Dienstag, 30. Mai 2017

Justine privat - Der Abi Blues

Die Bestimmung unseres Lebens ist nicht der Erfolg, sondern heroisches Versagen.
Robert Louis Balfour Stevenson

Ich befinde mich im Vakuum. 
Alle Prüfungen sind geschrieben, die Ergebnisse verkündet und ich habe immer noch nicht realisiert, dass es tatsächlich zu Ende geht. Die mündliche Prüfung ist die letzte Hürde. Danach startet ein neues Leben, auf das ich so lange hingearbeitet habe. Doch irgendwie weigert mein Gehirn sich das zu verstehen. In den letzten 3 Jahren wollte ich nichts anderes, als genau das. Endlich mein Abi in der Tasche habe und studieren gehen. Endlich wieder raus aus meiner Heimatstadt und dem immer gleichen Kreislauf.
Endlich ein richtiger Neuanfang. All die Tränen, der Schweiß, die Angst – sie sollten doch jetzt vorbei sein. Aber das sind sie nicht. Im Gegenteil, ich kann mich weder freuen noch spüre ich eine wirkliche Erleichterung. Meine Prüfungsnoten waren gelinde gesagt beschämend, die verfluchte Prüfungspanik hat mich gelähmt. Mein Schnitt ist also nicht einmal im Ansatz so, wie ich es von mir selbst verlangt habe. Daran kann auch die mündliche Prüfung nichts mehr ändern. Es fühlt sich nicht nach einem Sieg an, sondern nach Versagen. „Denk daran was du alles nebenher machen musstest“, erinnert mich mein Freund gerne. Natürlich kann ich das nicht leugnen, ich arbeite soviel es geht, um die Tierarztkosten der letzten Monate zu decken und irgendwie auch das normale Leben zu organisieren.
Aber auch das klappt nicht. Ich stecke fest. Wieder einmal. Im Treibsand des Lebens. Mir fehlt die Zeit mich zu beglückwünschen oder zu bedauern, stattdessen geht es einfach immer weiter. Aufstehen, Arbeiten, Organisieren, hin und her. Ich finde kaum die Kraft mich darum zu kümmern, was danach geschieht. Wenn ich mein Zeugnis in die Hand bekomme, weiß ich nicht wohin es gehen soll – all meine Wünsche erscheinen mit utopisch. Ich erscheine mir zu schlecht, für das bessere Leben nach dem ich mich gesehnt habe. Immer wieder drehe ich mich, um mich selbst, in der Hoffnung einen Weg zu finden, doch alles verschwimmt nur weiter.
„Nimm dir doch ein Jahr Zeit um alles zu überdenken“, wurde mir geraten. Doch auch da erscheint eine Blockade in meinem Kopf. Ich höre meine biologische Uhr ticken. Nicht weil ich eine Familie Gründen will, sondern weil mir bewusst ist das ich nicht noch einmal so jung sein werde. Irgendwann wird es zu spät sein um zu studieren, zu reisen, mich auszutoben und am Leben zu überfressen. Ich will nicht zurück schauen und wissen, dass ich früher hätte reagieren müssen. Meine Angst blockiert mich. Das weiß ich, aber ich weiß nicht wie ich es ändern soll. Hinter jeder Ecke scheint ein neuer Fehler, ein neuer Irrtum und ein neues Scheitern zu lauern. Also versinke ich weiter in meiner Routine, arbeite, bis ich umfalle und versuche zu verdrängen was ich längst weiß: Die Schule ist vorbei.
Zum dritten Mal in meinem Leben und auch zum letzten Mal. Wohin es gehen wird, was ich machen werde und ob mich das wirklich an mein Ziel bringt weiß ich noch nicht. Vielleicht werde ich es nach meinem letzten Sommer in der Heimat wissen. Vielleicht auch nicht. Im Moment ist meine Hoffnung, dass der enorme Druck in meinem Kopf aufhört, sobald die mündliche Prüfung hinter mir liegt. Ob dann der Knoten platzt, der mich dazu bringt, nichts mehr spüren zu wollen? Wir werden es sehen. Und Ihr werdet es lesen.

Sonntag, 28. Mai 2017

Rezi: Lee Child - Ausgeliefert

Autor:  Lee Child


Titel:
 Ausgeliefert 

Das Buch findest Du hier
auf Amazon!
Geeignet für:  Aktion Liebhaber, Agenten Fans, Hobby Spione, paranoide Leser

Gelesen oder gehört: gelesen

Euro:  10,99 (Taschenbuch broschiert)

Verlag: Blanvalet

Bewertung: 3 von 5

*Dieses Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt, danke dafür!

