Sonntag, 8. November 2015

Justine privat - Selbstzweifel

Shirt: Motte Klamotte

„Die Zukunft macht mir Angst“, sage ich und reibe über meine Arme während ich an ihm vorbei blicke. „Was ist wenn ich solange für etwas kämpfe das mich am Ende nicht glücklich macht?“ 
Er lächelt auf diese Art die mich wahnsinnig macht. Eine Mischung aus Herablassung und Verständnis. „Das wirst du nicht raus finden bis du es getan ist – und am Ende ist das auch nicht wichtig“, meint er und zupft an seiner Mütze herum. „Wenn du etwas tust was dich nicht glücklich macht, machst du eben wieder etwas anderes …“

Ich seufze und schüttle deprimiert den Kopf. „Ich arbeite seit einem Jahr auf etwas hin von dem ich nicht einmal weiß ob es das richtige für mich ist …“

„So würde ich das nicht sehen, du arbeitest auf etwas hin das dir eine größere Auswahl ermöglicht.“ Damit hat er nicht ganz Unrecht und dennoch fühlt es sich einfach nicht besser an. Meine Selbstmitleidsphase hat mich vollständig gepackt und weigert sich vehement mich wieder los zu lassen. 

„Ich habe einfach nur Angst, dass ich meine Zeit verschwende …“

„Das tust du nicht.“

Er sagt es mit einer Sicherheit die mir Angst macht. Wie kann er so sehr in mich vertrauen – und ich selbst so wenig?

„Was wenn ich das Abi nicht packe? Oder einen so schlechten Abschluss mache dass ich nichts von dem studieren kann das ich möchte?“
„Dann studierst du irgendwas und schreibst.“

Wieder diese Sicherheit. Als könnte uns nichts passieren. Als wäre jede Entscheidung dir wir zu treffen haben automatisch die Richtige. Ich kann nur mit dem Kopf schütteln und in den Sonnenschein vor meinem Fenster blicken. 

„Ich habe einfach Angst. Es ist so viel auf einmal. Der Job, die Schule, das Schreiben. Ich habe das Gefühl ich kann bei keinem davon 100% geben.“

„Natürlich nicht. Aber das wird sich auch wieder ändern. Mach dich nicht schlechter als du bist.“

Er nimmt mich in den Arm und ich lege den Kopf an seine Brust. Sein Herzschlag wummert in mein Ohr und bringt mich unwillkürlich zum Lächeln. Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich das erste Mal an seiner Brust lag. Das Gefühl hat sich nicht verändert. Sein Herzschlag scheint einen eigenen Beat zu haben – wie ein Song der nur für ihn spielt, und ich darf ihm lauschen.  

Kommentare:

  1. Ich mag deine Art zu schreiben, du kannst das echt gut! Für deine Zukunft wünsche ich dir alles Gute, du schaffst das schon :)

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  2. Wunderbar geschrieben! Ich denke, in solchen Zweifeln steckt jeder mal fest, ich bin z.B. gerade im Referendariat, auch bekannt als "die schlimmste Zeit im Leben eines Lehrers" o.O Und letzte Woche schicken die uns im Fachseminar so einen Vollidioten von der Gewerkschaft vorbei, der uns 45min lang erzählt hat, wie unwahrscheinlich es ist, dass wir jemals eingestellt werden. Da denkst du dir auch "Na toll, und dafür dann die ganze Quälerei?!" -.- Das geht aber vorbei, ich sage immer zu meinen ängstlichen Mitreferendaren "Bis jetzt haben wir auch immer alles überlebt" =)

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    1. Das sage ich mir auch immer wieder - irgendwie geht es immer weiter ...

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  3. Schöner Text und auch ein wundervolles Bild dazu!

