Dienstag, 31. Mai 2016

Wenn Mütter bereuen - Das Interview


Ich kenne sie seit Jahren und konnte immer nur bewundern, wie selbstständig und stark sie ist. Sie war schon immer eine gute Freundin für mich, eine starke Persönlichkeit und eine unabhängige Frau, deren Größe ich immer bewundert habe. Als sie mir erzählte, dass sie schwanger ist, erlebte ich sie zum ersten Mal in einem Tief, aus dem sie nicht so wirklich heraus zu können schien. Denn eigentlich wollte sie nie Kinder, eigentlich hatte sie so große Pläne … 
Nach meinen Recherchen zum Thema „Regretting Motherhood“ kam sie auf mich zu, weinte bitter und sagte mir über dieses Thema müsse man viel mehr reden. In diesem Zuge haben wir beide beschlossen, ein kleines Interview für Euch - meine Leser - zu verfassen. 

Dieses Thema ist nicht ohne Grund immer präsenter in den Medien - und immer mehr Frauen melden sich zu Wort, genauso wie Maria*. 

*Name geändert

Ich: Vielleicht beginnst du ganz am Anfang, mit dem positiven Schwangerschaftstest …

Maria: Für mich brach eine Welt zusammen. Ich hatte gerade mal meine zweite Ausbildung beendet und wollte eigentlich noch mal zur Uni. Mein Freund und ich hatten gerade Urlaub in den USA gebucht … Ich starrte den blöden Test an und wusste nicht ob ich schreien oder weinen sollte. Es war nicht so, dass wir nicht verhütet hätten. Kinder waren noch gar kein Thema. Ich nahm die Pille und dachte diese „Tropis“ seien schuld der Frauen, die sich zu ungeschickt anstellten. Da war ich 29. Jetzt weiß ich es natürlich besser. 

Sie lacht etwas angespannt und reibt sich über die Unterarme. 

Ich: Trotzdem hast du nie daran gedacht, abzutreiben?

Maria: Doch habe ich, ziemlich oft sogar. Aber meine Mutter hat mich in diesem Punkt stark geprägt. Sie hatte eine Abtreibung, als ich im Teenageralter war und brach danach völlig zusammen. Für sie war es eine der schlimmsten Erfahrungen in ihrem Leben. Das sagt sie auch heute noch. 

Sie macht eine Pause und nimmt einen Schluck Kaffee. 

Ich habe mich sogar beraten lassen, bevor ich es meinem Freund und meinen Freunden erzählt habe. Aber ich konnte es einfach nicht. Es ist schwer zu erklären, ich wollte nicht Mutter sein - aber  ich konnte dieses kleine Ding in meinem Bauch auch nicht einfach die Toilette runterspülen. 

Ich: Also hast du dich für das Kind entschieden.

Maria: Ja, das habe ich. Ich dachte, es wird schon nicht so schlimm werden - andere Mütter schaffen das doch auch! Ich nahm mir vor, einfach ich zu bleiben und mich als Frau nicht aufzugeben, meine Träume nicht aufzugeben. Während der Schwangerschaft half mir dieser Gedanke sehr. Ich hatte zwar Zweifel und Angst, aber nichts davon war so heftig wie die Realität in der ich gelandet bin. 

Ich: Kam das gleich nach der Geburt?

Maria: Das Bereuen? Ja und nein, die Geburt war nicht halb so schlimm, wie ich erwartet habe, ich lag gerade mal 3 Stunden in den Wehen und auch danach ging es mir zumindest körperlich sehr gut, doch als sie mir meine kleine Tochter in den Arm legten dachte ich nur: „Und das soll jetzt der schönste Moment meines Lebens sein?“

Ich: Du warst also ernüchtert?

Maria: (Lacht)
Dass kann man so sagen, es war schlicht … wie soll ich sagen. Mein Kind war nun eben da. In meinem Kopf hat das nichts weiter ausgelöst. Ich war schon froh, dass die Schwangerschaft vorbei war, aber trotzdem kamen da keine nennenswerten Glücksgefühle auf. 
Bei meinem Freund war das ganz anders, er hat sich so wahnsinnig gefreut, dass ich mir richtig schlecht vor kam. 

Ich: Und nach der Geburt?

Maria: Ich blieb nicht länger als nötig zu Hause. Stillen kam für mich nicht in Frage. 

