Samstag, 12. März 2016

Das Rezensionsexemplar Dilemma



Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber auch ich sehe und erlebe immer wieder: Blogger, die eigentlich nichts mit Büchern, Literatur, Mangas oder Comics zu tun haben, beziehen plötzlich Rezensionsexemplare. 

Versteht mich nicht falsch - auch ich beziehe diese. Ich freue mich jedes Mal sehr darüber und bin dankbar, dass ich inzwischen fast jedes Buch/Comic bekomme, das ich anfrage...
 Das ist einfach toll und eine große finanzielle Erleichterung, gerade für mich als Schülerin auf dem zweiten Bildungsweg. 

Dennoch stößt mir diese Mentalität sauer auf: Blogger wollen alles umsonst. Egal, ob es zu ihren Blog passt oder nicht. Dabei ist es auch egal, ob sie sich diese Sachen auch selbst leisten könnten, auf dem Blog landet nur, was auch umsonst war. 

Im Bereich der Bücher empfinde ich genau das als doppelt so schlimm.
Denn Rezensionsexemplare gibt es nicht wie Sand am Meer. Diese sind auch nicht nur für die Bloggerwelt gedacht, sondern auch für Buchläden und Co. Es muss sich also eine ganze Masse um wenige Exemplare „prügeln“. Meist ist es einfach: Wer zu erst kommt, hat Glück.

Genau hier sehe ich auch das Problem: Minderwertige Blogs, die eigentlich keinen Bezug zum Thema haben, bekommen den Zuschlag. Einfach, da sie schneller waren. Natürlich ist das nicht die Schuld des Bloggers. Immerhin hat dieser „nur“ eine Anfrage getippt - aber die Verlage sollten doch eher prüfen, für welche Blogs sie ihre Rezensionsexemplare ausgeben. 

Ich sehe immer wieder lieblos geschriebene Texte und Layouts, bei denen sich mir der Magen umdreht - mit 90% Buchvorstellungen, die nur aus Rezensionsexemplaren bestehen. Meist kommen die Bücher dann auch weniger gut weg - klar, sie wurden ja auch nicht aus Interesse angefragt, sondern weil es sie umsonst gab.

Ich stolpere immer wieder über Sätze wie: „Eigentlich lese ich nichts aus diesem Genre“ oder: „Thriller sind so gar nicht meine Welt.“

Da frage ich mich doch ernsthaft, warum diese Bücher angefragt wurden?
Warum lesen plötzlich viel mehr Mädels und Jungs Comics, obwohl dies vorher nie ein Thema für sie war? Wie kommt es, dass plötzlich Interessen geweckt werden, die genauso schnell wieder verschwinden?

Ja, diese Umsonst-Mentalität geht mir gegen den Strich. Rezensionsexemplare sind etwas sehr Wertvolles und eine (für mich) wirkliche Ehre. Ich freue mich immer wie ein kleines Kind, wenn die Post kommt und mir ein neues Buch bringt, auf das ich schon sehnsüchtig gewartet habe. Ich bin mir sicher, dass geht vielen Bloggern so. 

Dennoch finde ich diese Kritik wichtig: 
Verlage schaut Euch mal auf den Blogs um, die Exemplare von Euch bekommen! Ich bin sicher, Ihr möchtet keine Texte, in denen das Layout unstimmig ist, falsche Angaben zum Buch stehen und nur lieblose zwei Sätze zur eigenen Meinung stehen. Das Geschäft mit den Rezensionsexemplaren ist wichtig und richtig - aber hier muss von beiden Seiten etwas mehr kommen, als nur ein Paket mit Büchern das wahllos verschickt wird. 


Kommentare:

  1. Ich kann dem nur voll und ganz zustimmen. Auch mir stößt es sauer auf, dass irgendwelche Blogger Rezensionsexemplare beziehen, die vielleicht besser an Journalisten oder "echte" Buchblogger vergeben sollten. Aus dem einfachen Grund, dass sich jene viel mehr mit dem Buch beschäftigen als jemand, der einfach nur was umsonst abstauben will, um "cool" zu sein.

    Liebst,
    Mary

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    1. Damit hast du leider sehr recht. Ich hoffe die Verlage sehen diesen Misstand in der nächsten Zeit und betrachten Ihre Blogger etwas kritischer. Der Fischer Verlag ist da z.B. sehr kritisch und das finde ich auch richtig so.

