Mittwoch, 2. November 2016

Meckermittwoch: Warum die Schule noch immer scheiße ist


Da sitze ich also, gucke auf meine Hausaufgaben und knirsche mit den Zähnen, während ich die Note betrachte. Für viele mag es nicht verständlich sein, warum ich mich bei einer 2 noch aufrege. In meiner Klasse ist dieses Bild sogar dominierend, merkt man an das man unzufrieden mit seiner Note ist kommen oft Sprüche wie: „Sei doch froh“ oder „Besser als meine“, oder auch „Heul nicht rum“.

Natürlich hat jeder verschiedene Ansprüche an sich selbst, darum ist auch jeder mit einer anderen Leistung zufrieden. Ich freue mich in Mathe über jede 3 die Schreibe und bin eben in Deutsch und Geschichte bei allem enttäuscht, was keine 1 ist. So ist das eben. Gerade wenn man einen NC vor Augen hat, ist dieser Druck enorm. Umso mehr ärgert es mich, dass auch mit Mitte Zwanzig noch der „Streber-Neid“ verbreitet ist. 

Wer sich hinsetzt und lernt, vielleicht sogar noch fragt, wer Lust auf eine Lerngruppe hat oder auch mal einen freiwilligen Vortrag macht ist gleich unten durch und hat seinen Stempel auf der Stirn. Besonders bei den Leuten, die chronisch unzufrieden sind an dieser Situation aber so nichts ändern möchten. Vor Kurzem spielte sich  folgende Szene im Unterricht ab:

Die Lehrerin sprach über die Klausurvorbereitung und erwähnte vorher, dass eine Hausaufgabe zur Übung aufgegeben werden sollte. Das Thema wurde näher ausgeführt, die Stunde näherte sich dem Ende und jemand fragte nach, zu wann denn die Hausaufgabe abgegeben werden sollte. Darauf hin kam aus einer anderen Reihe: „Nur weil die Bock darauf hat, müssen wir anderen das doch nicht machen …“

BOA! 
Bei sowas kommt mir schlicht die Galle hoch. Nicht nur das Hausaufgaben einfach von jedem gehasst werden und ein notwendiges Übel sind, um alle Noten zusammenzubekommen - nein, solche Sprüche kommen auch immer von den Leuten die während des Unterrichts nichts Besseres zu tun haben, als pausenlos am Handy zu surfen oder Zeitung zu lesen. Irgendwie logisch, dass genau diese Leute es dann nur so halb mitbekommen, wenn Hausaufgaben angesagt werden. Doch sich dann noch darüber aufzuregen und anderen Parteien die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist nicht nur unfair, sondern auch kontraproduktiv.

Vielleicht habe ich auch einfach mal wieder Pech gehabt, mit der Klasse in der ich gelandet bin, doch ehrlich gesagt habe ich nicht erwartet das eine Reihe von Menschen im Alter von 23-35 Jahren sich immer noch benehmen wie kleine Gören. 

Respektloses Verhalten und eine ungesunde Gruppendynamik machen es nicht nur schwer, im Unterricht mitzumachen, es demotiviert auch zusätzlich. Wer hat schon Lust in eine Gruppe von Menschen zu sein, in denen er die wenigsten mag?

Eben, niemand. 
Mein Problem mit der Schule ist noch immer das Gleiche wie mit 15 Jahren: Ich habe wenig Problem mit dem Unterricht an sich, auch mit dem Druck gute Noten zu bekommen, kann ich mehr oder weniger umgehen - aber Verhalten Anderer nervt mich. 


Geht es nur mir so?

Kommentare:

  1. Dieser Streberneid ist einfach total bescheuert und unnötig. Und ich kann es nicht fassen, dass das selbst in deiner Klasse noch so zugeht. Wo doch alle erwachsene Menschen sind und sich doch auch selbst ausgesucht haben nochmal zur Schule zu gehen und auch Abitur zu machen?
    Geb einfach nichts auf diese Leute, wie bescheuert... Ich galt auch immer als Streber und hab trotzdem so weiter gemacht wie ich wollte. Am Ende zählt nur das Abizeugnis, dass du am Ende in der Hand hast, nicht wie viele Leute dich mochten in der Klasse :D

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    1. Na klar - trotzdem sind nicht alle von uns mit sich selbst so sicher, wie ich es vielleicht bin. Mich nervt es einfach tierisch, dass inzwischen in einigen Fächern nur noch drei Leute überhaupt etwas sagen ... Immer aus Angst vor den nächsten dummen Sprüchen.
      Das ist einfach anstrengend ...

