Freitag, 10. Juni 2016

Wenn Väter bereuen - Das Interview

Nicht nur Mütter können bereuen ...
Nicht nur Mütter können ihre Rolle ablehnen, auch Väter wissen oft nicht mit dem Druck umzugehen. Ich finde, dass genau dieser Part in den öffentlichen Diskussionen noch weniger Raum findet - darum möchte ich heute einen Vater zu Wort kommen lassen, der nie einer sein wollte. 

Ich: Wie kam es dazu, dass du ungewollt Vater wurdest?

Achim: 

Es war ein One Night Stand. Den ich bis heute bitter bereue - das Kondom riss, aber sie versicherte mir, dass sie die Pille nehme und es halb so schlimm sei. 9 Monate später bekam ich einen Brief, in dem ich aufgefordert wurde, Alimente für meine Tochter zu zahlen. 

Ich: Du wusstest also nichts von der Schwangerschaft?

Achim: Nein, ich kannte nicht einmal ihren Nachnamen. Für mich war es nur eine Nacht, mehr sollte daraus niemals werden. 

Ich: Wie hast du reagiert, als du dann von deiner Tochter erfahren hast?

Achim: Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen. Ich wollte nie Kinder, schon gar nicht so. 

Ich: Und wie ging es dann weiter?

Achim: Ich habe natürlich Kontakt zu der Mutter aufgenommen. Zugegeben, das lief nicht gerade schön ab. Auch von meiner Seite nicht. Sie hat ein Kind von mir bekommen, ohne mir etwas zu sagen. Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und hatte keine Chance, aus dieser Schlinge rauszukommen

Ich: Meinst du, es wäre anders gelaufen, wenn du von der Schwangerschaft gewusst hättest?

Achim: Ganz ehrlich: das weiß ich nicht. Für sie (die Mutter) war ja von Anfang an klar, dass sie das Kind nicht abtreiben möchte. Da hätte ich auch so nichts daran ändern können, aber es wäre schön gewesen, zumindest das Gefühl zu haben, auch gefragt zu werden. 

Ich: Kritisierst du es, dass Männer keine Gewalt darüber haben, ob sie Vater werden wollen?

Achim (lacht): 
Ohje, wenn ich jetzt etwas Falsches sage, werde ich von FeministInnen zerfleischt. 
Nein, ich finde nicht ,das ich das Recht habe, einer Frau zu sagen, was sie tun sollte. Wenn sie Mutter werden möchte, dass ist das okay. Aber ich denke, es ist schwer, wenn man als Mann einfach vor vollendete Tatsachen gestellt wird. 
Wie gesagt, sie wußte ja, dass ich keine Kinder wollte. Das hat ihr meine Reaktion auf das gerissene Kondom ziemlich deutlich gezeigt. Ich wollte sogar das sie sich die Pille danach holt, doch das lehnte sie ab. Ihr war also klar, was sie tat, als sie mich nicht mit einbezog. Ich hatte keine Rechte, aber sofort Pflichten, auf die ich mich nicht einmal vorbereiten konnte.  

Ich: Wann hast du deine Tochter das erste Mal gesehen?

Achim: 
Da war sie gerade 6 Monate alt. 

Ich: Warum hat das denn so lange gedauert? 

Achim: 

Es gab einen ziemlich langen Streit, auch von rechtlicher Seite ob ich sie überhaupt sehen durfte. Die Mutter wollte zwar das ich brav dafür zahle, aber sie sehen sollte ich nicht. 

Ich: Und wie war es als du deine Tochter dann das erste Mal gesehen hast?

Achim: Ich hatte wahnsinnige Panik, das kleine Ding auf meinem Arm fallen zu lassen. Obwohl meine größte Angst, dass ich eine Abneigung gegen mein eigenes Kind haben würde, ausblieb, war es dennoch nicht gerade der schönste Moment meines Lebens.

Ich: Was genau meinst du damit?

Achim: 
Sie war jetzt eben da - einfach so. 
Ich war überfordert, irgendwie verletzt und fühlte mich wie in einem Vakuum. 

