Freitag, 25. März 2016

Justine privat- Create yourself

Jahrelang dachte ich, es sei wichtig „sich zu finden“. Ich verbrachte Monate damit, mich selbst zu suchen. Unter Steinen, Brücken, in Yogakursen, am Grund von Weinflaschen und in Betten von anderen Menschen - aber gefunden habe ich mich nicht. 

Bildbearbeitung: http://mary-buecherblog.blogspot.de/

Von einem Selbstfindungstrip zum nächsten wuchs meine Frustration. Weder inmitten von pöbelnden Punkern, noch im Dampf von dutzenden kiffenden Hippies konnte ich erkennen, wer ich sein sollte. Verbissen versuchte ich meinem Spiegelbild zu entlocken, wer ich eigentlich war und wo ich mich gerade befand;doch dabei vergaß ich eine entscheidende Frage: Wer wollte ich eigentlich sein?
Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich zumindest, was ich alles nicht wollte. 
Die Lust auf dauerndes Gepöbelt hielt sich in Grenzen und Drogen langweilten mich genauso wie schonungslose Besäufnisse. Eine Partynacht ist wie die nächste, nur die kotzenden Menschen ändern sich. Berufsbedingt kam ich auch nicht viel weiter - ich hatte alles probiert, was mir eingefallen war und fand alles so ziemlich gleich ätzend. 
Ich kam also nicht weiter. Es ging weder vor, noch zurück und stattdessen immer munter im Kreis. Neue Haare, neuer Job und die gleiche Unzufriedenheit. Doch dann war ich an dem Punkt, der dafür sorgte, das ich aus dem Kreis ausbrach. 

Es war mir egal, wer ich war!
Ich wollte anders sein. 
Ich hatte keine Lust mehr, die immer gleichen Fehler zu machen und mir die immer gleichen Lösungen dafür auszudenken. Ist es denn so wichtig, wer man ist? Sollte es nicht viel wichtiger sein, wer man sein will?


Ich wusste genau drei Dinge über mich selbst: Langeweile war für mich tödlich, meine Haare würden auch in den nächsten Jahren keine einheitliche Farbe haben und die vielen Fehler, die ich begangen hatte, sorgten zumindestens dafür, dass ich wusste, was ich nicht mehr sein wollte.

Das ganze Selbstmitleid, die Selbstverletzung und das permanent am Abgrund Herumlungern und Schlucken hatte einfach den Reiz verloren. Ich wollte mehr, mehr sein, mehr tun, mehr fühlen und mehr leben. 
Ich sein und sein, wie ich will!

Zugegeben - das klingt banal und recht simpel, die Umsetzung ist jedoch etwas, dass mich noch immer auf Trab hält. Aber es fühlt sich alles besser an. 

Ich habe immer noch mit den (altbekannten) Problemen zu kämpfen - meine schreckliche Familiengeschichte, Suchtpotenzial in vielerlei Hinsicht und einen Geldbeutel mit schwarzen Loch. Aber inzwischen habe ich mir auch vieles erkämpft. 

Ein Selbstbewusstsein, von dem ich nie gedacht hätte, es mal zu besitzen, ein Hobby, das mich ausfüllt und mir Spaß macht, Verantwortung, die mir nicht auferlegt wurde, sondern die ich mir selbst ausgesucht habe - und das verfluchte schwarze Loch in meinem Geldbeutel werde ich auch noch stopfen

Was ich damit sagen will ist: Verschwendet keine Zeit, Euch selbst zu suchen. 

Fangt einfach an, jemand zu werden, der ihr sein wollt. Man muss keine großen Sprünge machen, um von der Stelle zu kommen, kleine Schritte reichen auch. 


Macht Euch selbst zu dem Menschen, den Ihr lieben könnt - egal was passiert. 

Kommentare:

  1. Ich hatte mich auch in verschiedenen Bereichen versucht zu finden, aber nicht wollte wirklich zu mir passen. Aber an dem Punkt genau der Mensch zu sein, der ich sein will( eine umhereisende Piratin), bin ich noch nicht angelangt. Da fehlt mir einfach momentan die Freiheit und die Ungebundenheit.

    Wer willst du denn sein?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eine gute Frage - die allerdings "nur" in einem Kommentar schwer zu beantworten ist.
      Aber dazu verfasse ich gerne mal einen extra Post ;)
      Am Ende der Reise bin ich auf jeden Fall noch nicht angelangt - wäre ja auch schrecklich langweilig.