Ich: Sicher keine einfache Entscheidung?

Maria: Für mich schon, aber der Gegenwind war recht heftig. Ich durfte mir oft anhören, wie schlecht das für mein Kind ist und was für eine Rabenmutter ich bin. Aber ich konnte das einfach nicht. Sie hat trotzdem Muttermilch bekommen, nur eben aus dem Fläschchen. 

Ich: Und dein Freund blieb zu Hause?

Maria: Wir teilten es auf. Ich ging morgens zur Uni, er Nachmittags arbeiten. Das klappte auch ganz gut, zumindest von außen betrachtet. Jedes zweite Wochenende ging ich nebenher jobben. Ich wollte mein eigenes Geld verdienen und nicht nur von seinem und dem Staat leben. Ich hatte mir ja immerhin vorgenommen, meine Unabhängigkeit zu bewahren und das tat ich auch. Egal, ob das bedeutete, dass ich in manchen Nächten nur 3 Stunden schlief. 

Ich: Von außen betrachtet schienst du also alles im Griff zu haben

Maria: Das habe ich auch, immer noch. Darum geht es auch gar nicht. Ich arbeite, ich verdiene mein eigenes Geld, bilde mich weiter, gehe meinen Hobbys nach - und ja, ich bin auch eine gute Mutter. Aber ich bin nicht gerne eine Mutter, auch wenn ich mein Kind liebe. 

Ich: Was genau ist es, was dich am Muttersein stört?

Maria: Ich bin nicht mehr Ich, ich bin mein Mutter-Ich. Obwohl ich versuche, mir alles zu bewahren, was ich auch vor der Geburt war, klappt genau das nicht. Alles ist viel mehr geplant. Mir fehlt es, spontan zu sein, kreativ zu sein, ich zu sein. 
Wenn die Kleine im Kindergarten ist, bin ich arbeiten oder in der Uni. Wenn sie da ist, bin ich Mutter - und Nachts wäre es ratsam, etwas mehr zu schlafen. Dazu kommt der ständige Druck von außen: Du bist eine Rabenmutter hier, du bist eine Rabenmutter da. Bei Müttern (und einigen Vätern) gibt es feste Rollen und wenn man denen nicht entspricht, wird man verteufelt. 

Ich: Welche Rollen genau meinst du?

Maria: Da gibt es so einige. Zum Beispiel, dass einer von uns beiden Zuhause bleiben muss. Das kam für uns als Paar gar nicht in Frage. Wir teilen alles 50/50 - sowohl Geld, als auch Arbeit, als auch Verantwortung und Erziehung. Von außen hieß es gerne, dass wir unser Kind so vernachlässigen, dass unsere Beziehung zum Scheitern verurteilt ist und eben solche Dinge … Es scheint immer noch der normal zu sein, sich in einer Beziehung finanziell vom Partner abhängig zu machen. 
Nicht nur in den Spielgruppen oder im Freundeskreis, auch in der Familie. 
„Wie Maria stillt nicht? Dann liebt sie euer Kind wohl nicht!“
„Maria geht arbeiten, warum das denn?“
„Trennt ihr euch das sie ihr eigenes Geld haben will?“  
Ich will mein eigenes Geld verdienen - und nicht nur von meinem Freund leben. Das scheinen viele nicht zu verstehen. Da heißt es schnell wir hätten irgendwelche Probleme in der Beziehung und ich würde mein Kind vernachlässigen.
Solche Sprüche darf ich mir heute noch anhören, dass es meinem Kind gut geht, ist dabei kein Argument, denn ich entspreche nicht der Übermutter oder jemanden, der in dieser Rolle voll aufgeht. Ich mag es nicht auf Spielplätzen zu sein, andere Kinder nerven mich. Mein eigenes Kind nervt mich auch ab und an …
Und das sind nur einige Punkte, wenn es um Themen wie Ernährung und Erziehung geht wird der Spielplatz zu einer Raubtierfalle. 

Ich: Also ist es weniger das Muttersein an sich, als das, was von außen verlangt wird?

Maria: 

Sie überlegt kurz und dreht ihre Kaffeetasse etwas hin und her. 