Ich: Wie ging es weiter?

Achim: 
Nach viel Streit und Rosenkrieg und nachdem meine Freundin mich verlassen hatte, einigten die Mutter und ich uns darauf, dass ich meine Tochter alle zwei Wochen sehen darf. Alleine das finde ich  erbärmlich: alle zwei Wochen. Nicht spontan, nicht wie ich es möchte, sondern nach ihren Regeln. Ich darf nur das Geld abladen und mit ganz viel Glück bekomme ich dafür ein paar Momente mit meiner Tochter. 
Außer natürlich, die Dame hat etwas dagegen, dann bin raus aus der Nummer. 

Ich: Also liegen deine Probleme mit der Vaterschaft eher darin, dass die Mutter es dir schwer macht?

Achim: 
Das ist ein großer Teil davon, aber nicht alles. 
Wie gesagt: Ich wollte keine Kinder. Inzwischen habe ich auch den Schritt gewagt, mich einer Vasektomie zu unterziehen, damit mir das nicht noch einmal passiert. 
Meine Tochter ist toll und ich liebe sie, doch könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich es tun. Ich möchte noch immer kein Vater sein, aber ich bin es eben. Die Kleine soll nicht darunter leiden und das tut sie auch nicht. Höchstens an dem gestörten Verhältnis zwischen ihren Eltern. 

Ich:  Wie ist das Verhältnis zu deiner Tochter?

Achim: 
Inzwischen würde ich es als sehr gut bezeichnen. Als sie noch ein Baby war, konnte ich wenig mit ihr anfangen, doch jetzt ist sie gerade 5 geworden und es macht durchaus Spaß, mit ihr was zu unternehmen. Wenn sie da ist, dreht sich auch alles um sie. Das genießt sie natürlich und ich auch, aber ich bin auch froh, wenn die Wochenenden vorbei sind. 
In dem Punkt bin ich froh, dass ihre Mutter sie in der Woche hat, ich wüsste nicht, wie ich das alles organisieren sollte und ich weiß auch, dass ich dann unglücklicher wäre. 

Ich: Was stört dich an der Vaterrolle?

Achim: 
Die enorme Verantwortung und die nicht vorhandene Freiheit sowohl im Leben als auch finanziell. 

Ich: Fühlst du dich durch deine Vaterschaft eingeengt?

Achim:  Ja, auf jeden Fall. Und das obwohl es ja nur zweimal im Monat ist. 

Ich: Wie äußert sich das?

Achim: In fast allen Dingen. Ich bin Egoist, durch und durch. Doch das darf ich nun nicht mehr sein. Ich kann nicht mal eben 6 Monate ins Ausland, denn dann sehe ich meine Tochter nicht. Ich kann mir nicht kaufen was ich will, denn zuerst muss sie alles haben, was sie braucht. Solche Dinge. Natürlich weiß man das vorher wenn man ein Kind bekommt. 
Aber als sie gezeugt wurde, war ich 23 und hätte nicht gedacht, dass eine Frau über meinen Kopf hinweg ein Kind bekommt. Es war eine Nacht und ein Fehler, nicht mehr zu ändern, aber er bestimmt mein Leben. 

Ich: Meinst du deine Tochter weiß das?

Achim: Ja, ihre Mutter wird nicht müde ihr zu sagen, dass ich sie nicht wollte. Dabei spielt das keine Rolle, ich wurde weder gefragt noch hätte das einen Unterschied gemacht. Ich versuche das Beste draus zu machen, nehme mich zurück und hoffe, das aus meiner Tochter ein toller Mensch wird. 

Ich: Hast du einen Tipp für Männer, die Väter wurden ohne das sie wollten?

Achim (lacht): 

Nein. Tut mir leid. 

Es ist schwer, ein guter Vater zu sein, man kann nur versuchen, seinem Kind die Liebe zu geben die es verdient, egal was drum rum ist. 

Danke lieber Achim für deine ehrlichen Worte!