Inhalt:

Ein Mann und eine Frau treffen zufällig auf einer Straße in Chicago zusammen. Plötzlich tauchen zwei Fremde auf und entführen beide mit vorgehaltener Waffe. Mit Handschellen aneinander gekettet, werden sie in einen Lieferwagen geworfen. Ein Horrortrip beginnt.

Meine Meinung:

Der gute Jack Reacher und ich führen eine kleine Hassliebe. Manchmal habe ich unheimlich Lust auf einen Actionfilm, oder eben auch ein Buch. Aber leider ist es mir dann meist doch zu flach. Immerhin geht es dabei nicht um große Gefühle, sondern nur um die Spannung. Das Cover der Neuauflage ist schon mal schöner, als das Alte. Leider sind die Schwächen des Buches dennoch die Gleichen. 
Lee Child ist auf jeden Fall einer der nicht nur mit Aktion, sondern auch mit Worten umgehen kann. Leider hat mir in diesem Band der schnoddriger Ich-Erzähler gefehlt. Jack ist wie Bruce Willis. Er kann alles und weiß alles, also muss man ihn bewundern. Aus der Erzähler Perspektive wirkt das jedoch etwas ... sagen wir gekünstelt. 
Dafür konnte ich leider nur einen Punkt abziehen, denn eigentlich hatte ich das so nicht erwartet. Und es war eben auch nicht gewünscht. Immerhin ist das tolle an einem Buch, dass man in die Figuren hineinblicken kann. Aus Jacks Sicht waren seine Erlebnisse einfach ... nicht realistischer, aber zumindest einen Tick glaubwürdiger. 
Das die Story nicht extrem neu ist, war für mich okay. Popcornkino zum lesen ist eben nicht das große Drama. Aber die Längen in der Mitte des Buches und die zum Teil etwas seltsame Begründung der Figuren für unlogisches Handeln waren einfach nicht so gut, wie ich es von Lee Child kenne. Dennoch unterhaltsam, wie eigentlich immer. Ich hoffe einfach mal auf den nächsten Band. 
Ich bin sicher Jack bekommt mich wieder rum. Wie immer. 

Mittwoch, 24. Mai 2017

Rezi: Geneva Lee - Secret Sins


Das Buch kannst Du hier kaufen!
Autor:  Geneva Lee

Titel:
 
Secret Sins - Stärker als das Schicksal

Geeignet für:  Träumer, Romantiker, Büchersüchtige

Gelesen oder gehört: gelesen

Euro:  12,99 (Taschenbuch broschiert)

Verlag: Blanvalet

Bewertung: 4 von 5

*Dieses Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt, danke dafür!

Inhalt: 
Jeder Mensch hütet Geheimnisse. Doch wahrhaft lieben kann man nur, wenn man vertraut ...
Faith Kane hält sich und ihren kleinen Sohn Max mit einem Job als Kellnerin mühsam über Wasser. Männern hat sie seit Jahren abgeschworen – bis sie Jude Mercer begegnet, ausgerechnet bei einem Treffen für Suchtkranke. Faith ist klar: Ein Mann, den man an einem solchen Ort kennenlernt – selbst wenn er so attraktiv ist wie Jude –, bedeutet nichts als Ärger. Doch schnell muss sie erkennen, dass bei Jude nichts ist, wie es scheint. Auch er hütet Geheimnisse, ebenso wie sie selbst, und er weiß mehr über Faith, als sie ahnt …

Meine Meinung:

Okay, ich gebe es ja zu: Ich war skeptisch. 

Liebesromane und ich - dass ist nicht immer einfach. Allerdings stehe ich schon auf BadBoys mit einem Herz aus Gold und auch das Thema Süchte ist ziemlich spannend. Darum griff ich nach einigem hin und her, also doch zu diesem Buch. 
Und zum Glück hat es sich gelohnt. 
Gut, die Grundstory ist jetzt nichts neues. Okay, alles ist ein wenig überzogen. Und jaaaaa, der Kitsch tropft teilweise aus den Seiten heraus. ABER es ist wirklich schön geschrieben. Tatsächlich hatte ich nicht erwartet, dass die Autorin so schön mit Metaphern und Vergleichen um sich werfen kann. Gerade was die Gedankenwelt der Hauptfigur im Buch angeht. Man muss Faith als Protagonistin einfach mögen. 
Bei jedem Rückblick war ich gespannt, ob meine Vermutung (die ich natürlich nicht spoilern werde) wirklich eintrifft. Die Figuren hatten durchaus ihre Tiefen und konnten mich als Leserin mit in ihre Welt hineinziehen. Am Ende hatte ich recht und es fühlte sich gut an. Eine überraschende Wendung war für mich nicht nötig. Ich hatte Spaß am Lesen und genau darum geht es doch, oder?