Ich bin unsicher, wie ich das erklären soll, könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich es tun. Ich liebe meine Tochter, aber mein Leben vor ihr war perfekt. Diese Perfektion wird es nicht mehr geben- aber das ist nun einmal so. Ich habe mich dafür entschieden, sie zu bekommen und lebe mit den Konsequenzen.
Eine davon ist, dass ich es im Job schwerer habe, kommt das Thema Kind auf, sind viele Arbeitgeber alles andere als begeistert. In der Uni ist das noch ganz human, doch die ist bald vorbei und es war schon schwer, eine Halbtagsstelle zu finden. Genau das kann ich auch verstehen, eine Mutter ist eine schlechtere Arbeiterin - wenn etwas mit ihrem Kind ist, geht sie nach Hause. Das ist eben die „Natur“ einer Mutter, dass ich dann lieber erstmal versuche, meinen Freund anzurufen und ihn zu bitten, zu unserer kranken Tochter zu fahren, ist auch so ein Knackpunkt. 
Andere Mütter verstehen nicht, dass ich keine Glucke bin. 
Ich raste nicht aus, nur weil mein Kind von Rad fällt oder eine Grippe hat. Solche Dinge sind für mich einfach ein Teil des Lebens und natürlich muss sich darum gekümmert werden - aber um meine Arbeit eben auch und gebe zu das ist mir meist lieber. 

Ich: Dein Freund nimmt dir also vieles ab?

Maria: So würde ich das nicht sagen, er erfüllt seinen Teil der Verantwortung genauso gut und schlecht wie ich. Nur ist er in Sachen Beschäftigung etwas mehr mit dem Herz dabei. Er kann Stunden damit verbringen mit Puppen zu spielen und im Garten Kissenhäuser zu bauen - mich langweilen diese Dinge. Ich würde in dieser Zeit lieber Dinge tun, die ICH gerne mag. Zeichnen, Lesen oder etwas etwas ganz anderes. Aber das geht nicht, denn meine Tochter will eben spielen. Ich mach es dann nur, damit meine Kleine ihren Spaß hat, aber ich bin froh wenn sie müde wird. 

Ich: Warum glaubst du, ist diese Bewegung #regretting motherhood aktuell wieder so in Schwung?

Weil viele denken, Feminismus und Frauenrechte seien durchgesetzt - wir wären schon alle gleichberechtigt. Das stimmt so aber nicht. In den letzten Jahren hat sich sehr vieles getan, aber wir (die Gesellschaft) Idealisieren noch immer ein Mutterbild, das keiner Frau gerecht werden kann. Bei Vätern ist das nicht anders, mein Freund sieht es ähnlich wie ich, er wollte ja damals auch noch kein Kind. 
Aber er liebt sie, inzwischen sagt er immer: „10 Jahre später, wäre besser gewesen“ und ich weiß, was er meint. Er weiß auch, dass ich diese Rolle komplett ablehne, ich bin mehr als eine Mutter und ich bin nicht nur auf mein Geschlecht ausgelegt - ich will ich sein dürfen, dass ist noch immer so eine Sache in unserer Gesellschaft … Und als Mutter ist das doppelt schwer.“


Ich: Ich denke einen besseren Schlusssatz gibt es nicht. 

Kommentare:

  1. Huhu...

    Sehr schönes Interview und als Mama weiß ich, wie das Leben mit einem Kind ist. Aber mich gegen meinem Kind zu entschieden würde ich auch heute nicht. Dazu liebe ich mein Kind einfach zu sehr. Irgendwie geht es immer voran auch wenn der Statt die Mütter und Väter eigentlich im Stich lässt.

    lg
    https://himmelsblumen.blogspot.de

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  2. Hallo :)

    Ein tolles Interview! Das zeigt so in etwa genau das an, warum ich selbst keine Kinder haben möchte. Jedenfalls jetzt nicht. Ich weiß nicht, ob sich das in fünf Jahren eventuell ändern mag, aber mir ist meine Freiheit, meine Kreativität, mein Leben einfach wichtiger als die Tatsache, Mutter zu sein. Das verstehen in meinem Freundeskreis leider auch die Wenigsten. Alle bekommen sie nacheinander ihre Babys und scheiden aus dem Berufsleben aus. Ich für meinen Teil bin glücklich, so wie es ist. Ich habe einen Job, den ich liebe, einen Partner, der genau der selben Meinung ist wie ich und zwei unkomplizierte Katzen :D

    Liebe Grüße
    Andrina

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    1. Danke dir für deine Meinung und dein liebes Kommentar!