      Löschen
  2. Liebe Justine,
    wirklich ein sehr bewegender Text! Wie Gandhi schon sagt: "Sei selbst die Veränderung, die du dir wünscht." :) ♥

    AntwortenLöschen
  3. Ich habe auch lange versucht, mich zu finden und habe es bis heute nicht geschafft. Allerdings bin ich auch so glücklich :)

    Liebe Grüße, Anna
    von http://whereanna.com/

    AntwortenLöschen
  4. Das kenne ich zu gut... gerade bin ich in meiner Uni-Prüfungsphase und mache mir schon Gedanken - und dann? Irgendwie weiß ich immer noch nicht was ich will. Am liebsten würde ich meine Koffer packen und die Welt umsegeln - aber dann kommen Zweifel auf ob das wirklich das Richtige für mich ist. Mal schauen - ich glaube ich lasse es einfach auf mich zukommen. Jeder geht seinen Weg - manchmal sind Umwege die schöneren Wege :-)

    AntwortenLöschen
  5. Hey du!
    Also erst einmal ein wirklich schöner Text. Ich dachte ja als erstes, du beschreibst ein Buch. Irgendwie klingt es fast so ^^. Ich kenne dein Gefühl, deine Suche nach dem Ich jetzt nicht. Aber ich finde es interessant wie andere in verschiedenen Situationen umgehen.

    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  6. Zu werden, wer man sein will, ist nun aber für viele wahrscheinlich schwierig, die sich noch nicht gefunden haben, weil sie aufgehört haben, sich zu suchen.

    AntwortenLöschen
  7. Ich empfinde deine Zeilen gerade als wunderbar motivierend, liebe Justine!

    AntwortenLöschen
  8. Sehr spannender Text, finde die Thematik super, mal eine ganze andere Beleuchtung dieses Themas. Ich finde allerdings, dass dieses "nach sich selbst suchen" nichts nutzt, weil man dann ja auf ein Ziel hinarbeitet was das ankommen impliziert. Und ist dieses "so und so bin ich jetzt und so will ich auch bleiben" nicht in jeder Hinsicht eine Sackgasse?

    AntwortenLöschen
  9. Ich liebe deinen Schreibstil. Ein toller Text mit einer sehr wichtigen Botschaft. Du hast so Recht mit allem! Ich selbst werde mit jeder Erfahrung die mache zu dem Menschen der ich sein möchte. Auch wenn es nur kleine Schritte sind, reicht das um mit mir zufrieden zu sein :)
    Liebe Grüße
    Larissa

    AntwortenLöschen
  10. "Ist es denn so wichtig, wer man ist? Sollte es nicht viel wichtiger sein, wer man sein will?"
    ich würde dazwischen keine Grenze ziehen, weil das jetzt-ich und das zukunft-ich sich bedingen. Ich glaube, wenn man eine bestimmte vorstellung davon hat, wer man sein will, wo man hin will, etc. sich auch dementsprechend verhält und sich so anpasst, dass man auch diese ziele erfüllt. Es ist zwar nicht immer einfach. Aber ich finde, dass man alles, was man will, auch schaffen kann.

    AntwortenLöschen
  11. inspirierender Post, danke für diese tollen Worte.

    AntwortenLöschen
  12. Du hast mal wieder tolle Worte gefunden!
    Lieben Gruß

    AntwortenLöschen
  13. Tolle, bewegende Worte mit einer schönen Botschaft. Mach weiter so!
    Liebsten Gruß,
    Lisa
    www.lisas-anatomy.org

    AntwortenLöschen
  14. Das Problem ist da mal wieder der Druck der Gesellschaft "Wie, du weißt nicht, wer du bist und wo du hin willst? Was stimmt nicht mit dir? Auf, auf zum Selbstfindungstrip, aber dalli!".
    Dabei kann man mit Anfang, Mitte, Ende Zwanzig überhaupt noch gar nicht wissen, wer man ist. Das ist völlig utopisch in meinen Augen. Und wer ist überhaupt dieser "wer", von dem immer alle reden? Ich bin ich und fertig.
    Ich brauche keine Richtung, keine Definition, keine Schublade, um ich zu sein. Nur die anderen brauchen das.
    An den Punkt zu kommen, einfach zu sein und sein Ding zu machen ist ein hartes Stück Arbeit, manche erreichen ihn nie. Im Grunde ist es -wie alles- nur eine Entscheidungsfrage. Ich persönlich habe mich irgendwann dazu entschlossen, einfach glücklich zu sein. Für mich klappt das und ja, es ist wirklich so einfach.

    Grüße, Tiefseetaucherin ;-)

    AntwortenLöschen
  15. Den Beitrag finde ich wahnsinnig gut geschrieben!

    Ich denke du wirst vielen aus der Seele sprechen, hast es genau auf den Punkt gebracht.

    Lg

    Steffi

    AntwortenLöschen