Freitag, 21. August 2015

Justine privat – Spring nicht


Es gibt Tage da scheint die Sonne in einem fröhlichen Grau. Die Blumen scheinen alle verwelkt zu sein und die Schmetterlinge haben offenbar ihre Farben verloren. Obwohl man die Augen erst seit wenigen Stunden auf hat, kommt einen der Tag doch bereits verloren vor.
Heute ist so ein Tag.
Mir fehlt die Motivation, der Antrieb, der Funken der das Leben zu etwas schönem macht. Wie ein nasser Sack mit schmutziger Wäsche sitze ich in der Bahn während die Geisterhaftem Gestalten meiner Mitmenschen sich an mir vorbei schleichen. Ich kann nicht einmal benennen welches Gefühl sich gerade in meiner Brust breit macht.
Diese Dauerschleife aus Hinfallen, Aufstehen, Hinfallen hat mich derartig abgestumpft das ich an Tagen wie diesen einfach gar nichts fühle. Das Leben schmeckt nach faden Müsli ohne Früchte oder Schokolade. Ich steige aus der Bahn und atme die Luft tief ein, doch auch das vermag in mir keine Gefühlsregung auslösen.
Alles ist so furchtbar fade, dass ich darüber nachdenke mich mit Absicht die Stufen hinunter fallen zu lassen, um irgendwas zu fühlen. Doch ich halte mich davon ab. Immerhin ist es nicht der erste sonnengraue Tag in meinem Leben. Ein Typ kommt mir entgegen und sieht mich schief an, als würde man mir meine Lustlosigkeit am Leben heute ansehen. Vielleicht sind es aber auch die grünen Haare die heute zu allen Seiten abstehen. Mir ist es egal.
Auf der Arbeit kommt die übliche Smalltalk Frage wie es mir denn geht. Leider kann ich sie nicht beantworten und zucke nur mit den Schultern, während ich versuche mich zumindest nützlich zu fühlen. Auch das klappt nicht wirklich, obwohl ich meinen letzten Zeit Rekord um fast 10 Minuten unterbiete, bis ich mit allen Aufgaben fertig bin. Bevor die ersten Gäste kommen, habe ich also noch mehr Zeit die ich verschwenden kann.
Mit einem Kaffee setze ich mich nach draußen. Es ist heiß, zumindest das kann ich fühlen. Die Luft ist schwer und drückt. Irgendwann gehe ich wieder rein, poliere die Messer und denke darüber nach meine Unterarme aufzuschlitzen, damit das Rot meines Blutes endlich etwas Farbe in diesen Tag bringt. Doch ich halte mich davon ab und lege die Messer zur Seite.  Und dann plötzlich macht die Zeit einen Sprung. Ich habe Feierabend, aber ich gehe nicht nach Hause. Ich will niemanden mit meinem Unmut zur Last fallen, stattdessen gehe ich runter zum Hafen.
Eigentlich liebe ich das Bild. Das Wasser, die Sonne und die Möwen. Doch nichts davon dringt wirklich in mein Bewusstsein vor. Jeder Schritt erscheint mir erdrückend sinnlos. Ein Graffiti auf dem Boden verkündet in großen Buchstaben: SPRING NICHT!
Wie eine Warnung scheint es mir entgegen zu leuchten. Nein, ich springe nicht.

Morgen ist ein neuer Tag – und vielleicht sogar ein besserer.

Kommentare:

  1. Berührender Text. Kopf hoch und halte durch. Am Ende wird alles gut!
    Liebe Grüße
    Lynn | http://nexttolondon.blogspot.com/

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  2. Ein wirklich genialer Beitrag, Ju. Ich mag deine Beiträge immer so gerne, da sie wirklich häufig in die Tiefe gehen und einen auch irgendwie "berühren".

    Liebe Grüße

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  3. super geschrieben. kann mich total reinfühlen und verstehe es auch. habe auch manchmal so tage, an denen ich plötzlich so ein beklemmendes gefühl bekomme... kann das kaum beschreiben. halte mich dann immer daran fest, dass es nur ein kurzer zustand ist und alles wieder besser wird. klappt einigermaßen. manchmal versinke ich auch einfach in diesem zustand, dann ist das eben so.

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  4. Ich rate dringend zu einem Therapeuten zu gehen. Vielleicht machst du das ja schon, ich kenne nicht alle deine Beiträge. Aber wenn dieser Zustand oft vorkommt, such dir hilfe. Aber so wie du schreibst, habe ich das gefühl, dass du öfter diesen gemütszustand hast...

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  5. Hab diesen Beitrag echt liebend gerne gelesen. So wundervoll geschrieben!

    Liebst, Dilan von DILANERGUL

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  6. Ein toller Bitrag und sehr schön geschrieben. Man kann sich sehr gut in deine Situation einfühlen
    Viel Glück Manou

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  7. Der Text war wirklich berührend und ich denke jeder hat mal solche Tage.. Aber solche Tage gehen auch immer rum und machen Platz für bessere! Kopf hoch :)

    Grüße!
    hardtocherish.blogspot.de

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  8. Toll geschriebener Text mit einer schweren Thematik. Ich denke, dass Leben zeichnet sich durch das ständige Auf und Ab einfach aus und es geht ja immer irgendwie weiter. Ich denke mir in solchen Situationen oft, dass es sich nicht lohnt aufzuhören, denn es kann immer besser werden und die Chance, das zu erfahren, nehme ich mir, wenn aufhöre :)

    Liebe Grüße,
    Kiamisu

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  9. Sehr toll geschriebener Text!
    Und am Rande - Ich liebe deine Haarfarbe das sieht total toll an dir aus :)

    Liebe grüße http://missesepicx.blogspot.de/

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  10. Dein Text ist so gelungen. Ich habe es gern gelesen. Jetzt habe ich ein Stimmungsblues, aber das ist etwas gutes. Dein Text trifft es einfach genau

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  11. Jeder von uns hat solche Tage wo einfach mal alles grau und scheiße ist und nichts einen aufheitern kann, dann ist aber ein guter Tipp eben nicht alleine zu sein. Sich mit guten Freunden zu treffen oder wenn man das nicht möchte sich daheim zu verziehen und Gesellschaft durch seine liebsten Serien-/ und Filmstars zu erhalten. Mal wieder zu lachen :)
    Liebst,
    Farina

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  12. Sehr gut geschriebener Text. Düstere, schwere Thematik und dadurch echt bedrückend berührend, aber sehr gut geschrieben.
    Liebe Grüße, Mona von Belle Mélange

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  13. Hey, ja, solche Tage gibt es. :) Zum Glück dauern sie auch nur 24 Stunden ... VG Cat

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  14. Das Bild ist echt toll und der Text berührend.
    Nach einem schlechten Tag kommt immer ein guter. Die Zeit rast sowieso schneller als wir gucken können und wenn man dem Tod mal sehr nahe war, dann liebt man auch die schlechten Tage.

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  15. Was für ein schöner Text. Mach weiter so. Ich liebe es solche Texte zu lesen. Und das Bild dazu ist auch klasse <3
    Liebe Grüße
    Larissa
    www.inbetwen.com

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  16. Wow wirklich sehr emotional und traurig ...
    Ich hoffe solche tage sind bei dir eher selten ...

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