Kommentare:

  1. "Herrlich das wieder ein Kind, von Erwachsenen kaputt gemacht wird.. indem es immer wieder hört, dass es nicht gewollt wurde .. einfach nur schrecklich solche Eltern" . Und das Gummi ist wirklich gerissen ? Hmmm so wie die Pille die dann plötzlich nicht wirkt ... da kommen bei mir Zweifel auf ... aber okay..

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    1. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Dame die Pille genommen hat - so wie sich die Lage schildert. Jedoch war keiner von uns dabei und hat die Taschenlampe gehalten. Darum müssen wir die Antworten nehmen die wir bekommen.
      Fakt ist: Sowohl für Vater, als auch für Tochter eine heftige Situation.

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    2. Man hört doch immer wieder davon, dass Frauen sagen, sie würden die Pille nehmen, obwohl sie es nicht tun und dann sind sie- hups, wie kann das? - schwanger und hoffen, sich so den Kerl zu halten.

      Ich kann mir vorstellen, dass es in diesem Fall so war, dass das Kondom wirklich gerissen ist, sie das einfach nur sagte mit der Pille und hoffte, dass mehr draus wird.

      Das Verhalten der Mutter geht gar nicht. Finde das unfassbar!

      Christina

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  2. Huhu...
    Sehr schönes Interview. Irgendwie tut mir der Typ schon leid, wenn er mit einem Schlag Vater ist, ohne sich überhaupt vorzubereiten. Allerdings finde ich es vom Staat nicht sonderlich gut geregelt, dass er die kleine nur aller 2 Wochen sehen darf. Er ist der Vater und er sollte ein recht haben das Kind zu sehen wann er will. Ich verstehe aber auch die Frau nicht. Soll sie am Ende doch froh sein, wenn ihr Kind einen Vater hat, der sich drum kümmern.... Manchmal kann man einfach nur mit dem Kopf schütteln -,-

    lg

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    1. Ich denke dieses Gefüge gibt es leider sehr oft ...
      Mir tut Achim auch leid - denn auch wenn er nie Kinder wollte, versucht er zumindest ein guter Vater zu sein.

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  3. Ooooooh ich werd bei einem Satz gerade sehr sauer.

    "Ja, ihre Mutter wird nicht müde ihr zu sagen, dass ich sie nicht wollte."

    Das ist absolut unfair! Nicht nur dem Vater gegenüber, sondern vorallem dem Kind! Und vorallem im Alter von 5 Jahren. Das stört das Verhältnis enorm. Ob Achim sie nun wollte oder nicht, er tut ja immerhin sein bestet. Aber mal ehrlich: Diese "Mutter" war ganz schön fies... Ich glaube nicht wirklich, das sie jemals die Pille genommen hat. Sie hat sich einfach gefreut, dass das Kondom gerissen und reitet ihren Rosenkrieg nun auf dem Rücken ihres Kindes aus! Unmöglich. Da bin ich diesmal mehr sauer auf die Mutter, die das Kind wollte, als auf den Vater, der damit überfordert ist!

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  4. Ich kann die Gefühle des Vaters echt nachvollziehen, was ist das bitte für eine Frau? Ich gehe jetzt mal davon aus dass das mit der Pille gelogen war.
    Natürlich darf ein Mann keiner Frau vorschreiben, ob sie nun ein Kind bekommt oder nicht - aber ebenfalls kann man doch auch keinen Mann, der der biologische Vater ist - so vor Vollendete Tatsachen stellen?!

    Und wenn ich das höre, dass man einer 5 (!!!) Jährigen permanent sagt, dass sie kein Wunschkind ist; wer macht sowas? Furchtbar, ich hoffe die kleine kann das irgendwann verarbeiten.