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  3. Hervorragender, wichtiger Beitrag! Geteilt.

    Liebe Grüße, Claudia

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  4. Ich bin noch ziemlich jung und kann "Maria" so sehr verstehen. Denn ich habe das Gefühl, dass man als Mutter so viel seines eigenen Lebens aufgeben muss und eigentlich nur noch für seine Kinder lebt. Das Kind braucht dies und das Kind braucht jenes. Und man selbst bleibt auf der Strecke.
    Sicherlich gibt es viele Frauen die in genau dieser Situation aufgehen und die Spaß daran haben, aber für mich klingt das Muttersein eher wie die Hölle, was bestimmt auch an unserem Gesellschaftsbild liegt.
    Trotzdem kannst du "Maria" meine besten Wünsche und vor allem meine hochachtung ausrichten, dass die das Ding trotzdem durchgezogen hat, nebenbei immer noch ihr eigenes Leben hat und sich nicht unterkriegen lässt. Auch wenn das bestimmt in einigen Momenten nicht besonders leicht ist.

    Liebe Grüße
    Katja
    www.amoureuxee.de

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    1. Ich werde es "Maria" ausrichten, sie wird sich sicher darüber freuen.
      Ich stimme dir durchaus zu und wünsche uns allen das sich daran noch vieles ändert!

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  5. Ein sehr schönes Interview. Ich kann die Meinung von ihr gut nachvollziehen. Für mich ist ein Leben ohne Kinder wünschenswerter als mit. Mit meinem Menne hatte ich neulich auch so drüber gesprochen, als ich abends mit dem Hund gekuschelt hab. Ich sagte nur: "Ein Hund wäre das beste Kind für mich, mehr brauch ich nicht."

    Liebst,
    Mary

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  6. Wow, das ist so ein wahnsinniger guter Eintrag, so ein tolles Interview und so eine superstarke Frau! Ich finde, diesem idealisierten Mutterbild müsste man viel mehr Aufmerksamkeit widmen, in ALLEN Bereichen: medial, sozial, politisch. Frauen sind nicht von Natur aus zur Übermutter erkoren worden, keine Frau muss Kinder mögen, nur weil sie eine Frau ist, keine Frau muss gerne Mutter werden wollen, keine Mutter wünscht sich nicht ab und an, NICHT Mutter zu sein. Kinder nerven, Kinder sind anstrengend, Kinder schränken einen ein, Kinder nehmen Freiheit. Das ist nun mal so. Natürlich gehen mit ihnen auch allerhand positive Aspekte ein, sie können für manche Menschen die pure Erfüllung bedeuten. Aber es ist doch auch ok, wenn sie das nicht sind. Ich kann "Maria" sehr gut verstehen, ich würde genauso fühlen wie sie und ich denke auch so wie sie.
    In diesem Fall richte ihr gerne ein paar Worte von mir aus: Geh weiter erhobenen Hauptes arbeiten, alle anderen Übermütter auf dem Spielplatz werden an dem Tag in eine Depression verfallen, in der ihr Nachwuchs 500 km weit weg zur Uni zieht und sie nichts in ihrem beruflichen Leben erreicht haben und vor einer großen, gähnenden Leere stehen. Genieß' die Zeit an der Uni, denn das ist eine der besten im Leben (übrigens hab ich gehört, dass die Uni Mütter sehr gut unterstützen soll - mir fehlen da die Infos, du hast dich sicher informiert. Aber viele meiner Kommilitoninnen sind der Ansicht, dass es nie eine bessere Zeit gibt, um Mutter zu werden, als während des Studiums...). Lass' dein Kind krank werden, im Matsch spielen und sich die Knie aufschürfen - hab ich auch alles gemacht, meine Mutter hat mir nicht bei jedem Weinen Zucker in den Arsch geblasen und wow, ich lebe noch. Sogar ziemlich gut und - wie ich behaupten würde - wesentlich selbstständiger und eigenverantwortlicher als die meisten in meiner Umgebung. Du machst das schon alles gut so, wie du es tust. Du tust es eben auf DEINE Weise. Auch wenn du sicherlich viel vom Mutter-Ich eingenommen wirst, du kannst immer noch zu einem großen Teil du selbst bleiben. Ich jedenfalls find' dich superklasse!

