Dienstag, 9. Februar 2016

Justine privat: Quarter-Life-Crisis

Bildbearbeitung: http://mary-buecherblog.blogspot.de/


Zugegeben, mich hat die Quarter-Life-Crisis nicht erst mit den 25. Geburtstag ereilt (den Post dazufindet Ihr hier)
Mit 21 hatte ich meine Schule und meine Ausbildung fertig und war dabei, ganz normal in meinem Beruf zu arbeiten. Doch obwohl ich eigentlich hätte glücklich sein müssen, war ich es nicht. Ich hatte mir den falschen Beruf ausgesucht. Es fühlt sich an wie eine gigantische Belastung an, jeden Tag aufzustehen und in die Praxis zu fahren. Also habe ich etwas geändert, statt Praxis hieß es dann eine Weile Krankenhaus. Doch auch hier wurde ich nicht glücklich - das genaue Gegenteil war der Fall. Nach einem FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) in einem Behindertenheim hatte ich endgültig die Nase voll von der Medizin. 
Danach folgte ein Ausflug durch diverse gastronomische Betriebe - Kellnern macht durchaus Spaß, aber das Gelbe vom Ei ist es nicht. 
Also doch noch mal die Schulbank drücken … 
Und da sitze ich nun. Mit Mitte Zwanzig wieder in der Schule und ich fühle mich genau wie mit 15 komplett fehl am Platz. Obwohl es im Gegensatz zu meiner ersten Schulzeit doch mehr Spaß macht und ich auch meine Aufgabe als Klassensprecherin und Schülersprecherin mag. Irgendwie ist es dennoch komisch.
Trotz meines bunten Lebenslaufes, fühlt es sich an, als hätte ich doch noch gar nichts erreicht. Ungeachtet der Tatsache, dass ich schon eine Zeit in den USA verbringen durfte, ist es so, als hätte ich noch nichts von der Welt gesehen.
Und das Schlimmste von allem: Wohin genau es gehen soll weiß ich immer noch nicht. 
Die Liste der Dinge, die ich nicht mehr machen will, ist schon ziemlich lang. 
Nur leider verpasse ich immer den Moment, auch der positiven Seite einen Punkt dazuzugeben. Ich habe keine Ahnung, was ich nach dem Abitur mache, wohin ich gehe oder was ansonsten passiert. Vom Prinzip her stört mich das auch nicht, außer ich blicke auf mein Geburtsdatum und mir wird klar, dass ich, wenn alles gut läuft, noch 75 gute Jahre habe. 
Ein Viertel meines Lebens ist einfach vorbei gegangen und ich hatte mir vieles ganz anders vorgestellt. Die wenigsten Wünsche sind wirklich in Erfüllung gegangen und mehr Zweifel sind dazu gekommen, als auf eine Liste passen. Natürlich bringen mir diese finsteren Gedanken herzlich wenig. Was also kann ich dagegen machen? 
Ich habe weder das Geld für einen Selbstfindungstripp quer durch Europa, noch für ein schnelles Auto, mit dem ich meine Komplexe überspielen kann. Ich würde es wahrscheinlich auch gar nicht fahren, denn ich hasse es, selbst am Steuer zu sitzen. Was also dann? 
Diese Frage stelle ich mir oft, schiebe sie noch öfter zu Seite und mache einfach weiter wie bisher. Mir war schon immer klar, dass das Leben kein Ponyhof ist und ich muss mir immer wieder sagen, dass es auch gute Tage gibt. Ganz ohne Selbstzweifel und mit einem vollen Kühlschrank. Dennoch - die Gedanken sind da. Ein richtiges Rezep dagegen habe ich noch nicht gefunden. 
Ich kämpfe einfach immer weiter für die Möglichkeiten, die ich haben will. 
Was anderes bleibt mir auch nicht übrig, oder?

Kommentare:

  1. Wow, ein sehr sehr toller, tiefgründiger und ehrlicher Post. Ich mag es solche Post´s zu lesen. Es ist eben nicht immer alles nur friede, Freude,Eierkuchen im Leben. Und ich finde es toll wenn Menschen dazu stehen. Ich kann mich in deine Situation genau rein versetzen, denn mir geht es nicht anders momentan. Ich habe diese Gedanken zurzeit auch sehr stark. Aber du wirst deinen Weg machen egal wie lange es dauert.

