Mittwoch, 30. März 2016

Justine privat - "Du bloggst?!"

„Das sind aber schöne Ohrringe - wo hast du die her?“
„Oh, die hab ich gesponsert bekommen.“
„Was?! Warum denn das?“
„Äh, ja - ich blogge.“
„Du bloggst?!“

Sie sieht mich an, als hätte ich ihr gerade gestanden, dass ich ein Alien bin. Tatsächlich ist es noch immer so eine Sache, wenn ich in meinem Privatleben über meinen Blog spreche. 

„Ist das nicht voll 2010?“

Ich bemühe mich nicht mit den Augen zu rollen.  „Keine Ahnung, 2010 habe ich noch nicht gebloggt.“

Es folgt ein Schweigen und ich halte mich an meinem Kaffee fest, als würde er dafür sorgen das ich mich aus diesem Gespräch ziehen kann. Nein, ich halte meinen Blog gerne raus aus meinen Freundschaften. Aus gutem Grund, wie ich immer wieder merke. 
Die meisten verstehen es einfach nicht oder interpretieren Dinge hinein, die ich einfach nicht mag. „Du bist also eine Bloggerin geworden?“
„Wenn du es so ausdrücken möchtest, ja.“
„Und wieviel verdienst du damit?“
„Zwischen etwas und nichts,“ antworte ich ausweichend und rutsche unruhig auf meinem Stuhl hin und her. Sie sieht mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an und scheint schon über die nächste Frage nachzudenken.  Dann folgt das übliche Gerede: Wie heißt dein Blog? Worum gehts? Und dann kommt die Frage, welche ich mit am meisten hasse: „Lohnt sich das denn?“

„Definiere: Lohnen“, gebe ich zur Antwort. 
„Naja, bekommst du viel kostenlos?“
„Nein, es ist nichts kostenlos - wenn ich etwas bekomme, ohne Geld dafür zu bezahlen, blogge ich darüber, das ist auch Arbeit“, meine ich und bereue jetzt schon, dass dieses Thema überhaupt aufkam. „Du kannst ja auch einen Blog aufmachen, dann weißt du was ich meine …“
Sie lacht und haut sich dabei auf den Oberschenkel, als wären wir in einer amerikanischen Talk Show. „Nein, danke. Das wäre so gar nichts für mich. Das Leute über mein Privatleben Bescheid wissen, ne …“
„Über was du schreibst, ist dir selbst überlassen.“
„Ich werde mir deinen Blog mal genauer anschauen.“
„Mach das …“
„Und das macht dich glücklich?“
„Ja, meist schon …“
„Und dafür bekommst du Geld?“
„Ja, manchmal.“


Sie nickt. Ich hoffe damit ist das Thema erstmal durch. 

Kommentare:

  1. Ich finde es auch so super nervig, wenn ich über das Bloggen ausgequetscht werde und mein Gegenüber einfach mehr als skeptisch ist. Bloggen ist eben auch ein Hobby. Andere malen Bilder und bekommen dafür auch kein Geld. Ich verstehe nicht wo das Problem immer ist...

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  2. Das verstehe ich total, ich halte den Blog auch meistens gern raus oder erwähne ihn ernst, wenn ich mit Leuten besser befreundet bin. Am Anfang so ungefähr das erste Jahr, habe ich überhaupt niemandem erzählt dass ich blogge und dann langsam immer mehr Leuten.
    Aber solche Fragen hasse ich auch, Lohnt sich Bloggen? Lohnt sich Münzensammeln? Lohnt sich Lesen? Lohnt sich überhaupt ein Hobby? Wieso muss Bloggen Geld verdienen sein..
    Und "kostenlose" Artikel bekommen ist wirklich ne Menge Arbeit. Fotos machen, Fotos bearbeiten - nochmal Fotos machen, wenn die ersten Schrott waren -, darüber schreiben, Posten, Promoten, ... Naja du weißt das ja alles schon ;)
    Liebste Grüße, Eva.

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  3. Haha ich weiß genau, wovon du sprichst;) Mittlerweile bin ich etwas selbstbewusster, was meinen Blog angeht, aber am Anfang habe ich den meisten Leuten gar nichts oder ungern von meinem Hobby erzählt. Es gibt auch leider so viele Vorurteile gegenüber Bloggern.

