein restlicher erster Mai wird besser <3
    Liebst, Linda

    AntwortenLöschen
  7. Ach Göttchen, man könnte ja sagen die armen zwei aber nö :D Geschieht ihnen recht, da ist der Spruch "Nehmt euch ein Zimmer!" vielleicht doch ganz angebracht:D

    Liebste Grüße Lili

    AntwortenLöschen
  8. Also auch wenn das Ganze für dich kein sonderlich erheiternder Morgen war, ich finde deinen Text geil :D Hammer krass! Es hat irgendwie 10°C draußen... wie kann man da im Gebüsch Sex haben?! Abgesehen davon, dass sies um 9 Uhr frühs in einem GEBÜSCH treiben :D Kannst gerne mehr so verrücktes Zeugs erleben und uns dann davon erzählen haha.

    Lieben Gruß,
    Lilly

    AntwortenLöschen
  9. Wenn Ich die Wahl hätte zwischen ins Delirium saufen oder vögeln würde ich mich auch für letzteres entscheiden :)

    AntwortenLöschen
  10. Man muss nicht wirklichh alt ("oma") sein um sich angesichts solch irrational/destruktiver Verhaltensweisen vor den Kopf zu fassen.
    Etwas erhöhtes Alter bringt aber den Vorteil abstand zu der Situation nehmen zu können und über die Hindergründe dieses Verhaltens zu reflektieren. Nach eben jener Reflektion wird die Verwunderung über die sozialen Normen die Auslöser dessen sind aber nicht unbedingt weniger.
    -soziale etikette im allgemeinen ist zu restriktiv um Wohlbefinden zu fördern
    -Alkoholkonsum(und in anderen Kreisen andere Arten von Drogenkonsum) gelten als begrenzte Enschuldigung mit der Etikette zu brechen
    -der Konsum selbst gilt aber nicht als Bruch der Etikette (vorgetäuschter "anlass" vorausgesetzt)
    -> ergo ist der Konsum hier nicht anderes als ein Hintertürchen um eine Fassade sozialen Konsens aufrecht zu erhalten mit der die Mehrheit in wirklichkeit längst gebrochen hat
    (so offensichtlich in Retrospektive dennoch so wenig beachtet)

    dies erklärt dann auch warum eine Rechfertigung verlangt wird nicht daran teil zu nehmen: die nichtbefolgung dieses Ritus wird fehlinderpretiert als Unwille jene Etikette zu umgehen und bricht damit mit eben jene Fassade

    PS: inzwischen Kankenwagen im minutentakt an meiner Wohnung (richtung Uniklinik) vorbei fahren zu hören stärkt auch nicht unbedingt das Vertrauen in jene Normen

    AntwortenLöschen
  11. Ich kenn das. Hier ist es echt nicht besser...Ich gehe wohl am 30. April zu Freunden und wir grillen und trinken gemeinsam. Am 1. Mai ist bei uns immer Familientag. Da bin ich auch froh drüber :D
    Liebst Chichi :)

    http://urban-and-country.blogspot.de

    AntwortenLöschen
  12. Genau wie bei mir!!! Ehrlich! Hier lagen in den Flussauen um sieben Uhr morgens noch die letzten Leichen von Vorabend! Meine Hundedame natürlich sofort hin um zu sehen ob es dem Menschen da gut geht... Arme Maus!

    Liebste Grüße
    Liz

    www.feinundfabelhaft.de

    AntwortenLöschen