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  2. Wo du recht hast, hast du recht.. Daher frage ich auf meinem Blog aus Prinzip nur Sachen an, die auch mit dem Thema Fotografie zu tun haben. Ein Rezensionsexemplar zu diesem Thema ist mir leider noch nicht zuteil geworden, aber die sind ja auch mehr als Mau ausgelegt. Die Verlage die ich bisher angeschrieben habe haben nie geantwortet - vlt hat da vorher schon ein anderer Blogger abgestaubt? :P
    Aber das ist mir allgemein auch schon oft aufgefallen, dieses "Oh toll ich werde Blogger, da kriegt man alles geschenkt." Nein eben nicht! Blogger sein ist viel mehr, als mit kostenlosen Sachen beworfen zu werden.
    Liebe Grüße!

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    1. Vor allem dauert es etwas, bis man wirklich damit beworfen wird ;)

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  3. Ich kannte die Vorgehensweise mit den Büchern gar nicht, aber ich kann dir hier nur zustimmen. Es ist toll, wenn man die Möglichkeit erhält, aber Produkt und Blog sollten zusammenpassen.
    Liebe Grüße, Mona von Belle Mélange

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  4. Das gibts doch auch bei Fotobloggern, nur eben mit Fotoprodukten. Klar sagen die ganzen Super-Fotografen das sie die Produkte testen wollen und auch darüber schreiben, doch am Ende gehts dabei immer ums kostenlos abstauben. Kann mir einer sagen was er will.
    Wenn man dann die bestellen Bilder, Produkte oder was auch immer sieht, denkt man sich nur "WAS?" Oft sieht man sehr schlechte bis mittelmäßige Bilder die dann schnell lieblos ausgesucht hat und entwickeln lassen hat. Dann noch schnell ein paar Zeilen geschrieben und schon kann man sich Produkttester nennen.
    Bei anderen Bloggern wird es das Gleiche sein. Kostenlos abstauben, egal was. Man ist halt IN. Andere leiden darunter, aber was interessieren andere? Man selber kann dann wieder sagen, das man ja so einen tollen Blog hat und gesponsert wird, ach ja und Kooperationen Leute, was gibt es wichtigeres fürs eigene Ego?

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    1. Kooperationen und Sponsorings sind etwas wundervolles - aber viele nutzen es schlicht und ergreifend aus und möchten sich nicht wirklich mit dem befassen was sie gerade testen.
      Es ist aus meiner Sicht vollkommen okay Bücher und Produkte zu testen und darüber zu schreiben - das mache ich immerhin auch. Aber mir fällt eben immer wieder auf, wie wenig die meisten dies schätzen oder wirklich Lust darauf haben.

      Einen Blog nur mit diesem Hintergrund zu betreiben ist einfach nicht okay und eben auch nicht sinnvoll für die Unternehmen - obwohl diese sich natürlich selbst dafür entscheiden diese "schlechte" Werbung zu nutzen.

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  5. Das finde ich ehrlich gesagt nicht so schlimm, wenn jemand, der sonst keine Thriller/Mangas/Jugendbücher/Krimis liest, sich auch mal auf fremdem Terrain bewegt. Schließlich darf man ja auch mal aus seiner Filterbubble rausgehen und über den Tellerrand blicken. Ich habe neulich auch zwei Kinder-/Jugendbücher gelesen und rezensiert, die mir vom Verlag jeweils angetragen wurden, obwohl ich normalerweise nur selten Prosa und noch viel weniger Kinderromane lese. Ich lasse meine Tochter ihre Bücher immer lesen, ohne diese vorher zensiert zu haben - was ja durchaus manche Mütter machen. Erstmal kontrollieren, ob das Buch wirklich fürs Kind geeignet ist...
    Also, immer schön locker bleiben, die Verlage entscheiden selbst, an wen sie Bücher rausgeben und wenn sie es an "Abstauber" verschenken, dann werden sie es sicherlich irgendwann begreifen und mehr auf Qualität achten.
    Liebe Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

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    1. "Schlimm" ist nicht das richtige Wort - aber es ist eben auch nicht gut. Mal in etwas fremdes reinzuschnuppern ist total okay. Dennoch ist dieses Problem ja leider in der Bloggerszene ziemlich verbreitet ...