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  2. Oooh ich verstehe dich so gut. Die Klassendynamik ist mit 20+ noch immer die Gleiche wie in Grundschule und Realschule. So gibt es eigentlich in jeder Klasse 2 Queens, die sich um ihr "Reich" bekriegen und meistens auch ihre "Dienerinnen" (angeblich besten Freundinnen), die sie da voll unterstützen (müssen). Auch der Typ, der sich bei den Lehrern einschleimt und der Typ, der ständig Stress mit den Lehrern hat und der Typ, der denkt es sei lustig, obwohl die anderen sich konzentrieren wollen und der Typ, der unbewusst alle stört (lautes Atmen o.O)... die dürfen auch nicht fehlen.

    Und dann gibt es die 4 Leistungsgruppen: #1 die, die die beste Noten schreiben ohne zu lernen #2 die, die wirklich etwas tun und gute Noten schreiben #3 die, die wirklich lernen aber jedes Mal Pech haben und #4 die, die nicht lernen, keine guten Noten schreiben und sich über die "Streber" beschweren.

    Ich habe zu Gruppe 1 gehört, was mir und meiner Faulheit sehr gelegen kam :D und in jeder Klassenstufe wurde ich deswegen beschimpft. Kann ich ja nix für! Außerdem war ich meistens sehr pflichtbewusst. Zum einen wusste ich, dass ich das Pech auf meiner Seite hatte, wenn es um das "zufällige Benoten von Hausaufgaben" ging. Zum Anderen wollte ich wenigstens den Frieden mit meinen Lehrern wahren. und so fragte ich meist im persönlichen Gespräch mit dem Lehrer noch einmal etwas über die Große Projektabgabe nach. Dumm nur dass dann der Lehrer meinte: "Ich bin gespannt, wie eure Arbeiten aussehen, weil natürlich wieder keiner extra bei mir war - außer Sara." :D

    Kurzum: würde es nicht unter Strafe stehen, in meiner Klasse hätte es auch so einige Leichen gegeben :D Das wird übrigens nie besser. Solche Leute wirst du in der Uni und im Job auch ständig treffen...

    Liebe Grüße > sara

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    1. Im Job habe ich tatsächlich schon sehr oft Glück gehabt - vor der Uni kraut es mir allerdings inzwischen, wenn ich daran denke ...
      Idioten gibt es ja leider auf der ganzen Welt!

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  3. Liebes, den letzten Absatz in deinem Blogpost würde ich mir am liebsten rauskopieren und als meinen eigenen verkaufen ;-) (mach ich natürlich nicht)
    Pass bloß auf dass dir das Phänomen was du da beschreibst nicht auch noch passiert wenn du mit der Schule mal fertig bist. Ich habs ja nie geschafft da raus zu kommen :))))
    Richtig schlimm wirds erst wenn die oben beschriebenen Leute Eltern werden. Sicher, die von mir in dem Artikel https://kuckuckseiimlehrerzimmer.blogspot.de/2016/09/biete-job-suche-fliesentisch.html?m=1
    beschriebene Klientel gehört einer anderen Schicht an, das Problem wird wohl das gleiche bleiben.
    Ich wünsch dir was
    LG Frau Müller

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    1. Danke meine Liebe - es tut unheimlich gut so etwas zu lesen!