Dienstag, 23. Mai 2017

Justine privat - #Chicagolovestory (Part 3)



I'm so sorry. I was a bad birthday present. 

Die Nachricht starrte mich an. Ich wünschte so sehr, ich hätte damals gleich geantwortet und die letzte Zeit die uns blieb anders verbracht. Aber ich habe es nicht getan. 
Ich konnte nicht antworten. Nicht sofort. Zuviel Dinge dröhnten in meinem Kopf. Schuldgefühle, Sehnsucht und Angst - denn unsere Abreise rückte näher. 
Wir würden in zwei Tagen nach New York fliegen und die letzten 4 Tage unseres USA-Aufenthalts dort verbringen. Jede Faser in mir wollte einfach hier bleiben. Weiter an die Uni gehen, weiter davon träumen, dass es zwischen mir und Dan mehr war als nur ein Urlaubsflirt. In meinem Kopf bauten sich Traumgebilde von einem Leben, von dem ich bereits wusste, das ich es nicht leben konnte. Ich musste gehen.
„Was wenn er ist?", fragten die anderen Mädchen. „Diese große eine Liebe von der alle immer sprechen? Willst du diese Chance wirklich verpassen?"
Dennoch konnte ich den Gedanken nicht ertragen Dan niemals wieder zu sehen, schon gar nicht, wenn wir im Streit auseinandergegangen waren. Also sagte ich zu, zur Abschiedsfeier zu kommen, die die Jungs für die Mädels organisiert haben. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass Studentenpartys in Chicago tatsächlich so sind, wie sie in Filmen dargestellt werden. Nur die Umgebung ist nicht so schick, sondern eher etwas schäbig. 
Als ich an diesem Abend im WG-Haus ankam, brach ich mit meinem Absatz in der Terrasse ein. Gute Auftritte konnte ich schon immer hinlegen. 
Dan musste mir helfen meinen Schuh wieder aus dem morschen Holz zu befreien, und als er vor mir kniete und mich befreite, fühlte ich mich wie die abgefuckte Version von Cinderella. Zwischen uns herrschte Schweigen und doch schienen unsere Blicke alles zu sagen. Je länger wir einander ansahen umso klarer wurde mir, dass ich bereits verliebt war. Die Art wie er lächelte, die Art wie er sich am Bart kratzte während wir über die Vor- und Nachteile einer Krankenversicherung diskutierten. Er trat näher zu mir und hauchte mir einen fast schon unschuldigen Kuss auf die Wange. 
„Verzeihst du mir?“
„Lässt du mir eine andere Wahl?“
Er hatte den Kopf geschüttelt und mich nach drinnen gezogen. Die Musik war laut genug um die gesamte Straße wachzuhalten. Doch das war uns egal,. Wir tanzten, lachten und jedes Mal wenn Dan mich wieder zu sich zog verstärkte sich das Gefühl einfach hier zu bleiben. Doch als Dan wieder mit mir auf das Dach gehen wollte, floh ich. Mir war klar wie es Enden würde, wenn wir alleine vor der ultra kitschigen Skyline sitzen würden. Also ging ich wieder zu den anderen und ließ ihn einfach stehen. Ich betrank mich so sehr, dass ich fast umkippte. Mit jeder Sekunde die verstrich wurde mir bewusster, das dies meine letzte Nacht in Chicago war. Ich torkelte und fiel fast die Treppen herunter. 
Doch Dan packte mich sachte und zog mich an die frische Luft. 
„Musst du wirklich schon gehen?“ „Mein Flieger geht um 8 Uhr.“ 
Er schluckte und sah auf die Uhr. Nur noch 4 Stunden - und dann würden wir uns nie wieder sehen. Die Sonne war bereits dabei langsam aufzugehen. Mit jedem neuem Sonnenstrahl wurde mit bewusster, was ich hier tat. Ich träumte. Es musste einfach ein Traum sein. 
„Bitte“, raunte er mir ins Ohr und drückte seine Stirn gegen meine. „Geh nicht.“ 
Ich war den Tränen nahe. In meinem Herzen tobte ein Kampf, den ich nicht gewinnen konnte. Egal, wie ich es drehte und wendete - am Ende war mein Herz gebrochen. 
„Ich kann nicht hier bleiben.“ 
„Doch, bleib. Wir finden eine Lösung.“ 
Ich wollte schwach werden, wollte mein altes Leben vergessen und mich in dieses romantische und dumme Abenteuer wagen. Noch nie in meinem Leben war es so schwer nicht nachzugeben. 
„Ich kann nicht …“ 
Geistesabwesend rief ich mir ein Taxi, doch Dan schüttelte immer wieder den Kopf. Gerade als das Taxi stand, drückte er mich dagegen und seine Lippen meine. Unsere Körper waren zum Zerreißen gespannt und pressten sich aneinander, als würde eine unsichtbare Macht sie verbinden. Das Hupen des Taxifahrers unterbrach uns und wieder sagte Dan: „Bitte, geh nicht.“ 
Aber ich ging. 
Ich setzte mich ins Taxi und weinte so sehr, dass ich Angst hatte zu ersticken. Selbst im Flieger nach NewYork konnte ich nichts anderes tun, als Dan nachzuweinen. Doch nichts davon konnte etwas ändern. Ich hatte meine Entscheidung getroffen ...
Und ließ mein Herz in Chicago.
Bis heute weiß ich nicht, was aus Dan geworden ist. Doch die Erinnerungen an diese Zeit sind noch immer so klar, dass ich das Gefühl habe es wäre gestern geschehen. Immer wieder greife ich nach meinem Fotoalbum und betrachte sein Grinsen. Ich weiß nicht ob wir uns jemals wieder sehen werden, aber ich hoffe es ...