    Alles Liebe und danke für diese super Interessante, aber auch schockierende Reihe auf deinem Blog.
    Lara

    www.lara-ira.de

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  5. Als mir mein Sohn vor nun jetzt fast 16 Jahren sagte, "meine Freundin ist schwanger und will das Kind kriegen" wurde mir wieder mal klar, was Frauen für eine Macht in dieser Situation haben. Mein Sohn konnte, wie Achim, nix machen. UND, er hat seine Tochter seit 9 Jahren nicht mehr gesehen. Eine sehr traurige Sache für uns.

    MfG
    Elke

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  6. Ich hab genau das selbe Problem . Wir waren drei Jahre in einer Beziehung und nie ist was passiert. Sie hat die Beziehung beendet , aber nicht im Streit, wir hatte. Noch mal sex und dabei wurde sie dann schwanger. Sie war geschockt so das sie dann fast drei Monate nicht mit mir geschrieben hat. Bis sie mir sagte sie ist schwanger. Ich war natürlich extrem überrascht aber auch zuversichtlich dass wir das hinbekommen. Hab ihr immer Hilfe angeboten, gebeten mal mit zum Ultraschall zu dürfen, aber nix. Hab nicht mal erfahren als sie ins Krankenhaus ist. Auf einmal kam ein Foto von einem Neugeborenen mit einem Namen . Aus heiterem Himmel. Das war am 12.12. war am Tag danach sofort im Krankenhaus ( Ca 35km) und binquasi nach ner halben Stunde wieder verabschiedet worden, weil ja noch anderer Besuch kommen wollte.
    Weihnachten hab ich bei meinen Eltern gefeiert und da hatte ich auch meinen ersten Zusammenbruch, weil ich nicht bei meinem Sohn sein dürfte. Denn es kämen ja so viele Verwandte das es eh schon zu viel wäre .
    Wenn ich nicht ständig schreibe (whatsapp) dann erfahre ich gar nix vom Kind. Absolut null.
    Inzwischen bin ich in psychologischer Behandlung und bekomme anti anti dressiva weil ich damit nicht klar komme. Und ich verstehe einfach nicht warum sie mich so komplett aus allem ausschließt .
    Sie hat schon ein älteres Kind 2. Schuljahr ) und während unserer Beziehung kam ich wunderbar mit ihm klar und er möchte mich auch wirklich.
    Und wenn ich mal paar Wochen nicht frage, um zu sehen ob vielleicht mal was von ihr kommt, bin ich der der sich nicht für sein Kind interessier , dabei heule ich fast jeden Abend wenn ich an ihn denke.
    Ich weis echt nicht womit ich das verdient habe, aber langfristig werde ich wohl an dieser Situation kaputt gehen.

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  7. Ein geniales Interview!
    Ich glaube Männer und Frauen haben in der Frage "Kinder, ja oder nein?" ein ähnlich schweres los: Die Frau kann bestimmten, ob das Baby entfernt werden soll. Sie muss aber mit de eventuellen psychischen und sozialen Folgen und Angriffen leben. Der Mann hat keine Chance auf Mitbestimmung und muss es eben so hinnehmen, wie es kommt.

    Ich wünsche keinem in irgend so eine Situation zu kommen.

    Liebe Grüße > sara

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  8. es gibt frauen, die unbedingt kinder wollen und wenn es mit beziehung nicht klappt, denn versuchen sie es so - das kann ich mir eher vorstellen, als dass kondom UND pille nicht funktioniert haben.

    im grunde weiß natürlich jeder mensch, was passieren kann, wenn er mit jemandem schläft und zum glück kann auch eine frau nicht zur abtreibung gezwungen werden. sollte die mutter sich tatsächlich so verhalten haben, wie er es beschrieben hat, dann ist es dennoch nicht nur eine riesen sauerei, sondern einfach nur tragisch für das kind, das davon garantiert einen schaden abbekommt.

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    1. Ganz sicher sogar. Es ist einfach nicht okay. Selbst, wenn sie die Pille nicht genommen hat und das Kind wollte - allein das sie sagt "Dein Vater wollte dich nicht" ist einfach eine Sauerei. Ihm wird der schwarze Peter zugeschoben. Und natürlich leidet die Kleine am meisten darunter ...

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