    Herzlichst,

    Jasmin

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    1. Danke für dieses Kommentar!
      Ich finde es super das sich hier so viele Frauen aus allen Schichten, Mütter und Nicht-Mütter zu Wort melden!

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  7. Solche Interviews wären mir vor meiner Schwangerschaft lieber gewesen, aber da gab es nur "Eine Frau wird erst als Mutter vollwertig" oder "Kinder sind sowas Schönes". Ja, auch ich liebe meinen Sohn und würde ihn nicht mehr missen wollen. Ich lebe ähnlich wie die Mutter aus dem Interview und finde nichts Verwerfliches dabei. Sie spricht mir aus der Seele. Ich wurde begluckt und wollte selbst nie so sein, mich hat das immer total genervt. Auf Spielplätzen hab ich immer gedacht, ich könnte jetzt arbeiten und Geld verdienen. Bin selten hingegangen, weil mir die in ihrer Mutterrolle völlig aufgehenden Mütter mit 3, 4 Kids auf den Senkel gingen. Ich mag die Verantwortung nicht, dafür Sorge zu tragen, dass aus einem (schwierigen) Kind ein anständiger Mensch wird. Mein Ex-Mann war da auch anders, der wollte unbedingt ein Kind und freute sich darauf. Heute wohnt er 200 km weg, klärt zwar alles mit mir, was sein muss (geteiltes Sorgerecht), aber da wars auch schon. Ich habe mich nie ganz aufgegeben, das nicht. Aber diese ständigen Kritiken von außen und der Rollenzwang und dass man als Mutter das Kind an vorderster Stelle finden muss - und nicht etwa die Arbeit oder das eigene Leben - das nervt mich. Auch, dass man sich keine Hilfe holen darf, weder professionelle noch von den Eltern - "Mütter schaffen sowas selbst - in den eigenen vier Wänden - Probleme trägt man doch nicht nach draußen"! - das geht mir total gegen den Strich. Trotzdem liebe ich meinen Sohn über alles, wollte ihn niemals abtreiben - ja, er war ein Wunschkind mit 29. Doch wäre ich nochmal in dem Alter, ich hätte kein Kind, denn heute weiß ich, was alles dazugehört - wie viel Verantwortung, Kummer, Ärger. Und die ganzen Einflüsse, gegen die man irgendwann weitestgehend machtlos ist - politische Gesinnung, Drogen etc.

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    1. Ich verstehe dich sehr gut und finde es wunderbar, dass du dich hier zu Wort meldest!
      Ich drücke dir von Herzen beide Daumen (und alle Pfoten).
      Es ist wichtig das wir offen und ohne Vorurteile darüber sprechen dürfen!

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  8. Wie auch schon bei der Rezension zu Regretting Motherhood - klasse Artikel. "Maria" scheint wirklich eine tolle und starke Frau zu sein, vor allem da sie so ehrlich antwortet und nicht unter dem gesellschaftlichen Druck eingeknickt ist und sich selbst aufgegeben hat. Ich sehe das hier wie einige der anderen Kommentatoren auch - wer 24/7 nur Mutter ist um die Kinder zu beglucken und dafür Job+Freunde vernachlässigt, wird ein sehr, sehr böses Erwachen haben, wenn die Kinder dann irgendwann selbstständig werden (wollen).
    Zudem spricht sie noch ein Thema an, was mir sehr gegen den Strich geht: die Verteufelung von Abtreibungen. Ob bewusst oder unbewusst, wenn man eine Abtreibung in Erwägung zieht, bekommt man fast nur negative Reaktionen zu hören. Von "Unmensch" bis "aber Frauen die abtreiben haben danach einen Knacks weg!" ist alles dabei. Mag sein, dass für einige die Abtreibung die falsche Entscheidung war, genauso kann es aber auch die falsche Entscheidung sein, nicht abzutreiben. Frauen, für die eine Abtreibung eine gute Entscheidung war, kommen irgendwie auch nie/viel zu selten zu Wort, sodass da ebenfalls ein verzerrtes Bild entsteht und Abtreibung von vornerein ausgeschlossen wird, obwohl es eine Alternative wäre.

    Liebe Grüße!

