Freitag, 14. Oktober 2016

Justine privat - Der Cosmopolitan-Blues


Wir sitzen in einer Bar und haben bereits die zweite Ladung Cosmopolitans bestellt. Ich spüre bereits über deutlich, wie heftig der Alkohol sich auf meinen Körper auswirkt. Alles ist plötzlich warm und weich. Zugegeben es ist nicht wirklich klug, seinen Frust und Stress mit rosa Cocktails zu ertränken, aber so macht das Ganze immerhin Spaß. 
Meine Beste sieht mich mit diesem Blick an. Sie weiß genau das etwas nicht in Ordnung ist - und damit hat sie eigentlich auch immer recht. Es ist gar nichts in Ordnung. Obwohl nach außen hin alles funktioniert, wie ich immer funktioniere, ist in mir drin bereits ein Abgrund, von dem ich nicht so recht weiß, wie ich ihn überwinden soll.
„Du willst also weg?“, fragt sie noch einmal nach und sieht mich lange an. 
Am liebsten würde ich auf der Stelle losheulen, nur das ich heute einfach zu gut geschminkt bin, um mir das von meinen Gefühlen versauen zu lassen. 
„Und wohin willst du?“
„Kommt darauf an, wo ich angenommen werde“, erkläre ich eher unwillig und nehme noch einen kräftigen Schluck als müsste ich mir Mut antrinken. „Bisher sieht es sehr nach Köln aus, aber vielleicht auch Kassel oder Leipzig.“
„Und was ist mit deinem Menne?“
Ich schlucke. 
Wir nähern uns den Kern des Problems. Ich habe es so satt, dass Liebe offenbar immer nur von kurzer Dauer ist und die Leidenschaft irgendwann dem Leid weicht. 
„Der wird wahrscheinlich nicht mitkommen“, sage ich vorsichtig. Sie zieht eine Augenbraue nach oben und lehnt sich auf dem Barhocker etwas zurück. 
„Was heißt wahrscheinlich nicht?“
„Dass er hier bleiben will.“
„Und dann?“

Tja … Genau diese Frage ist es die mich im Moment in den Wahnsinn treibt. Ich habe in den letzten Wochen so viel darüber nachgedacht, dass mir schlecht wird, wenn ich nur das Wort „Beziehung“ höre. Egal, welches Szenario ich durchspiele - es endet niemals gut. Dabei hatte ich mich doch dem unrealistischen Traum hingegeben, dass dieses Mal alles anders ist. Dass ich endlich den Partner in Crime für meine nächsten 10 Jahre gefunden habe.
„Nichts dann“, antworte ich so knapp wie möglich und leere mein Glas viel zu schnell. Etwas schwindelig sitze ich da und warte darauf, dass dieses Gespräch in die nächste Runde geht. 
„Also führt ihr dann eine Fernbeziehung?“
Ich schüttle den Kopf.
„Dann trennt ihr euch also?“
Ich belecke meine Lippen. Alleine die Worte zu hören scheint mein Herz zu brechen - schon wieder. Ich wusste ganz genau, warum ich mich solange davor gedrückt habe unsere Liebe auch als solche zu bezeichnen. Eine Beziehung auf Zeit - das kann ja nur böse enden. 
Für einen Moment sieht ihr Blick mitleidig aus, doch sie scheint zu sehen, dass ich dieses Thema nicht näher ausführen kann, ohne entweder heulend zusammenzubrechen oder an einer Alkoholvergiftung zu sterben. Wir ordern neue Drinks und ich rutsche unbehaglich hin und her. „Und was machst du dann?“
„Dann suche ich mir einen netten ToyBoy und ein ToyGirl und scheiße für de Rest meines Lebens auf Liebesbeziehungen die einem ohnehin nur das Herzbrechen.“
Sie kichert. „Du wirst eine tätowierte Rocker Version von Samantha.“
Ich grinse. Endlich ein Gedanke, der mir gefällt. 

Kommentare:

  1. Dein neues layout gefällt mir total gut!
    der post ist auch klasse und zeigt mal wieder was du für eine starke frau bist! ich trink auf dich!

    Liebe grüße
    janine

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  2. Ich finde deinen Post wirklich toll geschrieben!
    Ich kenne dich zwar nicht, folge deinem Blog auch erst seit ein paar Tagen unddie Hintergründesind mir nicht bekannt, aber ein wenig klingt es für mich, als würdest du vor etwas die Flucht ergreifen...
    Fühl dich bitte nicht auf die Füße getapst... ;)

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    1. Danke für deinen Kommentar!
      Das mit der Flucht stimmt sicherlich zum Teil - ich verbinde mit meiner Heimat wenig gutes. Aber auch die rationalen Gründe liegen auf der Hand: ich kann hier nicht das studieren, was ich studieren möchte.
      Bei so einem netten Kommentar kann man sich gar nicht auf die Füße getreten fühlen!
      Im Gegenteil, ein nettes Nachfragen ist völlig angebracht.

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