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  4. Nein, es geht nicht nur dir so!
    Ich habe zwei Studiengänge abgebrochen und danach neben dem Beruf noch eine Weiterbildung zum staatl. geprüften Betriebswirt gemacht. Also dachte ich, wer abends sich in den Unterricht quält, meint es ernst. Leider wurde diese Erwartung enttäuscht. Ich bin niemand, der im Unterricht viel von sich gibt, daher wusste ich, dass ich das über Klausuren, Hausaufgaben usw. ausgleichen muss. Für mich war je nach Fach eine 1- schon hart an der Grenze. Na ja, ich hab mich auch selbst unter Druck gesetzt, weil ich das nicht schon wieder in den Sand setzen wollte! Und Andere haben im Unterricht Fußball geschaut; sich dann aber beschwert, dass sie irgendwas nicht mitbekommen hätten! "Schicken Sie uns das per Mail?!" Ach so, dann muss ich nicht aufpassen. Aber meine Zusammenfassungen und Mitschriften wollten immer alle gerne haben. An sich steht der Betriebswirt auf einer Stufe mit dem Bachelor, aber ich möchte mal einen von denen sehen, wie sie in einem vollen Hörsaal den Prof fragen, ob sie das Blatt queer legen sollen! Ich rege mich schon wieder auf, also lasse ich es.
    Aber du bist definitiv nicht allein damit.

    Liebe Grüße
    trienchen

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    1. Ich hätte gar nicht gedacht, dass sich auf diesen Post so viele Stimmen melden: VIELEN DANK! Ich bin unheimlich froh, dass nicht nur ich mich über diese Art von Menschen aufrege ...
      Das mit den Mitschriften und Zusammenfassungen kenne ich aus ...
      Inzwischen tauschen wir diese nur noch in der "Strebergruppe" aus. Wer nicht arbeiten will, sollte auch keinen Vorteil daraus ziehen ...

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  5. Das Schlimme daran ist, dass einem damit systematisch jeglicher Fleiß ausgetrieben wird, jegliche Eigeninitiative. Wenn man nicht stark ist, ist man irgendwann von diesem Blödsinn so eingeschüchtert, dass sich das auch auf die Universität überträgt, wo du ja hinwillst.

    An der Uni gibt es keinen Streberneid mehr. Da ist jeder froh, dass jemand anders gefragt hat - man selbst hat zu sehr Angst, als Streber oder als dumm dazustehen. Fragende werden dankbar angelächelt. Und wenn man sich dahinterklemmt, Initiative ergreift oder selbstständig noch zu den Dozenten geht und was fragt, ist das positiv.
    Aber in der Schule wird man für genau dieses Verhalten ja systematisch runtergemacht und das fand ich auch unglaublich bescheuert... weiß also gut, wie es dir geht.

    Bewahr dir bloß deine "Strebernatur" - sobald du studierst, wirst du genau die brauchen <3

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    1. Danke meine Liebe <3
      Ich werde mein bestes tun - so lange ist es ja gar nicht mehr. Im Dezember ist bereits Semester Schluss und dann kommt auch schon das Vorabi ...
      Ich werde es also noch aushalten!

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  6. Meiner eigenen Erfahrung nach hängt das stark von der Schule ab. Ich war auf einem Traditionsgymnasium, hab mein Abi zur 425 Jahrfeier gemacht. Da herrschte so eine Stimmung selten. Man war respektvoll gegenüber den Lehrern (zu Beginn der Stunde stand man auf, begrüßte den Lehrer und es wurde sich erst gesetzt, wenn er es sagte), hatte aber gleichzeitig ein gutes und lockeres Verhältnis zu ihnen. Die Schüler organisierten Veranstaltungen (wodurch man mit 16 schon was über Eventmanagement lernte), bei denen die Lehrer auch mal aufs Korn genommen werden durften. Die machten gerne bei all unserem Blödsinn mit.
    Unsere Lehrer gaben sich richtig Mühe, damit wir gute Noten schrieben und das wurde dankbar von uns angenommen.
    Bevor ich auf dieser Schule war, war ich noch auf einer anderen (wir sind umgezogen, daher der Wechsel). Die war ungefähr so, wie du das beschreibst. Nur egozentrische Spasten, die nichts von Fleiß und Leistung hielten. Dabei versauten sie sich damit ihre eigene Zukunft. :/

    Liebe Grüße!

