Montag, 22. August 2016

Rezi: Das Ende von Alice


Autor: A.M. Homes
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Titel: Das Ende von Alice 

Verlag: Kiepenheuer&Witsch

Geeignet für: Grenzgänger, Hartgesottene, Literatur Liebhaber

Preis: 19,99 Euro (gebunden)

Bewertung: 4 von 5

*Dieses Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt. Danke dafür!

Inhalt:

Dieser Roman von A.M. Homes löste einen Skandal aus – jetzt ist er auch auf Deutsch erhältlich
Als A.M. Homes’ Roman Das Ende von Alice 1996 in den USA erschien, sorgte er für heftigste Diskussionen, die selbst bis nach Deutschland überschwappten. Kein Verlag traute sich damals, das Buch auf Deutsch herauszubringen. Heute gehört A.M. Homes zu den anerkanntesten Schriftstellerinnen der Gegenwart, und es wird Zeit, diesen verstörenden, aus der Sicht eines pädophilen Kindermörders erzählten Text auch hierzulande zu entdecken.

Seit 23 Jahren sitzt Chappy, der Erzähler des Romans, im Gefängnis, er verbüßt eine lebenslange Haftstrafe für den Mord an der zwölfeinhalbjährigen Alice Somerfield und hofft auf baldige Freilassung. Im Gefängnis erhält er Briefe von einem neunzehnjährigen Mädchen, das vorgibt, Chappy zu bewundern. Sie selbst verbringt die Sommerferien in ihrem Elternhaus und hat ein Auge auf den zwölfjährigen Nachbarjungen geworfen. Zwischen Chappy und dem jungen Mädchen entwickelt sich eine Brieffreundschaft, die um Begehren und Perversionen kreist. Das Perfide und eigentliche Skandalon dieses Romans ist neben den zahllosen geschilderten Widerwärtigkeiten die konsequent durchgehaltene Perspektive eines Menschen, dem es normal erscheint, Kinder sexuell zubegehren. Das Ende von Alice ist ohne Zweifel ein hochkontroverser Roman, in seiner Wirkung vergleichbar mit Bret Easton Ellis’ American Psycho. Und wie dieser eine literarische Herausforderung.

»A.M. Homes ist für mich und andere Schriftsteller meiner Generation eine echte Heldin.« 
(Zadie Smith)
»Somerset Maugham schrieb: ›Das Normale ist die Ausnahme in der Welt.‹ Für jeden von uns, der glaubt, das Normale sei offensichtlich und ausschließlich von uns selbst zu definieren, liefert A.M. Homes’ Roman ein starkes, verstörendes Gegenmittel.« (New York Times Book Review)
»Der Grund, warum sich Kritiker und Leser über ein so vorzüglich geschriebenes, ernsthaftes und wichtiges Buch empören, ist, dass sie selbst es erregend finden.« (Will Self, New Statesman)

»Moderne Pornographie, abscheulich. … Ekelhafter Dreck.« (New York Times)

Meine Meinung: 

Puh. 
Ich bin unsicher wo und wie ich bei diesem Buch beginnen soll. Tatsächlich kann ich die vielen negativen und lauten Stimmen aus Übersee durchaus verstehen. Wir sitzen im Kopf eines Pädophilen, sehen all seine Taten, seine Gefühle und seine abstrakte Liebe - und wer es geschafft hat das Buch nicht sofort wieder aus der Hand zu legen, der fühlt mit. Ob er will oder nicht. 

Als Extrem-Horror-Fan bin ich einiges gewohnt und habe mich auf vieles gefasst gemacht: Aber nicht auf das was dann mit mir geschah. Das Buch ist nicht in der herkömmlichen Form brutal und ekelerregend - es ist so unfassbar schön geschrieben, dass man sich selbst dabei erwischt wie man vergisst dass dort ausführliche sexuelle Handlungen an Kindern beschrieben werden. Man lernt Chappy so gut kennen, dass man vergisst das er zu Recht im Gefängnis sitzt - denn wie man es auch dreht und wendet er ist ein Vergewaltiger. 

Dennoch beginnt man mit jeder neuen Seite mehr ein Verständnis für die kranken Neigungen zu bekommen. Und ich denke genau das ist der Punkt, der für das größte Aufsehen gesorgt hat. Monster sollen Monster bleiben und nicht vermenschlicht werden. 

Nach den hunderten von Büchern die ich bisher schon verschlungen habe, war bisher keins dabei das ich auch nur annähernd mit diesem vergleichen kann. Die psychische Störung die dafür sorgt das Erwachsene sich zu Kinder hingezogen fühlen, ist in unserer Gesellschaft ein absolutes Tabu. Diese Menschen werden ausgegrenzt, verachtet und im schlimmsten Fall von der Gesellschaft zerhackt. Das dies nicht unbedingt der richtige Umgang ist, scheint eigentlich auf der Hand zu liegen und dennoch kann man es wohl niemanden übelnehmen. 

Dieses Thema ist so vielschichtig, so emotional und so verstörend, dass ich auch jetzt - gute 2 Wochen nach beenden des Buches - noch immer nicht genau weiß, wie ich es einordnen soll. Es hat mich an meine literarischen Grenzen und darüber hinaus gebracht. Kontroverse Kunst in der höchsten Form. 

Abartig. Faszinierend. Wunderschön und brutal. 

Spreche ich nun eine Empfehlung aus?
Ja, wenn ihr stark genug seit ein Thema wie dieses aus einer ganz anderen Sicht zu sehen, dann kauft Euch das Buch und erzählt mir anschließen gerne, was ihr empfunden habt. 


Wie erging es Euch im Kopf eines Kinderschänders?

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