Montag, 22. Mai 2017

Hosen runter - Max König


Autor:  Max König 


Titel: Was Frauen schon immer über Männer wissen wollten

Geeignet für: Paare, Männer, Frauen, Mario Barth Hasser

Gelesen oder gehört: gelesen

Euro:  12,99 (Taschenbuch broschiert)

Verlag: Blanvalet

Bewertung: 4 von 5

*Dieses Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt, danke dafür!

Inhalt: 
»Am Ende geht es doch nur darum, dass die Pflaumen reif und die Eier im Angebot sind.« Max König
Welcher Mann sagt schon die nackte Wahrheit, wenn die Liebste ihn fragt: Merkst du eigentlich, wenn ich dir einen Orgasmus vorspiele? Oder: Soll ich es dir sagen, wenn ich fremdgegangen bin? Ist der Sex nach dem ersten Kind schlechter? Genau: keiner! Denn wenn Frauen wüssten, was Männer denken, würde im Bett ja nie mehr was laufen. Aber Max König traut sich und haut raus, was Frauen wirklich interessiert. Auch wenn’s wehtut … Ein Must-have für jede Frau, die’s wissen will.

Meine Meinung:


Zu diesem Buch gibt es eine kleine Einleitung, denn ich habe unendlich lange darauf gewartet. Irgendwie war die Post nicht bereit es mir zu schicken. Zum Glück war der Verlag so lieb, mir ein zweites Exemplar zu senden. Zum Glück! Denn sobald es ankam, lag ich auf meinem Sofa und las meinem Freund daraus vor. Der perfekte Freitagabend, denn wir haben uns teilweise wirklich schlapp gelacht.
Schon die Grundidee des Buches ist ziemlich gut - einige Bloggerinnen durften Max Fragen stellen, die sie ihren eigenen Freunden bisher lieber nicht stellen wollten. Das Konzept geht auf. Irre witzig und manchmal haarscharf an der Grenze zum guten Geschmack. 
Lieblingsfrage: Warum schickt Ihr uns Penisbilder auf Dating Portalen? 
Die Antwort werde ich Euch hier natürlich nicht verraten, das müsst Ihr schon selbst lesen. Mein einziger Kritikpunkt am Buch, ist das sich einige Fragen ein wenig doppeln. Das hätte man denke ich umgehen können. Auch der immer wieder durchscheinende Sexismus von beiden Seiten wird ab und an etwas viel. Nicht weil er tatsächlich sexistisch gemeint ist, sondern weil die Ironie der Worte an einigen Menschen vorbei gehen wird.
Alles im Allem: Ich bin froh, dass dieses Buch doch noch ankam. Selten musste ich so lachen. 

Dienstag, 16. Mai 2017

Justine privat - #Chicagolovestory (Part 2)



Let me be your birthday present. 

„Woher hat er meine Nummer?“ 
Meine Freundinnen kicherten. Natürlich waren sie es gewesen. Genauso wie sie ihm gesagt hatten, dass mein zwanzigster Geburtstag anstand. Sie brauchten den gesamten Vormittag um mich zu überreden ihn zu treffen. Meine Schuldgefühle wischten sie bei Seite. „Vielleicht bist du nur einmal hier, vielleicht ist das deine einzige Chance." Diese Worte hallten in mir wieder, denn natürlich hatten sie recht. Es war nicht sehr wahrscheinlich, dass ich in den nächsten Jahren wieder in dieser Traumstadt landen würde. Wir hatten den Tisch in unserer Bar schon reserviert, der Gedanke das er dazu kam, ließ mich schaudern. Doch bevor ich antworten konnte, kam bereits die nächste Mitteilung: 

I'll pick you up at 9 o’clock.

