Donnerstag, 11. Juni 2015

Justine privat: Clubs sind scheiße

Es ist die erste Party seit Wochen – und ich weiß wieder warum ich keine Lust darauf hatte. Der Gestank von Schweiß, Urin und Dope vermischt sich mit dem Duft der süßen Cocktails. Der wummernde Bass, der ätzenden Musik dröhnt in meinem Kopf. Eigentlich will ich nur noch nach Hause, aber ich muss nett sein – ich bin ja schließlich nicht zum Vergnügen hier, sondern um den Geburtstag eines Freundes zu feiern.
Dass ich auch solche Tage eigentlich sinnlos finde, versuche ich mal zu ignorieren. Genauso wie das weiße Pulver das im Damen WC feierlich durch die Nase gezogen wird. Meine beste Freundin ist ähnlich genervt wie ich und blickt mich mit einem „Boa – wollen wir endlich gehen?“ Ausdruck an. Geht nicht – es ist noch nicht mal 0 Uhr.
„Ich brauch was zu trinken“, sagt sie und schüttelt sich die Hände trocken, da jemand sehr kluges alles Papiertücher aus dem Behälter über den Boden verteilt hat.
„Ich auch.“
Rum-Cola soll uns die Stimmung retten, doch während wir daran schlürfen treffen sich unsere genervten Blicke immer wieder.
„Rauchen?“
Ich nicke. Immerhin ist die Luft im Außenbereich besser, der Bass leiser und der Geruch von Gras irgendwie beruhigend. Kiffer sind das eine, die meisten sind es zu doll und unterschätzen die Wirkung mit Alkohol, doch zumindest sind sie meistens nicht so aufdringlich wie die Speed Konsorten.
„Waren Clubs schon immer so ätzend?“


„Sonst sind wir nur betrunkener …“
„Also sind wir jetzt zu pleite?“
„Oder zu erwachsen.“
„Also zu anspruchsvoll.“
Wir stoßen an und ziehen an der Kippe, als würde uns das den Anblick des übergroßen Joints in der Studentengruppe vor uns vergessen lassen. Ich bin mir zu 80% sicher, dass dieses Ding größer ist, als der Durchschnitt aller männlicher Geschlechtsorgane in dieser Gruppe. Erfahrungswerte. Mit Kiffern kann man vielleicht gut über unsinnige Dinge reden, aber zum Sex taugen sie selten bis nie etwas. „Wollt ihr auch mal?“
Der Joint wird mir unter die Nase gehalten und ich habe das Gefühl das ich schon vom Geruch high werde.
„Nein!“
„Schade, ihr seht aus als könntet ihr etwas lockerer werden …“
„Ich trete dir gleich in die Eier wenn du mit dem scheiß Ding nicht abhaust!“
Ich muss grinsen. Für solche Sachen liebe ich sie.
„Chillt mal …“
„Mach du erstmal dein Philosophie Studium zu Ende…“
Ich lache und wir trinken aus. Irgendwie habe ich den Moment verpasst an dem es normal wurde dauerhaft high zu sein. Wer nicht mitmacht ist ein Spießer, wer kein Teil davon sein will muss sich verpissen. Und wer es wagt das Ganze zu kritisieren geht das Risiko ein, nie wieder sozialen Anschluss zu bekommen. Liegt das an den Zwanzigern oder ist die Welt so abgefuckt?
Drinnen sieht es nicht besser aus, nur voller.
Wir versuchen zu tanzen, denn Unterhaltungen in Clubs sind eigentlich unmöglich. Noch etwas das ich nie verstanden habe – ich habe nicht einen meiner ONS auf einem Club aufgegabelt! Nicht einen und darauf bin ich stolz.

10 Minuten nach 12 suchen wir unseren Freund, gratulieren und verpissen uns aus dem Club so schnell wir können. Irgendwie ist das Leben einfach zu kurz dafür. 

Kommentare:

  1. In was für Clubs treibt ihr euch denn herum, wenn es nach Pisse riecht und die auf dem Damenklo koksen? :D
    Aber sehr gut geschrieben, ich versteh dich echt. Manchmal ist man nüchtern, sieht sich kritisch um und fragt sich was man hier denn eigentlich soll. Aber andere Male sind Clubs auch ne richtig gute Sache, find ich. :)
    Liebe Grüße!

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  2. Sehr cool geschrieben. Früher war ich auch oft tanzen und in Clubs unterwegs. Heute schätze ich einen entspannten Abend mit Freunden in einer Bar oder bei jemandem zu hause. Ich weiß gar nicht wie lange es her ist, dass ich in einem Club war. Meistens ist es zu voll, zu warm und zu viele Menschen ;)

    Liebste Grüße Laura
    http://streuselsturm.blogspot.com/

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  3. Ich finde es toll erzählt :)
    Was ist denn das für ein Club^^ oder ist das immer so?! *-* Ich war noch nie in einem. bin ja auch erst 13 :D
    LG always x

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  4. „Mach du erstmal dein Philosophie Studium zu Ende…“
    Mir kam bei dem Satz sofort jemand in den Kopf - der typische Graskonsument, wie er im Buche steht. Damit du dich nach dem Abend besser fühlst: Er studiert wirklich Philosophie. Über sein "Geschlechtsorgan" kann und will ich jedoch nicht urteilen. Ich liebe deine Posts einfach. :)

    Liebe Grüße, Laura :*

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  5. brrr ich weis schon warum ich keine Clubs besuche :D ist so gar nicht mein Fall^^

    Ich gammel lieber daheim auf dem Sofa und mache im Sommer meine Festival-Tour :D da sind die Leute zwar auch nicht ganz ohne aber eben doch irgendwie auch normal^^

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