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    1. Da bin ich ganz auf deiner Seite - zum Thema Abtreibungen bereite ich auch gerade einen Post vor. Jedoch weiß ich noch nicht, wann dieser erscheinen wird.

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  9. Wow. Sehr offen gesprochen und ich glaube, ich würde mich ähnlich fühlen. Manche Frauen sind zum "Muttersein" einfach nicht gemacht und daran ist nun einmal nichts Verwerfliches. Eine mutihe Entscheidung, das Kind trotzdem zu bekommen!

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  10. Wow! Vielen Dank dass du das Thema ansprichst. Das Interview war sehr interessant zu lese und ich konnte mich so verdammt gut hineinversetzen. Das ist so ein schwieriges Thema und ich finde es schade, dass dieses Thema so wenig Beachtung bekommt. Ich habe schon oft von Müttern gehört, die das Kind behalten haben aber nach der Geburt einfach nichts gefühlt haben. Die Kinder meiner Freundin sind mittlerweile älter, aber trotzdem fühlt sie sich unfrei und es ist für sie einfach nicht so leicht Mutter zu sein. Klar liebt sie ihre Kinder über alles, aber sie denkt eben auch an Zeiten wo sie noch frei war und viel mehr möglich war. Ein toller Post! Finde solche Interviews sehr spannend und würde das gerne noch öfter lesen! :)
    Liebste Grüße
    Larissa

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    1. Das trifft sich gut ;)
      Das nächste Mal wird es ein Vater sein mit dem ich über diese Dinge spreche ... Auch dort gibt es viele Dinger die es verdient werden gehört zu werden.

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  11. Wow, sehr ehrliche Worte.. Und wirklich mutig das ihr dieses Interview veröffentlicht habt - es ist einfach nicht leicht heutzutage Mutter zu werden, da ja alle immer eine Bessere Vorstellung davon haben..
    Alles Liebe,
    Lara

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  12. Ein sehr sehr interessanter Beitrag und tolles Interview! Ich finde es gut, dass du das Thema mit diesem Interview auf dem Blog ansprichst. Mir selbst fällt es von Medienberichten her immer unglaublich schwer mich in die Gefühlslage von Müttern, die das Mutter sein quasi bereuen, zu versetzten. Das liegt zum einen wahrscheinlich daran, dass ich noch keine Kinder habe, aber wohl genauso daran, dass ich irgendwann unbedingt welche möchte. Durch das Interview habe ich echt einen besseren Einblick bekommen und kann die Denkweise in gewissermaßen nachvollziehen.

    Liebe Grüße


    http://nilooorac.com/

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    1. Tatsächlich war es ja Maria die auf mich zu kam, nachdem sie meine Rezensionen zum Thema gelesen hatte. Ich finde aber auch, dass man an diesem Beispiel einfach sehr gut sieht was alles nicht stimmt!

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  13. Definitiv ein Thema, das viel öfter besprochen werden sollte! Ich kann "Maria" sehr gut verstehen -auch in meinem Freundeskreis breiten sich langsam die Babys aus, und auch als Außenstehender bekomme ich den ganzen Druck mit, der von allen möglichen Seiten auf junge Frauen ausgeübt wird. Und jedes Mal zieht sich in meiner Brust was zusammen, denn das finde ich unmöglich und tut mir wahnsinnig leid für jeden, der sich in solch persönlichen Dingen der Außenwelt stellen muss. Ich freue mich, dass ich mein Leben genau so leben kann, wie ich es möchte -und ich bin auch (noch) nicht bereit, das für irgendjemanden, sei es Baby oder Mann, aufzugeben. Vielleicht ändert sich das, vielleicht nicht. Aber ich denke, es ist an der Zeit, dass die Gesellschaft akzeptiert, dass es eben eine persönliche Entscheidung ist. Ich wünsche "Maria" alles Gute, auch wenn das total abgedroschen klingt. Sie meistert das prima, und ich weiß nicht, ob ich das genau so könnte.
    Liebe Grüße!

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    1. Ich richte es Maria aus, sie wird sich mit Sicherheit sehr darüber freuen!
      Es verdient Bewunderung das sie diesen Weg gegangen ist und so offen darüber redet!

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  14. Das Interview mit Maria war sehr interessant und spannend zu lesen.
    Ich selbst weiß, dass ich später unbedingt Kinder möchte, denn ich stelle mir es sehr schön vor "Mama" zu sein. Auch wenn das vielleicht bedeutet das man ein Teil seines Leben aufgibt.