Keine Kompromisse. Er wusste, was er wollte und auch wenn ich nicht verstand, warum, er wollte, offenbar mich. Konnte es dieses Märchen von der Liebe auf den ersten Blick wirklich geben? Der bloße Gedanke daran erschien mit absurd. Immerhin war das hier mein Leben und kein Kinofilm. 
Alles, was ich zustande brachte, war ein einfaches Okay. Ich hatte Angst davor, wenn ich mehr schrieb konnte er spüren wie sehr mein Herzschlag sich erhöhte. 
Mein Geburtstag kam. Ich fühlte mich seltsam. Bisher waren Geburtstage nie etwas gewesen, auf das ich mich gefreut hatte, doch dieses Mal war alles anders. Der Tag war nahezu perfekt. Wir liefen durch die Stadt, ich bekam Luftballons und eine gigantische Schokotorte von den Mädels und so viele frei Getränke das mir schon schummrig war, bevor ich um 9 Uhr vor dem Laden stand. Der typische Chicagoer Wind zerzauste mein Haar und in dem luftigen Oberteil wurde mir etwas kalt. 

Als Dan um die Ecke bog, hatte ich kurz Angst Schmetterlinge vor seine Füße zu kotzen. In seiner Hand hielt er einen herzförmigen Luftballon mit einer 21 darauf.
„Damit ich dich mit in meine Lieblingsbar nehmen kann", erklärte er mit einem teuflischen kleinen Grinsen. 
„Sollte ich die Bar nicht aussuchen?", fragte ich zurück und versuchte in seinem Blick zu lesen ob er sich genauso fühlte wie ich. 
Ohne etwas zu sagen, band er mir diesen um das Handgelenk und zog mich hinter sich her. Sein Weg führte in eine Sport Bar und wir schauten uns ein Fußballspiel an. Es stank nach Bier, Männern und Erdnüssen. Aber ich liebte es von der ersten Sekunde an. Gemeinschaftlich wurde der Fernseher angeschrieben und mit Essen beworfen. Das beste Date meines Lebens. 
Während wir Bier tranken und uns darüber stritten welche Mannschaft, die nächste Weltmeisterschaft gewinnen würde, war mir gar nicht aufgefallen, dass er nach meiner Hand gegriffen hatte. Unsere Finger spielten miteinander, unschuldig und doch verboten. Ich wusste, nicht wie lange ich seinem Blick noch standhalten würde, ohne mich in Wachs zu verwandeln.
„Wollen wir gehen?“, raunte er mir ins Ohr und ehe ich antworten konnte saßen wir bereits im Taxi. Händchen haltend saßen wir nebeneinander, und jedes Mal wenn wir uns ansahen, mussten wir grinsen. 
In der WG herrschte bereits Partystimmung. Als wir eintraten, wurde ein Lautes und sehr schiefes „Happy Birthday to you“ angestimmt und Dan schnappte sich de Gitarre. Ich war so unendlich glücklich, dass es wehtat. Wir tranken, lachten, alberten herum und ich zankte mich mit Dan, während er mich durch die Luft, wirbelte als wäre ich eine Puppe. Dann setzte er mich wieder auf den Boden, umfasste mit einer Hand mein Gesicht und strich mir mit dem Daumen über die Lippen. Gerade als ich dachte, er würde mich küssen, platze eine Freundin in den Moment und ich sprang von ihm weg.
Mir war klar, dass ich gefährlich nah dran war eine Grenze zu überschreiten. Und was noch schlimmer war: ich wünschte es mir. 
Mein Kopf war knallrot. Ich wurde panisch und sagte ich müsste gehen. Aber so einfach ließ Dan mich nicht ziehen, er rannte hinter her und packte mich am Arm. Grob und doch irgendwie zart. Er zog mich zu sich, drückte meine Hüfte an seine und fixierte mich mit fast schwarzen Augen. Die Bierflasche in seiner freien Hand drückte sich an die Haut meines Unterarms. Ich wollte ewig so stehen bleiben, so dicht an ihm und mit all der Hoffnung in meinem Herzen. Aber es war falsch, ich tat etwas Schreckliches.
„Warum läufst du vor mir davon?"
Dieses Mal versuchte er mich wirklich zu küssen, doch ich stieß ihn weg. Etwas gröber als beabsichtigt. Wie ein geschlagener Hund sah er mich an. Wut blitze in seinen Augen und er trat wütend gegen ein Auto, dessen Alarmanlage dröhnend anfing zu schreien. Auch er schrie. Er schrie mich an, was mein Problem sei und warum ich ihn nicht an mich heranließ. Tränen rannten mir über die Wange und ich brachte nichts als stotternde Wortfetzen heraus - und schließlich lief ich davon. Ich musste weg, bevor ich schwach werden würde. Bevor ich mich auf ihn stürzen und Dinge tun würde, die ich zu Hause wieder bereuen musste.
Zuhause ... 
Es fühlte sich nicht an, als wäre die kleine Wohnung in Hamburg mein Zuhause. Es fühlte sich eher so an, als wäre ich hier heimisch. Aber das war verrückt. Völlig absurd. Ich konnte nicht einfach vergessen, dass ich ein Leben außerhalb von Chicago hatte.
Ich wollte in Chicago nichts bereuen. Es sollte alles perfekt sein - und bis zu diesem Augenblick war es das auch gewesen. Heulend lag in meinem Bett und erwachte am nächsten Tag mit verkrusten Augen. Auf meinem Handy blinkten mehrere Nachrichten. Alle von ihm...

