Dienstag, 11. April 2017

Justine privat - Nachtschwärmerei und Tipps zum Einschlafen

Wenn Schlaf und Wachen ihr Maß überschreiten, sind beide böse.
Hippokrates
Bild von: http://tamaroszettelkasten.blogspot.de/

Schlaflosigkeit nennen es die einen. Nachtheulen die anderen. Das Zweite gefällt mir besser, es klingt nicht nach einer Störung, sondern nach einer dunklen Leidenschaft. Melodramatik liegt mir in solchen Zeiten immer besonders gut. 
Besonders bei Vollmond bekomme ich selten schnell die Augen zu. Ich liege im Bett und höre die Geräusche der Nacht, als seien sie das lang ersehnte neue Album vom Kotzreiz. Mit einer ähnlich aufregenden Wirkung.
Nach all den Jahren der Übung als Nachschwärmer, weiß ich inzwischen etwas besser, wie ich mit diesen Nächten umgehe und versuche, mich nicht mehr unter Druck zu setzten. Erfolglose Einschlafversuche machen einen nur noch unruhiger. Einfach liegen bleiben, die Augen zukneifen und darauf hoffen, dass der Schlaf einfach über einen kommt, funktioniert in der Regel nicht. 
Also habe ich mir angewöhnt, nicht liegen zu bleiben. Ich stehe dann auf, räume die Küche auf oder setze mich auf mein Sofa, um noch etwas zu lesen. In Zeiten der Vorprüfungen nahm ich mir auch mitten in der Nacht noch die Lernkarten vor. Wenn ich schon nicht schlafen kann, will ich mich selbst nicht frustrieren, während ich wach liege und nichts tue.
Gerade wenn der Stress des Alltags für mich zu viel wird und mich meine Gedanken am Einschlafen hindern, hilft es mir etwas zu tun. Alles, bloß nicht in dem eigenen Sud hin und her wälzen. 
Die Uhr versuche ich, dabei zu ignorieren. Stattdessen bin ich erst einmal aktiv und warte was passiert. Mein Körper wird mir schon sagen, wann er wieder bereit für den Ruhemodus ist. Um ihn zu unterstützen, versuche ich es meist mit Kräutertee, doch das beruhigt eher meinen Magen als meine Gedanken. Das Gegen-alles-Heilmittel ist auch hier manchmal Yoga. Ich versuche es mit einigen Dehnübungen, Entspannungen und manchmal auch mit Meditation. Je nachdem wie schlimm meine Schlaflosephase schon geworden ist.

Allerdings muss ich zugeben, dass dennoch oft nichts davon den gewünschten Erfolg erzielt. Ich nicke dann über einem meiner Bücher ein oder während zum hundertsten Mal eine Wiederholung von Buffy im Fernsehen läuft. An solchen Tagen gebe ich es dann oft einfach auf. Ich bleibe wach und versuche mich auch über den Tag nicht vom Schlaf ködern zu lassen. Zugegeben der Kaffee ist dann kontraproduktiv, hilft mir jedoch dabei den Tag durchzustehen ohne, dass meine Leistung noch mehr einbricht.
Es ist schon erschreckend, wie sehr der Körper den Schlaf braucht. Immerhin verschlafen wir gut und gerne die Hälfte unseres Lebens. Ich versuche mir zu sagen, dass diese eine Nacht in der ich wach bleibe, eine mehr ist, die ich mein Leben bewusst wahrnehme. Geschenkte Zeit quasi, die ich für etwas verwenden kann, dass ich mag. Oder eben dafür etwas zu tun, dass ich ohnehin tun muss. So bleibt mir auf der anderen Seite wieder mehr Zeit.
Leidet man dauerhaft daran, sieht die Sache anders aus. Die Ursachen für ein Nicht-Schlafverhalten sind genauso unterschiedlich wie die Menschen, die daran leiden oder der Nachtsucht frönen. Das Wichtigste zum Thema Schlaflosigkeit, das ich in den letzten Jahren gelernt habe, ist wohl ähnlich wie die anderen Dinge zum Thema Selbstliebe, Gedankenkarussell und Frustration. Ich muss es akzeptieren. Ich bin eben ein Nachtschwärmer. Manchmal ist genau das toll, manchmal anstrengend. Aber es ist immer mein Leben und meine Sache damit umzugehen. Kitschig und irgendwie hat man diesen Satz auch schon millionenfach gehört - und trotzdem geht es nur so schwer in unsere Köpfe.

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