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    1. Wenn man das kann und auch möchte ist das ja auch völlig okay :)
      Übrigens gab es bei dem Buch #regrettingmotherhood auch Frauen die Kinder wollten, sogar welche mit mehreren Kindern, die dennoch mit der Rolle sehr unglücklich waren. Damit möchte ich nicht sagen das dir das passieren wird. Auf keinen Fall! Es gibt ja auch sehr glückliche Mütter. Dennoch sind es nicht nur Frauen, die eigentlich keine Kinder wollten.

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  15. sehr interessantes interview! und sehr ehrliche antworten. ich bin absolut für kinder und freue mich schon sehr darauf - auch wenn ich noch ein paar jahre warte möchte. alles liebe, laura

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    1. Danke für dein Kommentar! In dem Buch #regrettingmotherhood waren auch Frauen die Kinder wollten, sogar welche mit mehreren Kindern, die dennoch mit der Rolle sehr unglücklich waren. Damit möchte ich nicht sagen das dir das passieren wird. Auf keinen Fall! Es gibt ja auch sehr glückliche Mütter. Dennoch sind es nicht nur Frauen, die eigentlich keine Kinder wollten.

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  16. ein sehr interessantes und auch ehrliches Interview. Unheimlich wichtiges Thema. Nicht jede Frau ist oder wird gerne Mutter, es sollte keine Pflicht sein wie es von außen oft klingt.

    Liebe Grüße
    http://hydrogenperoxid.net

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  17. sehr sehr interessanter Beitrag. Ich finde es unheimlich toll, dass du so ein Thema ansprichst. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn einige Frauen keine Kinder bekommen wollen.
    Für mich wäre es dagegen am schlimmsten, wenn ich mal keine Kinnder bekommen könnte. Beide Seiten muss man akzeptieren!

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    1. Natürlich! Ich bewundere jede Frau die das kann und dabei auch noch glücklich ist ...

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  18. Ich finde es überhaupt kein Problem, wenn jemand keine Kinder möchte. Was ich aber ein wenig erschütternd finde, ist, dass als Erklärung gesagt wird, dass man Zeit für sich selber will.
    Man will auf seine Freiheit nicht verzichten. Man will aber auch eine ordentliche Rente. Man will so vieles.
    Ich sehe hier ein großes Problem einer ganzen Generation. Es ist eine Spaßgesellschaft entstanden. Party, Reisen und machen können was man will. Hier denkt jeder nur an sich und ich finde es traurig, wenn ein Kind von so vielen nur als Belastung angesehen wird. Spricht nicht gerade für die Gesellschaft.
    Schade aber so ist das. Geht es einer Gesellschaft gut, bleiben die Kinder weg.

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    1. Ich denke das stimmt nur bedingt.
      Natürlich ist es uns Frauen auch erst jetzt so richtig möglich diesen Wunsch laut zu sagen und durchzusetzen. Und noch immer kommen dann viele mit Egoismus und National Keule um die Ecke ... Für letzteres kann man nichts, denn man hat sich nicht ausgesucht wo man geboren wird. Darum halte ich es nicht für sinnvoll daraus eine Argumentation zu machen.
      Ein Kind ist eine Belastung - körperlich, seelisch und finanziell. Und nicht jeder kann und will sich dafür aufgeben. Wie ich in einem vorherigen Kommentar auch schon sagte: Kinder gibt es genug auf der Welt, sie sind nur schlecht verteilt. Warum sollen es ausgerechnet meine eigenen Gene sein die ich weiter gebe? Sinnvoller wäre es doch schon vorhandene Kinder in Länder zu bringen, die gerade einen Kindermangel haben ;)

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  19. Schwieriges Thema aber ich finde niemand sollte sich schämen dieses Thema anzusprechen. ich für meinen Teil könne mir keine Kind in meiner jetzigen Situation vorstellen aber würde es falls es passieren würde nicht abtreiben. Wenn ich aber dieses Interview lese bekomme ich Angst das es bei mir auch so sein kann und ich mich mit meinem Mutter Ich nicht identifizieren kann.

    Lg Anna
    http://itssimpleanna.blogspot.de/?m=0

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    1. Ich kann deine Angst gut verstehen - man kann bei solchen Dingen eben nicht vorher wissen wir man reagiert.

