Dienstag, 31. Oktober 2017

Happy Halloween - Shortstory



Das klebrige Zeug
Die Nacht war vollkommen klar. Nicht eine Wolke verdeckte die glitzernden Sterne, während der kalte Wind Linda um die Nase wehte. Sie drückte die Hand ihres Mannes fester und schenkte ihm im Schein des Mondes ein sanftes Lächeln. Ihre Labrador Hündin wuselte durch das dichte Gestrüpp und blickte immer wieder zu dem Paar, wenn sie beim Schlendern die Zeit vergaßen.
„Findest du es nicht schön, die Natur direkt vor der Haustür zu haben?“, fragte sie und strich sich eine rotblonde Strähne aus dem zierlichen Gesicht. Arnold zuckte mit den Schultern und blickte in den dunklen Wald hinein.
„Beleuchtete Straßen sind mir lieber …“, antwortete er ehrlich und grinste schief. „Was, wenn ein Monster aus dem Moor kriecht und droht, uns aufzufressen?“
Linda lachte heiter.
„Dann wirst du uns retten!“, sagte sie entschieden und blieb stehen. Ihre Augen suchten nach dem hellen Fell ihrer Hündin, konnten sie jedoch nirgendwo erkennen. Stirnrunzelnd drehte sie sich um und rief nach dem Tier. Es dauerte nicht lange bis sie die leise Angst beschlich, ihrem geliebten Tier sei etwas zugestoßen und sie hechtete in die Richtung, in der sie den Hund zum letzten Mal erahnt hatte. Arnold war dicht hinter ihr und verzog mürrisch das Gesicht.
„Siehst du, in der Stadt ist es nicht so einfach, seinen Hund zu verlieren …“, grummelte er und wischte sich das dunkle Haar aus der Stirn. Linda ließ sich nicht beirren, sie schob sich durch das dichte Gestrüpp und fluchte leise, als einer der Äste ihr über die Wange kratzte. Immer wieder rief sie den Namen ihres Hundes, doch nichts rührte sich. Doch dann erkannte sie das helle Fell und rannte auf sie zu, ohne darauf zu achten das ihre Schuhe halb im Schlamm versanken.
„Pfui !“
Atemlos stoppte sie neben dem Tier und zog sie am Halsband von einer hellen Pfütze weg, an der sie gerade leckte, als sei es etwas besonders leckeres zu essen. Arnold machte neben ihr Halt.
„Was hat sie da gefressen?“
Linda konnte es nicht genau sagen und streckte, ohne darüber nachzudenken, die Hand nach der Pfütze aus. Angewidert verzog sie das Gesicht.  „Es ... es ist noch warm … Ich glaube, sie hat sich wieder übergeben …“   

Während sie mit ihrem Brechreiz kämpfte, begann ihr Mann laut zu lachen. Er legte der Hündin die Leine an und reichte seiner Frau ein Taschentuch, an dem sie sich notdürftig die Hände abwischte. „Siehst du, in  der Stadt hättest du genug Licht gehabt, um auch ohne den Selbsttest zu sehen, dass es nur Hundekotze ist …“, meinte er hämisch. Sie verkniff sich einen Kommentar und streckte die Hand so weit es ging von ihrem Körper weg.
Nachdem sie die Tür zu ihrem Haus geöffnet hatten, stürmte sie ins Badezimmer und wusch sich gründlich die Hände. Arnold sah ihr, noch immer belustigt, dabei zu und reichte ihr eine Flasche Desinfektionsmittel, die sie dankbar annahm. Der chemische Geruch beruhigte Linda wieder und sie konnte sich wieder auf etwas anderes als ihren Ekel konzentrieren. Während der Hund friedlich in seinem Körbchen schlummerte, aßen sie zu Abend und legten sich anschließend auf das große, bequeme Sofa. Linda war gerade dabei, in Arnolds Armen einzuschlummern, als der Hund plötzlich quiekte und zeitgleich seine Blähungen im Raum verteilte.
Ihr Mann fluchte laut, als ihm der Gestank in die Nase drang und musste anschließend lachen, während er sich die Nase zuhielt. Linda folgte seinem Beispiel und zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Ich fürchte, sie hat sich wirklich den Magen verdorben …“, murmelte sie und zog ihren Mann hinter sich her ins Schlafzimmer. Froh, dem Geruch entkommen zu sein, zog  Arnold sich das T-Shirt über den Kopf und sah seine Frau grinsend an. Diese legte den Kopf zurück und das zerzauste Haar hing ihr in das hübsche Gesicht.
„Also wirklich, erst schleifst du mich aufs Land, dann muss ich deinem Hund auch noch beim pupsen zuhören und ersticke dabei fast!“ meinte er neckend. Linda lachte und verzog die Lippen zu einem Schmollmund.
„Tut mir wirklich leid, mein Schatz. Fällt dir etwas ein, wie ich es wieder gut machen könnte?“
Sein Grinsen wurde noch breiter und er zog sie sachte zu sich auf das Bett. Das rotblonde Haar lag offen auf ihren Schultern und wurde noch zerzauster, als er ihr den dünnen Pulli über den Kopf streifte. Wie jedes Mal, nahm er sich einen Moment lang Zeit und betrachtete ehrfürchtig die perfekten Rundungen ihrer Brüste in dem zarten Spitzen-BH.  Liebevoll küsste er ihren Hals und zog sie auf seinen Schoß, während die freie Hand sich vorsichtig den Weg in ihre Jeans bahnte.
„Warte!“
Augenblicklich hielt er inne.
Linda sprang plötzlich auf und rannte blindlings ins angrenzende Badezimmer, wo sie sich mit einem lauten Stöhnen erbrach. Ein Schauder lief über seinen Rücken und er versuchte den Ekel zu unterdrücken, während er sich in den Türrahmen lehnte und sie besorgt ansah.
Sie hockte über der Toilette und hielt sich die Haare aus dem Gesicht, während immer neue Schwälle von weißem Erbrochenen aus ihr heraus strömten. Mit tränenverschleierten Augen sah sie zu ihm auf und wollte gerade etwas sagen, als sie erneut ins Innere der Schüssel blicken musste. Besorgt legte er ihr einen Bademantel um die Schultern und machte sich auf den Weg in die Küche, um ihr einen Tee zu machen, doch in dem Moment als er die Tür zum Wohnzimmer öffnete, schlug ihm ein widerliche Gestank in die Nase und er fluchte laut auf.
Er schaltete die Deckenbeleuchtung ein und erstarrte.
Der Hund lag nicht mehr in seinem Körbchen und eine blutige Spur führte quer durch das Zimmer. Er hielt eine Hand vor den Mund und zwang sich, der Spur zu folgen, während seine Frau sich noch immer lautstark übergab. Die Spur führte in den Flur .
Arnold erblickte die Hinterpfoten des Tieres und bog um die Ecke. Ein erstickter Laut drang aus seiner Kehle. Der Hund lag in einer Lache aus Blut, Kot und dem weißen Schleim. Mit vor Schock geweiteten Augen stolperte er zurück und stieß mit dem Rücken gegen die kalte Wand.
„Was zum Teufel …“
Plötzlich war es ganz still im Haus, nur das Pfeifen des nächtlichen Windes war noch zu hören. Seine Frau hatte aufgehört, sich zu übergeben.

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