    Liebe Grüße, Patricia
    www.rebelrosefashion.com

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  4. Dieser Post ist so super - er spricht einem aus der Seele xD <3

    Ganz liebe Grüße

    Jenni
    http://www.jenniesteka.de

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  5. Das kenne ich leider nur zu gut und ärgere mich jedes Mal maßlos über so übertrieben geschockte Reaktionen, wie du so beschrieben hast. Daher halte ich den Blog auch meist raus.

    lg
    Angy von Upside Down Kingdom

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  6. Solche Gespräche mag ich auch nicht. Ich habe auch monatelang niemandem von meinem Blog erzählt, nachdem ich ihn eröffnet hatte und auch jetzt, wo ich schon seit fast 5 Jahren blogge, wissen die wenigsten davon. Mir ist es einfach unangenehm, wenn Menschen, die ich persönlich kenne, lesen was ich schreibe, dabei geht es bei mir eigentlich gar nicht um Privates.
    Das Thema kommt auch meistens dann auf, wenn es um Bücher geht, die ich zur Rezension bekommen habe, weil es dann heißt "wie kannst du dir das denn leisten?" oder "wieso kannst du das nicht verkaufen?". Da muss ich das eben erklären und da kommen dann auch immer diese "Man bekommt da Sachen geschenkt? Dann fange ich auch an, zu bloggen!" weil es sich für die Leute eben immer lohnen muss, wie du schon erwähnt hast. Und wie du schon sagst, es steckt eben auch Arbeit dahinter und man muss mit Spaß bei der Sache sein, damit es etwas wird.
    Unverständnis habe ich bisher aber nicht bekommen, auch wenn ich das von anderen schon öfter gehört habe. Ich verstehe nicht, dass das Bloggen immer hinterfragt wird, während alle anderen Hobbies einfach vorbehaltlos akzeptiert werden. Wenn mir jemand erzählt, dass er Fußball spielt, frage ich schließlich auch nicht, ob sich das lohnt.

    Schöner Artikel!
    Liebe Grüße,
    Jacqueline

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  7. Die Skepsis gegenüber dem Bloggen kenne ich auch und ich kann verstehen, dass das nervt. Aber dein Beispiel für die Unterhaltung finde ich auch herrlich :D Du wurdest doch gar nicht gefragt wie teuer die Ohrringe waren, sondern von wo (welche Firma/welcher Laden) die sind.

    LG

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  8. Grund genug, wieso ich das überhaupt erst garnicht erwähnen will. Nicht weil ich es peinlich finde oder mich dafür schäme, sondern weil es einfach keiner verstehen kann, außer Blogger selbst, wie du schon geschrieben hast. Bloggen umfasst nicht nur depressive tumblr-artige Bilder und Sprüche hochzuladen.
    Genauso wenig, wie man "nur" bloggt, um Dinge kostenlos zu kriegen. Natürlich kriegt man als größerer Blogger Dinge gesponsort, aber ob man die Dinge sich auch privat anschaffen würde, wäre die nächste Frage.

    Aufjeden Fall kann ich dich 100% nachvollziehen. Das ganze Bloggen ist eben eine Kunst für sich, die nur Künstler selbst verstehen :)

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  9. ..Genau deshalb erzähle ich das auch nicht rum! Diese blöden Fragen und die kritischen Blicke "Wieso machst du sowas?" "Hast du keine anderen Hobbies? Les doch ein Buch!" mein Gesichtsausdruck auf solche Kommentare zum Thema "Ich blogge - was machst du?" sieht dann meist aus wie eine Mischung aus: "Was zum Henker?!" und "Schon wieder..."..

    Wieso wird das Bloggen allgemein immer so kritisch betrachtet?
    Ich blogge weil ich gerne über Themen schreibe die mich interessieren, weil ich gerne mit Hinz und Kunz über Themen diskutiere, Meinungen austausche oder einfach Informieren möchte! Ich mache das weil ich Spaß daran habe!

    Danke für den tollen Artikel :)
    Jetzt weiß ich das es vielen anderen genauso geht.

    Liebe Grüße
    Minni

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  10. Kurz und knackig genau auf den Punkt gebracht!
    Die Mehrheit glaubt, dass man als Blogger ausgesorgt hat und nichts mehr kaufen muss, bzw. jeder Post finanziert wird.
    Ständig hat man das Gefühl sich erklären zu müssen, warum man einen Blog schreibt und wenn man ihn nicht monetarisiert, warum man kein Geld damit verdienen will.

