Montag, 17. April 2017

Wie man durch das Geschichts-Abi kommt ...


Es müssen nicht immer staubtrockene Bücher sein, die einem neue Einblicke verschaffen. 

I
ch liebe Geschichte. 
Vielleicht weil es eines der Fächer sind, in denen es hilfreich sein kann, anzugeben. Mit Wissen. Mit Diskussionen. Während die meisten stöhnen, wenn man darüber diskutieren soll, inwieweit Hitlers Machtergreifung hätte verhindert werden können, blühe ich dabei auf. Ich steh einfach drauf. Diskussionen turnen mich intellektuell an. Da wundert es also herzlich wenig, dass Geschichte eines meiner Leistungsfächer sind. Was ich allerdings so gar nicht kann, sind Jahreszahlen. Ich kann ziemlich gut und schnell erklären, warum und wie die Dinge passiert sind. Bei dem „Wann“ komme ich jedoch rasch durcheinander. Ganz ohne Lernen geht es in diesem Fach also auch für mich nicht.

1. Du musst nicht alles wissen

Was mir hilft, ist die Tatsache, dass man nicht alles auswendig lernen muss. Als Faustregel gilt darum: 10 Fakten mit Jahreszahlen pro Komplex. Bei 5 Prüfungsthemen bedeutet das also 50 Fakten. Auf den ersten Blick mag das ziemlich heftig klingen, ist es aber gar nicht. Mir hat es geholfen die Komplexe aufzuteilen. Meine Lernkarten enthalten wesentlich mehr als 10 Fakten und Daten, am Ende werde ich in der Prüfung selbst sicher nicht alle davon aufzählen können. Das ist aber auch kein Problem. Viel wichtiger ist es die Argumente, die man hat, richtig zu nutzen.
Dennoch sollte man schon einige Wochen vor dem Prüfungstermin anfangen, die Nachrichten zu sehen. Ich weiß viele von Euch werden jetzt verwirrt den Kopf schütteln. Immerhin sehen wir doch alle täglich die Nachrichten, oder? Nein offenbar nicht. Zumindest gab es in unserer Klasse durch aus Menschen, die nichts von einer Wahl in Frankreich wussten oder an denen aktuelle Terroranschläge einfach vorbei gegangen sind …

2. Die großen Zusammenhänge

Die meisten denken bei Geschichte, Sie müssten Dutzende von Büchern wälzen. Tatsächlich reicht es jedoch, sich einfach eine Woche vor der Prüfung jeden Tag eine Doku anzuschauen. Warum? 
Das Fach heißt „Geschichte & Politische Bildung“ nicht „Lernen Sie alle Geschichtsbücher auswendig“. Auch wenn es nicht ganz ohne Fakten geht, so ist es doch wichtiger die geschichtlichen Zusammenhänge zu erfassen, als sich nur zu merken, wann welcher Vertrag abgeschlossen wurde.
Darum eignen sich Dokumentationen dabei so gut. Man merkt sich in einem Film leichter, wer die „Guten“ und die „Bösen“ sind. 
Für unser Gehirn ist es meist einfacher sich eine eigene Meinung zu bilden, wenn wir Bilder dazu geliefert bekommen. Auch für den dritten Anforderungsbereich, also den Bezug zu heute, sind sollte der Fokus nicht nur darauf liegen was die Lehrer hören wollen. Tatsächlich ist so ziemlich alles erlaubt. 
Als Beispiel: 
Im Vorabi bekam ich die Frage: Erläutern Sie in wieweit sich die außenpolitische Situation zwischen Deutschland und Frankreich in den letzten Jahrzehnten geändert hat.
Meine erste Reaktion darauf war Panik. Ganz ehrlich. Ich habe nicht unbedingt das beste aktuelle politische Verständnis. Dennoch ging ich mit 13 Punkten aus dieser Prüfung raus. Ich habe mir einfach die Frage gestellt, was weiß ich? Rechtsruck in der EU, Terroranschläge, bildungsübergreifende Maßnahmen in der EU. Zack. Ohne auch nur ein Datum zum Beweis zu bringen, konnte ich damit argumentieren und erklären, wie es nach meiner Auffassung aktuell aussieht. Selbst wenn man ein Thema bekommt, zu dem man wenig sagen kann, gibt es immer ein größeres Thema, dass man dazu in den Bezug setzten, kann.

3. Spielend lernen prägt sich ein 

Ihr dürft Euch jetzt kurz zurücklehnen und herzlich lachen, denn mir hilft es unglaublich mir Jahreszahlen zu merken wenn ich sie als Gedicht niederschreibe …


Weg der Reichseinigung als Gedicht:

1815 gabs den Wienerkongress, 
2 Jahre später dann das Wartburgfest. 
1819 dann die Karlsbacherbeschlüsse, 
Pressefreiheit nur noch hinter Büschen. 
1832 war die Einheit gewollt, 
darum wurde sich zum Hambacher Fest getrollt. 
Die Göttinger 7 kämpften um die Verfassung 37, 
viele von ihnen kamen aus Leipzig. 
Start der großen Revolution 48, 
die Märzminister gab es leider nicht vorrätig. 
2 Jahre später gabs ne neue Verfassung, 
aber Preußen hatte vor den Grundrechten trotzdem keine Achtung. 
62 kam der Bismark um die Ecke, 
Zuckerbrot und Peitsche waren sein Ding, das bis 1890 ging.


