Freitag, 27. Mai 2016

Justine privat - Abfuck

Ich wache auf und bin zerstört.
Meine Gedanken fliegen zurück zu den Momenten, bevor ich es geschafft habe, mich ins Bett zu schleifen. Leider erinnere ich mich allzu deutlich an die kuscheligen Augenblicke über meiner Toilette und den beißenden Geschmack von Pfeffi  in meiner Kehle. Früher dachte ich, mit Mitte Zwanzig ist man mit diesen Dingen durch - also den Alkohlabstürzen. 
Jedoch scheint es mir eher anders herum. Sie werden zwar wesentlich weniger, doch dafür heftiger und statt eines Blackouts kann ich mich auch noch an mein Elend erinnern.
Unter größten Anstrengungen versuche ich aufzustehen, torkle und stoße gegen die Tür, die mich ins Wohnzimmer führt. Innerlich muss ich lachen, denn so wie das gerade gerumst hat, hätte es eigentlich weh tun müssen. Doch mein Körper ist noch immer betäubt. 
Meine Wuffine gibt ein genervtes Grunzen von sich, die Arme musste mich aushalten. Sobald ich in das Zimmer trete, schrecke ich zurück, nicht nur weil es so verflucht hell ist - sondern auch weil mein bester Freund mit einer heißen Rothaarigen auf meiner Couch fummelt. 
In meinem Kopf erscheint ein Rückblick, der mir zu verstehen gibt, das ich zwar ihren Namen vergessen habe, sie aber mag. 
Auch das noch - Übernachtungsgäste. Wie ist das denn passiert? Eigentlich hatten mein Freund und ich uns fest vorgenommen, genau das zu vermeiden. Immerhin muss der Arme auch gleich zur Arbeit. Ich blicke über die Landschaft  aus leeren Bierflaschen und umgestoßenen Gläsern, doch so richtig bekomme ich das Ende des Abends nicht mehr zusammen. 

Statt mich zu fragen, wie und was so los ist, schleife ich mich weiter - die Toilette ist mein bester Freund. Ich kann es sehr gut verstehen, dass man viele tausend Euro für ein Hightech Luxus Klo ausgibt, soviel Stunden im Badezimmer - da lohnt sich das schon. 
Ich mache mich frisch so gut es geht, blicke an mir herunter und beschließe, dass es ratsam wäre, mir etwas anzuziehen. Zwar habe ich eine recht hohe Toleranz an Nacktheit, doch man muss ja nicht sprichwörtlich mit dem nackten Hintern in jedes Gesicht springen. Also schnell die Zähne geputzt um den Geschmack halbwegs los zu werden und eine Hose übergestreift - schon besser … 
Nein, Stopp!
Doch nicht …
Ich falle zurück auf die Toilette und übergebe mich fast - leider nur fast, denn Flüssigkeit habe ich offenbar keine mehr im Körper. Das würde auch erklären, warum ich mich fühle, als hätte ich stundenlang in der Wüste gelegen. Mit tauben Beinen geht es weiter in die Küche - auch hier sieht es aus, als hätten wir eine fette After-Show-Party geschmissen und nicht nach einem gemütlichen Zusammensitzen mit 5 Freunden. 
Ich schiebe die Bierflaschen zur Seite und zucke unter dem ständigen Geklirre zusammen. Furchtbar, wie laut plötzlich alles zu sein scheint. Am besten erstmal einen Kaffee! 
Unter größten Anstrengungen schaffe ich es irgendwie, die Kaffeemaschine anzuschmeißen, bemerke aber nicht, das die Hälfte des Kaffees auf dem Boden landet. 
Ist auch egal, fällt nicht auf. 
Torkelnd führt mich mein Weg wieder ins Wohnzimmer, wo die Rothaarige gerade gehen will.  Frühstück will sie nicht. Schade, vielleicht hätte sie mir noch einmal ihren Namen gesagt. Aber sie muß sich eine Sonnenbrille von mir zu leihen - es ist eindeutig zu hell draußen, dass sehe ich schon durch die dunklen Vorhänge. Sie geht, mein bester Freund sieht mich mit einer Mischung aus Stolz und Scham an und ich muss innerlich lachen, zumindest so lange, bis mir wieder schlecht wird. 

Ich brauche Kaffee und Frühstück - beides sofort!

Kommentare:

  1. Toller Text, klasse geschrieben. Danke dafür. Liebe Grüße, Markus.

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  2. Ich finde den Text ebenfalls toll, er bewegt einen in gewisser Weise - danke, dass du deine Gedanken mit uns teilst.
    lg

    http://la-colorful-passion.blogspot.de/

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  3. Hallo du Liebeee :>
    Ich bin also auch wieder hier bei dir gelandet und mag wie immer sehr von dir lesen!

    Das klingt definitiv nach einer interessanten Zeit (mit der Toilette besonders... :D) Ich merke auch, wie Trinken bei mir im Freundeskreis immer weniger wird, aber hin und wieder ist es sicher nicht verboten.

    Und dein Bild mit Hundiii ist super!

    Erhol dich gut! :D Und lieeeebe Grüße von der Dascha!

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    1. Danke meine Liebe - zum Glück geht mein Kater sehr schnell vorüber und ich habe selten überhaupt einen .... Doch an diesem Tag war es verhext! Böser Pfeffi!

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  4. Toller Beitrag, wirklich gut geschrieben :)
    Lieben Gruß

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  5. Ich hab sowas mit mitte Zwanzig noch nicht erlebt :D Welch Glück, und hoffe, dass ich auch weiterhin weise genug bin, nach dem sechsten Glas Sekt aufzuhören.

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    1. Die Hände vom Pfeffi lassen! das reicht meistens - ich weiß noch immer nicht was mich geritten hat das Teufelszeug anzufassen ...

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  6. Haha, du scheinst einen tollen Abend gehabt zu haben, aber der Morgen danach... :D
    Liebst, Katja
    www.amoureuxee.de

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  7. du hast eine schöne art zu schreiben <3

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  8. Guter Beitrag und sehr unterhaltsam zu lesen!
    Liebe Grüße
    http://roseparachute.blogspot.de/

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  9. Außer Kopfschmerzen ist mir am "Tag danach" bisher alles Schlimme erspart geblieben :D Auf jeden Fall sehr amüsant zu lesen, vor allem die Reaktion von Deinem besten Freund. Zwischen Stolz und Scham trifft es bei solchen Aktionen ganz gut ;)
    Liebe Grüße,
    Missi von Himmelsblau

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  10. Was für ein genialer Text! Hab wie gefesselt dagesessen und die Zeilen gelesen.
    Wirklich toll geschrieben, ein wirklich toller Beitrag.
    Liebe Grüße,
    Lara von likethewayidoit.blogspot.de

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  11. Sehr sympathisch <3


    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA || INSTAGRAM

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  12. Klingt nach einem tollen Abend - mit dir würde ich gerne mal einen Trinken und auf deinem Sofa aufwachen ;)

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  13. Super schön geschriebener Text, wirklich! :)

    Allerliebst
    Janine // JB ♥

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