    Leute, es ist wie es ist:

    Ein Blog ist eine Menge Arbeit, macht aber auch viel Spaß und sorgt für Ablenkung vom Alltag und hier und da auch für ein anerkennendes Schulterklopfen. Das ist meine Entlohnung für die ganze Arbeit! Das ein oder andere verbilligte oder kostenlose Produkt ist nur schmückendes Beiwerk!

    Liebe Grüße,
    Sascha

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  11. Ich kenne das. Es wurde mir sogar mal unterstellt, dass ich nur Sachen abstauben will kostenlos. Das ich darüber schreibe war völlig egal. Dann bekommt man zu hören, dass ist ja keine Arbeit. Das macht mich richtig wütend. Ich spreche nur mit Leuten über das Bloggen, die das nachvollziehen können. Alle anderen haben kein Verständnis dafür oder machen das schlecht. Und ja genau die Frage bekomme ich auch oft, Lohnt sich das überhaupt? Wenn du damit nichts verdienst, kannst du dir auch nen anderen Job suchen oder woanders mehr verdienen. Das ist doch reine Zeitverschwendung. Diese ganzen Sprüche hängen mir auch zum Halse heraus. Außerdem selbst wenn man Produkte gestellt bekommt oder mal etwas verdient, man muss eh alles bei der Steuererklärung angeben, somit ist nicht umsonst, sondern unsere Bezahlung für geleistete Arbeit. Aber das wird noch lange dauern, bis andere es verstehen :)

    Liebe Grüsse,
    Svenja / strasskind.com

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  12. Achja, bei mir kam dieses Gespräch das letzte Mal vor ein paar Jahren auf :D Heute finden es die Meisten einfach voll geil. Alte Schulkameraden lesen sogar meinen Blog und schreiben mir hin und wieder in Whats App " Du ich brauch eine neue Foundation, was sagst du welche Marke ist denn gut?"

    Freunde profitieren zusätzlich von meinen PR Samples und auch beruflich hat es mir einige wichtige Kontakte eingebracht. Daher gebe ich auf solche Sprüche gar nix mehr :)

    Liebe Grüße
    http://hydrogenperoxid.net

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  13. Meine Freunde reagieren da glücklicherweise etwas anders. Viele finden das was ich mache ganz toll und manche denken, dass das etwas total besonderes ist. Das ist mir dann meistens doch etwas unangenehm :D

    Liebe Grüße,
    Marina

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  14. Ich muss sagen, dass ich bis jetzt immer positive Erfahrungen gemacht habe, wenn ich Freunden von meinem Blog erzählt hab... die meisten fanden es richtig cool, worüber ich auch sehr dankbar bin :)


    Liebe Grüße

    http://nilooorac.blogspot.de

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  15. Toller Artikel, kenne das nur zu gut. Man hat irgendwie immer das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen sobald das Thema Bloggen aufkommt. Es versteht niemand, dass es für die meisten ein Hobby ist und es einfach lieben zu Schreiben, Fotos zu machen, sie zu bearbeiten, einfach kreativ zu sein. Andere spielen Tennis, tanzen Square Dance und ich blogge eben über meine Lieblingsthemen und kann dem einen oder anderen dadurch sogar eine Freude machen. Für mich das beste Hobby der Welt <3 liebe Grüße

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  16. Ah, ich denke, dass ist bei jedem unterschiedlich, es kommt halt immer darauf an, was für einen Blog man so hat.
    Meine pers. Erfahrungen sind hingegen ganz gut. Ich verweise oft auf meine Blogs, wenn eine Diskussion über ein Thema in die Leere läuft. Es fühlt sich gut und einfacher an zu sagen: "Ich habe dazu mal etwas geschrieben" oder "Das steht auch in meinem Buch". :-) Ich bin meine eigene Quelle, auf die ich verweise, das ist besser als fremde Meinungen aufzugreifen.

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  17. Ich kann dich voll und ganz verstehen. Mich schauen die Leute auch immer mit schiefem Blick an wenn ich sage, dass ich schreibe... Dann kommt immer Was schreibst du denn? Und ich meine nur, meinen Blog! :D

    Ich liebe deinen Hund, muss ich mal gesagt haben!