Zack. So sitz der komplette Komplex in meinem Kopf. Da ist er nun schon seit dem Vorabi und ich musste mich nicht noch einmal ansetzten um es erneut zu lernen. Und nur damit ihr noch mal etwas zu lachen habt, zeig ich Euch noch eins:




In der Weimarer Republik unterschrieb man 1918 den Vertrag gegen den Krieg. 
Ein Jahr später kam die KPD, den Januaraufstand feierte man im Schnee. 
Rosa Luxemburg wurde begraben, Friedrich Ebert durfte sich als Reichspräsident laben. 
11.08. trat die Verfassung in Kraft, zwischen links und recht hat es trotzdem gekracht. 
1920 am 16.03 wurde von rechts der Knapp-Lüzwitz-Putsch bestritten. 
21 rief die KPD zur Märzaktion auf, W. Rattenau starb im Jahr darauf. 
Auch gut zu wissen, schon am 8.11.1923 gab´s den Hitler Ludendorff Putsch, aber NICHT in Danzig.

Lacht mich ruhig aus. Es funktioniert. Mein Freund hat am Anfang nur müde mit dem Kopf geschüttelt - kennt aber den ein oder anderen Reim inzwischen auch auswendig. Parktisch für ihn, denn er geht in die mündliche Geschichtsprüfung. Wenn er dort anfängt, zu rappen ist es wohl meine Schuld. Noch ein Tipp: Wenn Du alleine wohnst oder bei Deinen Eltern die Möglichkeit hast, häng Dir einen Spickzettel ins Badezimmer. Das klingt komisch, aber je öfter Du die Fakten vor Dir siehst, umso leichter kannst Du sie später wieder abrufen.

4. Du hast die Wahl 

Was dem ein oder anderen vielleicht auch in der Prüfung selbst hilft: Du hast die Wahl. Dein Bauch wird Dir schon sagen, welches Thema für Dich am besten ist. Ich habe mir zum Beispiel sofort die Weimarer Republik gegriffen und den Rest nur überflogen. Ebenfalls hilfreich für alle, die genauso ein Problem mit Jahreszahlen haben wie ich: Auch wenn Du einen anderen Komplex nimmst, kannst Du Dir Fakten aus den anderen Themen klauen! 
Je nach dem über welches Thema, Du diskutieren musst, kannst Du Dir einen weiteren Fakten Punkt so sichern. Das klappt vielleicht nicht immer, sorgt aber dafür, dass Du Themenübergreifend mindestens eins Argument findest. Und das ganz ohne das Du in Lernstress verfällst. 
Praktisch, oder?

5. Du weißt was Du tun musst

Die meisten Punkte gibt es übrigens nicht für Dein Wissen. Die letzten 10 Jahre Deiner Schulzeit wurde Dir eingetrichtert, wie Du eine Analyse zu machen hast. Also arbeite diesen Rhythmus einfach ab. Dafür musst Du nicht einmal mehr lernen und hast dennoch schon 30% Deiner Note zusammen. Selbst wenn Du einen völligen Blackout bekommst und alle Jahreszahlen vergisst, wenn Du die Fragen dennoch auf irgendeine Art beantworten kannst, hast Du die Hälfte in Aussicht. Die meisten Punkte gibt es übrigens für den zweiten und dritten Teil der Prüfung. Du kannst also schauen, dass Du die Analyse knapp verpackst. Umso mehr Zeit hast Du für die anderen Teile.
Da ich auch ein totaler Panik Mensch bin, verstehe ich diese Situation sehr gut. Mir hilft es eine Kladde zu schreiben, noch bevor ich mit der Analyse beginne. Wenn ich mein Thema gewählt habe, kritzle ich alle Fakten die mir spontan einfallen einfach erst mal hin. Das sorgt dafür, dass ich nicht gleich das Gefühl habe gar nichts zu wissen. Von den 10 Jahren Schulzeit wird etwas hängen geblieben sein. Versprochen. Gerade Geschichte ist ein ziemlich gutmütiges Fach. 
Wenn Du es gewählt hast, wirst Du auch genügend wissen, um die Prüfung zu bestehen!

Habt Ihr noch Tipps, Tricks oder Vorschläge wie man sich gut auf die Geschichtsprüfung vorbereiten kann?


Kommentare:

  1. Die Gedichte wären in Reimform aufgeschrieben vielleicht leichter zu lernen. Zu den Karten: Kennst Du Anki? Synchronisiert sich zwischen Handy, Web und Programm automatisch, auch die gelernten Karten.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein das kannte ich noch nicht :D
      Ich bin beim Lernen allerdings ziemlich Oldschool und mache fast alles per Hand. Aber ich werde es mir mal anschauen, das hört sich nach etwas an, dass für viele interessant sein könnte.

      Löschen
  2. Reime, Lieder, Bilder... jeder hat so sein, helfen tut alles :) ich kann mich dem Tipp mit der Kladde nur anschließen: sowohl im Abi als auch im Studium war das auch meine Methode. Einfach alles, was man weiß (bzw sich mühsam eingetrichtert hat und auf keinen Fall vergessen will, Schlagworte, schwere Begriffe etc), auf nen Schmierblatt schreiben. Da sind sie "sicher" und man kann durchatmen und "alles vergessen", und entspannt die Aufgaben durcharbeiten.

    Lg, Naemi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, dass gibt einem auf jeden Fall etwas Sicherheit. Leider klappt das in Mathe und Co. nicht ganz so gut ...

      Löschen