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Part 3 erscheint am Dienstag in einer Woche 

Montag, 15. Mai 2017

Tom Wood - Cold Killing

Das Buch kannst Du hier kaufen. 
Autor:  Cold Killing


Titel: Tom Wood

Geeignet für: Auftragskiller-Liebhaber, Hitmansuchtis, sexy Agenten Fans

Gelesen oder gehört: gelesen

Euro:  9,99 (Taschenbuch)


Bewertung: 4 von 5

*Dieses Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt, danke dafür!

Inhalt: 

Victor ist Profikiller. Sein wahrer Name und seine Herkunft: unbekannt. Sein Perfektionismus: unerreicht. Für seine Auftraggeber beim britischen Geheimdienst ist Victor unersetzlich. Doch obwohl er bei der Arbeit keine moralischen Skrupel kennt, geht es Victor nicht immer um Geld. Manchmal geht es darum, das Böse zu eliminieren – Menschen wie Milan Rados. Der ehemalige Befehlshaber der serbischen Armee entkam dem Kriegsverbrechertribunal und errichtete in Belgrad ein kriminelles Imperium. Nun soll Victor auf seine Art für Recht sorgen. Auch eine junge Frau ist zu allem bereit, um Rados zur Strecke zu bringen. Er steckte hinter dem Mord an ihrer Familie, und sie will nur eines: Rache.

Meine Meinung:

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, woher meine Faszination für Auftragskiller kommt. Vielleicht kickt bei der erotischen Phantasie eines Profimörders auch einfach die Evolution rein. Ganz nach dem Motto: Der macht die Bösen alle platt, denn lass ich in mein Bett. 
Natürlich ist das Ganze ziemlich weit von der Realität entfernt. Fiktion auf ganzer Linie. 
Die Story ist nicht neu, nicht sehr überraschend aber dennoch unterhaltsam. Ein typisches Buch aus diesem Genre mit den klassischen Elementen. Viktor ist eben der Klischee-sexy-Profi-Killer. Für mich war das auch völlig in Ordnung. Ich WOLLTE das Klischee-Program für meine kleinen schmutzigen Vorstellungen. Darum darf ich genau darüber auch nicht meckern. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass der ein oder andere damit seine Probleme haben könnte. Ich bin gespannt ob der nächste Band der Reihe von der Story her etwas mehr überraschen kann, denn auch wenn ich sehr auf Viktor stehe könnte es nicht schaden auch mal eine andere Seite von ihm zu sehen. 
Tom Wood ist auf jeden Fall eine Empfehlung für alle Leseratten, die gerne Agenten, Killer und das Klischee-Geheimprogramm in ihrem Kopf zum Leben erwecken. 

Mittwoch, 10. Mai 2017

Christine Wolfrum, Luitgard Marschall - Das übertherapierte Geschlecht


Autor:  Christine Wolfrum, Luitgard Marschall
Das Buch kannst Du
hier kaufen!

Titel: 
Das übertherapierte Geschlecht

Geeignet für: Frauen, Männer, Mädchen, Mütter, Pillen-Nehmer

Gelesen oder gehört: gelesen

Euro:  17,99 (Taschenbuch)


Bewertung: 4 von 5

*Dieses Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt, danke dafür!

Inhalt: 

Dieses Buch macht immun gegen die falschen Verheißungen der Gesundheitsindustrie.
Frauen sind gesundheits- und körperbewusst, sie wollen sich wohl fühlen und gut aussehen. Das macht sie attraktiv - vor allem als Kundinnen für Ärzte, Therapeuten und Pharmaindustrie. Aber nicht gesünder. „Das übertherapierte Geschlecht“ zeigt wie Frauen durch irreführende Informationen, selbst von angesehenen Institutionen, verunsichert und zur Kasse gebeten werden. Kritisch recherchiert und mit aktuellem Hintergrundwissen macht dieses Buch immun gegen unnütze und schädliche Verheißungen der Gesundheitsindustrie.