    Liebe Grüße vom Blog www.fly-birds.blogspot.de

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  18. Bei mir weiß kaum einer, dass ich blogge. Es interessiert aber auch keinen. Daher kenne ich solche Fragen kaum. Aber es ist so wie mit vielen dingen, man kann es "von außen" wohl nicht nachvollziehen. Liebe Grüße Caren von www.testundliebe.de

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  19. Hallo :)

    Das ist ja sehr interessant, denn ich muss sagen, dass ich diese Erfahrung bisher noch gar nicht gemacht habe. Die meisten Leute aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis finden meinen Blog entweder cool oder finden ihn nicht "erwähnenswert". Die Grundlage für Diskussionen oder gar Rechtfertigungen war er noch nie.

    Ich hoffe, dass solche Gespräche bei dir auch nur die Seltenheit sind. Da kann einem ja echt die Lust vergehen :/

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  20. Ich höre so etwas auch oft.
    Dabei blogge ich ja nicht einmal über persönliche oder private Sachen. Es macht mir einfach Spaß zu zeigen, was ich gemacht habe und darauf vielleicht den ein oder anderen Kommentar zu bekommen. Komisch, dass das Leute nicht verstehen.
    Aber mach dir nichts daraus. Ich glaube die meisten bewundern es insgeheim :)

    Liebe Grüße > sara

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  21. Wie viel du verdienst würde mich aber auch mal interessieren - du bloggst ja ziemlich viel und auch schon lange. Wäre mal interessant zu wissen.
    Ich lese deinen Blog unheimlich gerne und stoße immer wieder auf neue Dinge ...

    dickes lob von mir an dieser stelle!

    Liebe Grüße
    Janine

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  22. Super Interessanter Blogpost den wohl jeder auf eine Art und Weise gut nachvollziehen kann, der selbst bloggt. Bei mir ist das ganze immer total geteilt, manche belächeln es und stempeln einen direkt als arrogant, eingebildet etc. ab (bei Modebloggern gibt es ja viele Vorurteile)!
    Und andere mädels wiederum finden das ganz Spannend und stellen sich das Bloggen super leicht vor, weil wir ja alles Umsonst bekommen und immer auf Events eingeladen sind.

    Alles Liebe,
    Lara

    PS: steh einfach immer hinter deinem Blog, ist ja egal was andere davon halten - die es nicht nachvollziehen können!

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  23. Du sprichst vielen aus der Seele, danke für den prägnanten Artikel! Ich sage auch höchst ungern, dass ich blogge, man wandert sofort in eine seltsame Schublade. Oder aber die Leute wissen gar nicht, wovon ich wirklich spreche, denn ich bin nicht mehr 20 und in meinem Umfeld verstehen einige wirklich nicht, was ein Blog ist. Ich sage eher, ich schreibe Texte fürs Web oder mach "was in Social Media", bin Redakteurin..., aber oft ärgere ich mich auch hinterher. Muss man sich schämen, weil man bloggt? Ist es illegal, unanständig oder was auch immer? Ein Hauptproblem ist tatsächlich, dass die meisten die ernsthafte Arbeit, die hinter einem gut und regelmäßig geführten Blog nicht verstehen - und auch nicht, dass dies nichts für Leute ist, denen "sonst nichts einfällt". Man ist Konzepter, Texter, Fotograf, Bildbearbeiter, Sovial Media- & Marketing Spezialist, Trendforscher, in einem gewissen Maße sein eigener Webdesigner & Webmaster - und auch noch sein eigeenr Buchhalter (mit mehr oder weniger großem Erfolg, haha), ja, und dann macht dam das alles doch nur, um mal ne kostenlose Packung Chips zu bekommen oder einen preiswerten Lippenstift ;-) Sage ich aber, ich schreibe da fürs Internet, für eine Agentur o.ä. wird mir doch auch nicht übel genommen, wenn ich Geld dafür bekomme.
    Und wem das mit dem Geldverdienen (oder auch nicht) mit einem Blog nicht so klar ist, ich habe da vor einiger Zeit mal etwas geschrieben:
    http://stylepeacock.com/geld-fuer-arbeit-warum-blog-kooperationen-auch-dem-leser-nutzen/

    Viele liebe Grüße
    Chris

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