Mittwoch, 7. Dezember 2016

Meckermittwoch - Weihnachtsstimmung

„Und? Schon alles geschmückt?“
Ich runzle die Stirn und sehe meine Kollegin skeptisch an. „Bitte, was?“
Nun ist sie es die etwas verstört aussieht. „Adventszeit?“
In meinem Kopf macht es klick und ich zucke innerlich ein wenig zusammen. „Ähm, nein. Ich Feier Weihnachten nicht“, antworte ich und ringe mir ein Lächeln ab. Alle Jahre wieder führe diese Unterhaltung und in den wenigsten Fällen endet sie sehr erbaulich. Ich beuge mich über den Kopierer und versuche besonders beschäftigt auszusehen. 
„Oh, warum das nicht?“
Weil ich keine Lust darauf habe den Konsumwahn zu frönen und ihm zu ehren eine arme Gans abzuschlachten. 

„Ist einfach nicht mein Ding“, entgegne ich diplomatisch und weiche dem irritierten Blick aus. Gerade musste ich aus einer völlig überfüllten Bahn flüchten und mich einmal quer durch die Stadt und über den überfüllten Weihnachtsmarkt quetschen. Während Last Christmas in meinen Ohren dröhnte, bin ich fast über eine Horde schreiender Weihnachtsengel gestolpert. Mein Bedarf ist für heute mehr als gedeckt. 
„Und was ist mit deiner Familie?“, fragt meine Kollegin und stemmt die Hände in die Hüften, als würde sie darauf warten mich tadeln zu müssen. 
„Meine Familie ist nicht in der Stadt und ich arbeite ohnehin an den Feiertagen“, meine ich und versuche angestrengt nichts zu sagen, was mich noch mehr in die Zwickmühle bringt. 
„Du arbeitest? An Weihnachten?“
„Ja.“
Sie stößt einen langen laut aus, der klingt als hätte der Weihnachtsmann persönlich am 24.12. Urlaub eingereicht. 
„Ich kann nicht glauben, dass du einer der Weihnachtshasser bist“, meint sie und schüttelt den Kopf.
„Ich …“
Ja, ich hasse Weihnachten. Es geht mir auf den Sack, dass alle ihre Kreditkarten überziehen, man sich genötigt fühlt Dinge zu kaufen die keiner braucht und überall die gleichen Lieder laufen. 
„… hasse Weihnachten nicht direkt.“
„Und warum feierst du es dann nicht?“
„Warum sollte ich?“
„Bist du jüdisch, oder sowas?“
„Oder sowas? Ist es eine Krankheit es nicht zu feiern?“
„Wenn du mich fragst, ja!“, zischt sie grimmig und wirft mir einen Blick zu, der mich fast dazu bringt mich freiwillig in eine Ecke zu verkriechen. „Wenn du keine religiösen Gründe hast, es nicht zu feiern, warum tust du es dann nicht einfach?“
Mein Kopierer ist fertig mit seiner Arbeit und ich schnappe mir die nach Farbe duftenden Papiere. 
„Es ist also völlig okay, nicht Weihnachten zu feiern, wenn man eine andere Religion hat, aber nicht weil man es einfach nicht mag?“
„Die Familie, Kekse, Geschenke, Gänsebraten? Wie kann man das nicht mögen?!“, schnaubt sie und wirft die Hände in die Luft. 
„Verleugnung von Problemen, Diabetes Trigger, Massentierhaltung, Konsumwahn, Energieverschwendung …“, knurre ich nun auch wütend. „Soll ich weiter machen oder reicht dir das als Antwort?“
„Wie kannst du das Fest der Liebe nicht mögen?“
„Ich mag die Liebe und ich mag Feste, aber Weihnachten erfüllt für mich nicht einmal annähernd die Bedingungen dafür …“
Ich will mich an ihr vorbei schieben, doch sie kommt mir hinterher, als würde sie mich erst in Ruhe lassen, wenn ich mit ihr die Meinung teile. „Deine schlechte Laune verdirbt einen wirklich die Vorfreude!“, meint sie tadelnd. 
„Ich habe diese Diskussion nicht losgetreten“, maule ich zurück und wische mir den Pony aus der Stirn. „Von mir aus kannst am 24. tun was auch immer du möchtest, es geht mich nichts an. So wie es dich nichts angeht was ich tue, oder eben auch nicht tue.“
„Du musst nur mal ein schönes Weihnachtsfest haben, dann siehst du schon wie schön das ist!“
„So wie ich eigene Kinder brauche um zu sehen, wie toll die Mutterschaft ist?“
„Ganz genau.“
Ich bleibe stehen und beleck mir die Lippen, während ich innerlich bis 20 zähle. Mein linkes Auge zuckt bereits, wie immer wenn ich unter Stress gerate, weil mir die Gesellschaftlichen Konditionen zu viel werden.
„Ich wünsche dir viel Spaß unter deinem Weihnachtsbaum, aber das Thema ist für mich durch“, sage ich entschieden und laufe weiter. 

„Färb deine Haare grün“, ruft sie mir hinterher. „Das passt besser zu deinem Grinch Verhalten!“

Kommentare:

  1. Ich kann dich gut verstehen. ich mag dieses ganze Weihnachtsgedöns auch nicht. Ich verweigere es auch. Und das obwohl ich tatsache Christlich bin. Aber dieser ganze Konsumwahn zu Weihnachten hat absolut nichts mit Christlich zu tun...ausser man nennt es Christlich massen an Geld aus dem Fenster zu schmeissen um irgendjemanden etwas zu schenken was er 1. sowieso warscheinlich nicht braucht oder will, 2. genötigt ist Freude zu heucheln über völlig besch*** Geschenke usw.

    Ich würde Weihnachten auch Arbeiten, wenn meine Hand momentan nicht gebrochen wäre und ich deswegen gezwungen bin die Tage anders durch zu bekommen.
    Und zu dem Unverständniss warum man denn Weihnachten Arbeitet, hättest du mal sagen sollen. Es gibt auch Menschen die Arbeiten MÜSSEN an Weihnachten, damit sie dir Helfen können wenn du dich verletzt beim Zerlegen der Weihnachtsgans, oder damit sie deine Wohnung löschen falls es brennt.

    In diesem Sinne.
    Mir gefällt dein beitrag sehr...auch dieses Towuwabowu geht vorbei

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  2. Ich mag Weihnachten, aber wnen jemand Weihnachten nicht mag, - einfach nur so - dann ist das so. Ich diskutiere ja auch nicht mit jemandem rum, warum er oder sie keinen Spargel mag. Oder die Farbe Pink. Oder - man suche ich was passendes aus. Nicht dasselbe? In meinen Augen schon, jedenfalls das Prinzip ist es. Ich wünsche Dir eine stressfreie Zeit ;)

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  3. Ich sehe Weihnachten inzwischen wieder ganz anders.

    Früher hatte ich unter dem Aspekt des 'Konsumwahns' und der Hektik die Weihnachtszeit genauso negativ gesehen.

    Aber diesem 'Konsumwahn' oder 'Konsumzwang' und der Hektik habe ich mich eigentlich nie unterworfen, auch früher schon nicht.

    Nur war mir nicht aufgefallen, dass ich diese Argumente eher den anderen 'nachgesprochen' hatte.
    Irgendwann habe ich begonnen, mich darauf einzulassen als eine Zeit der Besinnung. Als ein Break in der dauernden Turbulenz des Jahres. Wie sagt man da so schön: eine Zeit der Entschleunigung.

    Und seither finde ich es ganz schön und freue mich auch darauf.

    Liebe Grüße, Tamaro :)

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