Dienstag, 9. Mai 2017

Justine privat - #Chicagolovestory (Part 1)

Ich sage immer wieder, dass ich mein Herz in Chicago verloren habe, doch wie wahr dieser Satz ist wissen die wenigsten. Die Stadt war schon immer mein Traum und ich konnte ihn mir zum Ende der Ausbildung erfüllen. Eine Bildungsreise in die Stadt meiner Sehnsucht. Warum ich so fixiert auf Chicago war, kann ich noch immer nicht sagen, vielleicht lag es am Jazz oder an den Serienmorden - ich weiß es nicht. Aber es war so weit, ich flog in die USA. Sobald ich einen Fuß aus dem Flugzeug gesetzt hatte, fühlt es sich an als würde ich nach langer Zeit endlich nach Hause kommen. Alles war gigantisch groß, fast schon erschlagend - aber auf eine wundervolle Art. Daran konnten nicht einmal die Kakerlaken in meinem Hostel etwas ändern.
An der Robert Morris Universität erhielt ich meinen Sprachkurs für medizinisches Englisch. Meine Abende verbrachte ich zum größten Teil mit den anderen Mädels in einer Bar. Die Bar, in der sich alle Mädchen fast sofort verliebten. Und ich auch. Ich war zu dieser Zeit vergeben. Mein Freund wartete in Hamburg darauf, dass ich wieder kam, wir telefonierten zuerst noch recht viel und dann fast gar nicht mehr. Es lief schon länger nicht mehr gut. Die wenigsten ersten Lieben überstehen die Realität des Alltags.
Dennoch war ich glücklich. Ich fühlte mich so frei wie nie zuvor in meinem Leben. Obwohl die meisten aus unserer Gruppe noch keine 21 Jahre alt waren, konnten wir in unserer Stammbar die Nacht zum Tag machen und eine Unmenge an Cocktails trinken. Vielleicht lag es dran, dass unsere Mädchengruppe sich so schnell in die Kellner verguckte. Ich erinnere mich gut daran, wie ich innerlich den Kopf schütteln musste, denn es ist schon naiv zu glauben das Kellner sich tatsächlich in eine Touristin verliebt und nicht nur eine schnelle Nummer im Kopf hat. Doch dieser Gedanke half mir wenig, als ich ihn das erste Mal sah.

Mein Herz schlug sofort viel zu schnell, und obwohl mein Englisch inzwischen recht gut war, brachte ich meine Bestellung nur stotternd heraus. Er war groß, das enge dunkelgraue Shirt lag eng an seinen muskulösen Armen an und der irische Akzent macht machte mich von der ersten Sekunde an wahnsinnig. Vielleicht war es Einbildung, aber ich hatte das Gefühl in den tiefen dunklen Augen einen Funken zu sehen. Meinen Freundinnen entging mein Blick nicht und sie zogen mich damit auf, dass ich rot geworden war, während ich meinen Whiskey Cola bestellte. Den gesamten Abend konnte ich nicht aufhören ihn anzustarren, und jedes Mal wenn er in meine Richtung sah, schreckte ich zusammen als hätte man mich bei etwas schrecklich verbotenen erwischt. 
Und das nervte mich gewaltig.
Ich war nicht in Chicago um mich in den erst besten Kellner zu verlieben. Vielleicht war das der Grund dafür, dass ich mich über meine Essenbestellung beschwerte und sie zurückgehen ließ. Ich erinnere mich an seinen Blick. Wütend und irgendwie enttäuscht starrte er mich an, während seine dunklen Haare ihm ins Gesicht hingen. Doch ich ließ mich nicht beirren, und gab ein unverschämt niedriges Trinkgeld. Zwei Abende spielten wir dieses Spiel. Am dritten Abend brachte er mir einen Whiskey Cola und sagte: „Beschwerst Du dich, auch wenn ich dir einen ausgebe?“
 „Nur wenn es ein schlechter Drink ist.“ 
„Ich mag Frauen die mich herausfordern.“
Er lachte und ich erkannte kleine Grübchen in seinen unrasierten Wangen. Alles in mir zog sich zusammen, als hätte mich ein Blitz getroffen. Wie es der Zufall wollte, war er natürlich mit den Flammen meiner Freundinnen befreundet. Wir saßen auf der Außenterrasse, tranken und lachten, während er den Laden schloss. Als er zu uns heraus kam, hängte er mir eine Rolle des Quittungspapieren um den Hals und meinte grinsend: „Damit Du zu deiner Beschwerde noch deine Telefonnummer notieren kannst.“ 
Ich versuchte locker zu tun, doch innerlich kochte ich und verfluchte mich selbst dafür, wie ich mich neben ihm fühlte. 
„Ich bin Dan.“
Fast hätte ich mich an meinem Bier verschluckt. Der Name löste etwas in mir aus, dass wohl niemand verstehen wird, der mich nicht kennt. Dan hieß die Hauptfigur der ersten Geschichte, die ich jemals geschrieben hatte. Meine erste große Liebe - schriftlich gesehen. Er sah nicht nur aus wie mein Traummann, er hieß auch noch so. Konnte das ein Hauch von Schicksal sein? Wir verlagerten die Party in die WG der Jungs. Es dauerte nicht lange, bis alle wild um uns herum knutschten, nur wir beide saßen nebeneinander und teilten uns einen Joint.
„Kommst du mir auf´s Dach?“ 
„Willst du versuchen, mich zu der Skyline zu verführen?“ 
„Würde es klappen?“ 
„Nein. Ich habe einen Freund.“ 
„Leider …“ 
Dennoch ließ ich es zu, dass er nach meiner Hand griff und mich nach draußen zog. Diese völlig unschuldige Berührung ließ tausende von Flammen zwischen meinen Beinen lodern. Dennoch blieb ich stark. Wir saßen in der Nacht und starrten auf die wunderschöne Skyline von Chicago. Doch mehr geschah nicht. Am nächsten Tag erhielt ich eine SMS: 