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  20. Liebste Ju, du hast wieder mal eine wichtigen Beitrag mit diesem Post geleistet. Mögen ihn auch alle Besserwisser lesen und schätzen!

    LG
    Elke

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  21. Sehr interessantes Interview! Ich finde es wichtig, dass man über sowas offen reden kann!
    Um ehrlich zu sein, weiß ich selber nicht wirklich, wie ich zu dem Thema an sich stehen soll.
    Aber was ich weiß, ist, dass "Maria" eine sehr starke Persönlichkeit ist und ich es beneidenswert finde, dass sie ihre Ziele nicht aufgibt und alles unter einen Hut bekommt.

    Liebste Grüße,
    Aly

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  22. Schöner Posts - ich mag es wie viel Mühe du dir gibst :)

    sophias-fashion.de

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  23. Fürchterlich. Dieser Blog zeigt mir ganz deutlich, dass es so wichtig ist, seinen Kindern eine innere Balance und Zufriedenheit mit sich selber mitzugeben. Es wäre mir ein Graus, wenn meine Tochter später mit grünen Haaren vor mir steht und mir ihren selbstlosen veganen Lifestyle erklärt und gleichzeitig Kinder als Belastung empfindet. Ich wünsche dir zwischen all dem "Abfuck" trotzdem Alles Gute.

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    1. Wo liegt denn dein Problem an grünen Haaren und veganen Lifestyle ;)
      "innere Balance und Zufriedenheit" habe ich durchaus das hat nichts damit zu tun das ich keinen Kinderwunsch hege.

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  24. Tolles und interessantes Interessantes Interview. Ich würde Maria nicht als schlechte Mutter bezeichnen. Vorallem das mit dem Spielen kann ich verstehen und aus Erfahrung kann ich sagen, dass das nicht schadet. Ich kann mich persönlich nicht wirklich daran erinnern, dass meine Eltern mit mir Puppen gespielt haben oder ähnliches. Wenn ich spielen wollte bin ich zu Freunden gegangen und wenn ich was lernen oder basteln wollte bin ich zu meinen Eltern. Finde das tut ganz gut, so bin ich relativ unabhängig, ich hatte als Kind nie ein Problem damit, wenn meine Eltern mal weg waren oder ich alleine irgendwo hin musste. Ich habe es so hingenommen, das beste draus gemacht und mich gefreut wenn ich wieder bei meinen Eltern war.
    Finde so wie sie ihr Kind erzieht ist es viel besser als die übervorsichtigen Mütter.
    Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass ihr Kind so viel Selbstständiger und unabhängiger werden wird.

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  25. Was für eine starke Frau! Super Interview.
    Ich bin von der Spezies Frau, die schon irgendwann Kinder will, aber nicht mit Anfang 20. Erst einmal alle Ausbildungen fertig bringen, arbeiten gehen und von dem Geld etwas erleben, dann können wir weiter reden. Leider zerstört ein Kind viele Freiheiten einer Frau. Und auch wenn Feministen und Gleichberechtigungs-Kämpfer es anstreben: eine Frau wird nie gleich eines Mannes sein. Sie wird immer das Kind kriegen und dadurch stärker an den Knirps gebunden sein. Das ist die Natur und mit keiner Forderung der Welt zu ändern.

    Ich wüsste nicht, ob ich das Kind behalten würde oder ob ich es über das Herz bringe es zu töten, wenn ich jetzt schwanger werden würde...
    sehr schwieriges Thema.

    Liebe Grüße > sara

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  26. Du bist eine Frau.
    Es ist deine Pflicht Kinder zu bekommen - ansonsten ist dein Leben nichts wert.

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  27. Du bist so eine dreckige Hure ...
    schande über dih!

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  28. Liebe Justine,
    ich sitze hier wirklich mit Tränen in den Augen und Schmerz im Herzen, weil mich dieser Text so berührt.
    Er könnte 1:1 aus meinem Mund sein. Ich danke dir von ganzem Herzen, dass du so mutig warst, und dieses Thema so offen angesprochen bzw. geschrieben hast.
    Danke <3

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    1. Danke dir meine Liebe, wir müssen alle keine Angst davor haben solche Dinge auszusprechen!

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  29. Super wichtiges Thema!

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