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  4. Dieses Gefühl.. dass hab ich auch. Gerade jetzt und bereits vor einem Jahr. Das erste Studium abgebrochen und dann stand ich dort. Studiere jetzt etwas, was ich im Grunde gar nicht will aber muss, um auf das zu kommen was ich will. Warum? Man braucht ja NC und co.. -.- Ärgerlich! Als wäre die Entscheidung was man machen will nicht schon schwer genug, dann kommt da auch noch das: darf ich das studieren hinzu.

    Liebe Grüße,
    Bambi

    www.xfunkelmaedchen.blogspot.de

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    1. Ja, genau! Man versucht herauszufinden was man will und selbst wenn man DAS dann gefunden hat ... dann wird es erst richtig schwer und muss ständige Umwege in Kauf nehmen ...

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  5. Ach Ju, manchmal habe ich wirklich das Gefühl du schaust in meinen Kopf und bringst all das was da nur so herumschwirrt in tollen Worten aufs Papier - oder eben, den Blog.
    Du sprichst mir wie immer aus der Seele. Ich habe auch eine riesige Angst vor der Zukunft. Waren die Entscheidungen die ich getroffen habe richtig? Aber ich schätze, wie dein Freund sagt: das kann man nie wissen, bis man es nicht gemacht hat.
    Auch mein Freund scheint mehr Vertrauen in mich zu haben als ich. Ich zweifle viel, er zweifelt nie an mir. Aber es wäre auch traurig wenn unsere Freunde an uns zweifeln würden oder? Dafür zweifeln wir ja schon genug.
    Ich bin mir auch sicher, dass du das alles schaffst und deinen Weg gehst, der am Ende richtig für dich ist :)
    Liebste Grüße, Eva

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  6. ein wirklich schöner kurzer text und du sprichst mir sowas von aus der seele. ich habe vor kurzer zeit mein studium abgeschlossen und schwebe seitdem in der luft ohne zu wissen, wo mein "großes" ziel ist. die eine sache, die mich packt und ich weiß, das ist das, was mich glücklich machen wird. und erst heute hatte ich eine lange unterhaltung darüber - es könnte mein dialog heute sein, echt cool! :)

    liebst, laura

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    1. Beruhigend zu lesen, dass ich nicht alleine bin!

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  7. Wow.. Das hast du echt schön geschrieben. Man findet sich total in deinen Sätzen wieder. Wie oft stehen wir im Leben vor einer Entscheidung und wissen nicht weiter .... Top :)

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  8. Ich liebe generell deine Art zu schreiben, aber dieser Text hat mich ganz besonders gefesselt. Ich kenne das Gefühl wenn man selber komplett zweifelt aber andere mit einer unverständlichen Gewissheit an einen glauben die einen selbst fast schon Angst macht. Aber es ist toll, dass es diese Menschen gibt.
    Liebe Grüße, Mona von Belle Melange

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    1. Jetzt werde ich ganz rot! Danke dir!
      Ich wüsste manchmal wirklich nicht, was ich ohne diese Menschen machen würde ...

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  9. Gefühlte 1.000 Möglichkeiten, und doch scheint keine komplett "richtig" zu sein - oder die Perspektive erscheint zu unsicher. Ich kann das gerade echt nachvollziehen; mein befristetes Volontariat geht noch knapp ein halbes Jahr und bisher habe ich keine Rückmeldung, wie es weitergeht. Dann noch eine frische Ehe (auf Distanz) und der Wunsch, sich doch mal "niederzulassen" ...Ich drück dir alle Daumen!

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  10. Solange du jemanden hast, der dich ermutigt und versucht dir deine Angst und Selbstzweifel zu nehmen hast du schon ganz viel gewonnen und richtig gemacht :) Man weiß nie was dieses Hätte, Wäre usw. bereit hält aber man sollte auch nicht zu viel in der Vergangenheit leben und nicht zu viel zerdenken, dabei vergisst man zu leben und zu genießen :)

    Kopf hoch, sonst du stolperst du :)

    Grüße Laura
    http://streuselsturm.blogspot.com

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