    Liebst,
    Janine // www.traummelodiie.de

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  2. Ich finde es auf jeden Fall super, dass du dein Abi machst, schließlich öffnet es dir auch erstmal weitere Türen. Da ich noch jünger bin als du kann ich leider nicht mitreden, ich mache aber auch grad mein Abitur und habe überhaupt keine Ahnung wie es danach weitergehen soll und was ich mache. Aber wir werden die Zeit schon überstehen und später zurückblicken und darüber lachen wie unsicher wir uns gefühlt haben, da bin ich mir ganz sicher :) Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg auf deinem Weg, egal welche Richtung du einschlägst.
    Liebst, Katja
    www.amoureuxee.de

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    1. Danke für den Zuspruch - ich wünsche dir natürlich das Gleiche :)

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  3. Hallöchen Justine =)

    Ich hab grad wie gebannt deinen Post gelesen und hab mich da auch wiedergefunden.
    Durch diverse Erfahrungen, die ich in meinem Leben so gemacht habe und die daraus resultierenden Gedanken und Konsequenzen, kann ich mit Stolz behaupten, dass meine Liste der Dinge, auf die ich in diesem Leben keinen Bock mehr habe, wahrscheinlich ebenso lang ist wie deine.
    Trotzdem überrascht es mich immer wieder, wie oft ich diese Liste erweitere, in letzter Zeit öfter mal mit Personen, die da drauf wandern =).
    Auf der anderen Seite frage ich mich auch oft: Bin ich eigentlich jemals zufrieden? Und dann rufe ich mir all die kleinen positiven Aspekte meines Lebens in Erinnerung, was oft dazu führt, dass ich vor mich hin grinse und mir denke: Ach scheiß drauf, nimm nicht immer alles so ernst.
    Im Moment habe ich allerdings eine ganz üble Grübel-Phase, ausgelöst durch das dumme Verhalten anderer Menschen mir gegenüber, und möchte am liebsten alles umkrempeln, alles neu erfinden. Aber dabei sind es gar nicht wir selbst, die sich ändern müssen oder?

    Ich finde es jedenfalls total beeindruckend und mutig von dir, dass du versuchst neue Wege zu gehen und andere konsequent hinter dir lässt, auch wenn du noch nicht weißt wohin genau dich das führt. Ich habe das nie geschafft. Ich bin zu ängstlich, zu gradlinig und will auch dann etwas nicht aufgeben, wenn es schon verloren ist.

    Ich glaube fast, es ist so... manchmal muss man einfach weitermachen. Es gibt da so einen unfassbar weisen Film-Boxer namens Rocky Balboa, der mal in einem seiner Filme sagte: "Noch eine Runde durchzustehen, wenn du glaubst, dass du es nicht schaffst, das ist oft der entscheidende Punkt im Leben!".
    Ich glaub da ist was dran :-P.

    Liebste Grüße!
    Anja

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    1. Hallo Anja und lieben Dank für dein Kommi! Es freut mich das ich mit diesen Gedanken nicht alleine dastehe ...

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  4. Ein sehr schöner, ehrlicher Post -die lese ich bei dir am liebsten! Ich glaube, es macht gar nichts, wenn man nicht genau weiß, wo es hingehen soll. Das Leben ist voller Überraschungen und meistens kommt es eh anders als man denkt. Es ist mutig und (glaube ich zumindest) auch richtig, dass du nicht das weiter machst, was dir offensichtlich keinen Spaß macht. Wenn etwas falsch ist, soll es eben nicht sein. Du brauchst garantiert kein dickes Auto, um irgendwas zu überspielen. Du wirst schon noch das Richtige finden und wenn nicht, dann kann die Suche und das Entdecken auch jede Menge Spaß machen :)

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  5. Ich sehe mich wieder in deinem Text. Habe mich genauso gefühlt und ich wusste nicht so recht was ich beruflich machen soll. Es wird viel zu viel gefordert von einem und wenn man jung ist kann man den Ernst der Lage auch nicht einschätzen. Praktika im Ausland wäre doch bestimmt was?:) Man bekommt Berufserfahrung, lernt noch die Sprachen und sieht die Welt.
    Viel Erfolg und liebe Grüße
    http://wearthatice.blogspot.de

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    1. Danke meine Liebe! Wegen meiner Wuffine muss das Ausland noch eine Weile auf mich warten!