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  6. Da bin ich fast froh, dass ich mich um so etwas nicht zu kümmern brauche. Ich habe es bisher so gehalten, dass ich einfach das rezensiere, was ich ohnehin lese, und so werte ich es auch weiter halten. Sprich die Bücher habe ich entweder gekauft oder sie wurden mir geschenkt - nicht als Rezensionsmaterial, sondern einfach so.

    Ansonsten fände ich auch, man sollte auswählen. Mein Blog käme ohnehin nicht in Frage für die meisten, wegen meiner eigenwilligen Vorgehensweise, aber allgemein wundere ich mich auch, dass es Verlagen scheinbar mehr oder minder egal ist, wo das Material landet. Hätte ich einen Verlag, würde ich sorgfältig auswählen, wen ich rezensieren lasse, da ich auch eine gewisse Qualität wichtig finde.

    Mit Rezensionen nach dem Muster "Klappentext, Coverbeschreibung, höchstens zwei Sätze eigene Meinung" kann ich z.B. nichts anfangen und würde, wenn ich ein Buch rausgebe, auch nicht wollen, dass es auf diese Weise "rezensiert" wird.

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  7. Im Endeffekt ist es doch so: Wenn Blogger einfach nur Produkte abgreifen um sie halt abzugreifen und ein Foodblogger plötzlich über Motorräder oder halt Liebesromane (ohne kulinarischen Bezug) bloggt, und DAS auch noch schlecht, lieblos und mit Rechtschreibfehlern dann macht er sich doch doppelt unbeliebt: Ersteinmal bei den Lesern und auf Lange Sicht auch bei den Firmen. Wir Blogger kriegen das oft nicht so mit, aber wenn jemand nur gierig ist, spricht sich das auch bei Unternehmen rum. Auf lange Sicht zahlt sich Authentizität einfach aus, auch wenn man kurzzeitig den Kürzeren zieht.

    Meine 2 Cent

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    1. Vom Prinzip gebe ich dir da schon Recht, allerdings erlebe ich auch immer wieder, dass eben alle Blogger durch so etwas in der Kritik stehen. Viele Firmen werfen ihr Budget ja nun wirklich durch die Gegend was Kooperationen und Co. angeht. Natürlich ist das am Ende ihre Sache.
      Und ich bin auch ziemlich empfindlich, was dieses ganze "muss ich haben" angeht. Bei Büchern sterbe ich mental mit, wenn sie am Ende einstauben oder verramscht werden. Am schlimmsten natürlich, wenn sie öffentlich vorher zerrissen wurden weil "man sowas ja eigentlich nicht lesen würde". Das finde ich einfach alles doof und muss das ab und an mal raus lassen, bevor ich mich um wichtigere Sachen kümmere ;)

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    2. Ach was, dass Blogger "in der Kritik stehen" wird entweder von schlechten Bloggern propagiert, weil die Unternehmen sie ablehnen, oder von Unternehmen die den Preis drücken, sprich kein vernünftiges Honorar zahlen wollen und versuchen, alle mit Gratisprodukten abzuspeisen. Das geht ja so langsam erst so richtig los mit den Kooperationen, was dazu führt das erstens Blogger besser entlohnt werden, wie es sich für hochqualitative Artikel gehört, aber auch dass Blogger die einmal nicht gute Qualität geliefert haben nicht mehr in Kooperationen mit einbezogen werden.
      Sicher regt es auf wenn Leute aus Gier Dinge haben wollen , die sie garnicht nutzen. Die bleiben aber nicht lange dabei, im Gegensatz zu dir und mir:).

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    3. Vielleicht hast Du damit Recht :D Ich will es schwer hoffen!

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  8. Ich habe sehr lange gar nicht gewusst, dass es so was wie Reziexemplare gibt Zum ersten Mal habe ich da so 2014/2015 von gehört als ich selber schon ein Jahr oder länger dabei war.
    Was mir neben dieser Umsonst Mentalität noch auffällt: Reziexemplare werden auf zig Kanäleb vorgestellt. Von manchen Verlagen kriegt man die eben einfacher und so entsteht schnell der Eindruck: Das hat momentan jeder, das muss wohl toll sein- die Meinung wird also "etwas" verändert und ein falsches Bild von tollen Sachen geschaffen. Das finde ich ebenfalls sehr ärgerlich.

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