Dienstag, 23. Mai 2017

Justine privat - #Chicagolovestory (Part 3)



I'm so sorry. I was a bad birthday present. 

Die Nachricht starrte mich an. Ich wünschte so sehr, ich hätte damals gleich geantwortet und die letzte Zeit die uns blieb anders verbracht. Aber ich habe es nicht getan. 
Ich konnte nicht antworten. Nicht sofort. Zuviel Dinge dröhnten in meinem Kopf. Schuldgefühle, Sehnsucht und Angst - denn unsere Abreise rückte näher. 
Wir würden in zwei Tagen nach New York fliegen und die letzten 4 Tage unseres USA-Aufenthalts dort verbringen. Jede Faser in mir wollte einfach hier bleiben. Weiter an die Uni gehen, weiter davon träumen, dass es zwischen mir und Dan mehr war als nur ein Urlaubsflirt. In meinem Kopf bauten sich Traumgebilde von einem Leben, von dem ich bereits wusste, das ich es nicht leben konnte. Ich musste gehen.
„Was wenn er ist?", fragten die anderen Mädchen. „Diese große eine Liebe von der alle immer sprechen? Willst du diese Chance wirklich verpassen?"
Dennoch konnte ich den Gedanken nicht ertragen Dan niemals wieder zu sehen, schon gar nicht, wenn wir im Streit auseinandergegangen waren. Also sagte ich zu, zur Abschiedsfeier zu kommen, die die Jungs für die Mädels organisiert haben. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass Studentenpartys in Chicago tatsächlich so sind, wie sie in Filmen dargestellt werden. Nur die Umgebung ist nicht so schick, sondern eher etwas schäbig. 
Als ich an diesem Abend im WG-Haus ankam, brach ich mit meinem Absatz in der Terrasse ein. Gute Auftritte konnte ich schon immer hinlegen. 
Dan musste mir helfen meinen Schuh wieder aus dem morschen Holz zu befreien, und als er vor mir kniete und mich befreite, fühlte ich mich wie die abgefuckte Version von Cinderella. Zwischen uns herrschte Schweigen und doch schienen unsere Blicke alles zu sagen. Je länger wir einander ansahen umso klarer wurde mir, dass ich bereits verliebt war. Die Art wie er lächelte, die Art wie er sich am Bart kratzte während wir über die Vor- und Nachteile einer Krankenversicherung diskutierten. Er trat näher zu mir und hauchte mir einen fast schon unschuldigen Kuss auf die Wange. 
„Verzeihst du mir?“
„Lässt du mir eine andere Wahl?“
Er hatte den Kopf geschüttelt und mich nach drinnen gezogen. Die Musik war laut genug um die gesamte Straße wachzuhalten. Doch das war uns egal,. Wir tanzten, lachten und jedes Mal wenn Dan mich wieder zu sich zog verstärkte sich das Gefühl einfach hier zu bleiben. Doch als Dan wieder mit mir auf das Dach gehen wollte, floh ich. Mir war klar wie es Enden würde, wenn wir alleine vor der ultra kitschigen Skyline sitzen würden. Also ging ich wieder zu den anderen und ließ ihn einfach stehen. Ich betrank mich so sehr, dass ich fast umkippte. Mit jeder Sekunde die verstrich wurde mir bewusster, das dies meine letzte Nacht in Chicago war. Ich torkelte und fiel fast die Treppen herunter. 
Doch Dan packte mich sachte und zog mich an die frische Luft. 
„Musst du wirklich schon gehen?“ „Mein Flieger geht um 8 Uhr.“ 
Er schluckte und sah auf die Uhr. Nur noch 4 Stunden - und dann würden wir uns nie wieder sehen. Die Sonne war bereits dabei langsam aufzugehen. Mit jedem neuem Sonnenstrahl wurde mit bewusster, was ich hier tat. Ich träumte. Es musste einfach ein Traum sein. 
„Bitte“, raunte er mir ins Ohr und drückte seine Stirn gegen meine. „Geh nicht.“ 
Ich war den Tränen nahe. In meinem Herzen tobte ein Kampf, den ich nicht gewinnen konnte. Egal, wie ich es drehte und wendete - am Ende war mein Herz gebrochen. 
„Ich kann nicht hier bleiben.“ 
„Doch, bleib. Wir finden eine Lösung.“ 
Ich wollte schwach werden, wollte mein altes Leben vergessen und mich in dieses romantische und dumme Abenteuer wagen. Noch nie in meinem Leben war es so schwer nicht nachzugeben. 
„Ich kann nicht …“ 
Geistesabwesend rief ich mir ein Taxi, doch Dan schüttelte immer wieder den Kopf. Gerade als das Taxi stand, drückte er mich dagegen und seine Lippen meine. Unsere Körper waren zum Zerreißen gespannt und pressten sich aneinander, als würde eine unsichtbare Macht sie verbinden. Das Hupen des Taxifahrers unterbrach uns und wieder sagte Dan: „Bitte, geh nicht.“ 
Aber ich ging. 
Ich setzte mich ins Taxi und weinte so sehr, dass ich Angst hatte zu ersticken. Selbst im Flieger nach NewYork konnte ich nichts anderes tun, als Dan nachzuweinen. Doch nichts davon konnte etwas ändern. Ich hatte meine Entscheidung getroffen ...
Und ließ mein Herz in Chicago.
Bis heute weiß ich nicht, was aus Dan geworden ist. Doch die Erinnerungen an diese Zeit sind noch immer so klar, dass ich das Gefühl habe es wäre gestern geschehen. Immer wieder greife ich nach meinem Fotoalbum und betrachte sein Grinsen. Ich weiß nicht ob wir uns jemals wieder sehen werden, aber ich hoffe es ...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen