Donnerstag, 2. Februar 2017

Justine privat - Schlaflose Nächte

Viele Menschen wissen, dass sie unglücklich sind. Aber noch mehr Menschen wissen nicht, dass sie glücklich sind.
Albert Schweitzer
Es ist dunkel. 
Ich habe die dicke Decke um mich geschlungen und liege ruhig atmend da. Um mich herum ist die angenehme Wärme meines Bettes und der Duft meines Freundes. In der Dunkelheit kann ich die schummrigen Konturen meiner Wohnung erkennen, doch die Schatten machen mir keine Angst. Das leise Gepolter aus dem Treppenhaus erscheint mir wie nächtliche Musik. Die Wuffine schnarcht laut in ihrem Körbchen und mein Freund hält mich fest im Arm. Es ist schön, irgendwie friedlich und genau das verstört mich. Ich habe viele Bezeichnungen für mein Leben, aber friedlich gehörte bisher nicht dazu. 

Dafür ist immer viel zu viel los. Schule, Arbeit, Freunde, Familie und die ehrenamtliche Arbeit kommt auch noch dazu. Im Regelfall habe ich gar keine Zeit darüber nachzudenken, was Frieden für mich bedeutet. Doch genau so fühlt es sich gerade an. Obwohl mein Wecker in wenigen Stunden klingeln wird, kann ich mich aus meinen Gedanken nicht losreissen. Ich will nicht schlafen, will nicht verpassen was ich gerade habe. 
Meine Probleme sind in den letzten zwei Jahren nicht nennenswert kleiner geworden. Ich gehe immer noch (unregelmässig) zur Therapie, ich bin immer noch pleite und ich weiß immer noch nicht wirklich wo es mit mir und meinem Leben hingehen soll. Dennoch kann ich mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so lange am Stück glücklich war. Wie auf ein Kommando drückt mein Freund mich dichter an sich und ich muss grinsen. 
Zwischen uns war es zwischendurch schwierig. Manchmal sind wir überfordert mit dem Leben an sich und auch miteinander. Wir sind sehr verschieden und ticken doch so gleich, dass sorgt für viele Reibungspunkte. Zusammen mit der Ungewissheit über unsere Zukunft war das eine explosive Mischung, doch in den letzten Wochen war davon nichts mehr zu spüren. Wir sind dichter zusammen gewachsen und das macht mich glücklich. Allerdings auch etwas … ängstlich. Die Sache mit dem Glück ist immer die Gleiche: Es hält nicht dauerhaft. 
Darum liege ich hier und genieße die Nacht. Das kurze Glück und meine Schlaflosigkeit. 
Innerlich muss ich über meine kitschigen Gedanken lachen. Viel mehr habe ich mir früher nicht gewünscht: Liebe und eine tollen Hund. Nun habe ich Beides und noch soviel mehr. Mir ist klar, dass meine alte Freundin Depression mich wieder besuchen wird. Aber auch das ist in Ordnung. Sie wird wieder gehen. 

Vielleicht bleibt sie sogar nur für eine Nacht und ich darf in den nächsten Monaten noch mehr Momente wie diesen erleben. Glückliche, schlaflose Nächte … 

Kommentare:

  1. "Glück malt man mit Punkten, Unglück mit Strichen" Ein wunderbares Zitat aus einer meiner Abilektüren "Agnes". Passt finde ich thematisch sehr gut, Glück besteht im Grunde nur aus Momenten, aber diese sollte man genießen :)

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