Dienstag, 16. Mai 2017

Justine privat - #Chicagolovestory (Part 2)



Let me be your birthday present. 

„Woher hat er meine Nummer?“ 
Meine Freundinnen kicherten. Natürlich waren sie es gewesen. Genauso wie sie ihm gesagt hatten, dass mein zwanzigster Geburtstag anstand. Sie brauchten den gesamten Vormittag um mich zu überreden ihn zu treffen. Meine Schuldgefühle wischten sie bei Seite. „Vielleicht bist du nur einmal hier, vielleicht ist das deine einzige Chance." Diese Worte hallten in mir wieder, denn natürlich hatten sie recht. Es war nicht sehr wahrscheinlich, dass ich in den nächsten Jahren wieder in dieser Traumstadt landen würde. Wir hatten den Tisch in unserer Bar schon reserviert, der Gedanke das er dazu kam, ließ mich schaudern. Doch bevor ich antworten konnte, kam bereits die nächste Mitteilung: 

I'll pick you up at 9 o’clock.

Keine Kompromisse. Er wusste, was er wollte und auch wenn ich nicht verstand, warum, er wollte, offenbar mich. Konnte es dieses Märchen von der Liebe auf den ersten Blick wirklich geben? Der bloße Gedanke daran erschien mit absurd. Immerhin war das hier mein Leben und kein Kinofilm. 
Alles, was ich zustande brachte, war ein einfaches Okay. Ich hatte Angst davor, wenn ich mehr schrieb konnte er spüren wie sehr mein Herzschlag sich erhöhte. 
Mein Geburtstag kam. Ich fühlte mich seltsam. Bisher waren Geburtstage nie etwas gewesen, auf das ich mich gefreut hatte, doch dieses Mal war alles anders. Der Tag war nahezu perfekt. Wir liefen durch die Stadt, ich bekam Luftballons und eine gigantische Schokotorte von den Mädels und so viele frei Getränke das mir schon schummrig war, bevor ich um 9 Uhr vor dem Laden stand. Der typische Chicagoer Wind zerzauste mein Haar und in dem luftigen Oberteil wurde mir etwas kalt. 

Als Dan um die Ecke bog, hatte ich kurz Angst Schmetterlinge vor seine Füße zu kotzen. In seiner Hand hielt er einen herzförmigen Luftballon mit einer 21 darauf.
„Damit ich dich mit in meine Lieblingsbar nehmen kann", erklärte er mit einem teuflischen kleinen Grinsen. 
„Sollte ich die Bar nicht aussuchen?", fragte ich zurück und versuchte in seinem Blick zu lesen ob er sich genauso fühlte wie ich. 
Ohne etwas zu sagen, band er mir diesen um das Handgelenk und zog mich hinter sich her. Sein Weg führte in eine Sport Bar und wir schauten uns ein Fußballspiel an. Es stank nach Bier, Männern und Erdnüssen. Aber ich liebte es von der ersten Sekunde an. Gemeinschaftlich wurde der Fernseher angeschrieben und mit Essen beworfen. Das beste Date meines Lebens. 
Während wir Bier tranken und uns darüber stritten welche Mannschaft, die nächste Weltmeisterschaft gewinnen würde, war mir gar nicht aufgefallen, dass er nach meiner Hand gegriffen hatte. Unsere Finger spielten miteinander, unschuldig und doch verboten. Ich wusste, nicht wie lange ich seinem Blick noch standhalten würde, ohne mich in Wachs zu verwandeln.
„Wollen wir gehen?“, raunte er mir ins Ohr und ehe ich antworten konnte saßen wir bereits im Taxi. Händchen haltend saßen wir nebeneinander, und jedes Mal wenn wir uns ansahen, mussten wir grinsen. 
In der WG herrschte bereits Partystimmung. Als wir eintraten, wurde ein Lautes und sehr schiefes „Happy Birthday to you“ angestimmt und Dan schnappte sich de Gitarre. Ich war so unendlich glücklich, dass es wehtat. Wir tranken, lachten, alberten herum und ich zankte mich mit Dan, während er mich durch die Luft, wirbelte als wäre ich eine Puppe. Dann setzte er mich wieder auf den Boden, umfasste mit einer Hand mein Gesicht und strich mir mit dem Daumen über die Lippen. Gerade als ich dachte, er würde mich küssen, platze eine Freundin in den Moment und ich sprang von ihm weg.
Mir war klar, dass ich gefährlich nah dran war eine Grenze zu überschreiten. Und was noch schlimmer war: ich wünschte es mir. 
Mein Kopf war knallrot. Ich wurde panisch und sagte ich müsste gehen. Aber so einfach ließ Dan mich nicht ziehen, er rannte hinter her und packte mich am Arm. Grob und doch irgendwie zart. Er zog mich zu sich, drückte meine Hüfte an seine und fixierte mich mit fast schwarzen Augen. Die Bierflasche in seiner freien Hand drückte sich an die Haut meines Unterarms. Ich wollte ewig so stehen bleiben, so dicht an ihm und mit all der Hoffnung in meinem Herzen. Aber es war falsch, ich tat etwas Schreckliches.
„Warum läufst du vor mir davon?"
Dieses Mal versuchte er mich wirklich zu küssen, doch ich stieß ihn weg. Etwas gröber als beabsichtigt. Wie ein geschlagener Hund sah er mich an. Wut blitze in seinen Augen und er trat wütend gegen ein Auto, dessen Alarmanlage dröhnend anfing zu schreien. Auch er schrie. Er schrie mich an, was mein Problem sei und warum ich ihn nicht an mich heranließ. Tränen rannten mir über die Wange und ich brachte nichts als stotternde Wortfetzen heraus - und schließlich lief ich davon. Ich musste weg, bevor ich schwach werden würde. Bevor ich mich auf ihn stürzen und Dinge tun würde, die ich zu Hause wieder bereuen musste.
Zuhause ... 
Es fühlte sich nicht an, als wäre die kleine Wohnung in Hamburg mein Zuhause. Es fühlte sich eher so an, als wäre ich hier heimisch. Aber das war verrückt. Völlig absurd. Ich konnte nicht einfach vergessen, dass ich ein Leben außerhalb von Chicago hatte.
Ich wollte in Chicago nichts bereuen. Es sollte alles perfekt sein - und bis zu diesem Augenblick war es das auch gewesen. Heulend lag in meinem Bett und erwachte am nächsten Tag mit verkrusten Augen. Auf meinem Handy blinkten mehrere Nachrichten. Alle von ihm...

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Part 3 erscheint am Dienstag in einer Woche 

Kommentare:

  1. AWEEEEEEEEEEEE - ich verstehe dich total!
    LG
    Janine

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    1. Danke schön - das war allerdings noch nicht alles ;)

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  2. hahah!
    serlbst schuld bitch!

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