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    1. Bei uns ist es nicht mal das ... Sie versauen sich nicht viel, weil sie gut darin sind zu spicken und eben das Handy statt den Kopf nutzen. Das heißt die Noten halten sich im Rahmen - aber die wenigen die sich so etwas nicht trauen und es eben aus eigener Kraft schaffen wollen, trauen sich teilweise kaum noch den Mund aufzumachen.
      Eine liebe Schulfreundin ist so ein Fall: Ein Zuckermädchen komplett, blitz gescheit und liebevoll - und solche Dinge gehen dann natürlich nicht spurlos an ihr vorbei. Es ist einfach traurig, dass nur mit den Ellenbogen gedacht wird, statt einander zu helfen. Da verliert man komplett die Lust auf Schule ...

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    2. Ja, solche Trottel lassen sensible Menschen nicht kalt. :/

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    3. Eben - und darum will ich sowas dann auch nicht so stehen lassen. Aber meistens macht man es noch schlimmer, wenn man sich dazu äußert ...

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  7. Oh das kommt mir so bekannt vor! War bei mir in der Berufsschule nicht anders. Nur, dass ich da noch "Schüler" mit den Lehrern angelegt haben, die die 40 mittlerweile überschritten hatten. Fremdschämen pur. Diese Strebergeschichten gab es bei uns glücklicherweise nicht. Dafür aber jede menge Nervensägen die eine Fremdschämaktion nach der anderen zum Besten gaben. Du bist mit diesem Problem also definitiv nicht allein. :)

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    1. Danke schön, dass beruhigt mich wirklich sehr.

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  8. Dein Post spricht mir mal wieder aus der Seele. Das kenne ich auch sehr gut und ich finde es schlimm, dass das wohl nicht mal am Alter der Mitschüler gelegen hat. Wenn ich in Mathe oder Englisch traurig über meine 2 war, kam auch immer jemand und meinte "sei doch froh, ist besser als meine", aber darum geht es ja überhaupt nicht. Mir ist völlig egal, ob ich besser bin als die anderen, solange ich weiß, dass ich selbst es besser gekonnt hätte. Oder im schlimmsten Fall vielleicht auch noch die Bewertung des Lehrers Schuld ist, die ich nicht nachvollziehen kann.
    Ich gehörte nicht mal zu den "Strebern", hatte aber eben meine Lieblingsfächer, die ich konnte und die mir Spaß gemacht haben und wenn es da dann nicht mit der guten Note geklappt hat, dann trifft das definitiv härter als bei einem Fach, mit dem man sowieso nie was anfangen konnte.
    Gerade mit Mitte 20 sollte man aber wohl reif genug sein, nachvollziehen zu können, dass jemand gute Noten möchte oder braucht. Wahrscheinlich haben viele bis dahin sogar selbst schon die Erfahrung gemacht, dass es zum eigentlichen Wunschberuf aufgrund der Noten nicht gereicht hat und dafür sollte man dann ja wohl wirklich Verständnis haben, wenn man schon selbst nicht daraus gelernt hat.

    Liebe Grüße!

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    1. Danke meine Liebe!
      Genau so dachte ich auch immer, aber offenbar ist es für die meisten immer noch leichter sich besser zu fühlen in dem sie andere herunter machen ... Mich selbst trifft das noch am wenigsten, ich habe meine kleine "Streber" Gruppe um mich und das reicht mir völlig - mit anderen Menschen muss und will ich nichts zu tun haben. Aber das man einander noch immer so wenig gönnt finde ich echt traurig ... Hoffentlich wird es im Studium etwas besser :)

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    2. Wie das im Studium ist kann ich nicht allgemeingültig sagen, aber bisher habe ich Erfahrung gemacht, dass zumindest in meinem Studiengang nur Leute sind, die es auch wirklich machen wollen und da gibt es dann natürlich auch die, die sich an jeder Diskussion beteiligen und das alles völlig freiwillig machen und da habe ich noch nicht mitbekommen, dass jemand was dagegen gesagt hat oder es irgendwie schlecht fand. Ich drück dir die Daumen, dass es bei dir auch so sein wird!

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