Let me be your birthday present.

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Der zweite Teil erscheint in einer Woche. 

Montag, 8. Mai 2017

Kerim Pamuk - Der Islam, das Islam, was Islam?


»Man darf die Religion nicht den Religiösen überlassen.«
(Kerim Pamuk)

Autor:  Kerim Pamuk

Titel: Der Islam, das Islam, was Islam?

Geeignet für: Religionslehrer, Interessierte, Spaßvögel

Gelesen oder gehört: gelesen

Euro:  17,99 (Taschenbuch)

Bewertung: 4 von 5

*Dieses Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt, danke dafür!

Inhalt:
Das Buch kannst Du hier kaufen!
Warum werden Männer schwul, wenn Frauen Auto fahren? Ist Dschihad die islamische Form der Butterfahrt und sind Schiiten Globuli? Kerim Pamuk führt auf bisher nicht gekannte Weise ein in die Welt des Islam: mit scharfem Witz und hintergründigem Humor. Von A wie Allah bis Z wie Zahnschmerz erklärt er uns das Leben und Denken der Muslime. Ein Buch, so ernsthaft, dass kein Auge trocken bleibt, und man am Ende verblüfft erkennt: Der Islam ist viel bunter und witziger als gedacht.

Der Islam – witziger als gedacht
So hat man den Islam noch nicht kennengelernt
Witzig, mutig und natürlich absolut wahr
Ein Buch gegen Ängste und Vorurteile

Meine Meinung: 

Da ich ja immer auf der Suche nach Büchern zum Thema Religion bin, sprang mir dieses Buch natürlich ins Auge. Den Koran habe ich bereits vor einigen Jahren gelesen, aber wie auch mit der Bibel lag da die Aufmerksamkeitsspanne eher bei minus unendlich. Um so schöner fand ich die Idee hinter diesem Buch: gegen Vorurteile und für mehr Verständnis. Klingt doch gut oder?
Leider ist es nicht ganz so toll ausgefallen, wie ich erwartet habe. Der Humor ist pechschwarz. So sehr, dass ich manchmal ziemlich schlucken musste, denn einige Vorurteile werden hier durchaus bestätigt. Natürlich auf dem "haha-ist-gar-nicht-immer-so" Niveau, aber dennoch ab und an hart an der Grenze zum guten Geschmack. 
Aufgeteilt ist das Buch von A bis Z. Das finde ich persönlich super praktisch, denn ich habe quasi sofort einige weibliche Persönlichkeiten des Islams nachgeschlagen. Zum Beispiel wäre da die Rolle von CHADIDSCHA der Mutter des Islams und der Vorreiterin für den islamistischen Feminismus. Unheimlich spannend!
Alles in allem ist dieses Buch dennoch gelungen. Dank dem Klappentext weiß jeder, worauf er sich einlässt, darum habe ich für den teilweise etwas harten Humor nur einen halben Punkt abgezogen. Der andere Abzug geht an den Preis. Leider finde ich das genau solche Bücher oftmals zu teuer angeboten werden. Ziemlich schade, denn dieses Thema wird immer wichtiger. Dennoch konnte ich mich gut amüsieren und weiß nun, was ich meiner Geschichtslehrerin zum Abschluss schenke ...