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  6. Liebe Justine,
    im Leben verläuft selten etwas so wie man sich es vorgestellt hatte - wenn man nicht gerade mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde. Manchmal muss man erst in die falsche Richtung gehen bevor man in die richtige Richtung gehen kann. Es ist nicht leicht zu erkennen wer man selbst eigentlich ist. Ein "Europa Trip" kann zur Selbstfindung beitragen, aber letztendlich bist du es, die endlich sich selbst akzeptieren muss. So wie du bist! Es kommt nicht darauf an was du alles schon erreicht hast, erlebt hast, die Welt bereist hast. Es kommt darauf an, ob du dich wohl fühlst und was du tun musst damit du dich wohl fühlen kannst. Du bist jetzt Mitte 20 und bist bestimmt nicht mehr so wie früher. Du weiß jetzt besser was du nicht machen willst. Nun musst du herausfinden wohin dich dein Herz tragen wird. Probiere dich aus, mach was dich glücklich macht, mach einen Haufen Fehler - denn durch sie kannst du wachsen und lerne daraus.
    Ich wünsche dir, dass du das machst was du möchtest und nicht was andere von dir erwarten.
    Liebste Grüße
    Anne von www.annesfashionlove.blogspot.de

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  7. Tja, ich kann dir nur eins sagen. Die Selbstzweifel kommen immer mal wieder. Ich bin nun 31 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern und zur Zeit Hausfrau. Es hat mich eine zeitlang erfüllt aber nun? Ein weiteres Kind nachlegen? Oder eine Teilzeitausbildung machen?
    Wenn ich dann auch noch auf das Leben meines Bruders blicke, frage ich mich gern, was hast du eigentlich bisher geleistet?

    Habe auch was gelernt, einige Arbeiten ausprobiert und zwei wundervolle Kinder. Aber irgendwie fühle ich mich als "Versagerin" im Vergleich zu meinen Bruder.

    Sehe auf jeden Fall die ersten 25 Jahre nicht als Verschwendung an sondern als Lehrgeld. Das sind Erfahrungen, die kann dir niemand nehmen und zumindest weißt du, was du nicht möchtest.

    Alles Gute für deine Zukunft.

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  8. Mir geht es genau wie dir. Ich habe nur bereits in der Ausbildung schon gemerkt, dass der Verkauf nichts für mich ist. Also bin ich auch wieder zur Schule. Mein Abitur musste ich nun unterbrechen, da ich wieder zusammen gebrochen bin. Nun warte ich auf einen Platz in der Klinik und habe mein leben komplett umgeändert. Trennung vom Freund, eine eigene Wohnung. Mein Ziel: Gesund werden. Was danach kommt weiß ich aber auch noch nicht.
    Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

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  9. Ich lese richtig gerne solche Posts und irgendwie beruhigt es mich immer etwas zu lesen, dass andere auch noch nicht wissen, was sie mit ihrem Leben machen wollen. Im Gegensatz zu dir habe ich aber auch noch nicht wirklich etwas ausprobiert. Ich habe jetzt angefangen, Englisch zu studieren, einfach weil es mich interessiert und ich noch keinen besseren Plan habe. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, mein halbes Leben im gleichen Beruf zu arbeiten, selbst wenn ich schon wüsste, worauf ich Lust habe. Ich beneide Leute, die schon als Kind wissen, was sie machen wollen und dabei auch bleiben und immer mit Spaß bei der Sache sind. Genauso aber auch die, die alles ausprobieren und für sich selbst den richtigen Weg finden wollen, auch wenn es schwer ist.
    Liebe Grüße!

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    1. Ich bin auch immer froh, wenn ich merke das ich damit nicht alleine bin!

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  10. ich find es toll das man mutig wird und seine persönliche geschichte erzählt! mein frauchen tat das auch: http://podencaluana.blogspot.de/2016/02/das-neue-projekt-wurde-heien-trau-dich.html

    alles gute dir, vielleicht lesen wir uns ja wieder ;)

    herzliche grüße, luana

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  11. Toller Post!
    Ich kann deine Gedanken trotz meines Alters von 17 Jahren nachvollziehen. Ich habe so viele Träume und wünsche. Wenn ich die alle Leben würde wäre ich wohl Mitte 30 bevor mit arbeiten Anfangen würde. Aber selbst wenn. Wäre es wirklich so schlimm? Ich bin ja schließlich nicht auf Erdeb um zu Arbeiten, sondern um alles auszunutzen. Und soviel Geld braucht man nach meinem naiven Denken auch gar nicht. Man kann sich immer irgendwie durchschlagen und kleine Jobs annehmen um sich zu finanzieren. In Zeiten von dieser riesigen vernetzten Welt ist sowas doch wohl möglich.
    Und ich weiß nicht viel über dich, aber eins weiß ich: Du hast schon einiges geschafft in deinem Leben. Und das basiert nur auf den Erkentnissen die ich hier so lesen. Mit Mitte 20 ein Buch geschrieben und verlegt zu haben in den USA gewesen zu sein, festgestellt haben, dass seine Arbeit nichts für einen ist und einen anderen Weg einschlagen. Sowas schaffen Leute in ihrem ganzen Leben nicht.

    Sei stark!

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